Die richtige Ernährung für Musiker kann Konzentration, Energie und Leistungsfähigkeit über lange Übe-, Proben- und Konzerttage hinweg unterstützen. Entscheidend sind dabei weniger einzelne „Superfoods“, sondern ein sinnvoller Rhythmus aus ausgewogenen Mahlzeiten, kleinen Snacks und vor allem ausreichend Flüssigkeit. Und genauso wie in der Musik: gutem Timing, besonders vor einem Auftritt.
Im Interview erklärt Diätologin und Musikerin Hannah Lhotta, warum ein stabiler Blutzuckerspiegel wichtig ist, weshalb die große warme Mahlzeit besser nicht direkt vor dem Konzert liegt und wie du mit einfachen Mitteln wie Obst, Nüssen, Rohkost oder dem guten „Notfallbrot“ durch lange Probentage kommst.
Das lernst du in diesem Interview:
- wie du deine Ernährung vor dem Konzert sinnvoll planst
- welche Snacks sich für lange Übe- und Probentage eignen
- warum Timing und Flüssigkeitszufuhr so wichtig sind
- was Kaffee, Trinkmahlzeiten und Pizza mit deiner Performance machen können
- welche kleinen Änderungen im Musikeralltag besonders viel bewirken

Hier erfährst du mehr über Hannah: www.hannahlhotta.com
Entweder oder: Von Frühstück bis Nervennahrung
Ich würde gerne direkt starten mit ein paar Entweder-oder-Fragen. Du hast einen Joker dabei, das heißt, einmal darfst du die Antwort skippen. Bei allen anderen bin ich sehr gespannt, wie du dich entscheiden wirst. Selbst kochen oder Essen bestellen?
Selbst kochen.
Frühstück oder Abendessen?
Frühstück.
Was würdest du sagen, was die wichtigste Mahlzeit am Tag ist – insbesondere schon einmal mit Blick auf einen Konzerttag?
Gute Frage. Ich würde auch sagen: das Frühstück.
Weil es für den ganzen Tag die Energie liefert?
Ja, es gibt einen guten Start in den Tag. Oder zumindest kann man vielleicht sagen: Eine warme Mahlzeit finde ich gut, egal wann sie ist.
Bist du ein warmer Frühstücksmensch? Also isst du warm zum Frühstück?
Theoretisch mal so, mal so. Im Winter gerne warm. Aber ich finde, beim Frühstück gibt es so viele schöne Varianten, was man essen kann.
Das stimmt. Die Abwechslung macht’s, finde ich.
Ja, das stimmt.
Diätologin oder Musikerin?
Diese Antwort möchte ich skippen.
Das dachte ich mir fast schon. Aber vielleicht ganz kurz, um den Leuten einen kleinen Einblick hinter die Kulissen zu deiner Person zu geben: Wie kam es dazu, dass du sowohl Diätologin als auch Musikerin geworden bist?
Mein erstes Studium war Diätologie. Ich komme aus einer Ärztefamilie und da war es naheliegend, dass ich etwas Medizinisches mache. Ich habe dann das Studium abgeschlossen und ein paar Jahre an der Klinik in Innsbruck gearbeitet. Der Gedanke an die Musik hat mich aber nie ganz losgelassen. Dann habe ich mich spät entschlossen, auch einen Lehrgang am Konservatorium für Jazz und improvisierte Musik mit dem Saxophon zu machen, und habe das nie bereut. Das ist jetzt richtig schön, weil ich mir das Beste aus beiden Welten herausholen kann.
Das glaube ich. Das ist auch eine superschöne Ergänzung. In dem Fall ergänzt sich das ja wirklich perfekt, wie wir wahrscheinlich im Gespräch gleich feststellen werden. Foodkoma oder Verdauungsspaziergang?
Verdauungsspaziergang.


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Kennst du das überhaupt? Ich meine, du bist Ernährungsexpertin. Kennst du das typische Mittagstief nach dem Essen oder bist du inzwischen so feinfühlig eingestellt und weißt: Das und das sollte ich besser nicht essen, dann bekomme ich auch kein Foodkoma nach dem Mittagessen?
Ich kenne das schon. Manchmal nimmt man es in Kauf, wenn man weiß: Da gibt es jetzt etwas Gutes zu essen, das prädestiniert dafür ist, dass man ein Foodkoma bekommt. Wir sind ja alle Menschen. Das habe ich schon auch hin und wieder. Aber wenn ich weiß, dass ich leistungsfähig sein muss oder soll, dann suche ich mir Sachen aus, die das nicht hervorrufen.
Was ist zum Beispiel so ein kleiner Spoiler?
Eine Mahlzeit, bei der ein guter Gemüseanteil dabei ist, die nicht zu fettreich ist und in der nicht zu viel Zucker drin ist. Ich finde das immer lustig: Es gibt eine Speise aus Österreich, den Germknödel. Das ist ein typisches Foodkoma-Essen. Wenn ich so etwas esse – und das mache ich hin und wieder, ganz selten –, plane ich mir ein, dass ich nirgendwo mehr hin muss. Das ist wirklich das Nonplusultra an Foodkoma. An der Klinik in Innsbruck gibt es das manchmal in der Mensa zum Mittagessen. Viele Leute essen das und ich frage mich immer: Wie macht ihr das dann den restlichen Arbeitstag?
Das ist superwitzig. Ich habe meinen Zivildienst damals auch im Krankenhaus gemacht und da gab es auch mal so etwas zum Mittagessen. Wir waren danach immer völlig fertig. Ich war zum Glück beim Hausmeister und konnte dann viel draußen herumlaufen, dann war das okay. Da hatte ich meinen Verdauungsspaziergang. Aber da gab es auch Germknödel und solche süßen Sachen zum Mittagessen. Das ist witzig.
Ja, das muss man sich einplanen, wie der restliche Tag ausschauen soll. Ansonsten gleich auf die Couch zum Powernap.
Rohkost oder Feinkost?
Rohkost.
Brainfood oder Nervennahrung?
Nervennahrung.
Aber dann dunkle Schokolade wahrscheinlich, oder?
Ich finde, Nervennahrung kann auch gesund sein.
Zum Beispiel?
Zum Beispiel gutes Obst oder Nüsse. Es gibt viele Dinge, die man gerne mag und die auch sehr gut für den Körper sind. Ich hätte Nervennahrung nicht unbedingt mit Schokolade oder Süßigkeiten assoziiert, wobei das natürlich schon auch oft so ist. Ich esse auch gerne Süßigkeiten, das gehört ja dazu.
