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	<title>Patrick Hinsberger &#8211; what is practice</title>
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	<title>Patrick Hinsberger &#8211; what is practice</title>
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	<item>
		<title>Richtig üben statt mehr üben: Was die Wissenschaft wirklich über Übungsqualität sagt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Mar 2026 22:53:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie viele Stunden übst du täglich? (Und warum das die falsche Frage ist) Es gibt eine Frage, die unter Musikerinnen und Musikern eine merkwürdige Wirkung hat. Stell sie in einer Proben-Runde, nach einem Konzert, beim Kaffee mit Kolleg*innen — und warte auf ihre Reaktion: „Wie viele Stunden übst du eigentlich pro Tag?&#8220; Die Antworten kommen&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/aus-der-wissenschaft/richtig-ueben-musik/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Richtig üben statt mehr üben: Was die Wissenschaft wirklich über Übungsqualität sagt</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Wie viele Stunden übst du täglich? (Und warum das die falsche Frage ist)</h2>



<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/2c8e0b68a64645c6b112d215f9db01a7" width="1" height="1" alt="">



<p>Es gibt eine Frage, die unter Musikerinnen und Musikern eine merkwürdige Wirkung hat. Stell sie in einer Proben-Runde, nach einem Konzert, beim Kaffee mit Kolleg*innen — und warte auf ihre Reaktion:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/wie-geht-effektives-ueben/">„Wie viele Stunden übst du eigentlich pro Tag?&#8220;</a></em></p>
</blockquote>



<p>Die Antworten kommen zögerlich. Zwei Stunden. „Im Moment leider nur 30 Minuten.&#8220; Und fast immer folgt, fast reflexartig, der Satz: <em>„Ich sollte eigentlich mehr üben.&#8220;</em></p>



<p>Ich kenne dieses Gefühl gut. Und ich habe lange geglaubt, dass mehr Stunden automatisch mehr Fortschritt bedeuten. Die Botschaft war überall: Malcolm Gladwells <em>Outliers</em> hat die „10.000-Stunden-Regel&#8220; in die Popkultur eingebrannt. <strong>K. Anders Ericssons</strong> Forschung zu <em>Deliberate Practice</em> schien zu belegen, dass Expertise vor allem eine Frage der akkumulierten Übungszeit ist. Das Versprechen war demokratisch und motivierend: Nicht Talent entscheidet — sondern Disziplin.</p>



<p>Aber was, wenn diese Gleichung zu einfach ist? Eine kritische Review aus dem Jahr 2020 stellt das gesamte <strong>Deliberate-Practice-Framework</strong> auf den Prüfstand. Wir schauen uns nicht nur die Ergebnisse dieser Review an, sondern ich möchte auch zeigen, warum ein Umformulieren der Frage ebenfalls hilfreich sein kann. </p>



<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="zehntausend-stunden">Die 10.000-Stunden-Regel: Faszinierend, aber unvollständig</h2>



<p>Bevor wir in die Daten einsteigen, lohnt ein kurzer Blick auf den Ursprung des Mythos.</p>



<p>K. Anders Ericsson und Kollegen haben 1993 in einer wegweisenden Studie Geigenstudentinnen und -studenten untersucht und festgestellt: Die besten hatten bis zum Alter von 20 Jahren durchschnittlich rund 10.000 Stunden alleine geübt — deutlich mehr als ihre weniger erfolgreichen Kommilitonen. Daraus entwickelte Ericsson das Konzept des <em>Deliberate Practice</em>: strukturiertes, zielgerichtetes Üben unter Anleitung eines Lehrers, mit dem expliziten Ziel der Leistungsverbesserung.</p>



<p>Die Botschaft war klar: Wer richtig und viel übt, wird zum Experten.</p>



<p>Was folgte, war eine Flut von Ratgebern, Coaching-Ansätzen und Bildungskonzepten, die alle auf dieser Prämisse aufbauten. Die 10.000-Stunden-Regel wurde zur meistzitierten Idee in der Expertise-Forschung. </p>



<p>Denn Ericsson selbst hatte nie behauptet, dass <em>Zeit allein</em> reicht. Er hatte <em>Deliberate Practice</em> definiert — eine sehr spezifische Form des Übens. Aber in der Übersetzung in die Praxis blieb oft nur die Zahl übrig: 10.000 Stunden.</p>



<p><strong>Inhalt</strong></p>



<ol class="wp-block-list">
<li><a href="#zehntausend-stunden">Die 10.000-Stunden-Regel: Faszinierend, aber unvollständig</a></li>



<li><a href="#viel-ueben">Was passiert, wenn du einfach nur „viel&#8220; übst</a></li>



<li><a href="#deliberate-practice">Deliberate Practice unter der Lupe: Was die große Metaanalyse zeigt</a></li>



<li><a href="#was-bleibt">Was bleibt, wenn der Mythos fällt?</a></li>



<li><a href="#fuenf-strategien">Fünf evidenzbasierte Strategien für dein Üben</a></li>
</ol>



<div style="height:37px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<div style="height:37px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading" id="viel-ueben">Was passiert, wenn du einfach nur „viel&#8220; übst</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Die Studie, die mein Bild vom Üben verändert hat</h3>



<p>2015 haben Arielle Bonneville-Roussy und Thérèse Bouffard etwas getan, das in der Musikpsychologie erstaunlich selten ist: Sie haben nicht gefragt, wie viele Stunden Musikstudierende üben — sondern <em>wie</em> sie es tun, und was das für ihren Erfolg bedeutet.</p>



<p>Ihre Stichprobe: 173 Musikstudierende, im Schnitt knapp 18 Jahre alt, mit rund sieben Jahren Erfahrung auf dem Instrument. Was die Forscherinnen gemessen haben, nennt sich <strong>formales Üben</strong> (<em>formal practice</em>) — ein übergeordnetes Konzept, das vier Komponenten vereint:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Zielorientierung:</strong> Üben mit dem <a href="https://what-is-practice.de/aus-der-wissenschaft/wie-geht-smart-ueben/" data-type="post" data-id="2887">konkreten Ziel</a>, eine bestimmte Schwäche zu lösen — nicht einfach „Stück durchspielen&#8220;</li>



<li><strong>Fokussierte Aufmerksamkeit:</strong> Echte Konzentration während des Übens, kein Autopilot</li>



<li><strong>Selbstregulationsstrategien:</strong> Zeitplanung, Ablenkungsvermeidung, aktive Fehleranalyse</li>



<li><strong>Deliberate-Practice-Techniken:</strong> Üben in Teilabschnitten, Tempovariationen, gezielte Ausdrucksarbeit</li>
</ul>



<p>Diese vier Faktoren wurden in einem Strukturgleichungsmodell zu einem latenten Faktor zusammengefasst und gegen den Musikerfolg (gemessen als objektive Abschlussnote) getestet.</p>



<p>Das Ergebnis war deutlich: Formales Üben war ein starker Prädiktor für Musikerfolg. Das Gesamtmodell erklärte <strong>18 % der Leistungsvarianz</strong>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Befund, der alles auf den Kopf stellt</h3>



<p>Aber der eigentlich brisante Befund ist ein anderer.</p>



<p>Als die Forscherinnen die Qualitätsfaktoren statistisch kontrollierten und dann schauten, was die bloße Stundenanzahl alleine bewirkt, kam folgendes heraus: Der direkte Effekt von reiner Übungszeit auf den Musikerfolg war <em>negativ</em> (Bonneville-Roussy &amp; Bouffard, 2015, S. 696).</p>



<p>Wer viel übt, aber ohne Fokus, ohne Ziel, ohne Strategie, schneidet schlechter ab — nicht trotz der vielen Stunden, sondern wegen ihnen.</p>



<p>Die Forscherinnen nennen das Phänomen <strong><a href="https://what-is-practice.de/aus-der-wissenschaft/penelope-effekt/" data-type="post" data-id="2289">leere Übungszeit</a></strong>. Und ihr Fazit ist unmissverständlich:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>„Practising less may lead to better outcomes if practice is always focused, goal-directed and accompanied by effective self-regulation and deliberate practice strategies.&#8220;</em> (Bonneville-Roussy &amp; Bouffard, 2015, S. 701)</p>
</blockquote>



<p>Also hier stimmt, dass weniger mehr sein kann — wenn die Qualität stimmt. </p>



<h2 class="wp-block-heading" id="deliberate-practice">Deliberate Practice unter der Lupe: Was die große Metaanalyse zeigt</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Wie viel erklärt Üben wirklich?</h3>



<p>Bis hierher klingt alles noch relativ klar: Qualität schlägt Quantität. Aber 2020 haben David Hambrick, Brooke Macnamara und Frederick Oswald eine kritische Review veröffentlicht, die das gesamte Deliberate-Practice-Framework — und damit auch die Grundlage von Bonneville-Roussy &amp; Bouffard — unter die Lupe nimmt.</p>



<p>Ihr Ausgangspunkt ist eine Metaanalyse von Macnamara, Hambrick &amp; Oswald aus dem Jahr 2014, die 88 Studien aus Musik, Sport, Spielen, Bildung und Berufen ausgewertet hat. Das zentrale Ergebnis:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Deliberate Practice erklärt über alle Domänen hinweg durchschnittlich <strong>14 % der Leistungsunterschiede</strong></li>



