“Wie übt eigentlich…?” Spotify-Playliste
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Musenküsse fürs Notenpult - Postkarten für den guten Zweck
Musenküsse für’s Notenpult – Postkarten für den guten Zweck
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Alle tun es, doch es scheint, als möchte niemand allzu gerne darüber sprechen. Üben. Musiker*innen verschiedenster Genres verbringen im Laufe ihrer Karriere Tausende von Stunden mit ihrem Instrument, ohne dabei wirklich regelmäßig den Austausch zu anderen zu suchen und zu erfragen, was er oder sie denn gerade so übe. Der Prozess musikalischer Weiterentwicklung versteckt sich hinter einer großen Portion Mystik, deren Schleier niemand recht lüften möchte. Sei es aus Scham, Konkurrenzdenken oder schlicht weil man nie so recht auf dieses Thema zu sprechen kommt.

Doch wäre es nicht gerade interessant zu wissen, was der Kommilitone, der Mitspieler*in oder Freund*in in Verein und Band gerade so an seinem Instrument erarbeitet? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eventuell selbst gerade das Gleiche übt und gegenseitig von Tipps und Ratschlägen profitieren könnte? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein erfahrener Spieler einem selbst neue Inspiration und Impulse für die nächste Übesession geben kann, einem ein neues Stück zeigt oder man durch das Gespräch einen neuen Spieler kennenlernt?

All diese Fragen, die sonst viel zu selten gestellt werden möchte ich in Zukunft regelmäßig in der Reihe „Wie übt eigentlich…?“ versuchen zu beantworten. Denn von anderen lernen heißt auch immer über sich selbst etwas zu erfahren.

Diesen Monat: Philipp Schug

Philipp Schug zählt zu der Gattung Musikerpersönlichkeit, die sowohl auf, als auch abseits der Bühne eine solche Inspiration und Leidenschaft versprühen, die geradezu magisch ist. Bereits schon nach wenigen Augenblicken ist man als Zuhörer verzaubert. Zumindest erging es mir bei unseren Treffen immer so.

Der Saarländer, den es zum Studium bei Bart van Lier an die Folkwang Universität der Künste zog, ist seit 2017 Mitglied der Bigband der Bundeswehr. Neben seiner Tätigkeit als Sectionspieler, ist er allerdings auch mit seinem eigenen Projekt “Philipp Schug Quartett” umtriebig.

Darüberhinaus ist er ein ebenso gefragter Pädagoge. Davon zeugen nicht nur seine Jahre als Dozent an der Hochschule für Musik Saar, sondern auch eine eigene Posaunen-Schule (“Trombone Essentials” im Crescendo Verlag).

Das Interview

Vervollständige folgenden Satz: Üben heißt für Dich….

…mich jeden Tag aufs Neue herauszufordern.

Welche Musik (Album / Künstler) läuft bei dir gerade in Dauerschleife ?

Momentan verfolge ich Cory Wong sehr aufmerksam. Aber auch Joel Frahm steht hoch im Kurs.

Welche CD hat Dich musikalisch (auf Dein Spiel bezogen) am meisten geprägt ?

Also posaunistisch kann ich das ziemlich genau festlegen: Es sind die Platten „Purity“ von Albert Mangelsdorff, „The Opener“ von Curtis Fuller und „Twilight“ von Bart van Lier. Klar höre ich und interessiere ich mich für viele andere Posaunisten, aber diese drei sind für mich echte Dauerbrenner.

Musikalisch hat mich außerdem Michael Brecker immer sehr fasziniert. Die Platten von ihm „Time is of the essence“ und „Wide angels“ haben mich sehr beeindruckt. Eigentlich müsste ich an der Stelle noch jede Menge andere CDs aufführen, wie zum Beispiel die Preludes von Debussy und viele mehr.

Aktuell bist Du bist Mitglied der Bigband der Bundeswehr. Auf Tour oder an vollen Tagen klappt das Planen der eigenen Übezeit sicher nicht immer so, wie man es sich wünscht. Hast Du an solchen Tagen eine „Minimal-Routine“, auf die Du dann zurückgreifst ?

Ja, die habe ich. Das beginnt schon morgens im Hotelzimmer vor dem Frühstück. Da checke ich kurz die Verfassung. Halte mit Übedämpfer ein paar Töne aus und spiele langsame Bindungen, nichts Wildes. Grundsätzlich reduziere ich mich auf Tour immer auf die absoluten Basics. Diese helfen mir auch dann fit zu bleiben wenn die Zeit knapp ist. Dann auch natürlich vorm Soundcheck und vorm Konzert. Da ist immer bisschen Zeit. Aber immer mit dem Fokus auf Entspannung, Sound und Leichtigkeit.

Wie gehst du mit Fehlern um ?

Mal so, mal so… Manchmal stehe ich drüber und manchmal machen sie mich fertig. Stehe ich drüber, sind sie schnell vergessen. Machen sie mich fertig braucht es auch schonmal etwas länger. Daraus zu lernen versuche ich aber immer.

Viele kleine Übe-Einheiten oder lieber ein paar längere am Stück ? Und warum ?

Für mich ist es am Besten wenn ich in Blöcken à 30 Minuten übe. Diese sind dann immer recht strukturiert und jeder Block für sich bildet eine eigene Thematik ab. Diese 30 Minuten sind auch eine Zeitspanne, in der ich ganz gut fokussiert bin. Wenn ich merke, dass ich gerade einen Lauf habe kann es auch schonmal länger sein. Das hilft mir auch dann am Ball zu bleiben, wenn die Motivation gerade im Keller ist.