Das ist spannend. Beim Essen hat man superoft ein vorgefertigtes Bild von dem, was man kennt und was in seiner Reichweite ist. Aber Nüsse, das stimmt eigentlich. Das kann ja auch supergute Nervennahrung sein, wenn man einen kleinen Heißhunger bekommt. Und schon die letzte Frage: Banane oder Müsliriegel?
Banane.
Ist das für dich auch ein Go-to-Snack? Wenn man an einem Konzerttag wenig Zeit hat, bis man auf die Bühne muss, oder beim Proben schnell mehr Energie braucht: Ist das für dich ein guter Snack, den man dabeihaben kann, um sich schnell noch einmal Energie und ein bisschen Power zu holen?
Absolut. Ich finde, beides ist gut geeignet. Ich bin nur ein ziemlicher Obst-Fan. Bei Müsliriegeln muss man schauen: Da gibt es verschiedene. Manche sind ziemlich süß und haben ziemlich viel Zucker drin. Es kommt also darauf an, welchen Müsliriegel man nimmt. Aber beide sind gut für den Musikeralltag. Ich tendiere eher zum Obst.
Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß: Was unser Körper wirklich damit macht
Cool, das waren die Entweder-oder-Fragen. Da kamst du unfallfrei durch. Ich habe mir überlegt, dass wir einmal einen kleinen Grundlagenkurs zum Thema Nährstoffe machen und durchgehen, welche verschiedenen Kategorien es gibt. Wir haben Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße. Das sind die drei großen Makronährstoffe. Kannst du für uns zum Verständnis kurz erklären, wofür der Körper jeden einzelnen braucht?
Die Kohlenhydrate sind quasi das Benzin für den Körper. Das sind die besten Energieträger für den Körper, die er am leichtesten verwerten kann. Sie landen eigentlich immer in Form von Blutzucker im Blut, egal, welche Art von Kohlenhydraten es ist.
Es gibt zwei verschiedene Gruppen. Es gibt diejenigen, die sehr langsam verdaut werden, zum Beispiel Vollkornprodukte. Dazu zählen in weiterer Folge – sie werden etwas schneller verdaut – auch Kartoffeln, Reis, Nudeln und Polenta. Sie erhöhen den Blutzuckerspiegel langsam. Immer wenn der Blutzuckerspiegel steigt – was er soll, das ist ganz physiologisch –, bedeutet das, dass wir Energiezufuhr haben. Und immer wenn der Blutzuckerspiegel wieder sinkt, bekommen wir Hunger. Diese Art von Kohlenhydraten hält also lange satt.
Dann gibt es Kohlenhydrate, die weniger gesund sind. Das sind alle, die süß schmecken. Die haben wir ganz viel in Süßigkeiten und süßen Getränken, aber zum Beispiel auch im Obst. Das ist so ein Zwischenfall: Obst ist gesund, aber nicht wegen des Zuckers. Diese Kohlenhydrate erhöhen den Blutzuckerspiegel schneller und dadurch sinkt er dann auch wieder ab. Das heißt, wir bekommen schneller wieder Hunger. Deswegen sollte man eher die Kohlenhydrate bevorzugen, die den Blutzuckerspiegel langsam erhöhen.
Eine Randgruppe gibt es noch: die Ballaststoffe. Sie gehören chemisch auch zu den Kohlenhydraten, werden aber nicht ins Blut aufgenommen. Sie bleiben im Darm. Das ist also noch eine zusätzliche Gruppe, die zu den Kohlenhydraten gehört.
Dann gibt es die Fette. Fett ist auch ein sehr guter Energieträger. Wir brauchen es aber auch als Fettspeicher. Gerade wenn man an die Steinzeit zurückdenkt, war es immer gut, wenn man sich wirklich einen Speicher anessen konnte, von dem man dann zehren konnte. Das brauchen wir in der heutigen Zeit üblicherweise nicht mehr, aber dafür ist es da. Fett ist auch in verschiedenen Körperzellen enthalten und an verschiedenen Körperprozessen beteiligt. Es ist also ganz wichtig.
Beim Fett ist es so: Es ist ein ausgezeichneter Energieträger, weil es deutlich mehr Kalorien pro Gramm enthält als Kohlenhydrate. Deswegen ist Fett in unserer heutigen Ernährung auch hauptsächlich eine Ursache für Übergewicht – gemeinsam mit dem Zucker, der nicht so lange satt hält. Beim Fett sollte man deshalb immer im Hinterkopf haben: Es ist gesund und der Körper braucht es, aber es ist wichtig, im Blick zu behalten, dass Fett sehr viel Energie liefert.
Man sollte auch darauf schauen, dass es verschiedene Qualitäten bei den Fetten gibt. Pflanzliche Fette sind besser als tierische Fette. Öle und Nüsse sind günstig. Alles, was fettreich vom Tier kommt – Milchprodukte, fettes Fleisch, Butter, Sahne –, hat auch seine Berechtigung, sollte man aber eher in Maßen essen.
Der dritte Stoff ist das Eiweiß. Das ist quasi der Baustoff im Körper. Im Grunde kann man sagen: Alle Körperzellen beinhalten Eiweiß. Auch die Muskulatur beinhaltet Eiweiß und Eiweiß ist an ganz vielen verschiedenen Stoffwechselprozessen beteiligt. Es hat also eine ganz wichtige Funktion.
Eiweiß wird hauptsächlich für diese Funktionen verwendet. Wenn wir aber einen Überschuss an Eiweiß haben, kann der Körper es auch einfach in Fett umbauen und speichern. Es ist also ein guter Allrounder. Man kann es auch für die Energiezufuhr verwenden, aber primär ist es dazu da, die Körpersubstanz zu erhalten.
Von Eiweiß hört man momentan sehr viel. Wenn man die Regale im Supermarkt anschaut, steht überall „Extra Protein“. Es ist aber schon so, dass in Europa die Eiweißzufuhr in der Allgemeinbevölkerung absolut ausreichend ist. Sogar Vegetarier nehmen genügend Eiweiß auf. Man muss also nicht schauen, dass man extra viel Eiweiß aufnimmt, weil die Konsequenz davon sein kann, dass der Körper es einfach nimmt und in Fett umbaut. Auch da gilt es, ein gutes Mittelmaß zu finden. Aber Eiweiß ist natürlich wichtig für alle möglichen Prozesse.
