„Üben heißt ganz oft vereinfachen“ – Sibylle Mahni über effektives Üben | what is practice
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„Üben heißt ganz oft vereinfachen“ – Sibylle Mahni über effektives Üben

Wie übt man effektiv, wenn eine Stelle einfach nicht funktionieren will? Für Sibylle Mahni liegt die Antwort nicht darin, noch mehr zu wiederholen. Stattdessen versucht die Hornistin und Professorin, das eigentliche Problem zu finden, es zu vereinfachen und daraus eine passende Übung zu entwickeln.

Im Gespräch über ihr Üben und ihre Musikerinnen-Karriere erklärt Sibylle Mahni, warum sie schwierige Stellen regelrecht unter die Lupe nimmt, weshalb Übungen und Musikstücke für sie unmittelbar zusammengehören und warum beim Üben nicht immer alles sofort funktionieren muss. „Das Schlimmste, was man machen kann beim Üben, ist ständig nur Fehler zu vermeiden“, sagt sie.

Wir sprechen außerdem darüber, wie Musikerinnen eine eigene musikalische Vorstellung entwickeln können, was Mahni aus dem Unterricht bei Marie-Luise Neunecker mitgenommen hat und warum Experimentieren ein wichtiger Teil des Übeprozesses ist. Dabei geht es auch um den Unterschied zwischen einer explorativen Übephase und dem gezielten Vorbereiten auf eine Performance.

Besonders konkret wird es bei der Frage, wie man schwierige Stellen üben kann: Statt ein Problem immer wieder im musikalischen Kontext zu wiederholen, empfiehlt Mahni, es zunächst zu verkleinern, die Ursache zu identifizieren und mit einer passenden technischen Übung daran zu arbeiten. Oder, wie sie es selbst zusammenfasst: „Üben heißt ganz oft vereinfachen.“ Ein Gespräch über Zielvorstellungen, Fehler, Aufmerksamkeit und die Frage, wie wir beim Üben lernen können, unsere eigenen Lehrerinnen zu werden.

Sibylle Mahni nach unserem Gespräch.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch

Wie kann man schwierige Stellen effektiv üben?
Sibylle Mahni empfiehlt, ein Problem zunächst zu vereinfachen: Statt die schwierige Stelle immer wieder komplett zu spielen, sollte man herausfinden, was genau nicht funktioniert. Anschließend lässt sich dieser einzelne Aspekt isoliert üben und Schritt für Schritt wieder in den musikalischen Kontext übertragen.

Sollte man Fehler beim Üben vermeiden?
Nein. Gerade in der ersten Phase des Lernens hält Mahni Experimentieren und das Zulassen von Fehlern für wichtig. Erst später verschiebt sich der Fokus in Richtung Performance und darauf, das Erarbeitete zuverlässig abrufen zu können.

Was bedeutet „Üben heißt vereinfachen“?
Mahni empfiehlt, bei Schwierigkeiten zu einem Punkt zurückzugehen, den man bereits bewältigen kann. Von dort aus wird die Herausforderung schrittweise erhöht. Gerade bei körperlich anspruchsvollen Aspekten des Instrumentalspiels hält sie es für kontraproduktiv, Fortschritt erzwingen zu wollen.

Welche Rolle spielt Aufmerksamkeit beim Üben?
Aufmerksamkeit hilft dabei, einzelne Parameter wie Klang, Intonation, Luftführung oder Artikulation bewusst wahrzunehmen. Mahni arbeitet deshalb gerne mit einfachen und langsamen Übungen, bei denen genügend Zeit bleibt, dem eigenen Spiel genau zuzuhören.

Rastergrafik
Ein Poster mit dem Titel „MEINE 10 ÜBE-GEBOTE“. Darunter folgen zehn Tipps für effektives Üben eines Musikinstruments, nummeriert von 1 bis 10. Die Tipps beinhalten Empfehlungen wie geduldig mit sich selbst zu sein, ausreichend Pausen zu machen, auf Klangdetails zu achten, Wiederholungen zu reduzieren, Klang und Technik zu verbinden, Übezeiten zu planen, Aufnahmen zur Kontrolle zu nutzen, langsam zu üben, auf eine entspannte Körperhaltung zu achten und Erfolge bewusst wahrzunehmen. Am unteren Rand befinden sich das Logo von "whipr." und ein QR-Code.

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Was Sibylle Mahnis eigenes Üben und Musizieren geprägt hat

Wann hast du zuletzt etwas geübt, das du noch wirklich nicht konntest?

Oh, das ist… Also sagen wir mal so, ich habe für ein Kammermusikfestival im Juni vorbereitet, ein Solostück, ein neu, für mich komplett neues Stück. Und ich habe es dann für mich irgendwann gelöst. Aber sagen wir mal so, es hat ein bisschen länger gedauert, als ich es gewöhnt bin. Bis ich so zu dem gekommen bin, dass ich sagen konnte, okay, jetzt bin ich auch einigermaßen zufrieden mit dem und kann es dann vielleicht auch im Konzert vortragen. Das würde ich mal dazu zählen.

Ja, aber gab es einen speziellen Grund, warum das da länger gedauert hat als sonst?

Ja, tatsächlich weniger technisch, als dass es sich mir erst mal nicht so richtig erschlossen hat. Und dann finde ich, ist es besonders schwierig, technisch auch wirklich dazu noch seine Leistung abrufen zu können, wenn man nicht wirklich genau weiß, was will man eigentlich sagen. Das ist ein ganz großer Bestandteil, würde ich sagen.

Das stimmt, ja. Da werden wir jetzt sicher noch mal drauf eingehen im Laufe des Gesprächs. Gibt es aktuell bei dir eine Musik, die in Dauerschleife läuft? Vielleicht eine Vorbereitung für ein Konzert oder sowas?

Nee, eigentlich nicht. Also ich bin sehr anfällig für Ohrwürmer tatsächlich. Aber da kann man mir den größten Blödsinn vorsetzen. Das bleibt tatsächlich leider in meinem Kopf. Ich muss gestehen, manchmal wache ich tatsächlich morgens auf und habe irgendwie ein Probespielkonzert, weil ich es einfach ständig höre im Kopf. Nee, aber sonst eigentlich speziell nichts.

Und es ist eigentlich ganz spannend, weil die Frage passt sehr gut an diese Stelle. Der letzte Gast, der hier im Podcast war, Jochen Neufer, der Dirigent vom Metropolorchester, hat eine Frage mitgegeben für den nächsten Gast, in dem Fall für dich. Wo ist dir schon mal Musik begegnet, wo du sie am wenigsten erwartet hast?

Das ist ja echt eine interessante Frage. Eigentlich unter anderem gestern beim Zahnarzt.

Im Behandlungszimmer?

Ja, tatsächlich. Und das habe ich noch nie erlebt beim Zahnarzt. Da lief Musik, also so ganz so ein bisschen Entspannungsmusik. Da dachte ich, das ist ja nett. Da ist mir aufgefallen und war ich eigentlich positiv überrascht, weil es wirklich eine nette Idee war.

Aber das ist ganz witzig, weil bei meinem Zahnarzt oft auch Musik und zwar Jazzmusik. Ohne dass sie wissen, dass ich Jazzmusiker eigentlich bin. Das finde ich ganz schön eigentlich, weil da gehe ich sehr gerne hin. Also ein Tipp an alle Zahnärzte, die zuhören sollten. Es macht den Besuch angenehmer.

Und auf deine eigene musikalische Karriere ist mal geschaut. Gibt es einen Künstler, Künstlerin, auch vielleicht eine CD besonders, die dich auf dein Spiel sehr geprägt hat?

Also sagen wir mal so, wenn wir jetzt beim Horn bleiben, ist es für mich damals, als ich Jugendliche war, war das Hermann Baumann. Der war einfach für mich der große, also einfach das Nonplusultra an Klang, an kraftvoll und trotzdem elegant. Ich habe sein Klavierkonzert quasi immer noch in den Ohren. Das war einfach sowas, was ich mir immer wieder angehört habe.

Und natürlich auch meine Professorin Marie-Louise Neunecker. Die war damals sowieso ganz am Aufsteigen sozusagen. Und natürlich habe ich sie auch als großes Vorbild immer gehabt und mehrere Aufnahmen angehört.

Ich habe ein paar Entweder-Oder-Fragen dabei. Für alle, die dich noch nicht so gut kennen, die lernen dich dadurch ein bisschen besser kennen hoffentlich. Du hast einen Joker. Das heißt, bei einer Frage kannst du die Antwort skippen, wenn es zu schwer wird. Bei allen anderen Fragen bin ich gespannt, wie du dich entscheiden wirst. Berlin oder Bern?

Oh, das ist fies. Da gibt es wirklich zwei Seiten. Aber gut, wenn ich mich entscheiden muss.

Gib doch den Joker.

Nee, aber das wäre ja dann schon. Nee, das mache ich nicht. Na, ich muss Berlin sagen.

Sofa oder Spaziergang?

Spaziergang.

Ist das so die typische Art und Weise, wie du entspannst?

Das mache ich sehr viel. Ich habe einen Hund und ja, ich mag das sehr gerne.

Geduld oder Gelassenheit?

Am liebsten Gelassenheit.

Wiederholung oder Variation?

Variation.

Aufschreiben oder merken?

Merken.

Und bist du kein typischer Übe-Tagebuch-Ausfüller?

Nee, ich selbst eigentlich nicht, obwohl ich es manchmal gerne empfehle. Aber das Aufschreiben bringt ja nur was, wenn man diese Gedanken weiterentwickelt.

Da hast du was dran, ja. Das heißt aber, kannst du das dann gut merken? Also hast du so einen roten Faden, den du dann trotzdem gut verfolgen kannst dann auch dann?