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Dieser Blog ist entstanden aus meiner Bachelor-Arbeit an der Hochschule der Künste in Bern und trägt sich leider noch nicht selbst. Mit der Aktion “Musenküsse für’s Notenpult – Postkarten für den guten Zweck” möchte ich die Arbeit des SOS-Kinderdorfs Frankfurt-Sossenheim unterstützen. Im dortigen SOS-Kinder- und Familienzentrum werden unter anderem Kreativ- und Musikkurse angeboten, um den Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Erlernen eines Musikinstrumentes zu ermöglichen. Von jedem erworbenen Postkarten-Set gehen 10% an das SOS-Kinderdorf.
Gleichzeitig erlauben die Postkarten es mir, auch weiterhin an diesem diesem Blog zu arbeiten und seine Unkosten zu decken.


Übst Du Gehörbildung, Harmonielehre oder Rhythmik noch gesondert in Deiner Überoutine ? Oder falls nicht, wie schaffst Du es, bewusst diese Bereiche in Dein Üben einzubauen ?

Gehörbildung ist tatsächlich was, was eher unregelmäßig auf dem Plan steht. Eigentlich höre ich ja die ganze Zeit aufmerksam. Aber es kommt schon auch vor dass ich am Klavier Akkorde singe oder Intervalle checke. Harmonielehre und Rhythmik stehen bei mir aber täglich auf dem Programm und sind fester Bestandteil meiner Überoutine.

Wie schaffst du es / Wie hast du es geschafft Dein Üben langfristig zu strukturieren ? 

Ich führe schon seit langer Zeit ein Übetagebuch. Dieses hilft mir sehr einen Überblick zu behalten, so dass wirklich alle Bestandteil regelmäßig geübt werden. Mittlerweile habe ich ja auch einen Pool an Übungen von denen ich weiß welchen Effekt sie auf mein Spiel haben und wie ich damit umzugehen hab. Aus diesem Pool wird dann auch regelmäßig abgewechselt. Andere Übungen mache ich aber starr täglich weil sie mir einfach gut tuen.

“Ich führe schon seit langer Zeit ein Übetagebuch. Dieses hilft mir sehr einen Überblick zu behalten so dass wirklich alle Bestandteil regelmäßig geübt werden.”

(Phillip Schug)

Wie hat sich das Üben im Laufe Deiner Musiker-Karriere verändert ?

Stand jetzt habe ich ja bereits geschildert, also kurze Übephasen à 30 Minuten, abwechselnde Übungen und Übetagebuch. Das war anfänglich nicht immer so. Da hab ich auch oft drauf los gespielt und zu lange am Stück gespielt. Das hat mir mein Körper oft mit Verspannungsschmerzen quittiert.

Hast Du eine bestimmt Routine, mit der Du an ein neues Stück, das Du gerne lernen möchtest, herangehst ?

Bei einem Standard spiele ich das Thema und anschließend die Grundtöne der Akkorde. Das baue ich dann weiter aus. Vierklänge spielen, Walking Bass und durchgehende Achtellinien. Bis sich der Sound/ Charakter des Stückes im Kopf festgesetzt hat.

Üben sollte ja nicht nur monotones Wiederholen, sondern im besten Fall auch Abwechslung und Kreativität sein. Was war die letzte (neueste) Idee, die Du bei deinem eigenen Üben in letzter Zeit ausprobiert hast ?

Ich versuche mich momentan etwas herauszufordern, indem ich vieles auswendig lernen möchte. So habe ich mich an die Cellsuiten von Bach herangewagt. Gerade bin ich am Preludes der 2. Suite. Da geht dann schonmal viel Zeit ins Land, befriedigt mich aber ungemein, wenn was hängen geblieben ist 🙂

“Für mich ist es am Besten wenn ich in Blöcken à 30 Minuten übe. Diese sind dann immer recht strukturiert und jeder Block für sich bildet eine eigene Thematik ab. Diese 30 Minuten sind auch eine Zeitspanne, in der ich ganz gut fokussiert bin. (…) Das hilft mir auch dann am Ball zu bleiben, wenn die Motivation gerade im Keller ist.”

(Philipp Schug)

Hast Du einen bewusst gewählten freien Tag in der Woche ? Wie leicht fällt es Dir guten Gewissens diesen Tag auch wirklich frei zu halten ?

Klar. Ein Tag in der Woche mache ich immer Pause. Abstand hilft mir auch um Kraft zu schöpfen.

Early Bird oder lieber spät am Abend üben ?

Defintiv vormittags, also Early Bird. Abends arrangiere ich, wenn ich nicht unterwegs bin.

Was lernst (übst) Du gerade, was Du noch nicht kannst ?

Siehe Frage 11:-))) Ansonsten gibt es da 1000 Sachen die zu üben sind. Skalen üben die nicht oder nicht mehr geläufig sind und das Integrieren ins eigene Spiel zum Beispiel.

Welchen Tipp würdest Du Deinem jüngerem, Erstsemester-Musikstudenten-Ich gerne mitgeben, um den Du damals froh gewesen wärst ?

Von Anfang an die Informationen besser zu sortieren, ordentlicher zu sein und konzentrierter sowie strukturierter zu Üben.

“Von Anfang an die Informationen besser zu sortieren, ordentlicher zu sein und konzentrierter sowie strukturierter zu Üben.”

(Philipp Schug)

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