Warum ein stabiler Blutzuckerspiegel durch lange Übe- und Probentage hilft
Um das vielleicht einmal zusammenzufassen: Du hast ein paarmal angesprochen, dass es Nahrungsmittel gibt, die unseren Blutzuckerspiegel langsam ansteigen lassen, und andere, die ihn schnell ansteigen und entsprechend schnell wieder absinken lassen, sodass wir schnell wieder Hunger bekommen. Kann man allgemein sagen, dass es vor allem für uns Musiker bei Konzerten oder an anstrengenden Probentagen Sinn macht, sich so zu ernähren, dass der Blutzuckerspiegel möglichst langsam steigt und wir lange satt sind, damit wir diese Cravings oder Hungerattacken nicht bekommen?
Ganz genau. Das macht eigentlich für jeden Menschen im Alltag Sinn. Wenn man immer diese kurzen Anstiege hat – der Körper reguliert immer gegen, wenn er sehr viel Zucker bekommt –, entsteht eine Zickzackkurve: rauf, runter, rauf, runter, rauf, runter.
Da kommt man schneller in diese Cravings hinein. Wenn der Blutzuckerspiegel wieder sinkt, braucht man schnell wieder Energie. Und wenn man schnell Energie braucht, neigt man dazu, sich süße, fettige Sachen zu holen.
Wenn der Blutzuckerspiegel langsam sinkt und eher eine schöne Wellen- oder Kurvenbewegung macht, kommen diese Cravings gar nicht in diesem Ausmaß und man kommt besser durch den Tag. Der Körper ist da einfach gestrickt und man muss ihn verstehen: Wenn der Blutzuckerspiegel schnell sinkt und man schnell Energie braucht, sucht er sich logischerweise das, was ihm schnell Energie liefert. Das ist ganz natürlich. Wenn man ein bisschen vorausplant, kann man da gut gegensteuern.
Für Musiker gilt das natürlich sowieso, weil Musizieren eine mentale und körperliche Höchstleistung ist – sei es beim Üben oder bei der Konzertperformance. Aber es macht für jeden Menschen im Alltag Sinn.
Essen im „Performance Mode“: Warum Timing entscheidend ist
Jetzt hast du gerade schon die Höchstperformance angesprochen. Aus dem Sport kennt man das ganz selbstverständlich. Es gibt unzählige Sportdokumentationen, auch über Nationalmannschaften, die zeigen, welche Mahlzeiten die Sportler zu sich nehmen und vor allen Dingen, wann sie was essen. Das Thema Timing ist da völlig wichtig. Ist es bei uns Musikern auch entscheidend, wann wir welche Nährstoffe zu uns nehmen?
Für Musiker gibt es keine expliziten Studien wie im Sport. Aber man kann sich aus der Ernährungslehre und auch aus dem Sport einiges herleiten. Eine Musikperformance ist körperlich vielleicht nicht im gleichen Ausmaß belastend, mental aber auf jeden Fall.
Grundsätzlich sollte eine ideale Mahlzeit – wenn man sich einen Teller vorstellt – zur Hälfte aus Gemüse oder Salat bestehen. Ein Viertel des Tellers sollte eine Beilage sein, also Kartoffeln, Reis, Nudeln oder auch Brot, wenn es eine kalte Mahlzeit ist und man keine Zeit für eine warme Mahlzeit hat. Das letzte Viertel sollte etwas sein, das Eiweiß enthält: Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte oder zum Beispiel Tofu. Das Fett ist durch die Zubereitung meistens schon ausreichend dabei.
Das wäre das Ideale. Ich habe vorher auch von einer warmen Mahlzeit gesprochen. Ich finde es immer gut, wenn man eine warme Mahlzeit pro Tag hat, weil man dann das Gefühl hat, wirklich einmal etwas Anständiges gegessen zu haben. Es wird sicher Tage geben, an denen das nicht geht. Man kann sich auch mit dreimal Brot pro Tag gesund ernähren. Aber grundsätzlich ist es schon gut, eine warme Mahlzeit zu haben.
Die würde ich allerdings nicht unmittelbar vor ein Event legen, bei dem es wirklich darauf ankommt. Eine sehr ausgewogene, warme Mahlzeit unmittelbar vor dem Konzert zu essen, bewirkt, dass das Blut in den Magen geht und der Körper mit Verdauung beschäftigt ist. Auch wenn es natürlich eine gesunde Mahlzeit ist. Die Ballaststoffe, die wir in Salat und Gemüse haben, erfordern Verdauungsleistung. Das ist auch gut so. Der Darm braucht sie, sie sind ganz wichtig für eine gesunde Ernährung. Aber sie erfordern Verdauungsleistung.
Immer wenn der Körper mit Verdauung beschäftigt ist, ist er nicht im Performance Mode. Ich würde deshalb immer schauen, dass man die Hauptmahlzeit des Tages nicht unmittelbar vor das Konzert legt. Wenn man zum Beispiel am Abend ein Konzert hat, lieber zu Mittag. Oder wenn man einen langen Übetag hat und weiß: Da muss ich intensiv üben und mich sehr gut konzentrieren, dann legt man die Hauptmahlzeit eher an den Abend und nimmt zwischendrin kleinere Mahlzeiten ein.
Was und wie oft sollte man an langen Übetagen essen?
Bevor wir wirklich zum Konzert kommen und uns genauer anschauen, wie man dort einen guten Tagesablauf für das Essen strukturieren kann: Wir üben ja alle jeden oder fast jeden Tag. Du hast gesagt, dass es sinnvoll ist, bei einem langen Übetag die Hauptmahlzeit eher gegen Abend zu legen. Das heißt im Umkehrschluss: Unser Essen beeinflusst auf jeden Fall, wie wir uns konzentrieren können. Gibt es bestimmte Lebensmittel oder Nährstoffe, die du an einem langen Übetag über den Tag verteilt empfehlen würdest, um diese Konzentrationsleistung hochhalten zu können?
Ich würde gar nicht unbedingt spezielle Lebensmittel nennen, sondern eher die Frequenz, in der man isst.
Wenn man wirklich einen Übetag hat, macht es Sinn, etwas zu essen, bevor man mit dem Üben anfängt, also zu frühstücken. Man weiß aus Studien, dass Menschen, die frühstücken, weniger häufig übergewichtig sind. Das klingt eigenartig, weil man quasi eine Mahlzeit auslassen würde. Aber man neigt dazu, über den Tag verteilt weniger gute Ernährungsentscheidungen zu treffen, wenn man nicht gefrühstückt hat.