Ja, würde ich schon sagen.

Ja, das ist mir nämlich schwer. Ich bin ein Typ Aufschreiben auf jeden Fall. Sonst, alles weg.

Frühaufstehe oder Nachtäule?

In der Mitte ist am besten. Ich würde sagen Nachtäule.

Selten und viel oder wenig und oft?

Wenig und oft.

Und die letzte Frage, Routine oder Abwechslung?

Das ist ja auch eigentlich schwierig. Abwechslung.

Okay. Dann gehen wir ohne Joker sogar.

Stimmt. Wow. Also dann mit dem Bern, da bin ich mir irgendwie Berlin-Bern das Waffenhaus.

Machen wir rückwirkend einen Joker draus, genau.

Braucht effektives Üben immer ein konkretes Ziel?

Wenn du jetzt, wir schauen mal auf dein Musizieren jetzt und ich würde gerne das Pferd so ein bisschen von, im Prinzip von hinten auf zäumen, aber eigentlich am Ende doch von vorne. Und zwar würde ich gerne mit dem Ziel anfangen. Wenn du dich an ein Instrument setzt, weißt du normalerweise schon am Anfang von deiner Übereinheit, was am Ende anders oder besser sein soll?

Ich behaupte jetzt mal, dass das sicherlich etwas ist, was ganz wichtig ist und dass das vor allem natürlich die jungen Menschen, die sagen, wirklich von sich aus sagen, okay, ich möchte unbedingt besser werden, weil nur wenn ich besser werde, erreiche ich, was weiß ich, mein Ziel, ins Orchester zu kommen oder das und das Konzert spielen zu können oder sowas. Das habe ich ja nicht mehr ganz so. Also ich bin ja irgendwo gelandet sozusagen und habe einen, vielleicht einen Stand zu spielen, mit dem ich, sagen wir mal, mich zufriedengeben muss. Aber es ist nicht mehr so, dass ich wirklich sage, okay, ich will immer besser werden. Also das habe ich irgendwie auch, das habe ich ad acta gelegt sozusagen. Aber natürlich habe ich immer das, sagen wir mal, wir haben ja vorhin darüber gesprochen, bevor wir hier angefangen haben, ich übe eigentlich natürlich immer mit dem Ziel auf ein Konzert hin oder auf mehrere Konzerte hin oder so. Und dann übe ich mich ja immer wieder. Bei mir ist es so ein Auf und Ab von Fitnessstand auch. Also es gibt durchaus die Zeiten, wo ich zwischendurch wirklich wenig mache und dann auch nicht von mir behaupten kann, dass ich besonders fit bin. Und das ist eigentlich das, was ich am meisten im Moment mache, dass ich mich immer wieder fit mache für Konzerte. Aber nicht grundsätzlich etwas, was ich vorher noch nicht konnte. Das gibt es fast nicht mehr, würde ich sagen, dass ich etwas erarbeite, was ich tatsächlich noch nicht konnte.

Du hast aber vorher auf die erste Frage ja gesagt, dass es kürzlich ein Solokonzert gibt, was du jetzt hier erarbeiten musstest. Wenn man das mal als Beispiel vielleicht nimmt, um so etwas mal exemplarisch durchzudenken, bist du da dann trotzdem, als du es dann „verstanden“ hast, sag ich mal in Anführungszeichen, da mit einer konkreten Zielvorstellung an deinem Übengang, also wusstest du dann, okay, jetzt habe ich das verstanden, was die Komposition von mir möchte und wo ich auch hin will, auslagetechnisch, dass du dann sagst, naja, darauf will ich es achten in dieser Übereinheit ganz konkret und das möchte ich nach einer halben Stunde anders haben, als es jetzt ist. Also ist das so eine Art und Weise, wie du ans Üben herangehst oder trifft das gar nicht zu, wie du arbeiten würdest?

Doch, doch, bestimmt schon auch. Aber ich muss ganz klar auch sagen, bei vielen Stücken ist es ja bei unserem Instrument, bei unserer Instrumentengattung, hat ganz viel auch mit Kraft zu tun, sozusagen. Also das ist zum Beispiel etwas, was ich immer wieder und auch in dem speziellen Fall mir sehr wieder erarbeiten musste, dass ich das einfach kräftemäßig so durchhalte, dass man es mir nicht so sehr anhört, dass es wirklich anstrengend ist. So, das ist immer ein ganz, ganz großer Punkt. Und dieser, übrigens diese Sinnerfassung, die hat wirklich bis zum Tag des Konzerts eigentlich gedauert. Da habe ich nämlich Gott sei Dank dann auch den Komponisten getroffen und ich durfte es ihm dann vorspielen und dann haben wir hinterher quasi, also dann hat er mir gesagt, was er gehört hat. Gott sei Dank war er glücklich. Und dann fing es eigentlich so richtig an bei mir, dass ich so dachte, ja, stimmt! Das war schwierig für mich, da so ein, also mir ein Ziel zu setzen und zu sagen, okay, und heute will ich das und das. Das musste irgendwie zu mir kommen. Das konnte ich nicht planen. Und sagen wir mal, das ist mir auch schon lange nicht mehr so passiert oder war schon lange nicht mehr so, dass ich wirklich Mühe hatte, erst mal etwas zu erfassen. Das will übrigens überhaupt nicht heißen, dass das Stück jetzt irgendwie schlecht war. Gar nicht. Aber es war einfach für mich irgendwie erst mal schwierig, da einen Zugang so zu finden und wirklich so quasi die Seele in der Musik, also die wirkliche

Seele in der Musik zu finden. Das heißt, um einfach das ein bisschen konkreter zu machen, in dem Fall war dann das Üben eher auf so ein körperliches Gefühl von Ausdauer. Ja.

Ich schaff das Stück. Ja. Okay. Absolut. Und auch, was weiß ich, die verschiedenen Lagen, die da durchaus vorkamen von ganz hoch bis ganz tief und das im ständigen Wechsel und so und sehr laut und sehr leise und so. Also einfach schon ein bisschen die Grenzen austariert und das ist einfach, sagen wir mal, man weiß, man hat das auch schon gekonnt

und hat es auch irgendwie drauf, aber da musste ich mich wieder hinarbeiten. Okay. Das wäre echt ganz spannend, um da mal so eine kleine Klammer aufzumachen für später. Du hast mich vorher auch, bevor wir aufgenommen haben, was Spannendes gesagt mit dem ja leichter machen und reduzieren auf was Konkretes. Sollte man da mal eine Klammer setzen? Wir werden gleich über die Methoden und Werkzeuge reden, wie man vielleicht da sich Sachen auch dann leichter machen kann, um sowas sich zu erarbeiten, so Lagenwechsel und sowas, was ganz konkret dahingeht. Ich habe natürlich in der Vorbereitung auch ein paar Sachen angehört und versucht durchzulesen von Marie-Luise Neunecker und bin auf etwas gestoßen, was ich ganz spannend fand und zwar wurde ihr ja nachgesagt, dass sie ein sehr gutes Talent darin hatte, bei ihren Studierenden diese innere Stimme zu fördern und herauszuarbeiten. Kannst du noch sagen, wie sie das bei dir gemacht hat und wie so ein Prozess von, wie finde ich meine innere musikalische Stimme und meinen eigenen Ausdruck auf dem Instrument, wie so ein Prozess

ausgesehen hat bei euch? Ja, also ich habe mir darüber auch echt tatsächlich einige Gedanken gemacht, weil ich natürlich jetzt manchmal auch vergleiche meine Arbeit jetzt als Professorin mit meinen Studierenden und dem, was ich als Studierende bei ihr erlebt habe und tatsächlich kann ich sagen, dass in der Kürze liegt die Würze. Also sie hat damals zumindest aufgrund ihrer Lebensumstände und als Solistin tätig und was weiß ich, nicht so üppig viel Zeit gehabt für uns Studenten. Und wir hatten wirklich, also ich hatte maximal meine 60 Minuten in der Woche, allerdings war sie wirklich regelmäßig da. Also sie war keine Lehrerin, die irgendwie ständig wochenweise dann gar nicht anwesend war. Sie war da, aber es war dann wirklich sehr getaktet und sie hat dann auch nicht irgendwie großartig überzogen oder irgendwie so. Und ich denke, dass das sogar gut ist, dass man also eine definierte Zeit hat, in der man sich miteinander beschäftigt und also im besten Sinne miteinander beschäftigt, weil Lehrer mit Student und umgekehrt. Und dass man dann auch wirklich, ich glaube, dass man dann am stringentesten arbeiten kann, wenn man eben genau weiß, okay, ich habe jetzt diese Stunde und ich muss da versuchen, so schnell und gut wie möglich auf die Essenz zu kommen, die gerade im Moment wichtig und dran ist. Und da war sie extrem gut. Also da finde ich sie brillant. Sowohl, ich würde sagen sowieso technisch, also dass sie einen immer genau da abgeholt hat, wo man gerade war und ganz klare Anweisungen, sehr einfache Anweisungen geben konnte, was man verbessern soll und kann. Und da brauchte sie eben nicht Stunden für, sozusagen. Aber auch musikalisch kann ich mich noch ganz gut daran erinnern. Da musste ich irgendwie für das Mozart mal so als ganzes Konzert, weil ich das mit dem Hochschulorchester spielen durfte und so. Ich glaube, ich habe einen Unterricht bei ihr gehabt, wenn ich jetzt manchmal denke, manchmal unterrichtet man das drei, vier, fünf Mal irgendwie. Ich hatte diesen einen Unterricht bei ihr und ich habe es noch in meinen Notenständen stehen. Ich habe mir dann aufgeschrieben „Fritz Wunderlich, die schöne Müllerin“. Da hat sie mir einfach den Tipp gegeben, hören Sie sich das mal an, dann verstehen Sie, was ich meine. So, ja. Also einfach so ein bisschen auch so kleine Impulse gegeben. Und irgendwie, ja, immer auch darauf, glaube ich, ist sie darauf eingegangen, dass man wirklich mit Seele spielt, es wirklich tief empfindet, was man tut. Aber auch so ein bisschen den Perspektivwechsel nach außen, dass man immer als Solist natürlich projiziert, dass man irgendwie raus, also den Klang projiziert und so. Aber es hat sie mit wirklich, deswegen sage ich, in der Kürze liegt die Würze. Sie konnte das kurz und knapp und prägnant sagen. Ich konnte es mir gut merken. Ich habe es nie aufgeschrieben hinterher. Tatsächlich, damals gab es auch noch nicht diese ganzen Sachen von wegen Aufnahmegerät und so weiter. Also man hat keinen Unterricht aufgenommen. Aber es sind so viele Dinge auch jetzt noch in meinem Kopf, nach irgendwie, keine Ahnung, wie viele Jahre, 30 Jahre her sozusagen. Und ich würde sagen, es liegt daran, dass sie eben nicht zu viele, sondern genug Worte benutzt hat, aber nicht mehr.