<li>Im Bereich <strong>Musik: 23 %</strong></li>



<li>Im Bereich <strong>Sport bei Eliteathleten: nur 1 %</strong> (Hambrick, Macnamara &amp; Oswald, 2020, S. 5)</li>
</ul>



<p>23 Prozent im Bereich Musik — das ist statistisch bedeutsam und praktisch relevant. Aber es bedeutet auch: <strong>77 Prozent der Unterschiede</strong> zwischen Musikerinnen und Musikern werden durch andere Faktoren erklärt. Faktoren, über die im typischen Übe-Ratgeber kaum gesprochen wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was steckt in den fehlenden 77 Prozent?</h3>



<p>Hambrick et al. präsentieren in ihrer Review ein erweitertes Bild der Expertise-Forschung — das sogenannte <strong>multifaktorielle Gen-Umwelt-Interaktionsmodell</strong> (MGIM). Es berücksichtigt neben der Übungsmenge auch:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Kognitive Fähigkeiten</strong></li>



<li><strong>Genetische Faktoren</strong></li>



<li><strong>Entwicklungsfaktoren</strong></li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Das Definitionsproblem: Warum „Deliberate Practice&#8220; schwer zu fassen ist</h3>



<p>Hambrick et al. zeigen zudem, dass Ericsson das Konzept <em>Deliberate Practice</em> zwischen 1993 und 2020 wiederholt und widersprüchlich definiert hat — mal als zwingend lehrerdesignierte Aktivität, mal als selbstgesteuerte Übung, mal als Einzel-, mal als Gruppenformat (Hambrick, Macnamara &amp; Oswald, 2020, S. 3–4, Abbildung 2).</p>



<p>Diese Inkonsistenz ist nicht nur akademisch problematisch. Sie hat direkte Folgen für die Praxis: Wenn nicht klar ist, was <em>Deliberate Practice</em> genau bedeutet, ist auch unklar, was Musikerinnen und Musiker konkret tun sollen, um davon zu profitieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-bleibt">Was bleibt, wenn der Mythos fällt?</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Selbstregulation: Der &#8222;Hidden Champion&#8220; der Übungsforschung</h3>



<p>Hier ist das Bemerkenswerte: Während das Deliberate-Practice-Framework statistisch ins Wanken gerät, gibt es einen Faktor, der beide Studien unbeschadet übersteht.</p>



<p><strong>Selbstregulation.</strong> Sie bedeutet im Kontext des Musikübens konkret:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Vor dem Üben:</strong> ein klares Mikroziel formulieren. Nicht „Sonate üben&#8220;, sondern „die Übergangspassage in Takt 34–38 ohne Tempoeinbruch durcharbeiten&#8220;</li>



<li><strong>Während des Übens:</strong> Fehler aktiv wahrnehmen und isolieren — nicht überspielen</li>



<li><strong>Nach dem Üben:</strong> kurz reflektieren. Was hat funktioniert? Was hat nicht funktioniert? Welches Teilziel bleibt für die nächste Session?</li>
</ul>



<p>Diese Prozesse sind trainierbar. Ein <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/der-ultimative-guide-so-erstellst-du-deinen-realistischen-uebeplan-fuer-musikerinnen/" data-type="post" data-id="7026">Übeplan</a></strong> oder ein Übe-Tagebuch können dich dabei unterstützen dir über deine Ziele bewusst zu werden. </p>



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<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Was das für richtig üben konkret bedeutet</h3>



<p>Hambrick et al. betonen ausdrücklich: Ihre Befunde bedeuten <em>nicht</em>, dass Üben sinnlos ist. Im Gegenteil — Training ist für alle Menschen notwendig und sinnvoll, unabhängig von individuellen Ausgangsbedingungen (Hambrick, Macnamara &amp; Oswald, 2020, S. 14).</p>



<p>Aber sie verschieben den Fokus. Wenn Umweltfaktoren einen erheblichen Teil der Leistungsunterschiede erklären, dann ist die entscheidende Stellschraube für die meisten Musikerinnen und Musiker nicht die Stundenanzahl — sondern die <strong>Qualität der Aufmerksamkeit</strong> innerhalb dieser Stunden.</p>



<p>Und genau hier schließt sich der Kreis zu Studie Bonneville-Roussy &amp; Bouffard.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fuenf-strategien">Fünf evidenzbasierte Strategien für dein Üben</h2>



<p>Was bedeutet das alles konkret für den Übe-Alltag? Basierend auf beiden Studien lassen sich fünf praktische Schlussfolgerungen ziehen:</p>



<p><strong>1. Formuliere Mikroziele vor jeder Session.</strong> Bevor du anfängst: Was genau willst du in den nächsten 30 Minuten lösen? Ein konkretes, erreichbares Ziel ist der wichtigste Einzelfaktor für fokussiertes Üben — und der erste Schritt weg von leerer Übungszeit.</p>



<p><strong>2. Übe in Teilabschnitten, nicht in Durchläufen.</strong> Das vollständige Durchspielen eines Stücks ist kein Üben — es ist eine Aufführung ohne Publikum. <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/wie-geht-effektives-ueben/" data-type="post" data-id="6168">Effektives Üben </a></strong>isoliert die schwierigen Passagen, arbeitet sie separat durch und integriert sie schrittweise.</p>



<p><strong>3. Etabliere eine kurze Reflexionsroutine.</strong> Fünf Minuten nach dem Üben: Was hat heute funktioniert? Welcher Moment war der schwierigste? Was nimmst du in die nächste Session mit? Diese einfache Nachbereitung ist eine klassische Selbstregulationsroutine mit nachgewiesener Wirkung.</p>



<p><strong>4. Schütze deine Übungszeit vor Ablenkungen.</strong> Selbstregulation bedeutet auch: die Umgebung so gestalten, dass Konzentration möglich ist. Telefon weg, Tür zu — kein Hexenwerk, aber konsequent unterschätzt.</p>



<p><strong>5. Akzeptiere, dass weniger manchmal mehr ist.</strong> Wenn du merkst, dass die Konzentration nachlässt und du nur noch mechanisch wiederholst: Hör auf. Leere Übungszeit ist nicht neutral — sie kann laut Bonneville-Roussy &amp; Bouffard (2015) aktiv schaden. Eine kurze, fokussierte Session ist einer langen, erschöpften immer überlegen.</p>



<div style="height:34px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<div style="height:53px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Richtig üben ist eine Fähigkeit — und sie ist erlernbar</h2>



<p>Die Wissenschaft sagt nicht, dass Talent keine Rolle spielt. Sie sagt, dass es neben dem Training eine Rolle spielt. Und sie sagt, dass du trotzdem einen echten Hebel in der Hand hast — nicht die Stunden, die du loggst, sondern die Art, wie du sie gestaltest.</p>



<p>Die entscheidende Frage ist nicht „Wie viele Stunden übst du?&#8220;, sondern „Wie viele Stunden mit echter Aufmerksamkeit, klaren Zielen und aktiver Selbstreflexion verbringst du mit deinem Instrument?&#8220;</p>



<p>Wenn du dich für diese Frage interessierst — für das <em>Wie</em> hinter dem Üben — dann ist das genau das Thema, dem ich mich im Podcast <strong><a href="https://what-is-practice.de/category/wie-uebt-eigentlich/" data-type="category" data-id="37">„Wie übt eigentlich..?&#8220;</a></strong> widme. Dort spreche ich mit Musikerinnen und Musikern über ihre <a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/wie-du-deine-taegliche-uebe-routine-aufbaust-5-praxiserprobte-strategien/" data-type="post" data-id="7011"><strong>konkreten</strong> <strong>Übungsroutinen</strong></a>, ihre Strategien und ihre Erkenntnisse aus der Praxis.</p>



<p>Und falls du tiefer in die Forschung einsteigen möchtest: Die vollständige Analyse beider Studien findest du hier auf dem Blog — mit allen statistischen Details und Quellenbelegen.</p>



<div style="height:43px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<div style="height:38px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterführende Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Bonneville-Roussy, A. &amp; Bouffard, T. (2015). When quantity is not enough: Disentangling the roles of practice time, self-regulation and deliberate practice in musical achievement. <em>Psychology of Music</em>, 43(5), 686–704.</li>



<li>Hambrick, D. Z., Macnamara, B. N. &amp; Oswald, F. L. (2020). Is the deliberate practice view defensible? A review of evidence and discussion of issues. <em>Frontiers in Psychology</em>, 11, 1134.</li>



<li>Macnamara, B. N., Hambrick, D. Z. &amp; Oswald, F. L. (2014). Deliberate practice and performance in music, games, sports, professions, and education: A meta-analysis. <em>Psychological Science</em>, 25, 1608–1618.</li>



<li>Mosing, M. A. et al. (2014). Practice does not make perfect: No causal effect of music practice on music ability. <em>Psychological Science</em>, 25, 1795–1803.</li>



<li>Burgoyne, A. P. et al. (2019). Predicting skill acquisition in music: The role of general intelligence, music aptitude, and mindset. <em>Intelligence</em>, 76, 101383.</li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie wird Trompete Üben leicht, Lukas Thoeni?</title>
		<link>https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-wird-trompete-ueben-leicht-lukas-thoeni/</link>
					<comments>https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-wird-trompete-ueben-leicht-lukas-thoeni/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 09:53:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wie übt eigentlich..?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://what-is-practice.de/?p=7461</guid>