Ich kenne Leute, die sagen: „Mir wird übel, wenn ich frühstücke.“ Natürlich muss man nicht dagegen arbeiten, wenn man sich damit ganz unwohl fühlt. Aber ab dem Zeitpunkt, an dem man sagt: „Jetzt kann ich etwas essen, jetzt fühle ich mich wohl dabei“, sollte man etwas essen. So gibt man dem Körper schon Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel erhöhen, sodass er etwas leisten kann. Das braucht er. Sonst muss er sich die Energie aus den Körperreserven nehmen. Das kann er machen, aber besser ist, wenn man sie ihm vorab gibt.
Ich würde den Übetag so einteilen, dass man regelmäßig isst. Man startet gut, nimmt sich vielleicht Obst mit und isst zwischendrin etwas. Dann kann man sagen: Jetzt esse ich einmal eine größere Mahlzeit. Das kann einfach ein Brot sein oder man möchte mittags seine warme Mahlzeit essen.
Wenn man eine größere Portion isst, kann man in der Übeeinheit unmittelbar danach vielleicht etwas üben, das weniger fordernd ist und leichter von der Hand geht. Eine Stunde später fängt man dann mit den Dingen an, die richtig intensiv sind.
Danach schaut man, dass man zwischendrin wieder etwas isst. Ich bin ein Fan davon, drei Hauptmahlzeiten und kleinere Mahlzeiten zwischendrin zu haben: Obst, Müsliriegel, Nüsse – solche Dinge sollte man dabeihaben.
Am Abend gibt es dann noch einmal eine Mahlzeit. Bei der Abendmahlzeit ist es ganz individuell. Meine Hauptmahlzeit ist meistens am Abend. Das ist ein bisschen eine Typfrage. Man sollte natürlich etwas Abstand dazu haben, wann man schlafen geht, damit die Schlafqualität gut ist. Aber wenn man am Abend zur Ruhe kommt und sagt: „Jetzt ist meine Hauptmahlzeit“, ist das völlig in Ordnung.
Man kann wirklich auch abends die Hauptmahlzeit essen. Viele Leute haben da Bedenken, ob das günstig ist. Aber es ist ganz individuell. Wenn man es verträgt, ist das völlig in Ordnung.
Ich weiß, dass Empfehlungen zu Frequenzen immer schwierig sind, weil das natürlich von uns als Einzelperson abhängig ist. Aber nehmen wir einmal einen konkreten Fall. Hier hören viele Hobbymusikerinnen und Hobbymusiker zu, die wahrscheinlich eher das Probenwochenende kennen, bei dem es sechs, sieben oder acht Stunden dauert. Auf der anderen Seite hören auch viele Profis zu, die ganz normale vier-, fünf- oder sechsstündige Übetage haben. Ganz grob und pauschal gesagt: Wie oft wären Zwischensnacks notwendig, wenn man morgens gut frühstückt? Wann sollte die nächste Energiezufuhr stattfinden, damit man diese schöne Wellenkurve einhält, von der du vorher gesprochen hast?
Spätestens nach vier Stunden. Da sollte man irgendeine Kleinigkeit essen. Manche Leute sagen nach diesen vier Stunden: „Jetzt habe ich schon so viel Hunger, dass ich eine nächste größere Mahlzeit haben will.“ Das ist individuell.
Aber alles, was wirklich über vier Stunden ohne Essen hinausgeht, ist ungünstig. Was ich vorher nicht gesagt habe: Trinken zwischendrin ist immer wichtig. Trinken ist ganz wichtig fürs Gehirn, damit man eine gute Konzentrationsfähigkeit hat.
Bei sechs Stunden Pause ohne Essen wird man auf jeden Fall einen Leistungsabfall haben. Wenn man weiß: „Bis zu meiner nächsten Mahlzeit sind es sechs Stunden“, sollte man sich etwas für zwischendrin mitnehmen.
Ich kenne das von solchen langen Probentagen. Da macht es wirklich Sinn, sich vorher Gedanken zu machen: Okay, das wird lang, das wird intensiv. Es wird zwischendrin kleine Zeitfenster geben, in denen man essen kann. Meistens ist es günstiger, sich wirklich selbst etwas mitzunehmen, weil es vor Ort oft nicht das Angebot gibt, das man braucht.
Also wirklich Obst mitnehmen. Ich finde es auch gut, wenn man etwas Gemüse mitnimmt – Rohkost. Dafür bin ich oft beäugt worden. Da haben alle gesagt: Man erkennt die Diätologin. Aber sonst wird es am Ende des Tages wirklich schwer, ausreichend Gemüse zu essen.
Wenn man sich die Zeit nimmt – und es müssen nur ein paar Radieschen, eine Karotte oder ein paar Gurkenscheiben sein –, macht das schon viel aus. Wenn man es schafft, das in den Alltag einzubauen und einfach immer eine Kleinigkeit dabeihat oder eine Packung Nüsse, hilft das schon.
Wenn man bei den Proberäumlichkeiten einen Kühlschrank hat, kann man vielleicht auch etwas lagern. Es können fertige Salate aus dem Glas sein. Hauptsache, man hat etwas da und kann ein bisschen mehr Gemüse einbauen.
Ich sehe bei Übetagen oft: Es ist schon irgendetwas da. Das sind dann Kekse oder – Obst ist schon auch oft da, das finde ich gut – irgendwelche süßen Dinge. Die sind natürlich super Nervennahrung. Ich mag das in so einem Fall auch gerne, weil man sagt: „Jetzt gibt es etwas Süßes und ich belohne mich.“ Aber die Performance wird dadurch sicher nicht besser. Man erhöht den Blutzuckerspiegel. Am Ende des Tages fühlt man sich besser, wenn man eine gesündere Auswahl getroffen hat.
Pizza im Proberaum? Kleine Veränderungen können viel bewirken
Das ist total spannend. Ich erinnere mich auch an lange Probentage. Man bestellt in der Mittagspause oft Pizza, weil es schnell geht und eine große Schnittmenge für alle Beteiligten hat. Aber das ist eigentlich komplett kontraproduktiv für die zweite Hälfte des Probentages, wenn man danach in ein richtig schönes Foodkoma fällt – je nachdem, was für eine Pizza es geworden ist. Ich glaube, man hat das einfach gar nicht so auf dem Schirm.
Ich kenne das mit der Pizza auch. Das ist superpraktisch und man kann das schon machen. Ich würde nur schauen: Wie kann man es modifizieren?
