20 Jahre Sommermärchen
Zugegeben, auch als Nicht-Fußballfan, lösen sportliche Großereignisse eine gewisse Faszination bei mir aus. Lassen wir die politischen Dimension an dieser Stelle einmal außen vor. Neben der aktuellen WM jährt sich auch unser “Sommermärchen” zum 20. Mal. Die Mediatheken waren voll mit entsprechenden Dokus. Und wenn ich eins bin – dann Doku-Fan!
Musikalische Tipps von Jürgen Klinsmann
Super gelungen fand ich die drei-teilige ZDF “Mission Sommermärchen” Doku. Man kann sie immer noch in der Mediathek nachsehen.
Die Tragweite der Besonderheit des “Konzept Klinsmann” war mir damals gar nicht so bewusst. Oder zumindest erinnere ich mich nicht mehr daran. Umso interessanter sind mir beim Anschauen der Dokumentation Parallelen zur Musik aufgefallen. Ein paar davon möchte ich heute mit dir teilen.
1 – Fehler zu Projekten machen
Fehlervermeidendes Spielen hemmt. Nicht nur, dass der musikalische Ausdruck darunter leidet, auch mental kann uns diese Herangehensweise an das Instrumentalspiel blockieren.
Gerade beim Lernen neuer Stücke und Spieltechniken wird nicht alles von Beginn an klappen. Es wäre jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass dies nicht zum Lernprozess dazu gehört. Schafft man es den Ärger zu überwinden und zu verstehen, was die Ursache des Fehlers gewesen sein könnte, beginnt man sein Spiel auf eine neue Art und Weise zu begreifen (siehe unten Reflektieren).
Erstelle dir zum Beispiel eine Tabelle, in der du deine “Fehler”-Projekte sammelst und direkt daneben konkrete Strategien und Übungen aufzählst, die dir als Maßnahmen einfallen.
| Projekt | Maßnahme |
|---|---|
| Klang nebengeräuschfrei bekommen | besonderer Fokus auf Klang; kurze Einheit und mehrmalige Pausen |
| Geschwindigkeit verbessern | häufiger Wechsel zwischen schnellem und langsamen Üben; Zieltempo früh anlegen |
2 – Die Vision im Kopf haben
Mein letzter Gast brachte eine spannende Frage mit in unser Gespräch:
Wie möchte ich bassistisch klingen?
Es zeigt deutlich, wie viel Musik im Kopf bereits entsteht, bevor man die erste Note auf dem Instrument spielt.
Unternehmen suchen heute (sofern sie ihn noch nicht gefunden haben) ihren Purpose – den Grund ihres Daseins. Wenn du so möchtest könnte dein Purpose die Antwort auf genau diese Frage sein.
- Wo liegen meine Stärken?
- Welche Musik macht mir am meisten Freude?
- Was ist mein Ziel?
Das motiviert ungemein und hilft dir in deinen Übe-Einheiten konkret zu wissen, was zu tun ist („Ich möchte diesen Song meiner Lieblingsband sauber spielen können.” – so könnte z.B. eine nächste Vision aussehen).
Dazu passt diese schöne kleine Masterclass von Nadia Boulanger.
3 – Niemand schafft es alleine
Üben ist eine ziemlich einsame Tätigkeit. Umso entscheidender ist, dass wir unsere eigene Entwicklung immer wieder für neuen Input öffnen.
Das können Lehrer*innen, Mentor*innen, Coaches, der „Wie übt eigentlich..? Podcast, Orchester oder andere musikalische Gruppen sein. Verabrede dich zum Üben mit Freunden und besuche Masterclasses in deiner Umgebung.
4 – Neues ausprobieren
Im Video sieht man Glenn Gould die Bach Partita No. 2 in C-Moll üben. Er singt während der ganzen Zeit seine Stimme mit. Gegen Ende des Videos geht er kurz ans Fenster und stellt sich erneut eine Passage aus dem Stück gesanglich vor.
Auch andere Pianist*innen, wie z.B. Oscar Peterson oder Keith Jarrett, sind dafür bekannt , dass sie sogar in Live-Performances ihre Improvisation mitsummen.
Logischerweise klappt dies nicht für alle Instrument. Wir Bläser*innen sind davon ausgeschlossen. Dennoch können ungewöhnliche und neue Herangehensweisen an musikalische Herausforderungen oftmals neue Blicke für das eigene Spiel öffnen.
5 – Das Problem nicht im System suchen
Dazu passt folgendes: Oftmals glauben wir, dass wir neuem Equipment, neuem Mundstück, Übe-App oder auch einem neuen Etüden-Buch endlich besser werden. Zwar mag das kurzfristig etwas verändern, langfristig wird dieser Effekt jedoch nicht sein.
Die äußeren Parameter, wie ich sie hier gerne nennen möchte, fallen weniger stark ins Gewicht, wenn unser System selbst gefestigt ist. Ein reflektiertes und gut organisiertes Übe-System schlägt fast jedes Equipment. Dazu zählen:
- Klare Ziele formulieren, um seinen eigenen Fortschritt sichtbar machen zu können.
- Das eigene Üben regelmäßig Reflektieren.
- Ausreichend regenerieren (Pause machen beim Üben, Schlaf etc.)
Accordion title 1
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Wer schreibt hier eigentlich..?
Patrick Hinsberger studierte Jazz Trompete bei Matthieu Michel und Bert Joris und schloss sein Studium im Sommer 2020 an der Hochschule der Künste in Bern (Schweiz) ab.
Seit seiner Bachelor-Arbeit beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema musikalisches Üben und hostet seit 2021 den Interview-Podcast "Wie übt eigentlich..?"