					<description><![CDATA[In dieser Folge von „Wie übt eigentlich..?“ ist der Schweizer Trompeter Lukas Thoeni zu Gast – und er bringt eine Übe-Philosophie mit, die gleichzeitig radikal simpel und erstaunlich konkret ist: „Üben heißt Arbeit“ – aber im besten Sinne. Lukas beschreibt Üben nicht als Pflichtprogramm, sondern als den Teil seines Musikerlebens, auf den er sich sogar&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-wird-trompete-ueben-leicht-lukas-thoeni/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Wie wird Trompete Üben leicht, Lukas Thoeni?</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>In dieser Folge von <strong>„Wie übt eigentlich..?“</strong> ist der Schweizer Trompeter <strong>Lukas Thoeni</strong> zu Gast – und er bringt eine Übe-Philosophie mit, die gleichzeitig radikal simpel und erstaunlich konkret ist: <strong>„Üben heißt Arbeit“</strong> – aber im besten Sinne. Lukas beschreibt Üben nicht als Pflichtprogramm, sondern als den Teil seines Musikerlebens, auf den er sich sogar freut. Sein übergeordneter <strong>Leitstern</strong> dabei: <strong>Trompete spielen soll sich leicht anfühlen</strong> – körperlich, mental und musikalisch.&nbsp;</p>



<p>Wir sprechen darüber, warum ihn <strong>Struktur</strong> oft stresst und wie bewusst zugelassenes <strong>Chaos</strong> ihm hilft, den Fokus auf das Wesentliche zu schärfen. Lukas erzählt von seinem Weg weg von starren Übeplänen hin zu einer <strong>energie- und lustbasierten Praxis</strong>, die trotzdem messbar bleibt – etwa mit <strong>Strichlisten</strong>, Wiederholungsraten und einem spielerischen „Gamification“-Ansatz. </p>



<p>Besonders spannend: seine <strong>Darts-Metapher</strong> fürs Üben (drei Pfeile, kurze Pause, wiederholen) und sein Zugang über <strong>Momentum statt Langsamkeit</strong>, Naturton-Sprünge, mentale Pantomime und das mutige Parodieren von Vorbildern. Ein Gespräch über <strong>Gelassenheit, Entscheidungsfähigkeit auf der Bühne</strong> und die Frage, wie man nach Jahrzehnten am Instrument nochmal echte Fortschritte macht. </p>


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<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="546" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/02/L1012593_web.jpg" alt="Lukas Thoeni an der Trompete - sitzend" class="wp-image-7465" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/02/L1012593_web.jpg 819w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/02/L1012593_web-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Lukas Thoeni an seiner Trompete.</em></figcaption></figure>
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<h3 class="wp-block-heading">Mehr über Lukas erfahren:</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="http://www.lukasthoeni.ch/about.php">Lukas Webseite</a></li>



<li><a href="https://swissjazzorchestra.com/musician/lukas-thoeni/">Lukas im Swiss Jazz Orchestra</a></li>
</ul>



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<h2 class="wp-block-heading">Wie übt eigentlich Lukas Thoeni?</h2>



<p><strong>Die erste Frage, mit der es immer losgeht, lautet vervollständige folgenden Satz Üben heißt für dich?</strong></p>



<p>Arbeit.</p>



<p><strong> Nur das?</strong></p>



<p>Eigentlich nur das, also wenn ich hier schon darf, ich würde es gerne ein bisschen erläutern. Ich finde Arbeiten was vom Tollsten und ich habe eine Berufswahl getroffen, die nicht unbedingt so eine Work-Life-Balance erfordert, sondern ich habe mir was gewählt, was ich eben immer machen möchte. Und Üben ist die einzige Arbeit und ich freue mich eigentlich immer darauf. Ich habe einen geilen Job.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Musikalische Prägungen &amp; Inspiration</strong></h2>



<p><strong>Das finde ich, wenn man das sagen kann, ist das mega schön. Gibt es denn aktuell bei dir ein Album “Künstler, Künstlerin”, die in Dauerschleife läuft?</strong></p>



<p>Nein, aber es gibt es immer mal wieder. Einen Künstler, <strong>Philip Dizack</strong>, höre ich tatsächlich mega viel, weil es mich trompeterisch und musikalisch inspiriert. Das Spezielle für mich an der Situation ist, dass Philip auch ein echt guter Freund ist von mir. Aber bei ihm war es zum ersten Mal so, dass ich dachte, so würde ich gerne spielen können und wenn ich so spielen können würde, würde ich möglicherweise tatsächlich auch die gleichen künstlerischen Entscheidungen fällen. Da kommen zwei Dinge zusammen, die ich ansonsten nicht so erlebe. Und deshalb, wenn es mir um Trompeteninspiration geht, ist er schon ganz weit oben auf der Liste. Ich habe mich bestimmt im Verlauf des Gesprächs noch ein bisschen näher darauf eingelassen.</p>



<p><strong>Das finde ich cool. Und wenn du jetzt einmal in die Rückschau gehst, würdest du sagen, dass es eine CD oder vielleicht auch da ein Künstler, Künstlerin gibt, die dich auf dein Spiel sehr geprägt hat?</strong></p>



<p>Ja, ich glaube, ich kann das tatsächlich auf ein Album herunterbrechen, auch wenn das natürlich schwierig ist. Das ist der <strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=mbudYIF57g8&amp;list=PL7gp579CMkT_8SHGK2ab9FotV0qxsAGuh">Nicholas Payton “Fingerpainting”</a></strong>. Der spielt er nur Herbie Hancock-Stücke im Trio mit Bass und Gitarre. Und es wirkt alles total raw. Ich glaube, die stehen zusammen in einem Raum und spielen einfach. Und es ist immer noch ein Album, das ich mit auf die Insel nehmen würde.</p>



<p><strong>Und würdest du sagen, dass es daraus irgendwas gibt, was dich in deinem Spiel auch heute noch beeinflusst auf eine Art?</strong></p>



<p>Absolut. Ich glaube, es ist immer noch irgendwo ein Leitstern von trompetischer Energie, glaube ich. Von Phrasing, von dieser Mischung aus kraftvollem Spiel und Kontrolle und balladeskem und weichem Sound. Es kommt mega viel zusammen, was das Album ganz klar mit dazu beigetragen hat, dass ich überhaupt Berufsmusiker werden wollte. Und das steht irgendwie als Leitstern noch immer ganz klar in meinem Leben drin. Auch wenn ich es nicht mehr die ganze Zeit habe.</p>



<p><strong>Ja, voll schön. Ich habe ein paar Entweder-Oder-Fragen dabei, um vielleicht den Menschen außerhalb der Schweiz vor allen Dingen diesen ein bisschen näher kennen zu lernen. Du bist ein Joker. Und ansonsten bin ich sehr gespannt, wie du dich entscheidest.</strong></p>


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<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="510" height="57" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png" alt="Rastergrafik" class="wp-image-4353" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png 510w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-300x34.png 300w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-260x29.png 260w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-50x6.png 50w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-150x17.png 150w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-500x57.png 500w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-190x21.png 190w" sizes="auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px" /></figure>
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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Entweder-oder-Fragen</strong></h2>



<p><strong> Aare-Schwumm oder Bergtour?</strong></p>



<p>Wow, das beginnt schon schwierig. Beides mega toll. Aare-Schwumm.</p>



<p><strong>Zeit lassen oder Zeit nehmen?</strong></p>



<p>Zeit nehmen.</p>



<p><strong>Wenig und oft oder selten und viel?</strong></p>



<p>Selten und viel.</p>



<p><strong>Da müssen wir nochmal drüber reden später, glaube ich.</strong></p>



<p>Unbedingt.</p>



<p><strong>Kopf oder Körper?</strong></p>



<p>Kopf.</p>



<p><strong>Würdest du sagen, dass es so einen Moment gibt, das hast du im Vorgespräch schon ein bisschen so anklingen lassen, wo du quasi den Fakten eher vertraust als deinem Körpergefühl? Also gibt es so einen Zwiespalt und so einen Switch irgendwann?</strong></p>



<p>Immer mal wieder. Und generell vertraue ich natürlich meinem Körpergefühl. Allerdings führt das nicht unbedingt dazu, dass ich neue Dinge ausprobiere. Und wenn was Neues ist, fühlt es sich häufig eben nicht natürlich und entsprechend möglicherweise körperlich auch gar nicht so gut an. Und ich glaube, wenn ich mich nur aufs Gefühl verlasse, bin ich weniger mutig in meinen Entscheidungen.</p>



<p><strong>Ja, spannend. Analog oder digital?</strong></p>



<p>Digital.</p>



<p><strong>Digital. Struktur oder Chaos?</strong></p>



<p>Hm. Das zielt darauf ab, auf zwei Dinge. Was mache ich tatsächlich und was würde ich gerne machen? Und ich hätte gerne mehr Chaos in meinem Leben. Und ich würde es gerne besser zulassen können, das Chaos. Ich habe Schwierigkeiten, das zuzulassen. Ich glaube aber daran, dass, wenn ich mich fokussieren möchte, ich auf anderen eben Chaos zulassen sollte. Und entsprechend sage ich hier Chaos.</p>