Und würdest du dann sagen, das kann man lernen, so eine musikalische Vorstellung zu entwickeln? Also durch, wie du es so beschrieben hast, Einflüsse von außen, in einer genauen Vorstellung. Also lernt man das? Kann man das lernen?

Wenn ich das jetzt zum Beispiel gerade auf so ein Mozart-Konzert beziehe, das ist ja die Sprache schlechthin, die jeder Musiker irgendwann braucht, um zum Beispiel schon alleine Probespiel beim Orchester zu machen. Es gibt eigentlich quasi fast kein Instrument, wo man nicht Mozart spielen muss. Da muss man halt Haydn spielen, wenn kein Mozart. Ich glaube, das findet ja schon vorher statt. Also es findet ja nicht unbedingt nur während des Studiums statt. Ja, man hört ja schon als Kind und als Jugendlicher dann irgendwie Aufnahmen. Man geht vielleicht im besten Fall ins Konzert oder in die Oper und ist schon geprägt. Der Professor oder die Professorin sucht sich ja dann auch schon Leute aus, wo man denkt, das kann passen. Also ich suche mir nicht jemanden aus, wo ich so denke, oh mein Gott, also damit kann ich jetzt gerade gar nichts anfangen, wie das musikalisch ist. Also das ist ja schon ein bisschen vorgegeben dann. Und dann sind es, natürlich habe ich auch schon viel Studierenden erklärt, wie ich denke, wie die Phrasen irgendwie gebaut sind und so weiter. Aber eben so ein Grundverständnis und auch ein, ja, das ist ja Voraussetzung, so ein Grundverständnis und ein Empfinden der Musik. Und dann ist das nur noch Feinarbeit. Das ist sicherlich auch Geschmackssache, aber eben diese Geschmackssache entscheidet sich eigentlich vorher schon sozusagen. Deswegen würde ich jetzt nicht sagen, dass ich das komplett neu baue bei jemandem. Da kommt ja jemand, der schon einfach was mitbringt sozusagen. Und dann ist es immer, ich meine, sie hat schon auch ganz klar gesagt, also sie würde das jetzt so und so machen und sie würde da laut und da leise oder da abphrasieren oder irgendwie, ja, so ganz klare, konkrete Sachen. Und trotzdem denke ich, dann da drin in einem bei uns Klassikern recht engen Korsett sozusagen, aber da trotzdem die eigene Stimme zu finden und die eigenen Nuancen, ganz viel ist ja auch Klang, Farbe und so. Das war zum Beispiel auch ganz stark bei ihr, dass sie ganz oft gesagt hat, na ja, und jetzt spielen sie das doch noch mal ein bisschen dunkler und inniger. Ich habe ja nie dunkel gespielt, so kann ich gar nicht. Aber schon allein nur mit dieser Vorstellung, also kleine Nuancen und eine Farbigkeit, das hat sich schon sehr gefördert und gefordert. Aber sie hat schon natürlich ihre Ideen erst mal so ein bisschen gegeben und dann konnte man das dann, denke ich, jeder entwickelt das dann für sich quasi wie automatisch dann weiter.

Das ist auch ein spannender Punkt für alle, die jetzt nicht unbedingt an der Hochschule sind und diese regelmäßige Eins-zu-eins-Betreuung da genießen können. Mit diesen Gefühlen, Farben und auch so Emotionen versuchen rumzuspielen und zu gucken, was das mit der Vorstellung macht, wenn man Stellen in einem anderen Blick mal einfach sich anguckt und versucht herauszufinden, wo man näher an das Ideal auch vielleicht kommt, was man vielleicht im Kopf hat schon, wenn es auch nur diffus ist, aber wie man vielleicht durch so eine ganz krasse Gegensätze mal durch Herumspielen, Rumexperimentieren dahin kommen kann, was du gerade beschreibst. Durch so eine, naja, Dunkel, auch wenn ich nicht dunkel spiele. Ähnlich finde ich ein schönes Wort. Also in irgendeinem Fall spielen. Das ist eigentlich voll schön.

Warum Fehler beim Üben wichtig sind – und Experimentieren dazugehört

Ja, ja, absolut. Ja, das ist ein gutes Stichwort eigentlich, dieses Herumexperimentieren. Also ich würde sagen, wir haben ja beim Üben, egal auf welchem Level wir sind, also das geht ja Laien genauso an wie eben Musikstudierende oder eben auch Leute wie ich, die schon lange im Beruf sind und so. Wir haben immer verschiedene Stadien des Übens und ein ganz großes und wichtiges Stadium ist tatsächlich dieses ganz am Anfang, wenn man ein Stück zum Beispiel kennenlernt, ja, ist halt eben erstmal kennenlernen und ein bisschen, und da kann man ja auch mal was falsch machen und so. Und eben auch Herumexperimentieren. Also wenn jetzt zum Beispiel jemand gerne möchte, sagen Sie, ja, ich möchte so gerne, dass mein Klang irgendwie noch ein bisschen besser wird, sozusagen. Ist vielleicht dann auch ganz gut zu überlegen, was heißt denn besser? Also was genau ist es? Also je genauer man weiß, was man will, desto leichter kann man es vielleicht auch erreichen, dass man versucht, sich das irgendwie wirklich dann vorzustellen. Okay, aber was klarer oder runder oder voller oder größer oder was auch immer. Und dann kann man ja schon mal damit ein bisschen arbeiten. Und aber dieses Ausprobieren und dann entscheiden und nicht vorher zu viel denken, weil dann engt man sich ja wahnsinnig ein. Also das ist zum Beispiel was, was ich eigentlich am liebsten hätte und auch gerne fördere, dass ich sage, okay, welche Möglichkeiten haben wir jetzt zum Beispiel musikalischer Art, was weiß ich, die und die Stelle bei einem Konzert oder bei einem Stück eben zu gestalten? Was haben wir da? Und dann kommen vielleicht verschiedene Ideen. Und das Beste ist aber dann, dass man nicht nur darüber redet und sich schon entscheidet, sondern dass man sagt, okay, die Möglichkeit gibt, okay, ich spiele mal, die Möglichkeit gibt es noch eine andere, das spiele ich jetzt auch mal und so. Weil manchmal ist es so, dass man beim Spielen und beim Ausprobieren eben spürt, oh, das ist meins, das fühlt sich toll an. Und es kann durchaus tatsächlich dann mal was sein, weil das ein Student von mir vielleicht eine Stelle dann wirklich anders gestaltet. Und ich sage, ja, aber das klingt logisch. Und wenn das für dich das Schönste ist, dann ist das wunderbar so, weil es gibt immer verschiedene Möglichkeiten. Aber das wirklich auszuprobieren, das finde ich total wichtig. Und dann geht es natürlich irgendwann weiter. Dann hat man es natürlich vielleicht dann mal entschieden, wie man es dann zumindest für die nächsten Wochen oder so machen möchte. Man kann es auch immer anders machen. Und dann aber dann zu sagen, okay, und jetzt gehe ich langsam Richtung Performance sozusagen. Also, dass ich das wirklich trainiere, dann auf den Punkt zu bringen und so. Aber eben dieses Ausprobieren, auch Fehler zulassen, das ist ja extremst wichtig. Und das Schlimmste, was man machen kann beim Üben, ist ständig nur Fehler zu vermeiden. Das ist das Dümmste, was man tun kann.

Üben oder Performance-Üben? Warum beide Phasen andere Strategien brauchen

Du hast gerade ein spannendes Stichwort gegeben, finde ich. Du hast gerade so dann eigentlich quasi wie so diese Übe-Phase, dieses Explorieren und Herausfinden und so. Und dann dieses Performance-Üben, Unterschieden. Ist das was, was du auch bewusst so selber machst, gemacht hast und deinen Studierenden vermittelst, dass man diese Phasen unterscheidet?

