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Alle tun es, doch es scheint, als möchte niemand allzu gerne darüber sprechen. Üben. Musiker*innen verschiedenster Genres verbringen im Laufe ihrer Karriere Tausende von Stunden mit ihrem Instrument, ohne dabei wirklich regelmäßig den Austausch zu anderen zu suchen und zu erfragen, was er oder sie denn gerade so übe. Der Prozess musikalischer Weiterentwicklung versteckt sich hinter einer großen Portion Mystik, deren Schleier niemand recht lüften möchte. Sei es aus Scham, Konkurrenzdenken oder schlicht weil man nie so recht auf dieses Thema zu sprechen kommt.

Doch wäre es nicht gerade interessant zu wissen, was der Kommilitone, der Mitspieler*in oder Freund*in in Verein und Band gerade so an seinem Instrument erarbeitet? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eventuell selbst gerade das Gleiche übt und gegenseitig von Tipps und Ratschlägen profitieren könnte? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein erfahrener Spieler einem selbst neue Inspiration und Impulse für die nächste Übesession geben kann, einem ein neues Stück zeigt oder man durch das Gespräch einen neuen Spieler kennenlernt?

All diese Fragen, die sonst viel zu selten gestellt werden möchte ich in Zukunft regelmäßig in der Reihe „Wie übt eigentlich…?“ versuchen zu beantworten. Denn von anderen lernen heißt auch immer über sich selbst etwas zu erfahren.

Diesen Monat mit: Anton Richter

Der gebürtige Berliner Anton Richter studierte Horn an der Universität der Künste in Berlin bei Prof. Christian-Friedrich Dallmann und ist seit 2017 Solohornist am Staatstheater in Saarbrücken. Hier kreuzten sich auch unsere Wege.

Als Instrumentalist träumt man ja davon, dass irgendwann das Instrument eine Verlängerung der eigenen Sprache wird. Beim der Improvisation spricht man förmlich durch das Instrument und erzählt seine Geschichte. Jedoch besonders als Blechbläser steht man oft vor dem Phänomen, dass technische Dinge die am Vortag noch funktionierten, Tage später plötzlich nicht mehr da sind. Die Methode von Malte Burba, die auch Anton aus einer blechbläserischen Krise geholfen hat und dir er inzwischen auch selbst als Lehrer weitergibt, ist ein solcher Weg ein technisch sehr fundiertes Wissen über sein Blechblasinstrument zur erlangen.

Das Interview

Vervollständige folgenden Satz: Üben heißt für Dich….

… meine technischen und musikalischen Fähigkeiten gezielt zu verbessern.

 Welche CD hat Dich musikalisch (auf Dein Spiel bezogen) am meisten geprägt ?

Es waren einige dabei. Von den Beatles über Helge Schneider zu vielen klassischen Interpreten.

Gibt es ein Buch, welches Deine Übestrategien / Herangehensweise ans Üben nachhaltig beeinflusst oder vielleicht sogar verändert hat ?

BrassMasterClass“* und “Werde dein Lehrer“*. Beide sind sehr strukturiert und verständlich geschrieben. Keine schwammigen Begriffe und Formulierungen.

Nicht immer klappt das Planen der Übezeit, so wie man es sich vorstellt. Man muss viel reisen, möchte gerne Zeit für die Familie freihalten oder hat aus anderen Gründen keine Zeit sein volles Übeprogramm zu absolvieren. Hast Du an solchen Tagen eine „Minimal-Routine“, auf die Du dann zurückgreifst ?

Definitiv! Und dieses Minimalprogramm ist auch sehr flexibel, je nachdem, wie viel Zeit mir bleibt und welche äußeren Faktoren hinzukommen.

Manchmal gibt es aber auch Tage, an denen einfach nichts ansteht und man Zeit und Lust zum Üben hat. Kannst Du beschreiben, wie ein solcher Tag dann bei dir aussieht?

Schwierig zu sagen, weil es sehr unterschiedlich ist. 

“Üben heißt für mich meine technischen und musikalischen Fähigkeiten gezielt zu verbessern.”