<p><strong>Okay. Da gehen wir auf jeden Fall später nochmal drauf ein. Das finde ich einen sehr interessanten Punkt, den du auch schon im Vorgespräch erwähnt hast. Und die letzte Frage schon. Sicherheit oder Neugier?</strong></p>



<p>Neugier. Und ich habe meinen Joker nicht gebraucht.</p>



<p>Ich kann im Nachhinein den Joker noch auf die erste Frage, Aare schwimmen oder Berg tour anwenden.</p>



<p><strong>Kannst du machen, ja.</strong></p>



<p>Weil es ist echt schwierig, aber ich wohne jetzt so nahe von der Aare, dass ich das halt einfach mehr mache und da auch mehr Energie draus ziehen kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Leitstern: Leichtigkeit beim Trompete spielen</strong></h2>



<p><strong>Wenn wir auf deinen Über-Alltag mal schauen. Wann würdest du sagen, ist dir zum letzten Mal beim Üben jetzt ganz konkret was leicht gefallen und woran hast du das gemerkt?</strong></p>



<p>Vorgestern. Gestern habe ich nicht geübt, weil ich eine Acht-Stunden-Probe hatte. Und ich habe mich ein bisschen treiben lassen und plötzlich dachte ich, ach geil, jetzt macht Trompete spielen echt mega Spaß. Und ich habe einfach drauf losgespielt. Es war kein Stück. Ich habe improvisiert ohne Begleitung und gedacht, ja, genau so. Irgendwie ist mega viel zusammengekommen. Ich war nahe an meinem Optimum dran.</p>



<p><strong>Und wenn du sagst, du warst nahe am Optimum dran, was ist quasi dann das Merkmal, wo du sagst, okay, krass, daran mache ich gerade fest, dass es mir leicht fällt. Also ist es dann Klang oder ist es dann, dass es auch physisch leicht funktioniert, dass du mental voll fokussiert bist? Wie würdest du das festmachen da?</strong></p>



<p>Sicher eine Mischform von allem. Aber ich glaube, wenn der Schritt von musikalischen Idee oder Intuition eher nicht eher zur Übertragung sich mega unmittelbar anfühlt. Und dass das so sein kann, erfordert eine Leichtigkeit auf dem Instrument, weil das Instrument sich ansonsten manchmal als Bremsklotz anfühlen kann und nicht als Hilfsmittel. </p>



<p>Und vorgestern ist da einiges zusammengekommen. Und ich habe gedacht, das ist eigentlich die Unmittelbarkeit von Intuition auf das Instrument oder sich selber sogar überraschen und eigentlich sich selber zuhören können. Also es fühlt sich manchmal an, als würde ich neben mir stehen und mir zuhören und denken, ha, der spielt eigentlich schon noch geil Trompete. Und wenn das passiert, dann würde ich sagen, kommt einiges zusammen.</p>



<p><strong>Und kannst du das Gefühl aktiv herbeiführen selber oder ist das was, was einfach so über dich herfällt dann?</strong></p>



<p>Ich weiß einige Dinge, die ich machen kann, damit sowas wahrscheinlicher ist. Aber einfach so auf Abruf kann ich es noch nicht, aber ich bin näher dran als auch schon.</p>



<p><strong>Was wäre zum Beispiel eins, wo du weißt, das hilft mir auf jeden Fall?</strong></p>



<p>Wenn ich davor konzentriert übe, darüber werden wir ohnehin noch sprechen, ohne das jetzt weiter auszuführen. Und das kann was total Technisches oder Unmusikalisches sein. Es kann sogar was sein, was so schlecht klingt, dass ich es niemandem zeigen würde. Aber wenn ich beim Üben es schaffe, über eine gewisse Zeit mich nur auf das Spielgefühl zu fokussieren und dann vielleicht eine ganz kurze Pause, ein kurzes Instrument hinlegen und dann wieder spiele und sich dieses Gefühl plötzlich aufs Musikmachen überträgt, dass Leichtigkeit eigentlich plötzlich Einzug nimmt ins Trompete spielen.</p>



<p><strong>Und dann würdest du auch sagen, das war ein guter Übetag auch, ne? Wenn du diese Selbstwirksamkeit erfährst, schon in die Richtung.</strong></p>



<p>Absolut, ja.</p>



<p><strong>Wenn wir das Ganze umdrehen würden, wann würdest du denn sagen, hast du einen schlechten Übetag? Das klingt vielleicht ein bisschen komisch.</strong></p>



<p>Wenn ich es nicht schaffe, vom Ergebnis-orientierten Abstand zu nehmen. Wenn das Ergebnis, was ich erreichen möchte, immer im Zentrum steht, dann ist die Wahrscheinlichkeit zur Enttäuschung relativ hoch. Und wenn ich aber Metriken oder Parameter anzuwenden versuche, von denen ich weiß, dass ich sie erreichen kann, eine bestimmte Anzahl Wiederholungen, eine bestimmte Zeit, die ich mit einem bestimmten Inhalt füllen möchte, da habe ich eine klare Metrik und das kann ich eigentlich durchziehen und dann bin ich auch nicht so judgy, ich bewerte mich nicht so krass. Und dann fühlt es sich eigentlich schon eher nach Training an als nach Üben an. Und wenn das passiert, ich bewerte mich weniger, ich lasse auch zu, dass mal was nicht geht. Und da kommt, das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Leichtigkeit im Spiel und im Mindset, glaube ich.</p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Wenn das Ergebnis, was ich erreichen möchte, immer im Zentrum steht, dann ist die Wahrscheinlichkeit zur Enttäuschung relativ hoch.&#8220;</p><cite>Lukas Thoeni</cite></blockquote></figure>



<p><strong>Nutzt du dann, das klingt ja fast schon ein bisschen nach Sportworkout, nutzt du dann auch so Trainingspläne, um dir zu sagen, das ist mein Workoutplan für morgen zum Beispiel, ich möchte die Anzahl von Wiederholungen, ich möchte die Zeit mit der und der Übung füllen, wie du das vorher auch so aufschreibst und um diesem selber bewährten Beurteilen so aus dem Weg schon zu gehen vorab?</strong></p>



<p>Nein, also ich habe mega lange, die meiste Zeit eigentlich von der Entscheidung an, dass ich Berufsmusiker werden will, habe ich auf diese Weise geübt. Ich hatte klare, strukturierte Übepläne, die möglichst viel abgedeckt haben. Jetzt ist es ein bisschen anders. Ich sehe üben und vielleicht leben und durch den Alltag kommen als eine Aneinanderreihung von Entscheidungen. Und ich habe als Musiker, vielleicht könnte man das Luxus nennen, die Freiheit, relativ viel zu entscheiden, sprich meine Zeit frei einzuteilen. </p>



<p>Und ich bin besser darin geworden, meine Energie und meine Lust auf Dinge zu verstehen. Und wenn ich einmal im Jahr Bock auf Buchhaltung habe und ich dann Üben eingeplant habe, ist es eigentlich eine blöde Idee, weil ich eigentlich nie Bock auf Buchhaltung habe. Und wenn ich es dann mache, dann ist es auch easy und ich kann es durchziehen. Umgekehrt, das ist einfach so ein Beispiel, was wahrscheinlich alle verstehen, die wenigstens nachher Bock auf Buchhaltung haben. Und auf Üben habe ich eigentlich noch häufig Bock. Und dann überlege ich mir tatsächlich kurz, was kann ich mir tatsächlich gut vorstellen? Und das steht natürlich schon unter dem Leitstern von was ich erreichen möchte. </p>



<p>Aber je nachdem, ist es halt die Vorbereitung für Swiss Jazz Orchestra oder aber es sind komische technische Übungen und so. Und ich versuche tatsächlich vorauszusehen, wofür ich auf eine gute Weise und mit relativ wenig Widerstand Energie aufbringen kann. Also nicht allzu viel voraus zu planen, was ich schon ein Leben lang gemacht habe. Also deshalb, ich glaube schon dran, aber aktuell fühlt es sich viel entspannter an, einfach irgendwie in mich hereinzuhören und zu denken, hey, ich könnte jetzt easy mal eine vierte Stunde ein paar Töne aushalten oder irgendwie eine komische Flexibility Übung machen. Und wenn sich das so anfühlt, mache ich genau das.</p>



<p><strong>Das klingt irgendwie nach einer sehr, sehr schönen Art von Gelassenheit, die dich da irgendwie überkommen hat. Stimmt das?</strong></p>



<p>Das stimmt. Das ist natürlich nicht immer so. Und ich muss jetzt ein bisschen schmunzeln, weil was du sagst, ist eigentlich ein notiertes Ziel von mir. Ich möchte so viel mehr Gelassenheit. Ich glaube, das geht wahrscheinlich vielen Musikern und Musikerinnen so, dass man sich auf was einlässt, von dem man weiß, es wird stressige Situationen geben. Man wird nicht finanziell entsprechend dafür entschädigt. Man exponiert sich, all diese Dinge. Aber eigentlich könnte es ja so schön sein. Und ich habe so die Schönheit vom in meinem Musiker-Dasein. Ich habe der viel zu wenig Raum gegeben. Und das gelingt mir in der letzten Zeit besser. Und wenn sie jetzt so rüberkommt, bin ich wahrscheinlich schon ein bisschen näher an meinem Ziel dran, als ich es selber für mich empfunden hätte.</p>