Ja, würde ich absolut sagen. Also vielleicht gibt es da auch ein bisschen fließende Übergänge, ja. Aber ja, durchaus. Also, dass man dann irgendwann zum Beispiel sagt, ich meine, vielleicht noch so ein anderes Beispiel, wenn ich Orchesterstellen irgendwie üben muss und gerade vielleicht für jemanden, der das noch nie gemacht hat. Irgendwann fängt man ja immer irgendwie neu an. Und dann zu sagen, na ja, erst mal gucke ich mir vielleicht die Noten an, ich spiele das mal. Dann komme ich vielleicht ganz schnell drauf, dass ich sage, oh, vielleicht sollte ich mir das Stück mal anhören. Weil irgendwie weiß ich ja noch gar nicht, in welchem Kontext das ist und was das überhaupt soll und so. Und dann mit dieser, wenn man sich dann vielleicht mal was angehört hat, dann weiterzuarbeiten und dann immer mehr natürlich in die Feinheiten zu kommen. Aber ich brauche ja erst mal eine Grundidee. Wenn es was technisch Schweres ist, muss ich vielleicht auch überlegen, okay, wie komme ich jetzt da hin? Also im Moment kann ich das nicht sofort. Und das ist ja genau das, was wir beim Probespiel dann wirklich extrem brauchen, ist so dieses auf den Punkt herausgenommene Stellen. Und das ist zum Teil wirklich schwer. Aber da auch dann hinzukommen, also dann, wenn ich es musikalisch erfasst habe, wenn ich die Töne irgendwie spielen kann, wenn ich es harmonisch vielleicht noch ein bisschen verstanden habe und so. Und dann vielleicht irgendwann zu sagen, okay, aber jetzt ist es noch technisch echt so was. Ich denke jetzt, Ravel Klavierkonzert ist ein Solo drin für das erste Horn. Es ist halt einfach sehr hoch. Und für manche, ich meine, manchen fällt es leicht, manchen fällt es aber auch nicht so leicht. Und die Töne sind so hoch, dass man sich da schon auch dann hinarbeiten kann. Aber dann brauche ich vielleicht ein bisschen eine technische Anleitung. Ich brauche vielleicht auch nicht die ganze Zeit nur an der Stelle üben. Das ist nämlich meistens gar nicht so gut, sondern ich überlege mir irgendwie Übungen dazu, wie ich sozusagen eine leichte Höhe irgendwie mit Übungen begünstigen kann. Lauter solche Sachen. Das ist ein Riesenprozess sozusagen. Also dass man da immer irgendwie intelligent dran bleibt und überlegt, wie komme ich da zu diesem Ziel, das wirklich auf den Punkt zu bringen am schnellsten hin? Was bringt mich jetzt wirklich dahin? Und manchmal ist es eben von dem Stück oder von dem Teil oder was wegzugehen und zu überlegen, okay, dann überlege ich mir jetzt mal eine Therapie

dafür sozusagen. Das finde ich einen guten Punkt. Dann lassen wir uns doch mal an der Stelle die Klammer, die wir vorher aufgemacht haben mit den Werkzeugen, wo wir gerade schon über Werkzeuge und mögliche Wege sprechen, mal versuchen zu schließen. Wir haben ja jetzt eigentlich quasi den Zwischenschritt, den wir vorher ja nicht übersprungen haben, wir haben ihn vorher so ein bisschen, ja doch, übersprungen haben wir ihn so ein bisschen mit dem Ziel. Haben wir jetzt ja doch im Prinzip, wenn wir jetzt quasi mal beim Ravel-Klavierkonzert diese hohe Stelle einfach mal nehmen, und quasi da ein Werkzeug wäre zum Beispiel für dich in dieser, ich nenne es mal Performance, ich habe letztens lustigerweise, das kennst du vielleicht auch, das Buch von Molly Gapron, diese amerikanische Neurowissenschaftlerin und Bratschistin: “Learn faster, perform better“ und da habe ich zum ersten Mal drüber gelesen.

Ich habe darüber gehört, ja.

Genau, das ist glaube ich in aller Munde gerade.

Ja, ja.

Und die war letztens zu Gast im Podcast hier und da habe ich zum ersten Mal auch wirklich so mal drüber gelesen, diesen Unterschied machen zwischen einer Übe-Phase und, sie nennt es auch glaube ich Performance-Ready-Phase.

„Üben heißt vereinfachen“: Wie man schwierige Stellen effektiv übt

Und das finde ich ganz spannend, also wenn man jetzt quasi mal diese Ravel-Stelle nimmt und man hat jetzt quasi ausgesucht, um damit Probespiel zu spielen, dann ist es quasi für dich, wenn ich es richtig verstanden habe, in der ersten Phase, in diesem Heraus-Experimentieren, wenn mir das Hochspielen nicht so leicht fällt, was wäre denn ein Umweg, um quasi sich das zu erschließen?

Ja, also sagen wir mal so, diese Stelle sollte natürlich niemand spielen, der einfach sagen wir mal, also ganz salopp gesagt, noch nicht so weit ist. Also es muss schon die Möglichkeit bestehen, weil sonst ist es, also ich würde jetzt, das ist ja genau auch das, was man dann vielleicht überlegt, okay, ist Student XY irgendwie wirklich bereit, um jetzt das und das Probespiel irgendwie zu machen? Das vielleicht vorweggeschickt, weil man kann nichts erzwingen. Und gerade diese, sich diese Extremlagen sozusagen für beim Horn zu erschließen, kann man nicht erzwingen, sondern man muss, man kann nur Stück für Stück und Schritt für Schritt dahin gehen. Aber letzten Endes ist für mich ganz wichtig, ich sage ganz oft, also Simplify, es gibt ja so ein berühmtes Buch, Simplify Your Life und so, da geht es zwar um andere Sachen, aber tatsächlich, finde ich, üben heißt ganz oft vereinfachen. Also zu dem Punkt zurückgehen, den ich schaffe.

„Üben heißt ganz oft vereinfachen. Also zu dem Punkt zurückgehen, den ich schaffe.“

Sibylle Mahni

Und von dem Punkt aus zu gehen und zu sagen, das kann ich und jetzt versuche ich immer wieder so ein ganz kleines bisschen die Grenzen sozusagen auszutarieren. Also aber um jetzt eben gut hochzuspielen, bringt es auch vielleicht sogar noch nicht mal was, ständig an die Grenze zu gehen, wenn ich merke, ich habe heute einen Tag, wo das einfach nicht gut läuft, also es schwingt nicht richtig. So, das gibt es ja manchmal. Dann, das ist ja genau das, womit wir Blechbläser vielleicht besonders echt was zu tun haben, dass wir nicht sagen können, naja, ich haue einfach noch eine Stunde drauf, dann kompensiere ich irgendwie irgendwas. Sondern wenn Schluss ist, Schluss.

Also wenn die Muskulatur nicht mehr mitmacht, dann verletzen wir uns selbst, wenn wir weitermachen. Und auch da muss man natürlich ein bisschen unterscheiden können, aber gerade wenn es um eine leichte Höhe geht, wäre es Blödsinn, dann eben immer weiter hochzuspielen. Also ich glaube, was sehr helfen kann, ist dafür in der Mittellage zum Beispiel zu üben und drauf zu achten, was weiß ich, dass ich da möglichst wenig Druck verwende und es so ein leichtes Gefühl wie möglich vom Ansatz her ist und im Kontakt mit dem Mundstück und so.

Und dieses Gefühl dann weiterentwickeln, wieder in die Höhe, weil es dann meistens nämlich ein bisschen besser geht und so. Also es ist immer so ein bisschen, das eben mit Köpfchen und Achtsamkeit sich selbst gegenüber zu betreiben. Und dann kommt man da irgendwann hin. Aber das ist manchmal vielleicht auch ein jahrelanger Prozess.

Ja, das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt, was du sagst, dass man achtsam mit sich selber ist, dass man da auch auf die Grenzen, glaube ich, hört, die der Körper einem gibt. Weil ich glaube, vor allem bei uns Bärchenpilzern ist es ja oft so, dass man auch gerne mal Ursachen und Symptomen verwechselt und dann quasi was macht, was aber eigentlich gerade kontraproduktiv ist, langfristig gesehen. Aber in der Hoffnung, dass es halt kurzfristig zu einem Erfolg führt. Wie erlebst du sowas bei dir?

Also ich habe es leider, ich erlebe es tatsächlich auch immer noch manchmal. Ja, aus so einer, vielleicht auch ein bisschen so einem Stress heraus, dass man so denkt, ich muss jetzt irgendwie ganz schnell auf ganz viel Kraft kommen und Mist, ich habe irgendwie ein bisschen zu spät angefangen damit oder so. Und das passiert immer noch, dass man dann so denkt, na toll, das kennen wir ja auch schon wieder. Also eigentlich bin ich zu alt für sowas. Aber ja, dass man halt ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen ist, was tatsächlich fies ist, finde ich manchmal.

Ich meine, da habe ich sicherlich Kollegen, die da einfach, wie soll ich sagen, robuster veranlagt sind als ich. Aber dass man auch gerade, wenn es dann so richtig gut läuft, dass man dann zu lang macht, weil man dann anfängt, auch richtig Freude dabei zu kriegen und denkt, boah, das läuft jetzt und so. Und dann rächt es sich dann doch irgendwie am nächsten oder übernächsten Tag. Das ist natürlich ein bisschen blöd. Also da bin ich wahrscheinlich auch empfindlich geblieben, würde ich sagen. Also nicht mehr so empfindlich wie als Studentin. Aber durchaus muss ich da schon auch Acht geben und aufpassen. Vielleicht kann ich deshalb auch manchmal die Studierenden ganz gut verstehen, dass es einfach ein Auf und Ab manchmal immer noch ist. Und sie wünschen sich, dass sie immer das Horn in die Hand nehmen und es läuft immer. Aber so ist das halt nicht immer. Aber dass man sich dann auch immer wieder daran festhält und weiß, ja gut, aber das letzte Mal hat es ja auch geklappt und dann ging es dann. Ich weiß ja, wie ich damit umgehen kann und so. Da muss man halt dann ein bisschen geduldig mit sich selbst sein.

Ich glaube, dass der Spruch „Aufhören, wenn’s am Schönsten ist” selten so wahr ist.

Ja, absolut. Also das ist gerade bei uns im Instrument vielleicht dann doch auch ganz gut so.