Es gibt zum Beispiel Gemüsepizza. Und gerade wenn man Probenleiter ist, kann man vorab vorbereitet sein und sagen: „Ich schaue, dass trotzdem irgendeine Form von Gemüse dabei ist.“ Das können fertige Salate oder etwas aufgeschnittene Rohkost sein.
Ich weiß, das erfordert Arbeit. Aber tendenziell mag das jeder sehr gern. Da greift dann schon jeder zu, weil es etwas Frisches ist und man das Gefühl hat, dass es gut dazu passt. Das macht einen Unterschied.
Wenn man Gemüse dazu isst, ist auch die Sättigung gut. Das heißt, man isst weniger Pizza und rutscht weniger in dieses Foodkoma hinein, weil man insgesamt weniger Fett durch den Pizzabelag aufgenommen hat. Eine kleine Modifikation kann da schon viel helfen.
Ich esse auch gern Pizza.
Ich auch. Wir sind nicht frei von Schuld.
Man muss die Kirche im Dorf lassen und sagen: Es muss praktikabel sein. Aber kleine Anpassungen können schon etwas ausmachen.
Wenn man im Probelokal eine kleine Küche hat, bringt irgendjemand einen Sack Karotten mit. Man schält sie kurz vorher und jeder isst ein paar Karottensticks mit. Dann hat man schon viel getan. Das macht etwas für das Gefühl aus und auch für den weiteren Tagesverlauf, wenn etwas Frisches dabei war.
Wir kamen gerade von der Frequenz. Um das Thema noch einmal zu schließen: Du hast gesagt, ungefähr nach vier Stunden nach dem Frühstück sollte der erste kleine Snack kommen. Wenn die Hauptmahlzeit wirklich erst nach der Probe liegt, würdest du die nächsten Mahlzeiten dann in kürzeren Intervallen zu dir nehmen? Oder sind vier Stunden ein guter Richtwert, sodass man ungefähr alle vier Stunden eine Kleinigkeit snackt, ein paar Nüsse oder eine Banane isst?
Es kommt ein bisschen auf den Typ an. Ich finde, diese vier Stunden sind ein guter Richtwert: spätestens nach vier Stunden eine Kleinigkeit.
Manche Leute sagen: „Ich esse alle fünf Stunden eine Hauptmahlzeit und schaue nach zweieinhalb Stunden, dass ich etwas Kleines zwischendrin esse.“ Es kommt ganz darauf an, was man für ein Typ ist, wann man aufsteht, wann man schlafen geht und wie lang diese Probentage wirklich sind.
Das kann man gar nicht so pauschal sagen. Aber wenn wirklich schon richtiger Kohldampf da ist, ist es fünf vor zwölf. Denn wenn der Kohldampf da ist, schaltet sich unser Steinzeitgehirn ein und sagt: „Ich will irgendetwas, was mir schnell und viel Energie liefert.“ Und das ist meistens etwas, das viel Zucker und Fett enthält. Das ist ganz normal.
„Notfallbrot“ und Trinkmahlzeit: Was hilft, wenn der Tagesplan zusammenbricht?
Hast du noch solche Beobachtungen? Wir kamen gerade von der Pizza oder diesem Craving, wenn man wirklich Kohldampf hat. Gibt es noch typische Alltagsbeobachtungen, bei denen du sagst: Das machen ganz viele, ist aber eigentlich ein typischer oder häufiger Fehler?
Sich vorab keine Gedanken über den Speiseplan des Tages zu machen.
Wenn man einfach in den Tag startet und sagt: „Ich bin kein Frühstücker, ich gehe jetzt einfach los und schaue, was sich ergibt“, trifft man meistens Entscheidungen, die nicht so günstig sind.
Ich finde es immer gut, sich vorher Gedanken zu machen: Wo kann ich essen? Gibt es irgendwo eine Möglichkeit, wo ich etwas Gesundes essen kann? Und wenn es das nicht gibt, nimmt man sich etwas mit.
Ich sage immer: Dieses Notfallbrot finde ich gut. Einfach irgendetwas dabeihaben. Brot mit Belag, da kann man auch etwas Gemüse hineinlegen oder sich Rohkostgemüse mitnehmen. Dann hat man etwas dabei, wenn nichts anderes verfügbar ist.
In letzter Zeit kommen auch immer mehr Trinknahrungen oder Trinkmahlzeiten auf den Markt. Ich würde nicht sagen, dass man sich grundsätzlich davon ernähren sollte. Man könnte es theoretisch, weil sie von der Nährstoffzusammensetzung wirklich so aufgebaut sind, dass der Körper in einer Mahlzeit alles bekommt, was er bekommen sollte. Da hilft die Industrie schon mit.
Ich bin ein Fan davon, lieber natürliche Lebensmittel zu essen. Aber wenn es wirklich hart auf hart kommt und man weiß: „Ich kann das heute nicht planen und werde gar keine Zeit haben“, dann sind das Lösungen, von denen man Nutzen ziehen kann.
Wir leben in einer modernen Welt und oft braucht es moderne Lösungen. Dann kann man schon einmal so eine Trinkmahlzeit nehmen. Die gibt es in Flaschen und man muss sie oft nicht kühlen. Es gibt ganz viele verschiedene Hersteller, da kann man sich durchprobieren.
Man kann sagen: „Ich habe in meiner Tasche immer so etwas dabei.“ Wenn ich weiß, dass es sich gerade nicht ausgeht, mir irgendwo etwas Gesundes zu besorgen, oder der Veranstalter einen Zeitplan gemacht hat, den ich gar nicht richtig kenne, und ich nicht weiß, ob es dann zu knapp vor dem Konzert wird, um zu essen, kann ich so etwas mitnehmen und trinken.
Sie sind üblicherweise gut verträglich und eine gute Lösung, wenn es hart auf hart kommt.
Ich habe zum Beispiel auch mit Musikern gesprochen, die sagen, sie wissen nicht, wie sie den Probentag schaffen sollen, weil sie so viel Energie brauchen. Gerade junge Männer haben oft das Gefühl, dass sie das gar nicht schaffen. Dafür ist das zum Beispiel eine gute Lösung.
Man muss sich das Leben nicht unnötig schwer machen und kann auf solche Sachen zurückgreifen.
Das ist spannend. Das kannte ich so noch nicht. Das werde ich auf jeden Fall einmal auschecken, so eine Trinkmahlzeit. Aber ist es nicht so – das kann auch Halbwissen von mir sein –, dass sich die Nährstoffzusammensetzung in solchen geschredderten Sachen noch einmal ändert, wenn das zu einem Drink verarbeitet wird?