<p><strong>Spannend. Das fand ich ganz interessant in einem Interview, das ist lustigerweise schon jetzt fast fünf Jahre her, mal gesagt, dass du so mit Mitte 30 auch jetzt so einen Leichtigkeitsschub auf dem Instrument erfahren hast. Das geht ja quasi eigentlich schon so in so eine ähnliche Richtung. Und dass du auch bei Kollegen das festgestellt hast, das habe ich damals Ambrose genannt, als ein Beispiel, mit dem du damals in Kontakt warst, der auch gesagt hat, so mit Mitte 30 hat sich da irgendwas getan, dass das instrumentale Spielen sich irgendwie leichter anfühlt. Ist das dann auch nochmal, was du vorher schon meintest, dieser Dreiklang aus, ich bin näher meinem Klang, also näher an diesem Optimum, ich bin mental einfach fokussierter, oder ist es auch schon was, was du gerade meintest, diese Gelassenheit einfach auch zu fühlen, zu verstehen, was der eigene Körper eigentlich gerade braucht. Also die Frage zieht darauf ab, wie hast du das bei dir festgestellt und woran machst du diese Leichtigkeit mehr fest, die du da mit Mitte 30 erfahren hast?</strong></p>



<p>Ich glaube, wenn ich sagen müsste, ob ich eine Superpower habe, dann ist es tatsächlich, und das ist schon länger so, und das hat sich eben mit Mitte 30 dann besser etabliert, im Gegensatz zu vielen Leuten, ich kann es auf der Bühne eigentlich normalerweise besser als zu Hause. Und das hat sich dann immer stärker etabliert, das heißt, es ist so eine Intuition reingekommen, eine Grundvertrauen gegenüber mir selber als Mensch, aber auch mir als Musiker und Trompeter, dass ich, ich habe dermassen viele Konzerte auch um Mitte 30 herum gespielt, über 200 pro Jahr, viele Popgigs, aber auch Jazzgigs dazwischen und so, und eigentlich zu merken, es geht ja immer, es fühlt sich nicht immer mega toll an und es gibt große Unterschiede dazwischen, aber eigentlich geht es ja immer. Und das hat, glaube ich, eine riesen Entspanntheit reingebracht und dadurch auch ein Vertrauen in meine Herangehensweisen und meine Methoden, und die haben sich davor schon ein bisschen zu ändern begonnen, das heißt, auch ein Vertrauen in Veränderungen von Methoden und ein Vertrauen in Experimentieren, und ich werde nicht Trompete spielen verlieren, wenn ich jetzt mal was Neues, Unorthodoxes ausprobiere, und so, diese Faktoren zusammen haben, glaube ich, zu einer Entspanntheit geführt in der Herangehensweise, aber auch in der Performance.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Struktur vs. Chaos im Üben</strong></h2>



<p><strong>Du hast ja vorher so schön bei den Entweder-Oder-Fragen gesagt, dass diese Diskrepanz zwischen Struktur und Chaos quasi eines deiner, ich nenne es mal in Anführungszeichen, Baustellen ist von mir aus, und ich kenne das von mir auch, dass man ja eigentlich versucht, möglichst viel zu kontrollieren, was ja eigentlich schon dieser Widerspruch zu dieser Leichtigkeit ja auch ist, obwohl es ja gegen das Spülen ja auch geht, aber es gibt, glaube ich, ganz vielen so, dass man eigentlich versucht, durch entweder Pläne, Strukturen, Tagesabläufe, sein Üben irgendwie in einen bestimmten Tagesabschnitt reinzupacken, sich aufzuschreiben, was möchte ich machen, und du hast ja schön auch gesagt, na ja, dann muss ich aber auch dann lernen, zuzulassen, dass der ganze Rest drumherum irgendwie im Chaos ist. Also, welche Rolle spielt Struktur für dich denn in deinem Üben? Also, ist das eine Art der Versuch, dann die Sachen, die du aktiv machst, zu kontrollieren, und wie gelingt dir das dann auch?</strong></p>



<p>Ganz einfach gesagt, oder ich würde mal sagen, so als Leitstern und als Entscheidungsgrundlage, denke ich, wenn ich mich auf etwas fokussieren will, bleibt anderes automatisch auf der Strecke. Und aufs Kleine runtergebrochen, auf unserem Instrument, auf der Trompete, es ist ja so, dass wir wahrscheinlich alle beigebracht bekommen, okay, es gibt Fingerübungen, es gibt Flexibility-Übungen, es gibt Zungenübungen, es gibt Range, Tonproduktion, dann solltest du ein bisschen Scales üben und Arpeggios und so weiter und so fort, und alles könnte hier fünf Minuten, da zehn Minuten, hier vielleicht nur drei und so weiter und so fort, damit ich alles gemacht habe. Und ich glaube, das macht zu verschiedenen Zeiten im Leben möglicherweise auch Sinn. </p>



<p>Ich spiele aber das Instrument schon 30 Jahre oder mehr. Wenn ich also das mache, was ich gerade beschrieben habe, also irgendwie so einen Plan durcharbeite und in Control bin von gefühlt allem, dann bin ich erstens gestresst, zweitens fokussiere ich möglicherweise nicht auf die Dinge, die mir gerade am meisten bringen würden und spreche auch auf dem Instrument. Wenn ich zulasse, dass ich vielleicht ein Jahr lang nur versuche, ich sage was ganz komisches, C4 zu spielen, ohne dass es anstrengend ist, Tottel habe ich, empfehle das nicht, ganz bewusst was komisches, dann erhöre ich ja die Chance, dass ich diese Note spielen kann und ich lasse auch zu, dass andere Dinge vielleicht darunter ein bisschen leiden. </p>



<p>Aber die anderen Dinge, ich weiß ja bereits, wie die funktionieren, ich kenne bereits die Methoden, die wieder aufzuwärmen und wieder hinzukriegen. Das heißt, wenn ich solche oder vergleichbare Dinge mache, dann kriege ich mehr Erkenntnis raus. Und das andere ist, ich glaube, für das komische Beispiel Buchhaltung, das ist eigentlich eine Metapher für Alltagsplanung, wir müssen es alle machen, es macht keinen Bock. Wenn ich das in zwei Tagen durchziehen kann, für das ganze Jahr, ist es wahrscheinlich am effizientesten. Das widerspricht aber der allgemeinen Annahme vom Trompete üben, weil dann übe ich ja zwei Tage nicht Trompete. </p>



<p>Und deshalb auch hier, ich habe nämlich auch gesagt, viel und selten, auf eine Art ist es ein Wunsch von mir. Ich glaube nicht, das ist auch eine Utopie, aber so als Streben, wenn ich, sagen wir mal, ich hätte eine Technik, die mir ermöglichen würde, wenn fünf Tagen oder vier Tage sogar die Woche, fünf, sechs Stunden zu üben und dann einen Tag ganz frei zu machen und zwei Tage tatsächlich effizient und hochkonzentriert meine Büroarbeit zu erledigen, fände ich das total wünschenswert. Ich sage nicht, dass es so ist, es muss auch nicht unbedingt Ziel sein, aber ich glaube, das beschreibt hoffentlich diese Spannung zwischen Kontrolle und Chaos und unterm Strich auch, dass ich eigentlich glaube, wenn ich Chaos zulasse, dass ich mehr Kontrolle habe über meinen Fokus. Und den halte ich für im Endeffekt das Wichtigste für meinen eigenen Fortschritt und mein Fortschritt wiederum das Wichtigste für meine Motivation.</p>



<p><strong>Vielleicht gehen wir mal einen Schritt tiefer und gucken mal so wirklich in diese, also wenn du sagst, diese Übe-Inhalte wären so ein bisschen intuitiver bei dir. Vielleicht gehen wir da einen Schritt mal tiefer. Würdest du sagen, dass es trotzdem, das ist vorher angesprochen schon, dass es, wenn du diese Leichtigkeit verspürst und einfach drauf losspielst und dann dich sehr, also wenn du so wie selbst dich beobachtest und dann sagst, ah cool, ein guter Trompeter und dann vorher im besten Fall Übungen gemacht hast, also gibt es dann trotzdem, trotz allem Chaos, was du versuchst und lernst zuzulassen, Elemente, die du immer übst und die quasi wie zu einer Routine gehören für dich?</strong></p>



<p>Beim Trompeterspielen jetzt konkret? Nein, ich versuche das eigentlich nicht mehr zu machen, sondern ich habe wie ein übergeordnetes Ziel, was immer sich beim Üben irgend auf eine Art und Weise anstrengend anfühlt, möchte ich loswerden. Ich möchte nicht, dass mein Trompeterspielen sich anstrengend anfühlt. Das ist auch utopisch, das ist mir absolut bewusst. Es gibt die physischen Komponente vom Instrument und das ist das übergeordnete Ziel. Das heißt, wenn ich zum Beispiel das Swiss Jazz Orchester Programm für den nächsten Montag jeweils lerne, ich könnte das viel schneller lernen, einfach “normal” Trompeterspielen, all das Zeug irgendwie durchackern und die Aufnahmen hören und gut ist. Wenn ich aber all diese Stücke oder zumindest eines oder zwei davon nehme, sozusagen als technische Übung, damit sich Dinge leichter anfühlen, oder Chord Changes, Arpeggios, was auch immer es ist, alles steht unter dem gleichen Überziel. Das heißt, alles, was ich übe, inhaltlich, zielt auf das gleiche Ziel ab. Und da geht es darum, erstens um Geduld. Ich weiß schon, ich könnte die Stelle schon spielen, wenn ich, wie gesagt, “normal” Trompete spiele. Wenn es aber nicht anstrengend sein darf, dann klingt es vielleicht noch total komisch oder das Phrasing funktioniert nicht so, wie ich möchte. Und das zuzulassen, hat für mich auch damit zu tun, dass ich eben irgendwo einen Chaos zulasse. </p>