(Anton Richter)

 Wie gehst du mit Fehlern um ?

Ich stelle mir manchmal die Frage, was überhaupt ein Fehler ist? Beim Improvisieren beispielsweise ist es schwer zu sagen. Aber wenn es darum geht etwas exakt reproduzierbar zu machen: Wenn es nicht geklappt hat, dann nochmal versuchen, wenn es dann nicht gut funtioniert die Strategie ändern oder später wieder probieren.

Viele kleine Übe-Einheiten oder lieber ein paar längere am Stück ? Und warum ?

Eher viele kleine, damit die Konzentration erhalten bleibt. Aber manchmal auch eine längere, wenn es gut läuft und ich mich nicht nach einer Pause fühle.

Übst Du Gehörbildung, Harmonielehre oder Rhythmik noch gesondert in Deiner Überoutine ? Oder falls nicht, wie schaffst Du es, bewusst diese Bereiche in Dein Üben einzubauen ?

Oft einfach beim Hören von Musik diese analysieren. 


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Dieser Blog ist entstanden aus meiner Bachelor-Arbeit an der Hochschule der Künste in Bern und trägt sich leider noch nicht selbst. Mit der Aktion “Musenküsse für’s Notenpult – Postkarten für den guten Zweck” möchte ich die Arbeit des SOS-Kinderdorfs Frankfurt-Sossenheim unterstützen. Im dortigen SOS-Kinder- und Familienzentrum werden unter anderem Kreativ- und Musikkurse angeboten, um den Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Erlernen eines Musikinstrumentes zu ermöglichen. Von jedem erworbenen Postkarten-Set gehen 10% an das SOS-Kinderdorf.
Gleichzeitig erlauben die Postkarten es mir, auch weiterhin an diesem diesem Blog zu arbeiten und seine Unkosten zu decken.


An manchen Tagen will einfach mal nichts so gelingen, wie man es gerne möchte. Womit schaffst Du es auf andere Gedanken zu kommen ? 

Ich mache mir bewusst, dass ein Tal in der Leistungs-/Lernkurve dazugehört und bei regelmäßigem und sinnvollem Üben die Kurve langfristig nur steigen wird.

Wie hat sich das Üben im Laufe Deiner Musiker-Karriere verändert ?

Es ist konzentrierter und sinnvoller.

Hast Du eine bestimmt Routine, mit der Du an ein neues Stück, das Du gerne lernen möchtest, herangehst ?

Nein. Es hängt ganz von den Anforderungen des Stückes ab.

“Wer faul ist (und trotzdem vorankommen will) übt jeden Tag.”

(Anton Richter)

Üben sollte ja nicht nur monotones Wiederholen, sondern im besten Fall auch Abwechslung und Kreativität sein. Was war die letzte (neueste) Idee, die Du bei deinem eigenen Üben in letzter Zeit ausprobiert hast ?

Ich habe eine Konstruktion gebastelt, die Rücken, Arme und Nacken entlastet. (Die Haltung beim Hornspielen ist sehr einseitig und kann langfristig körperliche Schmerzen verursachen.) 

Hast Du einen bewusst gewählten freien Tag in der Woche ? Wie leicht fällt es Dir guten Gewissens diesen Tag auch wirklich frei zu halten ?

Nein. Wer faul ist (und trotzdem vorankommen will) übt jeden Tag.

Early Bird oder lieber spät am Abend üben ?

Ich versuche ersteres (früh üben). Manchmal klappt es, manchmal nicht.

Was lernst (übst) Du gerade, was Du noch nicht kannst ?

 „Können“ oder „nicht können“ ist ja eine Ansichtssache. Aber in jedem für Blechbläser relevanten Arbeitsfeld sehe ich noch Potential.

Welchen Tipp würdest Du Deinem jüngerem, Erstsemester-Musikstudenten-Ich gerne mitgeben, um den Du damals froh gewesen wärst

Ich hätte mir gewünscht, dass mir jemand früher erklärt, wie ein Blechblasinstrument funktioniert.


*Werbung, da Link zu Amazon

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