In 4 Schritten zu mehr Übespass mit dem Metronom
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Wie übt eigentlich Nicole Johänntgen?
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Wie übt eigentlich Marc Stucki

Alle tun es, doch es scheint, als möchte niemand allzu gerne darüber sprechen. Üben. Musiker*innen verschiedenster Genres verbringen im Laufe ihrer Karriere Tausende von Stunden mit ihrem Instrument, ohne dabei wirklich regelmäßig den Austausch zu anderen zu suchen und zu erfragen, was er oder sie denn gerade so übe. Der Prozess musikalischer Weiterentwicklung versteckt sich hinter einer großen Portion Mystik, deren Schleier niemand recht lüften möchte. Sei es aus Scham, Konkurrenzdenken oder schlicht weil man nie so recht auf dieses Thema zu sprechen kommt.

Doch wäre es nicht gerade interessant zu wissen, was der Kommilitone, der Mitspieler*in oder Freund*in in Verein und Band gerade so an seinem Instrument erarbeitet? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eventuell selbst gerade das Gleiche übt und gegenseitig von Tipps und Ratschlägen profitieren könnte? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein erfahrener Spieler einem selbst neue Inspiration und Impulse für die nächste Übesession geben kann, einem ein neues Stück zeigt oder man durch das Gespräch einen neuen Spieler kennenlernt?

All diese Fragen, die sonst viel zu selten gestellt werden möchte ich in Zukunft regelmäßig in der Reihe „Wie übt eigentlich…?“ versuchen zu beantworten. Denn von anderen lernen heißt auch immer über sich selbst etwas zu erfahren.

Diesen Monat mit: Marc Stucki

An der Hochschule der Künste Bern, wo Marc Stucki lehrt, begegnet man ihm vor allen Dingen immer dann, wenn es um Pädagogik geht. Als Fachbereichsleiter gibt er genau die Sorte von wertvollen Tipps, die es später als angehender Instrumentallehrer braucht, damit der eigene Unterricht sowohl für Lehrer als auch Schüler spannend bleibt. Eigentlich liegt es damit bereits auf der Hand, warum es genau ihn in dieser Interview-Reihe gebraucht hat.

Darüber hinaus ist Marc Stucki Mitbegründer und künstlerischer Co-Leiter der Jazzwerkstatt Bern. Musikalisch ist er sowohl in eigenen Formationen (Marc Stucki Trio, Marc Stucki Solo) als auch als Sideman (Le Rex, Skyjack) unterwegs.

Das Interview

Vervollständige folgenden Satz: Üben heißt für Dich….

mir Zeit nehmen für mich und mein(e) Instrumente.

Welche CD hat Dich musikalisch (auf Dein Spiel bezogen) am meisten geprägt ?

Keine. Ich würde sagen das waren verschiedene Einflüsse: Coltrane, Archie Shepp, Ellery Eskelin, aber auch Bach, Chicago Art Ensemble, George Clinton, Sun Ra.

Gibt es ein Buch, welches Deine Übestrategien / Herangehensweise ans Üben nachhaltig beeinflusst oder vielleicht sogar verändert hat ?

Nein. Ich habe viele Artikel über Hirnforschung gelesen, die ich anzuwenden versuche wenn ich neue, technische Sachen erlerne.

Nicht immer klappt das Planen der Übezeit, so wie man es sich vorstellt. Man muss viel reisen, möchte gerne Zeit für die Familie freihalten oder hat aus anderen Gründen keine Zeit sein volles Übeprogramm zu absolvieren. Hast Du an solchen Tagen eine „Minimal-Routine“, auf die Du dann zurückgreifst ?

Ja. Die geht eine halbe Stunde und ist darauf ausgelegt, dass mein Ansatz stehen bleibt.

„Ich transkribiere immer und immer noch Solos, ich habe das Gefühl da kommt alles vor.“

(Marc Stucki)

Würdest Du sagen, dass sich Dein eigenes Üben verändert hat seitdem Du selbst unterrichtest ?