<p>Ich übe eben nicht so, dass ich möglichst schnell von A nach B komme, sondern dass ich möglichst immer unter dem gleichen Stern stehe, der irgendwie hoffentlich mal dazu führt, dass Trompete spielen einfach total leicht ist. Und ich höre am liebsten den Leuten zu, bei denen ich das Gefühl habe, “Wow, ich glaube nicht, dass es anstrengend ist, dass Blockflöten spielen.” Mir gefällt das total. Das heißt, ich habe ein einziges Ziel, aber mega viele Übeinhalte. Da gehören aber Finger und Zunge und all das Zeug schon lange nicht mehr dazu. Und es gehört auch Einspielen nicht dazu. Das wirkt auf mich mittlerweile nicht mehr so stark, aber auf Leute in meiner Umgebung, die auch Trompete spielen, auf dich möglicherweise auch, die spielst nicht ein, das Ganze, all das Zeug. Aber für mich funktioniert es jetzt schon eine ganze Weile. Und ich habe den Eindruck, ich habe noch nie in drei, vier, fünf Jahren so viele Fortschritte gemacht, vielleicht abgesehen von der Studienzeit, wie jetzt gerade. Also es sind die besten fünf Jahre in 25 Jahren. Das finde ich sehr schön.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zwei Übewege: mental „von oben nach unten“ vs. sicher „von unten nach oben“</strong></h2>



<p><strong>Lassen wir uns da vielleicht ganz konkret mal reingehen, weil ich sehr neugierig bin, wie sich quasi dein “normales” Üben, du sagst, so das Jazz Orchester Programm könntest du auch normal üben, aber du hast eigentlich die Prämisse, es sollte sich möglichst leicht anfühlen. Wie wären so zwei beispielhafte Wege, wie du das eine oder das andere üben kannst und wie würden sich die unterscheiden ganz konkret dann?</strong></p>



<p>Okay, eine Herangehensweise, die ich tatsächlich immer wieder brauche, und da brauche ich auch einen Counter oder ich mache eine Strichliste, weil es mir ansonsten schwerfällt, den Fokus hochzuhalten. Und der Akt vom Instrument runternehmen und mit einem Stift kurz einen Strich auf dem Blatt zu machen, hilft mir, wie, ah okay, ich habe ja das neue, jetzt mache ich noch eine zehnte Wiederholung von was auch immer. Und da geht es darum, dass ich mir häufig eine Stelle anschaue, eine Linie irgendwo und Einsätze, tutti, was auch immer, und mir vorstelle, wie möchte ich, dass es sich anfühlt, wenn ich vielleicht sogar eine Art Pantomime mache, mit meinem Instrument in der Hand, ohne zu spielen oder ohne Instrument sogar, und mir einfach nur vorstelle, wie wäre das, wenn das einfach total easy wäre. Und dann versuche ich, ohne was zu ändern, das so zu machen. Manchmal kommt keine Note raus, manchmal kommt ein paar Töne, manchmal klappt es tatsächlich, kommt natürlich auch auf den Schwierigkeitsgrad, auf den Range drauf an. Und das ist wie so eine Herangehensweise, das heißt, ich übe tatsächlich ganz bewusst das Gefühl und hoffe dann, dass sich dieses Gefühl auch mal an der Performance tatsächlich etabliert, was hier und da eben passiert. Und da ist viel mentales Üben dabei, was nebenbei übrigens meine Ohren, also gehörbildungsmäßig massiv besser gemacht hat in den letzten Jahren. Das ist wie so eine Herangehensweise. </p>



<p>Ich möchte vorausschauen können oder vorausfühlen können, wie das Spielgefühl idealerweise sein würde. Und das andere ist, ich versuche mich von einer spielbaren Version, die hat vielleicht jetzt mal was ins HF drauf, ins F3, und ich weiß schon, da drücke ich halt drauf und es ist am Ende der Seite und das wird vielleicht, ist es nicht ganz sicher oder ist es ein bisschen schmerzhaft oder mir gefällt der Sound nicht und so. Und dann versuche ich mich von dem, was ich bereits spielen kann, zu einer leichteren Version zu bewegen. Und das braucht Pausen. Und der Nachteil für mich dabei ist, dass ich Dinge auf bereits Erlernten basiere und weniger erkenntnisorientiert übe. Also es ist weniger experimentell. Aber es ist sicherer, es fühlt sich gewohnter an und es ist effizienter als Vorbereitung für eine Performance. Bringt es mich weiter? Die erste Methode bringt mich schneller weiter.</p>



<p><strong>Das heißt, es ist eigentlich so eine Mischung aus, oder eigentlich ist es so ein Dreiklang fast ja schon. Also das eine ist wirklich so mental, Pantomime, das fand ich eigentlich ganz cool. Also sich vorstellen, wie es wäre, wenn es sich leicht anfühlen würde. Dabei hast du auch gesagt, dass es auf jeden Fall so eine Komponente hat von Gehörbildung. Wahrscheinlich singst du dann dabei an, oder?</strong></p>



<p>Ja, am Anfang laut und nur im Kopf oder ich pfeife.</p>



<p><strong>Und dann das Dritte, was du gesagt hast, also wie wäre es, wenn es noch leichter wäre? Und wie kann ich es mir leichter machen, damit ich es spielen kann? Das ist eigentlich so eine Reduktion. Also mal angenommen, das F3 zum Beispiel ist quasi die Gig-Variante und da muss es knallen und Ende der Seite und so. Dann wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, das beim Üben sich leichter zu machen, es eine Oktave tiefer zu spielen. Also es ist dann quasi so eine Art von, ich nehme Parameter bewusst weg, damit ich es mir selber leichter machen kann, um quasi dieses Gefühl von Leichtigkeit mir eigentlich so anzutrainieren und zu etablieren auch auf Nadel. Kann man das so?</strong></p>



<p>Absolut, das würde ich so unterschreiben. Das Einzige, was ich zu vermeiden versuche, ist tatsächlich die Dinge eine Oktave tiefer zu spielen, als Basis für mein Gefühl, als Gehörbildungsding, absolut zur Vorstellung, wie die Phrase eigentlich sein sollte, ist das absolut hilfreich. Ich weiß, dass ich in der Oktave darunter ja kein Problem habe mit Leichtigkeit. Und es ist wie, ich muss dieses Gefühl eben irgendwo direkt oben erwischen, weil dieser evolutionäre Ansatz, sich von unten nach oben zu arbeiten, hat bei mir über lange Jahre hinweg nicht mehr zu regelmäßigen Fortschritten geführt. Und das Instrument von oben nach unten zu verstehen, statt von unten nach oben zu verstehen, hat mir da mega geholfen. Und das nur nebenbei, technisch gesehen funktioniert die Trompete an sich von oben nach unten, weil die Ventile machen zum Beispiel alle Töne ja nur tiefer. Ich sehe Naturtöne und dann wie Trauben, die darunter hängen. Und ich will die Äste üben, also die Basis, die Zweige, an denen die Trauben hängen. Und dann von daher ist alles eigentlich nur noch Entspannung. </p>



<p>Das heißt, wenn ich es schaffe, in einer gewissen Höhe oder sogar ganz hoch, ganz leicht zu spielen, ist der Rest ja ohnehin easy. Das heißt nicht, dass ich dann überall gut klinge, aber dass es überall easy ist. Und dann Klang zu üben, ich weiß schon, wie Klang üben funktioniert. Das habe ich schon ein Leben lang gemacht. Das heißt, das ist das Einzige, was ich hier sagen würde, nee, eben gerade nicht, das wäre wie so der normale Ansatz, das habe ich ein Leben lang gemacht. Und jetzt, ich gehe gar nicht in den Umweg. Ich versuche die Vereinfachung oder das Runterbrechen auf einfache Levels eigentlich nicht mehr auf die übliche Weise zu machen, nämlich tiefer und langsamer, sondern meistens kürzer oder halt andere Parameter anzuwenden als diese üblichen Herangehensweisen, mit denen ich ja schon 30 Jahre gearbeitet habe. Mein Hirn braucht ein neues Gewicht, eine neue Übung, all diese Dinge, weil die anderen Pfade sind schon etwas ausgetreten. Und der Fortschritt fühlt sich langsamer an, wenn ich es so mache.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Messbar üben: Strichliste, 1.000 Gutzeichen &amp; Gamification</strong></h2>



<p><strong>Du hast vorhin etwas Spannendes gehört. Du machst dann so Strichlisten. Ist das dann quasi, um dir bewusst auch so Pausen zu gönnen, oder ist das wirklich eher so dieses Sportding, Trainingsplan mäßige, ich will kontrollieren, wie viele Wiederholungen ich da jetzt gemacht habe?</strong></p>