Warum funktioniert die schwierige Stelle nicht? So findet man die Ursache

Das finde ich ganz spannend. Also das ist eigentlich zwei, finde ich, sehr interessante Methoden in den Werkzeughörer gepackt, die wir mitnehmen:

Und zwar das eine ist diese Achtsamkeit im Sinne von „Ich höre mir gut zu“. Also ich höre wirklich, wie mein Instrument reagiert, spüre auch vielleicht, wie das Instrument reagiert. Geht das leicht, geht das mit wenig Widerstand? Also bin da wirklich achtsam auf die Reaktion, die ich da unmittelbar bekomme.

Und das zweite finde ich sehr spannend, dieses Herunterbrechen auf Dinge, die ich schon kann. Also quasi das Herausfinden von „Was ist eigentlich das Problem an der Stelle gerade?“ Also wo ist es ja selten irgendwie drei Takte lang schwierig, sondern es ist ja eine Stelle, wirklich ein Tonwechsel, ein Sprung, irgendwie sowas. Und woran liegt es, dass das nicht funktioniert? Und das herauszufinden und darauf sich eine Übung zu suchen, ist, glaube ich, auch die Kunst beim Üben in so einer Phase.

Das erinnert mich gerade schön an das, was du vorher meintest, mit dem sich auch beschäftigen damit vorher und so, sich wirklich zu gucken, wie man mit dem Material umgehen muss, um genau das herauszufinden und weniger so ein „Ich lege es auf und fange an“, sondern vielleicht die 60 Sekunden vorher, einmal kurz investiert in „Na ja, wo liegt denn das Problem eigentlich hier gerade?“

Genau. Also ich habe zwar vorhin ja auch gesagt, also nicht immer alles erstmal nur denken und dann direkt vom Gedanken her entscheiden, aber da ging es um musikalische Variationen sozusagen oder Möglichkeiten. Also was ich schon als tatsächlich als Jugendliche viel gemacht habe, ist so, das mag ich sehr gerne, weil wenn ich zum Beispiel an einem Stück übe und das mache ich immer noch so manchmal und dann läuft ja vieles. Ja, das muss ich ja nicht ständig wiederholen, nur damit ich es wiederholt habe. Wenn es läuft, dann ist doch gut.

Aber wenn irgendwas ist, wo ich sage, das ist jetzt wieder nicht so ganz und da bin ich noch nicht da, wo ich sein möchte, dass ich dann wirklich das extrahiere und dann mir genau angucke, eben woran liegt es.

Ist es eine rein technische Sache?

  • Ist irgendwas, was weiß ich, kann ich irgendwas mit meinem Ansatz machen?
  • Kann ich was mit der Luft machen?
  • Ist es beides?
  • Ist es eine Tonkombination, die irgendwie blöd ist und so?
  • Sind es die Finger?

Aber da wirklich so die Lupe drauf zu halten. Und genau das anzugucken und dann findet man meistens nämlich wirklich die Ursache und kann die dann auch viel leichter beheben.

Also ich würde sagen, das ist etwas, was ich tatsächlich beim Klavierüben als Jugendliche und Kind sehr gelernt habe. Und das wirklich so zu umkreisen und beziehungsweise den Bereich immer kleiner zu machen, so dass es irgendwann gar kein Problem mehr ist, sozusagen im besten Fall. Beziehungsweise ich weiß vielleicht, ja, das ist eine schwere Stelle.

Ja, eine Stelle kann ja auch schwer bleiben, aber sie ist bewältigbar. Und dann wiederum die gemachte Erfahrung im ganz kleinen Kontext. Das klappt schon dann ja zum Beispiel. Das dann wiederum, also manchmal ist es ein Gefühl, ein Spielgefühl, was ich vielleicht bei Zweitönen habe, bei Fünfen aber schon verliere. Ja, aber das immer wieder. Und dann gehe ich halt immer so oft zurück zu den Zweitönen, bis mein Körper das verstanden hat. Also quasi ich selbst bin der Lehrer meines Körpers.

„Ich selbst bin der Lehrer meines Körpers.“

Sibylle Mahni

Das finde ich zum Beispiel auch ganz, ganz wichtig, dass man sagt, ja, nur weil ich das jetzt im Kopf verstanden habe, heißt es noch lange nicht, dass der Körper das genau so ohne Probleme einfach machen kann. Und das ist zum Beispiel etwas, was ich sehr gerne mache. Was ich auch sehr gerne mache, ist eben dann, also das quasi zu extrahieren oder zu sagen, okay, ich habe hier ein grundsätzliches Problem. Was weiß ich? Ich habe hier zum Beispiel ganz platt gesagt, meine Tiefe war auch mal besser früher und ich muss hier aber irgendwie gerade tief und knackig spielen. Ja, dann übe ich halt mal. Dann gehe ich direkt sofort aus dem Stück raus und mache mal ein, zwei Übungen für die Tiefe, ein bisschen Stabilität, was man halt so machen kann und gehe mit dem Gefühl wieder zurück zu der Stelle. Meistens ist es dann besser.

Also ich finde, was vielleicht schade ist, ist, wenn man zu sehr schematisch vorgeht beim Üben, okay, jetzt mache ich eine halbe Stunde Einspielen und dann mache ich eine Stunde die Etüde oder keine Ahnung und dann mache ich das Stück, sondern dass man sagt, ja, ich spiele mich warm. Das muss vielleicht sein, bevor ich jetzt irgendwas furchtbar Schwieriges spiele. Wenn ich warm gespielt bin, sollte eigentlich sowieso theoretisch mehr oder weniger alles gehen. Und dann am Stück zu üben und immer je nach Bedarf dann zu sagen, oh, jetzt brauche ich die Übungen, jetzt könnte ich mal ein bisschen auf mein Legato achten, mache ich eine Legato-Übung. Ich könnte mal ein bisschen auf die und die Lage achten, mache ich mal irgendwie. Also dass man wirklich Übungen benutzt, um Dinge besser zu machen. Ich glaube, das wird bei vielen vielleicht noch viel zu sehr getrennt. Also ich mache jetzt Übungen, mache ich alle Übungen und dann mache ich das Stück und komme aber nicht auf die Idee, dass die Übungen doch einen Sinn haben und mir helfen können, um, also bei mir ist es zum Beispiel oft eben auch ein Spielgefühl, was ich dann mitnehmen kann und der direkte Vergleich unmittelbar nach einer Übung zu sagen, ah, jetzt das war gut und jetzt kann ich das im Stück wirklich anwenden. Das ist manchmal so ein Aha-Erlebnis und so motivierend auch. Das würde ich unbedingt sehr gerne sehr empfehlen.

Oder was auch, glaube ich, ganz gut passt, ist die Idee von der Übung mitten in dem Ende des Stück. Ich denke da immer ganz gerne an diese A-Bahn-Übungen, das gibt es bei Hornholtz vielleicht genauso. Diesen Intervallsprung, den man machen kann, um für sich Höhe oder Tiefe zu erschließen. Die lassen sich auch problemlos auf Stücke transportieren, um quasi so nicht zu sagen, dass du gerade sagst, das ist eine Übung, die ist dann und dann ist da Musik und beides hat eigentlich nichts mehr dazu zu tun, aber das ist eigentlich Quatsch. Was ich interessant gerade finde, was du meintest, du hast es beim Klavierspielen, so dieses um dieses Problem herumkreisen entdeckt. Hast du eine Theorie, warum das beim Klavierspielen dir eher zugefallen ist als beim Horn oder?

Das ist mir nicht zugefallen. Das ist mir nicht zugefallen. Ich hatte einfach sehr gute, aber auch sehr strenge Lehrer. Und da wurde mir ganz genau, ich habe die Ordner immer noch von, als ich da so zwischen 10 und 16 war sozusagen, da war das am intensivsten mit den Anweisungen. Da waren ganz klare Anweisungen da, das war ganz klar benannt, okay, die Übart und so und so und in die Noten geschrieben. Manchmal, wenn schwierige Abläufe waren, dass man so die mittleren zwei Töne erstmal und dann den davor und den danach und dann den davor und der, also dass es sich immer vergrößert und so, ich habe die Noten voll damit. Also ich habe da wirklich, also ich bin gezwungen worden.

Also hast du ja voll viele, also auch nicht so schlimm, wie das gerade klingt, aber hast du wahrscheinlich auch so voll viele ganz konkrete Übe-Varianten und Methoden, die du auch mitnehmen können für Soundspielen später.

Absolut, eben, das sage ich. Also genau, und das ist irgendwie, aber bei den Pianisten, ich glaube, wenn die das nicht machen würden, dann würden sie nie auf den grünen Zweig kommen. Das ist einfach viel zu viel Text. Und wir Blechbläser sind da manchmal auch so ein bisschen einfallslos vielleicht, weil wir müssen eben nicht so viel Text lernen. Und mit gezwungen worden möchte ich nur klarstellen, also ich habe nicht darunter gelitten, es hat mir Spaß gemacht, aber ich meine, ich hatte ganz klare Anweisungen. Also ich fand es cool. Und ich habe viel dabei gelernt, also von daher. Und ich habe wirklich beim Klavier, ich meine, ich bin jetzt keine Pianistin, aber ich habe damals wirklich das Gefühl gehabt und das ist was ganz Großartiges, es gibt kein Problem, was ich nicht lösen kann, was ich nicht lernen kann, es gibt nichts, was ich nicht lernen kann.

Das finde ich genial.

Das ist ein cooles Gefühl auf jeden Fall, ja.