Ja. Ich habe mal weniger Zeit. Aber ich bin auch effizienter geworden, weil ich mir jeweils überlege wie ich das vermitteln würde und es dann an mich vermittle.

Wie gehst du mit Fehlern um ?

Ich versuche (Hirnforschung) bei technischen Sachen von Anfang an keine Fehler zu machen. Bei der Improvisation gibt es für mich keine Fehler.

Viele kleine Übe-Einheiten oder lieber ein paar längere am Stück ? Und warum ?

Viele kleine Einheiten. Oder auf jeden Fall viele Pausen. Um die Aufmerksamkeitsspanne möglichst hoch zu halten.


Kaffeepause - what-is-practice

Kaffeepause

Euch gefällt, was Ihr hier ließt ?

Dieser Blog ist entstanden aus meiner Bachelor-Arbeit an der Hochschule der Künste in Bern und trägt sich leider noch nicht selbst. Ich freue mich also über jede einzelne, kleine Unterstützung.


Übst Du Gehörbildung, Harmonielehre oder Rhythmik noch gesondert in Deiner Überoutine ? Oder falls nicht, wie schaffst Du es, bewusst diese Bereiche in Dein Üben einzubauen ?

Ich transkribiere immer und immer noch Solos, ich habe das Gefühl da kommt alles vor.

An manchen Tagen will einfach mal nichts so gelingen, wie man es gerne möchte. Womit schaffst Du es auf andere Gedanken zu kommen ? 

Gar nicht manchmal. Ich mache dann das Minimum und wenn noch Zeit da ist spiele ich einfach.

Wie hat sich das Üben im Laufe Deiner Musiker-Karriere verändert ?

Ich war früher viel „verbissener“. Ich habe gemerkt, dass es nichts bringt immer besser zu werden sondern, dass ich meinen Fokus auf meine Musikalität legen muss, damit das Üben für mich auch interessant und locker bleibt.

Hast Du eine bestimmt Routine, mit der Du an ein neues Stück, das Du gerne lernen möchtest, herangehst ?

Ich spiele alle Stücke die ich lernen möchte komplett immer ohne Begleitung und versuche die Akkordstruktur so lange auf dem Horn auszuspielen bis ich sie verinnerlicht habe. Das mache ich weil es mir so am meisten Spass macht.

„Ich war früher viel „verbissener“. Ich habe gemerkt, dass es nichts bringt immer besser zu werden sondern, dass ich meinen Fokus auf meine Musikalität legen muss, damit das Üben für mich auch interessant und locker bleibt.“

(Marc Stucki)

Üben sollte ja nicht nur monotones Wiederholen, sondern im besten Fall auch Abwechslung und Kreativität sein. Was war die letzte (neueste) Idee, die Du bei deinem eigenen Üben in letzter Zeit ausprobiert hast ?

Ich hab mal wieder ein Solo aus dem Groove/Afro Bereich angefangen rauszuhören, das mir schon beim Zuhören immer Spass gemacht hat. Ist halt dann nicht so „hochstehend“, aber geht ab!

Hast Du einen bewusst gewählten freien Tag in der Woche ? Wie leicht fällt es Dir guten Gewissens diesen Tag auch wirklich frei zu halten ?

Seit ich Kinder habe übe ich am Wochenende eigentlich nie.

Early Bird oder lieber spät am Abend üben ?

Seit ich Kinder habe Early Bird, früher sehr gerne Abends. Aber am Nachmittag bin ich immer noch nicht zu gebrauchen, da mach‘ ich Büro.

Was lernst (übst) Du gerade, was Du noch nicht kannst ?

Das angesprochene Solo. Es ist sehr schnell, ich lege den Fokus aufs gerade Up-Phrasing, das tut mir gut!

Welchen Tipp würdest Du Deinem jüngerem, Erstsemester-Musikstudenten-Ich gerne mitgeben, um den Du damals froh gewesen wärst ?

Take it easy! Spass muss sein, sonst bleibt nichts hängen!

„Take it easy! Spass muss sein, sonst bleibt nichts hängen!“

(Marc Stucki)

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