<p>Also angefangen damit habe ich in New York, ich habe das Stipendium von der Stadt Bayern gekriegt und ich durfte knapp ein halbes Jahr in New York verbringen. Und ich habe da unendlich viele Optionen gehabt, was ich eigentlich machen könnte mit der Zeit da. Und ich habe eigentlich gedacht, ich fange einfach tatsächlich mal von ganz vorne an mit Trompeten zu spielen. Was passt mir nicht an mein Spiel? Und ich kann das zusammenfassen mit dem Gefühl, ich mag es eigentlich nicht, nach 32 Jahren Trompete zu spielen, zum Beispiel im ersten Set von einem Big Band Gig, zu denken, vielleicht sollte ich im Solo nicht aufs Ganze gehen, weil im zweiten Set kommt dann noch die Nummer mit der zweiten strengen Seite und all diese Dinge. Ich will einfach spielen können und habe das zu meinem Leitstern genommen. </p>



<p>Und ich habe dann, und das ist wieder eine absurde Übung, und die habe ich tatsächlich gemacht, ich dachte, was ich glaube würde einen großen Unterschied machen in meinem Spiel ist, wenn ich irgendeine Art und Weise herausfinde, wie ich ohne Kraftaufwand G3 spielen kann. Das klingt total utopisch. Und ich habe mich dann vor den Spiegel gesetzt und gesagt, ich mache erst wieder etwas anderes, wenn ich tausendmal diesen Pitch, diese Tonhöhe irgendwie erreicht habe und es nicht anstrengend ist. Ansonsten gibt es keinen Strich. Und das hatte ich dann so, ich hatte zweieinhalb Wochen für tausend Töne. Das heißt, ich bin stundenlang dran gesessen, habe gedacht, okay, das funktioniert nicht. Vielleicht brauche ich hier noch 20, 30 Versuche mehr und dann kann ich wirklich, das ist es nicht, wie kriege ich es hin? Und dann habe ich echt experimentiert. Ich habe mich nicht vom Klang leiten lassen. Ich habe mich nicht von Konventionen leiten lassen, die mich ein Leben lang schon begleitet haben, sondern nur von der Frequenz an sich und dem Gefühl. Und ich habe dann einen Kreis gemacht, wenn es nicht geklappt hat und ein Gutzeichen, wenn es geklappt hat. Und dann nach einer Session, wenn ich mich müde gefühlt habe oder gemerkt habe, das waren jetzt 20 Kreise nacheinander, ich brauche mal eine Pause, habe ich eine Pause gemacht und so, bis ich tausend Gutzeichen hatte. </p>



<p>Und das Krasse war, am ersten Tag waren es, wenn ich mich recht erinnere, waren es irgendwie so etwas wie 300 Versuche und vier Gutzeichen. Und am letzten Tag waren es vielleicht 800 Versuche und 250 Gutzeichen. Sprich, ich kann immer noch kein G3 spielen dann, aber der Fortschritt ist eigentlich gewaltig und messbar und visuell auf dem Blatt sichtbar und es hilft mir tatsächlich, bei meiner Aufgabe zu bleiben. Jedes Mal, ich kann nur einen Kreis oder ein Gutzeichen machen, wenn ich mich machen oder aufschreiben, wenn ich mich tatsächlich an die Vorgabe halte, die ich mir gegeben habe. Und ich habe für mich eine Art Trick herausgefunden, eine Art, das fühlt sich komplett anders an, fühlt sich an wie ein anderes Instrument. </p>



<p>Wird das meine neue Spielweise? Kann ich nicht zu 100% beantworten, aber möglicherweise schon. Und mittlerweile kann ich auch ein G4 spielen. Das klingt zwar nicht schön und niemand braucht das, aber es ist wie so ein Parameter, der mir was über die Physik des Instruments sagt und meinen täglichen Stand der Dinge. Und ja, nutze ich die Physik des Instruments und meine eigene Anatomie ideal, dann ist diese Frequenz eigentlich was Leichtes und wenn nicht, halt eben nicht. Und das ist relativ einfach und das ist Forschungsarbeit. Ich denke auch Empirik, nur auf mich bezogen, das bleibt natürlich in sich anekdotisch, aber für mich selber gibt es eine empirische Note in dem Ganzen drin. Und drittens auch ein Gamifying-Faktor. Wie viele kriege ich heute hin? Wie hoch ist die Ausbeutungsrate in dem Sinn? Komme ich auf 80%, komme ich auf 90% und all das Zeugs? Und Gamifying ist da für mich auch mega wichtig, genau.</p>



<p><strong>Ich will gar nicht sagen, dass dein Üben auf eine Art unkonventionell ist, aber es ist ja schon auf eine Art. Es ist ja schon anders, als du selber gesagt hast, wie du früher geübt hast und vor allem, glaube ich, auch ganz anders, wie wahrscheinlich viele von uns üben. Und trotzdem finde ich es sehr spannend, weil es ja eigentlich zwei wichtige Parameter in den Vordergrund rückt, nämlich Leichtigkeit und dieser spielerische Ansatz, herauszufinden, wie es bei einem selbst funktioniert. </strong></p>



<p><strong>Was ich immer dann sehr interessant finde und das finde ich bei dir auch gerade super spannend, wenn du so erzählst, wie man daraus sich selber höhere Ziele ableitet. Weil eigentlich die Prämisse ist ja bei dir aktuell, wenn ich das richtig verstehe, Leichtigkeit im Spiel. Und da kannst du ja alles mitmachen. Du kannst ja auch statt G3s zu üben, stundenlang G-Dur üben zum Beispiel. Und den ganzen Tag überlegen, wie leicht kann ich eigentlich G-Dur spielen. Und das bringt dich ja weiter auf eine Art und Weise, aber sehr abstrakt. Und trotzdem bin ich mir ja sicher, dass du ja auch für dich als Musiker, als Künstler, die ja auch Ziele setzt, was du künstlerisch machen willst, wie du auch klingen möchtest, wahrscheinlich immer noch, und was du auch an musikalischen Sachen üben möchtest. Also wie schafft man es jetzt, wenn man da so, wir waren jetzt quasi sehr fokussiert auf den Übeinhalt und die Methodik, wie unser Üben vonstatten geht. </strong></p>



<p><strong>Wenn man da einmal rauszoomt, wie formulierst oder wie kreierst du dann für dich da einen Rahmen, um quasi so ein langfristiges Ziel da einfließen zu lassen?</strong></p>



<p>Die beiden Bereiche sind tatsächlich ganz eng verwandt in meinem Kopf. Und das ist aber auch noch relativ neu in meiner eigenen Biografie, weil eben ich komme von Übeplänen her und mir fällt es eigentlich gar nicht mega leicht, mich über längere Zeit zu fokussieren. Und da haben diese ganzen Strukturen auch mega geholfen. Und die Zielsetzung war häufig in meinem Leben bis zu einem gewissen Grad tatsächlich oder vermeintlich von außen vorgegeben. Da gab es Lehrpersonen zuerst und dann während und nach dem Studium Konzerte und da gibt es eine gewisse Anforderung. Dann gibt es Vorbilder, wie würden die diese Musik spielen und wie nah komme ich an dieses Ideal heran? All diese Dinge und die haben als diffuse Masse so ein Gefühl ausgelöst von “Ich glaube, ich weiß, was ich möchte und ich glaube, da bin ich noch nicht.” </p>



<p>Und was ich jetzt mache mit diesem Gefühl üben ist, wenn ich… Vor kurzem hatte ich ein Konzert, das auch aufgenommen wurde und das Gefühl am Konzert war eigentlich mega geil. Ich hatte total Spaß beim Spielen. Es fühlte sich leicht an. Ich finde, ich habe kreativ gut improvisiert, nah an meinem Optimum und weil es so leicht ging, habe ich Dinge spielen wollen, die ich eigentlich noch gar nicht kann. Das heißt, ich habe zum Teil künstlerisch wahrscheinlich ein bisschen fragwürdige Entscheidungen getroffen. Wie bewerte ich jetzt das? Und ich komme gleich wieder zum Ziel. Ich wünschte mir, wenn das als Platte rauskommen würde, dass ich andere Entscheidungen getroffen hätte. Sprich, mein Üben, meine Ziele müssten sich auf einer Entscheidungsebene irgendwo befinden. Es geht nicht darum, ich wünschte mir nicht unbedingt, dass ich besser Trompete gespielt hätte oder dass ich sechs Stunden mehr über diese Changes in sieben irgendwelche Strukturen geübt hätte. Ich wünschte mir, ich hätte in dem Moment eine andere Entscheidung getroffen. Also muss ich das Entscheiden üben. Also diese direkte Linie zu “Was wünsche ich mir und was ist noch nicht der Fall?” </p>



<p>Das ist eine Komponente. Und das andere ist, der Gig war ein Beispiel dafür, dass ich viel näher an diesem übergeordneten Ziel dran bin. Nämlich von “Es fühlt sich leicht an, das macht mich mutig auf der Bühne.” Wie “Ah, geil, ich darf jetzt Trompete spielen mit Top-Leuten, die auch Freunde und Freundinnen von mir sind. Wir verbringen eine schöne Zeit zusammen. Ich bin nicht gestresst von meinem Instrument. Hier und da wollte ich halt im Solo ins G3 raufspielen. Das hat dann doch nicht geklappt. Aber ich weiß, das Gefühl, das mich dazu verleitet hat, ist Teil meines Pfads und Teil meines Erreichens des übergeordneten Ziels. Und von daher möchte ich tatsächlich, es mag sich diffus anfühlen, aber für mich fühlt es sich zum ersten Mal eigentlich nicht diffus an. </p>