Also es gibt keine Grenzen in dem Sinne, ja gut, okay, das werde ich nie können. Das gab es nicht. Und das gibt es, weiß ich nicht, manchmal denke ich, ja, vielleicht gibt es das eher noch auf einem Blasinstrument, weil es gibt eine Physis, mit der wir zu tun haben und das super Zweiter Trompeter wird vielleicht trotzdem nicht der Wahnsinn-Solotrompeter werden, aber für seinen Beruf ist er höchst geeignet zum Beispiel. Oder bei uns eben tiefe Hornisten, hohe Hornisten. Am tollsten ist, wenn man alles kann. Trotzdem gibt es so Veranlagungen, die halt einfach immer wieder durchschimmern. Dann wäre es ja blöd, wenn man nicht das machen kann, was man besonders gut kann. Auch da achtsam in seinen Stärken umzugehen.

Und stolz drauf sein.

Ja voll.

Wie kann man Fortschritte beim Üben erkennen und festhalten?

Jetzt habe ich vorher gelernt, du bist nicht so der Aufschreiber, sondern eher der Typ der sagt, okay, jetzt haben wir quasi bei so einem, ich nenne es mal in Anführungszeichen, Projekt uns da gebastelt und gesagt, wir waren beim Ravel-Konzert ja immer noch und erschließen es jetzt so mit Übungen und Mittellage, mit dem Entspannspielen und leicht und so. Wie misst man dann Fortschritt? Also das ist ja oft auch so ein bisschen das Ding, dass man, man kann ja üben und ganz lange nicht merken, dass es besser wird, bevor es quasi nochmal so sprunghaft einen Anstieg gibt. Das schreibe ich auch gerne auf, weil ich immer so das Gefühl habe, naja okay, zumindest habe ich da für mich so was dokumentiert fürs Gefühl und kann irgendwie nochmal so mit Smiles reingemacht, ob das ein guter, übel Tag war oder nicht und sowas. Hast du so ein Gefühl auch manchmal, dass du das dokumentieren musst, wie du Fortschritt erfasst oder ist das einfach gar kein Thema für dich?

Ne, das habe ich selber tatsächlich wenig gemacht, aber ich, wie gesagt, also ich empfehle das oft Studierenden oder ich meine, ich bin ja gar nicht immer nur auf Studenten, also ich unterrichte halt Studenten, aber es geht ja jeden Schüler oder jeden lernenden Menschen an. Also gerade wenn ich das Gefühl habe, dass jemand wahnsinnig in negativen Gedanken kreist, dann ist das zum Beispiel etwas, was ich wirklich sehr empfehle, dass ich sage, Mensch, dann schreib doch mal bitte auf jeden Abend, was gut war und worüber du dich gefreut hast und was so die Projekte für den nächsten Tag sind. Ich selbst habe das nicht so angewandt, weil ich es irgendwie nicht, ja, ich habe das Gefühl, ich brauchte das irgendwie nicht so, aber das ist sicherlich ein sehr, sehr gutes Mittel, um nicht die ganze Zeit eben den Fokus nur auf das zu haben, was ich nicht kann. Es gibt immer irgendwas, was nicht perfekt ist. Also das, ich glaube, da hat jeder und jede auf jedem Level damit zu tun, bis in die höchsten Höhen und Sphären, auch wenn man sich das vielleicht manchmal nicht vorstellen kann, aber kein Mensch ist immer nur zufrieden mit sich selbst. Aber da eben den Fokus sozusagen zu behalten auf das Mensch, das habe ich aber geschafft, das kann durchaus sehr, sehr wichtig sein. Ich hatte das, ich weiß nicht, ja, also ich kann von, als ich Jugendliche war, ging es dann vielleicht, ich hatte Glück, es ist vieles dann irgendwie, hat sich einfach sehr natürlich und so entwickelt, aber ich hatte auch gute Anleitungen und habe üben gelernt.

Beim Klavierspielen.

Ja, genau.

Ja, spannend. Jetzt haben wir ganz viel über das Üben gesprochen, jetzt wäre ich sehr neugierig, welche Übungen du uns mitgebracht hast.

Also erst mal so verbal kann ich sagen, ich bin Fan von den einfachsten Übungen, die man sich vorstellen kann. Und das ist auch eben etwas, was ich immer wieder mit dem, also wenn ich unterrichte, wirklich ganz viel mache und meine Studenten können es wahrscheinlich schon gar nicht mehr hören, wenn ich dann wieder dieselben Übungen anstimme sozusagen und sie machen lasse, aber ich glaube, sie haben trotzdem verstanden, worum es geht. Also gerade bei unseren Instrumenten geht es oft oder lange, lange, lange nicht um Virtuosität und schnell und was weiß ich, sondern ganz viel beschäftigen wir uns ja damit, wie kriege ich den schönsten Klang hin. Das ist schon die halbe Miete bei unserem Instrument. Ich würde sagen, bei Holzblasinstrumenten auch. Ja, also ganz viel Klangarbeit und wie arbeite ich meinen Klang? Sicher nicht, indem ich unglaublich schnelle Skalen oder Dreiklänge oder was weiß ich was hinfuddel, sondern indem ich langsam, das ist übrigens, das möchte ich unbedingt auch nochmal von wegen Übestrategie, Langsamkeit ist echt, würde ich sagen, ganz oft die Devise, das Gehirn nimmt es einfach auch besser auf, auch für schwierige Abläufe oder so, ja. Aber eben Klangarbeit, Artikulation, einfach so dieses Zuhören können, eine Chance haben, die Dinge, die ich tue, auch wirklich wahrzunehmen und wirklich zu hören, das ist ganz wichtig und deshalb mache ich die einfachsten und langsamsten Übungen, die man sich eigentlich wahrscheinlich vorstellen kann, um immer wieder auf diese Grundbasis und das Grundgerüst des, also in unserem Fall jetzt Hornspielens, immer wieder, das ist was, was wir täglich täglich, das ist wie Zähneputzen, also das ist ganz ganz wichtig und ja, deshalb habe ich super einfache Sachen und die ich immer wieder mache. Also das ist eine Übung, die habe ich glaube ich aus einem Heft von Freudus Rivegre, Trompeter machen die ganz viel, Stamp und ich mag das einfach, weil wir darauf achten können, auf Intonation, das ist übrigens auch natürlich etwas, darüber lässt sich nicht so viel diskutieren, ja und ist essentiell für, wenn wir mit anderen Menschen zusammenspielen, auch wenn wir alleine spielen und es sollte eigentlich immer quasi über allem mitlaufen, dass das irgendwie gut stimmt, dass die Intervalle zueinander gut stimmen, dann kann man auf ein schönes Legato achten, auf Luftführung damit sozusagen, ja und so weiter, also man hört es vielleicht gleich auch bei der Übung, es sind die einfachen Dinge, aber man kann wirklich sehr gut die einzelnen Parameter vielleicht auch für sich selbst so ein bisschen wie im Kreis im Kopf haben und immer wieder auf die verschiedenen Dinge eben achten, ja und das klingt folgendermaßen. Ja, man hat so die größeren Intervalle, man hat die kleinen Intervalle, man hat das Legato, man hat den Klang, ich liebe diese Übung, wenn sie in so einem ganz entspannten, in einer entspannten Dynamik gespielt wird, ja nicht super leise, aber auch auf keinen Fall irgendwie wahnsinnig laut, dass man vielleicht ein bisschen darauf achtet, also sind die Töne immer offen, schaffe ich es den Klang in der Offenheit zu lassen, wenn ich Abwärtsbewegungen habe, die auch ein bisschen größer sind als eine Sekunde zum Beispiel, solche Sachen, das finde ich sehr gut und diese Übung dann zum Beispiel chromatisch abwärts und dann irgendwann kann man die auch dann mit hinten dran Dreiklänge verbinden und so, also das kann man, das findet man ja in allen möglichen Einspielheften von Trompetern zum Beispiel und so. Es ist ein ganz, ganz einfaches Prinzip, aber man hört einfach viel, man hat genug Zeit zu hören, finde ich, aber letztlich kann ich wahrscheinlich jede Übung machen mit viel Zeit und Muße, um genau zuzuhören, ja. Eine Standardübung, vielleicht auch nochmal kurz, die ich wirklich mit jedem ganz am Anfang zum Beispiel auch ganz viel erst mal mache, mache ich selber auch zum Einspielen und so, kann man in verschiedenen Tempi machen, aber ist ganz klar, ganz einfach. Ja, das ist einfach Legato und danach Stoßen und einfach drauf achten, wie klingt das, wie stimmt es, wie verändert sich der Luftfluss, möglichst vielleicht nicht zu sehr, wenn ich die Zunge dazu nehme und solche Sachen, aber es sind ganz einfache Dinge. Oft lasse ich dann eben auch noch viel langsamer spielen, ja, dass man zum Beispiel einfach sagt, ganz langsam. Ja, und einfach nur darauf achten, bleibt es offen, klingt es gut und so weiter, ja, und dann vielleicht damit auch ein bisschen Dynamiken ausreizen, mal ein bisschen mehr Crescendo machen, aber es sind die ganz einfachen, die ich täglich mache und die auch am meisten, würde ich sagen, erst mal bringen.

Vielen Dank.

Gerne.