Die sind deutlich künstlicher. Das sind wirklich Trinkmahlzeiten, die teilweise auch ein Jahr ungekühlt haltbar sind. Die gibt es mit Schokogeschmack, Vanillegeschmack. Sie sind meistens süß beziehungsweise mit Süßstoffen gesüßt.
Das sind schon sehr industriell hergestellte Lebensmittel. Da sind Stoffe drin, die wirklich stabil sind. Vitamine und Mineralstoffe sind genau in der entsprechenden Menge enthalten, meistens ein Drittel des Tagesbedarfs, weil man sagt: drei Mahlzeiten pro Tag und diese sollte eine davon ersetzen.
Diese ganzen Nährstoffe sind wirklich in synthetischer Form enthalten. Die Produkte sind sehr gut haltbar. Man kann darüber streiten, ob es so toll ist, synthetische Sachen zu essen. Aber ich sage: Ein moderner Lebensstil erfordert moderne Lösungen. Lieber so etwas als die Leberkässemmel vom nächstbesten Supermarkt, muss ich wirklich sagen.
Auch wenn es manchmal wie eine süße Sünde schmeckt: Was im Körper an Nährstoffen ankommt, ist deutlich ausgewogener als bei einer Leberkässemmel.
Interessant. Das Witzige ist: Ich hatte da eine ganz falsche Vorstellung. Ich dachte, das wären frisch verarbeitete Lebensmittel, die püriert oder irgendwie zu einem Drink verarbeitet werden. Aber wenn du sagst, das ist bis zu einem Jahr haltbar, muss es ja etwas Synthetisches sein und sind gar nicht unbedingt frische Lebensmittel.
Es gibt natürlich auch Smoothies mit Obst und Gemüse. Wenn sie aber nur Obst und Gemüse enthalten und keine Form von Milchprodukt oder Ähnlichem dazukommt, sind sie vom Nährwert her nicht so ausgewogen.
Das ist schon eine Alternative, die man nehmen kann, wenn man möchte. Aber sie wird im Nährstoffverhältnis nicht so ausgewogen sein, weil wir gar nicht auf das Eiweiß kommen, das man für eine normale Mahlzeit brauchen würde.
Konzert um 20 Uhr: Was kommt wann auf den Teller?
Okay, das finde ich interessant. Lass uns jetzt genau zum Konzerttag gehen. Nehmen wir an, das Konzert beginnt um 20 Uhr. Du hast vorher gesagt, ungefähr zwei Stunden vor dem Auftritt sollte man die warme Mahlzeit zu sich genommen haben. Im Idealfall ist das aber trotzdem nichts Schweres – also besser kein Schnitzel mit Pommes.
Wenn es am Abend wirklich ein langes Konzert ist, würde ich schon eher schauen, dass man die Hauptmahlzeit zum Mittag hat. Da macht man das dann wirklich brav mit Hälfte Salat und Gemüse, Viertel, Viertel, wie ich es vorher erklärt habe.
Wenn das Konzert zum Beispiel um 20 Uhr beginnt, kann man zwei Stunden vorher vielleicht noch ein Brot mit irgendeinem Belag essen. Dann hat man schon etwas. Denn wenn man beispielsweise um 14 Uhr isst, ist die Zeitspanne bis zum Konzert wieder sehr lang. Da braucht man etwas zwischendrin.
Ich würde die Hauptmahlzeit also früher am Tag machen. Unmittelbar vor dem Konzert kann man dann noch einen Snack essen, sei es Obst oder ein Müsliriegel. Manche Leute mögen auch ein kleines Stück Brot oder ein Laugengebäck.
Laugengebäck ist jetzt nicht unbedingt das Gesündeste, aber es gibt dem Blutzuckerspiegel einen kleinen Push und liefert eine gute Energiezufuhr. Wie beim Sport: Da isst man vorher auch etwas, das schnell für den Körper verfügbar ist, ihm einen Boost gibt, und dann kann man gut ins Konzert starten.
„Ein Konzert ist wirklich eine körperliche Höchstleistung.“
Hannah Lhotta
Bist du ein Typ, der auch in der Konzertpause etwas isst, oder gar nicht?
Es kommt darauf an, wie lang das Konzert ist. Wenn man das Gefühl hat, dass es einem guttut, kann man zwischendrin noch einmal einen Snack essen. Das ist sicher nicht verkehrt, um den Blutzuckerspiegel noch einmal zu erhöhen.
Ein Konzert ist wirklich eine körperliche Höchstleistung. Der Körper verbrennt in dieser Zeit schon etwas. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Konzerten. Einige Konzerte, die ich gespielt habe, waren körperlich wirklich sehr intensiv. Oder wenn ich mir ein Rockkonzert vorstelle und der Schlagzeuger gibt Gas: Da macht es auf jeden Fall Sinn. Dann ist es wirklich mit einer Sporteinheit vergleichbar.
Da macht es Sinn, zwischendrin etwas zu essen, weil man weiß: Die Performance wird besser sein. Eindeutig.
Aber das ist auch ein bisschen eine Typfrage. Man muss ausprobieren, ob man das mag. Viele sagen, zwischendrin zu essen sei nicht so gut. Aber wenn es wirklich ein längerer Konzertabend ist, macht es auf jeden Fall Sinn.
Und das ist auch eine Schwierigkeit für Berufsmusiker, wenn sie mehrere Abende hintereinander bis spät Konzerte spielen. Ich finde es schon gut, wenn man danach noch etwas isst. Auch wenn man das Gefühl hat: „Jetzt will ich eigentlich schlafen gehen.“ Es wäre trotzdem gut, noch eine Kleinigkeit zu essen. Das kann eine Scheibe Brot mit irgendeinem Belag sein, damit der Körper noch einmal etwas bekommt.
Wasser, Zucker und Alkohol auf der Bühne
Wir haben vorher schon über das Trinken gesprochen. Was nimmst du typischerweise mit auf die Bühne?
Wasser. Ich würde auf jeden Fall Wasser empfehlen.
Wenn man über Dos und Don’ts redet, ist kohlensäurehaltiges Wasser ein zweischneidiges Schwert. Für Sängerinnen und Sänger sowie Bläserinnen und Bläser würde ich wirklich Wasser ohne Kohlensäure empfehlen. Das merkt man dann ohnehin selbst.