Wie Aufmerksamkeit das Üben effektiver macht

Am Ende ist dann auch so ein bisschen die Kunst ja dabei, sich auch vielleicht vorher zu überlegen, worauf möchte ich achten? Du hast gerade schon den Klang angesprochen, Intonation angesprochen, also quasi, wenn man das dreimal macht, dass man guckt, naja, stimmt es zuerst, also Intonation klinge ich durchgehend gleich, also mein Klang ist ja durchgehend gleich und dann vielleicht noch was anderes, was man sich überlegt, aber dass man quasi wie mit so einer Aufgabe quasi ins Hören geht, um diese Achtsamkeit, die du vorher angesprochen hast, ja, wie so ein bisschen auch zu erzwingen ist das falsche Wort, aber ins Bewusstsein sich zu rufen, wenn man damit noch nicht so viel gemacht hat. Weil ich glaube, das ist die Schwierigkeit bei so einfachen Übungen, genau zuzuhören, weil man ja denkt, naja, das lese ich, verstehe ich sofort, spiele ich und dann denkt man, naja, wo ist die Schwierigkeit, ist da, aber die Kunst dabei ist ja quasi genau auf diese Nuancen zu achten und da tiefer reinzugehen. Und ich glaube, wenn man dann versucht, wie du es gerade beschrieben hast, mit verschiedenen wie so Höhe-Achtsamkeitsaufträgen da reinzugehen und dann quasi das bewertet, dass man dann wahrscheinlich einen leichteren Zugang finden könnte zu so einem achtsamen Umgang damit, wenn man damit noch nicht vorher viele Berührungspunkte hat, oder?

Das habe ich zum Beispiel auch als Jugendliche dann gemacht, als ich eben meiner Professorin meinen Ansatz umstellen musste. Und das war ja schon sehr methodisch dann und musste dann auch wirklich vonstatten gehen, ja, weil sonst wäre sie, glaube ich, ungeduldig geworden. Ich habe dann irgendwann mir einen Kreis auf ein Blatt Papier gemalt und die für mich wichtigen Dinge, die mir helfen, es richtig zu machen. Das ging dann erst mal den Ansatz an, ja, aber das kann man ja erweitern und sagen, okay, was ist wirklich essenziell dafür, also was finde ich raus zum Beispiel auch, oder was sagt mein Lehrer mir dazu noch, aber was finde ich selber auch raus, was ist für mich entscheidend, dass jetzt irgendwie ein Klang aufgeht oder eine Tiefe hat oder vielleicht auch manchmal geht es ja auch darum, mehr Glanz zu haben oder, ja, man kann das ja selber so ein bisschen, je nachdem, was ich tue, verändert sich der Klang ja, was weiß ich, Zungenposition und so weiter und so fort, will ich jetzt gar nicht so drauf eingehen, aber dass man sich das wirklich, wirklich mit kleinen Schlagworten auf diesem Kreis dann mit kleinen Punkten vermerkt und das, so habe ich wirklich lange geübt, dass ich auf dem Notenständer dieses Blatt Papier hatte mit meinen wichtigen Gedanken und Worten, also eben doch ein bisschen aufschreibend und dann quasi im Kreis immer wieder rumgegangen bin, weil das ist schon erstaunlich, dass wenn man sich auf eine Sache konzentriert, wir sind halt nun mal nicht multitask, das ist einfach so und dass wir trotzdem in der schnellen Gedankenabfolge ein Spielgefühl, und das ist dann wieder eins, aber ein Spielgefühl irgendwann entwickeln können, wo wir wissen, aha, okay, wenn ich das so mache, dann spiele ich, dann passiert genau das, was ich gerne möchte. Und das hilft vielleicht auch, um langsame, einfache Übungen mit dieser Aufmerksamkeit zu üben. Also vielleicht ist Aufmerksamkeit heutzutage sowieso eine ganz wichtige Sache, ja, ich merke es ja selber, ehrlich gesagt, ja. Also wie oft kommt es vor, dass ich dann doch mein Handy und mein Tablet und was weiß ich, was alles dabei habe und manchmal ist es ja auch so, dass man übt und es ist langweilig, ja, es gibt Leute, die üben und gucken Netflix dabei, hat übrigens auch seine Berechtigung. Man spricht dabei das Unterbewusstsein an, was manchmal sehr, sehr gesund ist, ja. Also wir müssen immer gucken, worum es geht. Geht es um fokussieren, muss ich mich fokussieren, muss ich mich mehr fokussieren oder muss ich mich vielleicht sogar defokussieren, weil ich total verkrampfe? Das gibt es auch. Es gab tatsächlich schon Studenten, wo ich das mal gesagt habe, probier das mal aus, damit sie nicht mit Angst üben und mit diesem „Oh Gott, wie klingt es heute?“ oder „Oh, hoffentlich klappt das jetzt wieder“ oder so, sondern dass man einfach das Horn in die Hand nimmt und eigentlich sagt, ist mir jetzt gerade egal, wie das klingt, weil manchmal löst sich dann etwas. Also klingt verrückt, aber ja, da muss man halt eben versuchen rauszufinden, was ist jetzt wirklich das, was mich weiterbringt.

Das auch für sich selber herauszufinden, ist ja wahrscheinlich auch gar nicht so leicht, weil man sich immer sehr nah irgendwie ist und ich glaube, auf den Trichter zu kommen, da muss man sich jetzt defokussieren, das stellt man sich sehr schwierig vor, das selber als Lösung für sich zu erfinden, oder?

Ja, absolut. Also ich meine, weil das ist ja natürlich etwas, was meistens nicht, es ist ja auch nicht so oft das Problem vielleicht, aber das habe ich schon erlebt, dass wenn man merkt, jetzt schweifen die Gedanken oder sind mit etwas anderem beschäftigt, dann geht es plötzlich leichter, weil einfach gewisse Mechanismen, die sowieso eigentlich schon seit, wahrscheinlich schon seit Jahren im Körper eigentlich verankert sind oder eigentlich auch gut sind, die sind ja da und die gilt es nur nicht zu überdecken mit, was weiß ich, verängstigten Gedanken und so. Also ich habe zum Beispiel festgestellt für mich, manchmal aus der Not heraus übe ich mit Überdämpfer, weil ich irgendwo im Hotel bin oder irgendwie sowas und habe festgestellt, wow, das tut mir ja gut. Dann, ich spiele einfach irgendwie wie unbedarft da rein und das hat durchaus seine positiven Auswirkungen vielleicht mal. Also zumindest schaden tut es mir jedenfalls nicht.

Das ist eben auch immer das Maß der Dinge, ja?

Na klar. Wird natürlich nicht immer nur auf dem Überdämpfer üben um Gottes willen, aber wenn man eben mit so Sachen zu tun hat, dass man so denkt, boah, es läuft irgendwie nicht von, also so diese einfachen Dinge, die konnte ich vielleicht mal, wieso kann ich die jetzt nicht mehr? Ja, dann ist es manchmal vielleicht tatsächlich ganz gut, sich quasi wie abzulenken mit etwas, um wieder Zugriff zu haben, was viel, viel tiefer in einem drin schlummert.

Was macht einen guten Übetag aus?

Um vielleicht das Übe-Thema einmal abzuschließen, wann würdest du sagen oder wann gehst du mit dem Gefühl aus dem Übe-Raum auch abends raus, boah, das war ein richtig guter Übe-Tag, was da passiert?

Das ist also bei mir persönlich meistens sind das Tage, wo ich wirklich mal einen ganzen Tag Zeit hatte, was leider echt selten vorkommt und wo ich wirklich mal so viel Zeit hatte, mich mit meinem Instrument und mit mir selbst zu beschäftigen, dass ich tatsächlich irgendwann so die Zeit vergesse und nicht mehr irgendwie mich durch irgendwas anderes ablenken lasse oder ständig irgendwelche Gedanken komme, ach, ich muss ja noch irgendwas erledigen und ich muss ja noch irgendwie das und das organisieren oder so, sondern dass man wirkt, dass ich wirklich so ein bisschen da so in so einen, fast in so einen Flow-Zustand komme vielleicht, ja? Das kommt leider ein bisschen selten vor. Ich glaube tatsächlich, dass man sich mit den Medien, da muss man halt echt aufpassen, finde ich, dass man eben diese Ablenkung nicht ständig im Hinterkopf und da hat, sondern wirklich stille Momente schafft, wo man sich beschäftigen kann. Aber das sind die guten Tage, wo man dann abends wirklich sagt, boah, und ich hatte heute wirklich einen guten Zugang und es hat einfach Spaß gemacht und war nicht mehr nur mühselige Pflicht.

Und kannst du sowas planen? Also kannst du dir quasi so einen Raum dafür schaffen, damit das auch gelingt?

Ja, jetzt kommt der Aufschreiber in mir doch ganz schön zur Geltung. Ja, kann ich ein bisschen. Und zwar, wenn ich weiß, dass ich also einen ganzen Tag habe, dass ich auch möglichst eben, also ich habe sehr gerne meine Familie um mich, aber manchmal ist es ganz gut, mal alleine zu sein und weiß, okay, diesen Tag habe ich für mich ganz alleine und ich muss mich eigentlich sonst um nichts kümmern. Ich muss auch nicht irgendwie planen, wann esse ich was und so und so. Ich muss mich nur um mich selbst kümmern. Dann kann ich das planen und tatsächlich, indem ich, das mag ich dann auch ganz gern, sogar abends im Bett liegend oder so, mir schon mal wie so ein bisschen so einen Zeitplan mache. Dass ich sage, okay, morgen stehen wir dann auf und dann nehmen wir auch schön Zeit für was Schönes, ja, Zeitung lesen, Kaffee trinken, Tee trinken. Aber dann übe ich wirklich und fange an, keine Ahnung, um neun oder um zehn oder wann auch immer und dann mache ich eine Dreiviertelstunde ungefähr und dann mache ich ein Päuschen und genieße das und dann mache ich wieder eine Dreiviertelstunde und wenn ich dann schon die ersten eineinhalb Stunden geübt habe, ja, dann läuft es eh. Es ist immer so ein bisschen dieses Reinkommen für mich. Da bin ich wahrscheinlich wie viele andere auch. Das Schlimmste ist es, unter Zeitdruck zu üben. Dann komme ich eigentlich überhaupt nicht, eigentlich nicht rein. Manchmal tatsächlich kommt es auch vor, dass ich dann sage, komm, eigentlich kann ich es auch lassen, das bringt gerade gar nichts. Aber das kann ich dann schon planen. Aber ich brauche diesen Luxus an Zeit.