Wasser ist das Günstigste. Wenn ich jetzt wieder an diesen Schlagzeuger denke, der Vollgas gibt, kann es auch etwas Gesüßtes sein. Man weiß aus dem Sport, dass eine kleine Zuckermenge im Getränk die Performance steigern kann, wenn man wirklich viel verbrennt.
Wenn jemand sehr aktiv ist oder es im Konzertsaal wirklich sehr heiß ist, kann man das auch mit gesüßten Getränken machen – wenn man das Gefühl hat, dass man diese Energie wirklich braucht.
Sonst würde ich immer von gesüßten Getränken abraten.
Und natürlich muss man auch das Thema Alkohol ansprechen. Es ist besser, antialkoholische Getränke auf der Bühne zu haben. Ich weiß von einigen Musikern, dass ihnen zum Beispiel ein alkoholisches Getränk vorher bei der Lockerheit hilft. Das sollte man aber nicht zur Gewohnheit werden lassen, das möchten wir hier natürlich sagen.
Eben.
Viele sagen: „Eines geht.“ Beim zweiten denkt man dann, man spielt besser, aber eigentlich wird es nicht wirklich besser.
Ich finde, das ist alles eine Frage von Maß und Ziel. Kategorisch zu sagen: „Im Musiker-Lifestyle kein Alkohol“, ist natürlich schwierig. Jeder, der das schafft: super. Denn kein Alkohol ist besser, also so wenig wie möglich.
Und ich würde empfehlen: Wenn man wirklich ein Set hat, das länger als eine Stunde geht, muss unbedingt Flüssigkeit mit auf die Bühne. Wenn es unter einer Stunde ist – außer bei Sängerinnen und Sängern, die oft eine Flasche dabeihaben, weil sie das zwischendrin für die Stimme brauchen –, geht es sicher auch ohne. Aber bei allem, was über eine Stunde geht, sagt man auch im Sport, sollte man Flüssigkeit dabeihaben.
Wichtig, dass du den Alkohol ansprichst und natürlich auch zu betonen, dass Alkohol keine Lösung sein sollte, um mit einem guten Gefühl auf die Bühne zu gehen. Das ist ganz spannend. Wir nehmen im Mai auf, wir können hier ganz transparent sein. Die Folge kommt wahrscheinlich später raus. Ich war gerade gestern bei einem Seminar zum mentalen Auftrittstraining. Wir haben ein paar Techniken gelernt, wie man sich durch Visualisierungstechniken dieses Selbstbewusstsein auf der Bühne holen kann und sich an gute Konzert- oder Übeperformances erinnert, um vor Konzerten dieses Selbstbewusstsein zu haben und sich gut zu fühlen. Wenn jemand aus diesen Gründen Alkohol trinkt, macht es auf jeden Fall Sinn, solche Angebote einmal auszuchecken und wahrzunehmen. Und der Mai ist ja auch Mental Health Awareness Month. Wie du sagst: Das gesunde Mittelmaß ist da wahrscheinlich entscheidend.
Kaffee vor dem Konzert: Leistungsbooster oder Nervositätsverstärker?
Ein anderes Getränk, das vielleicht ähnlich kontrovers ist – das kannst du gleich einordnen –, ist Koffein. Ich bin ein riesengroßer Kaffee-Fan. Wie ist es mit Koffein? Wir hatten vorher diese schöne Wellenkurve beim Blutzuckerspiegel. Ich könnte mir vorstellen, dass beim Koffeinkonsum der Wachheitspegel kurz in die Höhe schnellt, aber wahrscheinlich auch wieder relativ stark absinkt. Wie stehst du zu Kaffee bei langen Proben- und Übetagen?
Da gibt es schon ganz konkrete Empfehlungen. Alles bis drei Tassen Kaffee pro Tag ist völlig in Ordnung. Kaffee hat auf gewisse Organsysteme auch positive Auswirkungen.
Alles, was über drei Tassen hinausgeht, ist schon viel. Aber man kann Kaffee für sich nutzen. Das wird im Sport auch genutzt. Es ist eine Leistungssteigerung.
Ich finde, da spricht eigentlich nichts dagegen, wenn man sich an dieser Menge orientiert und es für sich plant: „Okay, jetzt weiß ich, mein Nachmittagstief kommt. Dann trinke ich einen Kaffee und es geht wieder besser.“ Das kann man ruhig so machen.
Man merkt, ich bin in meinen Dreißigern: dieses Radfahrer-Thema, dass man vor der Radfahrt noch einen Espresso trinkt. Würdest du empfehlen, vor dem Konzert einen Espresso zu trinken? Macht das Sinn?
Kann man auf jeden Fall machen, ja. Wenn man eher dazu neigt, nervös zu sein, dann vielleicht eher nicht.
Steigert das vielleicht die Nervosität?
Ja. Aber wenn man sagt: „Ich will jetzt wirklich performant sein“, natürlich.
Man muss nur etwas aufpassen, je nachdem, zu welcher Tageszeit es ist. Viele Menschen sind recht sensibel und Koffein wirkt sich später auf die Schlafqualität aus. Da sollte man einen guten Zeitraum einhalten.
Es ist ganz individuell, wie viel man verträgt. Manche Leute trinken spätabends noch Kaffee und schlafen trotzdem gut. Andere spüren es, wenn sie um 18 Uhr einen Kaffee getrunken haben, und können nicht einschlafen. Da sollte man für sich selbst schauen, was funktioniert.
Aber grundsätzlich spricht nichts gegen Koffein.
Was Musiker vom Sport übernehmen können
Gibt es noch ein paar „Tweaks“ aus dem Sport, die wir für uns nutzen können? Wir haben den Koffeinkonsum angesprochen und die kleine Mahlzeit direkt vor dem Konzert. Gibt es noch ein paar Sachen, die man sich da herauskopieren kann?
Flüssigkeitszufuhr, das haben wir auch schon besprochen. Das sind, würde ich sagen, die wichtigsten Dinge.
Und vielleicht – weil es mir gerade einfällt –, das hat zwar mit Ernährung nichts zu tun, aber mit Musikergesundheit: ein kleines Bewegungs-Warm-up vor dem Konzert.
Man fördert die Beweglichkeit der Hände und vielleicht auch der Füße, die man während des Konzerts braucht. Der Körper ist keine Maschine. Er profitiert davon, wenn man ihm kurz einen Hinweis gibt, was jetzt kommt.