Du hast vorher auch im Vorgespräch kurz gesagt, dass eigentlich dein Arbeitsalltag auch mit den Konzerten und Unterrichten und sowas ja relativ voll auch immer ist. Also das schlägt mir schwierig vor, so Inseln auch zu finden dann, oder?

Ja, also sagen wir mal so, ich meine, ich muss auch ganz ehrlich sagen, also Konzerte spiele ich, ja, aber der Alltag ist wirklich hauptsächlich Unterrichten. Ich bin sehr viel in der Hochschule und meine Konzerte sind Luxus für mich sozusagen. Aber bestimmen jetzt nicht so sehr meinen Alltag. Es kommt auch mal vor, dass ich mal ein paar Wochen lang gar nichts habe. Das ist halt nun mal so, wenn man Professor ist und nicht gerade Geigensolist, der sowieso ständig irgendwie was hat. Aber ja, das ist tatsächlich für mich mit die größte Herausforderung, irgendwie da in gewissem Maße so darauf achten zu können, dass ich wirklich meine Fitness auf dem Instrument nicht zu sehr verliere, phasenweise zumindest. Weil diese Phasen können durchaus auch irgendwann gefährlich werden, wenn die zu oft und zu lang sind. Dann wird man es am langen Ende dann doch in einem Abfall insgesamt spüren.

Darauf wollte ich eigentlich gar nicht hinaus. Eigentlich wollte ich eher darauf hinaus, weil natürlich dieser Luxuszustand, man hat den ganzen Tag frei und kann sich quasi dann üben, so schön über die Tagverteilung wie einplanen. Also ich kenne das auch von mir, das ist ja der pure Luxus. Aber der Alltag von uns sieht ja meistens so aus, man kommt von der Arbeit oder macht irgendwie was den ganzen Tag über und übt dann nochmal anschließend. Und eigentlich war eher meine Frage da ein bisschen darauf abgezielt, weil die Konsequenz wäre dann, dass alle anderen Tage ja nicht gute Übeltage sind. Das ist ja wahrscheinlich nicht so der Fall. Also kannst du quasi dann, wenn du weißt, naja, das ist so ein bisschen das, was ich brauche, kannst du auch an vollen Tagen, die Unterrichten vorgepackt sind, die trotzdem so kleine Inseln schaffen, um dann zu sagen, hinten raus, naja, es war eigentlich trotzdem irgendwie ein guter Übeltag für mich.

Ehrlich, also wenn ich ganz ehrlich bin, kommt es leider selten vor, muss ich sagen. Aber das hat vielleicht auch was mit meiner eigenen Disziplin zu tun. Da habe ich auch so meine Phasen einfach. Manchmal gelingt es mir gut, das ist aber meistens auch dann, wenn ich irgendwas vor mir habe, wo ich weiß, okay, es muss halt jetzt einfach sein. Deswegen sage ich, also ich brauche das Ziel, um diese Konsequenz aufzubringen, trotz aller Anstrengungen oder so. Aber ja, ich kriege es dann hin. Aber das hat was mit viel Wollen dann auch zu tun. Und wenn ich es halt dann nicht dringend muss, dann lasse ich es halt manchmal auch. Das ist sicherlich, also sollte man sich kein Beispiel dran nehmen. Aber ich meine, was soll ich sagen? Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen.

Ja, finde ich spannend. Aber ist auch ehrlich am Ende, weil das ist ja auch das, was quasi uns so ein bisschen auszeichnet.

Ich denke immer wieder, eigentlich müsste ich es doch eigentlich wirklich ein bisschen gleichmäßiger schaffen, sozusagen sowohl das tägliche Üben als auch dem Sport ein wenig Platz einzuräumen in meinem Leben. Das kann doch so schwer nicht sein. Also ich bin sicher, es liegt an mir, dass das manchmal nicht so gelingt. Wie gesagt, es gibt gute Phasen und dann auch die, wo es nicht so klappt.

Sibylle Mahnis wichtigster Übe-Tipp: Vereinfachen

Um vielleicht unser Gespräch einmal abzurunden, gibt es immer eine Frage, die ich all den Gästen stelle. Ich habe vorher schon erzählt, dass diese Frage jetzt zum Ende kommt. Das war vorher mal die erste Frage. Wenn du jetzt quasi auf unser Gespräch zurückschaust, was würdest du dann sagen, wenn ich dich fragen würde, vervollständige folgenden Satz. Üben heißt für dich?

Vereinfachen.

Find ich gut. Das kauf ich. Dann habe ich zum Abschluss noch zwei Fragen, die ich all meinen Gästen stelle, die ich auch dir stellen möchte zum Abschluss. Was lernst du gerade oder übst du gerade, was du noch nicht kannst, darf aber diesmal gerne auch nicht musikalisch sein?

Oh, das ist gut. Ich war gerade im Urlaub in Frankreich und ich versuche gerade wieder, mein Französisch ein bisschen aufzubessern, weil ich tatsächlich in der Schule Leistungskurs hatte und davon aber leider nicht mehr so viel übrig ist.

Ja, schön. Ich könnte die nächste Frage auf Französisch vorlesen, aber ich lasse es. Aber welchen Tipp würdest du der jüngeren Erstsemester Musikstudierenden aus heutiger Sicht gerne mitgeben, um den du vielleicht damals froh gewesen wärst?

Genieße die Zeit, die du ganz für dich alleine hast. Weil das ist wirklich, das gibt sich irgendwann und hinterher denkt man so, oh, es war so schön.

Das finde ich schön. Vielen, vielen Dank, Sibylle. Das hat richtig großen Spaß gemacht. Das war sehr interessant.

Sehr gerne.

FAQ mit Sibylle Mahni

  1. Wie kann man schwierige Stellen effektiv üben?
    Zuerst sollte man möglichst genau herausfinden, was die Stelle schwierig macht. Sibylle Mahni empfiehlt, das Problem zu verkleinern, einzelne Aspekte isoliert zu bearbeiten und anschließend wieder in den musikalischen Zusammenhang zu übertragen. 
  2. Warum ist langsames Üben sinnvoll?
    Langsames Üben schafft Zeit zum Wahrnehmen. Sibylle Mahni betont, dass man dadurch Klang, Intonation, Artikulation oder Bewegungsabläufe genauer hören und kontrollieren kann. 
  3. Sollte man beim Üben Fehler vermeiden?
    Nicht grundsätzlich. Besonders beim Kennenlernen eines Stücks plädiert Mahni für Experimentieren und dafür, Fehler zuzulassen. Wer von Anfang an nur versucht, Fehler zu vermeiden, schränkt den eigenen Lernprozess ein. 
  4. Was ist der Unterschied zwischen Üben und Performance-Üben?
    In einer frühen Übephase geht es zunächst darum, ein Stück kennenzulernen, Möglichkeiten auszuprobieren und technische oder musikalische Lösungen zu finden. Später verschiebt sich das Ziel darauf, diese Lösungen zuverlässig und auf den Punkt abrufen zu können. 
  5. Was bedeutet „Üben heißt vereinfachen“?
    Bei einer schwierigen Aufgabe geht Sibylle Mahni zunächst zu einem Punkt zurück, den sie bereits bewältigen kann. Von dort erweitert sie die Aufgabe schrittweise. Statt Schwierigkeiten immer wieder komplett zu wiederholen, wird das Problem dadurch kleiner und kontrollierbarer. 
  6. Wie findet man die Ursache eines Problems beim Üben?
    Mahni empfiehlt, die Stelle regelrecht unter die Lupe zu nehmen: Liegt es an der Technik, der Luft, dem Ansatz, einer bestimmten Tonkombination oder den Fingern? Je genauer die Ursache identifiziert wird, desto gezielter lässt sich daran arbeiten. 
  7. Wie entwickelt man eine musikalische Vorstellung?
    Musikalische Vorstellungen entstehen unter anderem durch Hören, Konzerterfahrungen, Unterricht und eigenes Experimentieren. Mahni beschreibt beispielsweise, wie Marie-Luise Neunecker mit Bildern wie „dunkler und inniger“ arbeitete, um Klangfarben und Ausdruck anzuregen. 
  8. Wie kann man Fortschritte beim Üben wahrnehmen?
    Gerade Menschen, die stark auf Defizite schauen, können Fortschritte bewusst dokumentieren. Mahni empfiehlt beispielsweise aufzuschreiben, was gut funktioniert hat, worüber man sich gefreut hat und welche Projekte am nächsten Tag anstehen. 
  9. Sind technische Übungen oder Stücke wichtiger?
    Mahni trennt beides nicht strikt voneinander. Eine technische Übung kann gezielt eingesetzt werden, wenn beim Spielen eines Stücks ein konkretes Problem auftritt. Das dabei entwickelte Spielgefühl lässt sich anschließend unmittelbar zurück ins Stück übertragen. 
  10. Welche Übungen empfiehlt Sibylle Mahni?
    Mahni bevorzugt einfache und langsame Übungen. Dabei konzentriert sie sich unter anderem auf Klang, Intonation, Legato, Artikulation und Luftführung. Entscheidend ist weniger die Komplexität der Übung als die Aufmerksamkeit, mit der sie ausgeführt wird.

Wer schreibt hier eigentlich..?

Patrick Hinsberger auf Treppe mit Trompete
Musiker | Podcast-Host | Blogger |  + posts

Patrick Hinsberger studierte Jazz Trompete bei Matthieu Michel und Bert Joris und schloss sein Studium im Sommer 2020 an der Hochschule der Künste in Bern (Schweiz) ab.
Seit seiner Bachelor-Arbeit beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema musikalisches Üben und hostet seit 2021 den Interview-Podcast "Wie übt eigentlich..?"

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