Man wärmt sich körperlich ein bisschen auf, schüttelt die Schultern, macht etwas Atemtraining vorher. Oder einfach entspanntes Atmen vor dem Konzertauftritt. Das hilft für die Performance auf jeden Fall viel, sagt mir meine eigene Erfahrung.
Das kann ich auf jeden Fall bestätigen.
Mehr Gemüse – und vor allem mehr Planung
Vielleicht, um das Thema abzurunden und langsam gegen Ende zu kommen: Wenn du aus deiner eigenen Erfahrung und deinem Berufsalltag schaust, was wäre die eine Veränderung, bei der du beobachtest, dass sie sofort einen sichtbaren und positiven Effekt hat? Wenn man aus dieser Folge herausgeht: Was wäre die eine Empfehlung, die man versuchen sollte, in seinen Alltag – sei es Übealltag, Probenalltag oder Konzertalltag – zu integrieren, bei der man sofort eine positive Veränderung spürt?
Das Erste wäre: mehr Gemüse essen. Das würde ich jedem in der Allgemeinbevölkerung raten, weil der Durchschnittseuropäer einfach zu wenig Gemüse isst.
Da merkt man wirklich schnell Effekte. Es ist für die Verdauung richtig gut, für die allgemeine Gesundheit gut und auf jeden Fall eine Investition in eine gesunde Zukunft, darauf zu schauen, mehr Gemüse zu essen.
Das führt mich direkt zum zweiten Punkt: Mehr Gemüse essen zu wollen, erfordert Planung.
Bevor man in den Tag startet, sollte man sich überlegen: Was will ich heute essen und wann kann ich heute essen? Wenn man die Frage mit „Ich weiß es nicht“ beantwortet, sollte man sich etwas mitnehmen. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass man keinen schönen, gesunden Tagesablauf mit dem Essen hinbekommt.
Ich würde also auf jeden Fall sagen: planen.
Und wenn man weiß, dass frische Lebensmittel nicht so gut verfügbar sind, nimmt man Obst und Gemüse mit, ein paar Nüsse und schaut einfach, dass man diese gesunden Lebensmittel – wir wissen alle, was gesunde Lebensmittel sind – ganz aktiv öfter am Tag einplant.
Das wäre nicht nur für Musiker, sondern für jeden Menschen gut.
Da kann ich dir nur zustimmen. Ich kenne das aus meiner eigenen Erfahrung. Ich habe Phasen, da bin ich Fan von Meal Prep und mache mir am Tag vorher Gedanken: Was kann ich essen? Gerade an langen Arbeits- und Probentagen bin ich manchmal ganz gut darin, mir Sachen mitzunehmen. Ich muss aber gestehen: An Konzerttagen bin ich unfassbar schlecht darin und verlasse mich immer darauf, dass es am Konzertabend vor Ort etwas gibt. Mir ist schon oft aufgefallen, dass es dann nichts Passendes gab und man vielleicht doch nur einen Salat isst, weil man das Fleisch nicht essen will oder vor dem Konzert nichts so Fettiges essen möchte. Das werde ich auf jeden Fall aus der Folge mitnehmen: nicht nur meine Proben hier und da ein bisschen zu planen, sondern auch das Essen, das man zu Konzerten und Proben mitnimmt, im Blick zu haben.
„Sobald jemand zuhört, spielt man schon ein Drittel schlechter“
Ich habe zum Abschluss noch zwei Fragen, die ich eigentlich allen meinen Gästen stelle. Die möchte ich auch dir gerne stellen. Was lernst oder übst du gerade, was du noch nicht so gut kannst? Das darf gerne auch außerhalb des musikalischen oder diätologischen Kosmos sein. Gibt es etwas, was du gerade neu lernst?
Neu lernen nicht unbedingt, aber wieder aufgerollt: Ich übe wieder ein bisschen mehr Klavier.
In dem Lehrgang, den ich damals gemacht habe, war es leider nicht obligatorisch, Klavier zu lernen. Und wenn es nicht obligatorisch ist, ist man oft nicht ganz so dahinter.
Ich finde es einfach wahnsinnig nützlich. Das ist bei mir gerade auf dem Plan: Klavier.
Das ist cool. Und wenn du auf deinen Werdegang und deine Studienzeit zurückschaust: Gibt es einen Tipp, um den du damals froh gewesen wärst, wenn du ihn schon gehabt hättest?
Das ist eine sehr gute Frage. Da gibt es wahrscheinlich viele Sachen.
Was bei mir ein Game Changer war: Ich habe gerade am Anfang meines Lehrgangs gemerkt, dass sich das Niveau, das man im Proberaum hat, sehr stark von dem Niveau auf der Bühne unterscheidet. Teilweise auch im Unterricht mit Lehrern: Sobald jemand zuhört, spielt man schon ein Drittel schlechter.
Ich habe mich dann ganz viel mit Mentaltraining und Auftrittstraining beschäftigt. Was braucht es, um nach Fehlern weiterzuspielen? Was tut man, wenn das und das passiert? Wie kann man sich selbst vor dem Konzert beruhigen, damit man es mehr genießen kann?
Es geht ja eigentlich darum, im Konzert auch selbst Genuss zu haben.
Ich habe dann einen Online-Kurs gemacht und das war wirklich ein Game Changer für mich, weil man dadurch dieses Niveau vom Proberaum und auf der Bühne gut aneinander annähern kann.
Ab da habe ich begonnen, Konzerte richtig, richtig, richtig zu genießen und in diesen Flow-Zustand hineinzukommen.
Das habe ich erst gegen Ende meines Lehrgangs gemacht. Wenn ich das vorher schon gemacht hätte, hätte es mir viel Nervosität und viele Konzerte erspart, bei denen ich im Endeffekt nicht so zufrieden war.
Das unterschreibe ich auf jeden Fall. Ich finde, das ist ein schöner Take-away aus der Folge. Hanna, ganz herzlichen Dank. Das hat richtig großen Spaß gemacht. Ich habe wirklich etwas gelernt und vielen, vielen Dank für deine Zeit.
Ja, danke für die Einladung. Hat mich sehr gefreut.
Ja, das freut mich.
Wer schreibt hier eigentlich..?
Patrick Hinsberger studierte Jazz Trompete bei Matthieu Michel und Bert Joris und schloss sein Studium im Sommer 2020 an der Hochschule der Künste in Bern (Schweiz) ab.
Seit seiner Bachelor-Arbeit beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema musikalisches Üben und hostet seit 2021 den Interview-Podcast "Wie übt eigentlich..?"