<p>Ich kann mir so gut vorstellen, wie ich möchte, dass sich die Trompete anfühlt, weil ich das Erlebnis schon ein paar Mal hatte. Und jedes Mal, wenn das so ist, klinge ich fast schon so, wie ich eigentlich gerne klingen möchte. Das heißt, das Gefühl beim Spielen, das physische Gefühl, überträgt sich auch auf meinen künstlerischen Ausdruck, auf meine Selbstsicherheit, auf meine Lust zum Musikmachen und zum Trompete spielen. Und deshalb bleibe ich ganz explizit und auch gegen innere Widerstände bei diesem einen Ziel. Es muss einfach einfach sein. Es muss leicht sein. Wenn ich nach Karjakov zuhöre, bin ich zwar beeindruckt von der Doppelzunge und Trippelzunge und Kontrolle und Ausdauer und allem und Klang, aber am allermeisten ist, ich glaube nicht, dass es für ihn schwierig ist. Es ist einfach nicht schwierig. Und das ist mein Ziel. Und mehr braucht es, als nicht, glaube ich, für mich im Moment. Und das wird sich wieder ändern. Ich hoffe nicht nur, ich werde das ändern, aber jetzt einfach bei diesem einen Ziel zu bleiben, finde ich absolut magisch. Und das ist tatsächlich, das muss ja nicht Leichtigkeit sein, Leichtigkeit kann irgendwas sein. Leichtigkeit halte ich für ein vernünftiges Ziel, auf alle Bereiche des Lebens bezogen, abgesehen davon. </p>



<p>Aber sich tatsächlich mal für eine gewisse Zeit, und zwar eine längere Zeit, ein Jahr vielleicht, auf nur ein einziges Ziel zu berufen und nicht nach Vorsätzen zu arbeiten, sondern einfach, das ist das, was ich will. Und alles andere bewegt sich an der Peripherie daran vorbei oder zielt in die gleiche Richtung sogar. Und deshalb bleibe ich hier für einmal gegen meine Widerstände bei dem eigentlichen einzigen Punkt.</p>



<p><strong>Also lässt quasi bewusst Chaos zu drumherum.</strong></p>



<p>Ganz genau, ja. Das ist Teil davon.</p>



<p><strong>Ich finde es ja ganz schön, dass du diesen Leitstern schon vorher ein paar Mal erwähnt hast. Das ist eigentlich ein sehr schönes Bild, so quasi, dein Leitstern beim Üben ist das, und das zieht so durch. Das finde ich voll cool. Und auch wenn man dir von außen so zuhört, als du das gerade erzählst mit diesem Gig und diesen künstlerischen Entscheidungen auf der Bühne, habe ich gedacht, das ist ja eigentlich voll cool. Klar, für die Aufnahme ist es jetzt, da hat man irgendwie nochmal höhere Ansprüche an sich selber. Aber was du so erzählt hast, denke ich mir eigentlich, naja, eigentlich ist es ja voll cool, weil du warst deinem Ziel auf der Bühne voll nahe. </strong></p>



<p><strong>Und dass es jetzt auf der Aufnahme nicht vielleicht so das Solo ist, was man vielleicht ansonsten gerne verkaufen würde, so what. Aber eigentlich für deinen Leitstern zu erfüllen, ist ja eigentlich voll schön, die Story.</strong></p>



<p>Absolut, ja. Das war im Dezember und ich freue mich jetzt noch darüber. Das ist echt ein schönes Gefühl.</p>



<p><strong>Ja, glaube ich. Ich finde, und das ist eigentlich ganz witzig, dass das so jetzt dein Leitstern ist, weil ich habe vor fünf Jahren hier in Bern studiert und seitdem verfolge ich so ein bisschen, was du spielerisch und trompeterisch machst. Mir kam das irgendwie immer schon leicht vor, vielleicht ist es auch irgendwie dieser Zeitraum einfach länger bei dir schon, als du es selber wahrnimmst. Und dass du vor allem so klangtechnisch auf der Trompete sehr wandelbar klingst. Also dieses typische Big Band, helle Strahlen kannst du. </strong></p>



<p><strong>Es gibt diese coole Aufnahme von dir mit Christoph Grab, dieses Reflections live at Haberhaus, wo du ein unglaublich cooles Solo spielst über Around Midnight. Also das kann man gerne mal an der Stelle hier, neben ganz anderen tollen Sachen kann man das hören. Also wirklich von so einem ultra warmen, weichen Sound, aber auch in die Höhe so. Und das klingt nach vollkommener Kontrolle und es klingt übrigens auch unglaublich leicht auf der Bühne. Würdest du sagen, es gab da irgendwie mal auch so ein Aha-Moment für dich, wo du gedacht hast, ah krass, okay, ich habe verstanden, du hast vorher gesagt, du hast früher auch ganz lange nach Strukturen geübt und du weißt, wie Soundproduktion funktioniert. Also gab es da mal so ein Aha-Moment für dich, wo du sagst, ah krass, okay, ich habe verstanden, wie Trompeterspielen für mich funktioniert. Und wenn ja, was ist dieser gewesen?</strong></p>



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<p>Verstanden würde ich, also die Aufnahme ist, wenn ich mich recht erinnere, wahrscheinlich so Größenordnung 2018. Und ich war dann auch auf einem anderen Pfad. Ich habe da spätestens da angefangen, Dinge zuzulassen. Das ist, glaube ich, nicht unbedingt das gleiche wie Verständnis, aber ich habe da zugelassen, dass ich klinge, wie ich klinge. Und dass ich nicht dann, weil ich plötzlich Monk-Musik spiele, halt irgendwie klingen muss wie jemand, der das damals schon gespielt hat und so eigentlich tatsächlich zugelassen. Am Anfang fühlt sich das, in aller Ehrlichkeit, fühlt sich das ein bisschen an wie, okay, ich kann halt nicht spielen wie Freddy Hubbard. Und es ist okay, ich beiße jetzt in den sauen Apfel und spiele halt, wie ich spiele. Und Freddy würde mir besser gefallen, aber es ist, was es ist. </p>



<p>Und dieses Zulassen, dieses Mikroaufgeben in dem Moment ist unfassbar befreiend. Und ich glaube, an dem Abend hat noch was reingespielt. Ich hatte 40 Grad Fieber. Ich kann mich mega gut an die Session erinnern, weil wir haben das ganze Programm, das ist eine Liveaufnahme, wir haben das ganze Programm am Nachmittag durchgespielt ohne Publikum und dann noch einmal mit Publikum. Und es ist fast alles vom Gig mit Publikum. Und zwei, drei, ich glaube drei Stücke sind von der Nachmittagsession.</p>



<p> Und ich habe während des Nachmittags gemerkt, es geht mir echt nicht gut. Und ich war erst mal total gestresst und dann war ich so auf der Schnauze. Der Bassist, Lukas Taxl, übrigens auch, der hat auch hohe Fieber und wir haben echt gelitten. Und ich habe genug gelitten, dass ich keine, ich hatte keine Kapazität für dieses Judgment mir selber. Ich war einfach, okay, ich spiele das jetzt einfach halt so gut, wie es geht und dann ab nach Hause ins Bett. Das war eigentlich mein Mindset. Und das höre ich tatsächlich immer noch, ich habe da so eine Entspanntheit. Das heißt, Erkenntnis, ich wünschte, ich könnte ja sagen. Ich glaube, die Erkenntnis ist jetzt da, darüber, was damals passiert ist. Aber im Moment war das noch nicht unbedingt der Fall oder nur zu Teilen der Fall. Aber zulassen ist ein wichtiger Begriff dafür.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Improvisation: Dreiklänge, Random Töne &amp; Vorbilder</strong></h2>



<p><strong>Das spielt ja auch ein bisschen rein, was du gerade vorher meintest. Das ist ganz interessant. Und auch jetzt da auf das Improvisatorische bezogen, finde ich, bei dir auch, hört man das, finde ich sehr, sehr schön, dass du so wie beides hast. Also zum einen diese Linien, also das Vertikale in deinem Spiel, das Gefühl, man ist so über den Changes und hat so eine Idee für das Stück und möchte darüber bestimmte Aussagen machen. Aber gleichzeitig hast du ja auch dieses fast schon gitarrenhafte, pianistische, super viele Dreiklänge, Arpeggien und sowas. Wie hast du es geschafft, dass das Teil von deinem Repertoire wird? Also wie hast du Zugriff auf diese ja doch sehr technischen Aspekte versus dieses linienhafte und den größeren Bögendenker? Das sind ja wie zwei verschiedene Paar Herangehensweisen eigentlich, oder?</strong></p>



<p>Ja, einverstanden. Also das Erste ist tatsächlich die Art und Weise, wie ich improvisieren gelernt habe. Ich hatte lange Jahre klassische Lehrpersonen und wollte das auch machen. Und dann plötzlich interessiert hat mich ja eigentlich Jazzmusik immer mehr und Jazzverwandte Stile. Und ich habe dann angefangen, halt einfach ein bisschen was darauf los zu spielen, ohne irgendwas zu wissen. Und irgendwie halt random Zeugs nacheinander gespielt. Und ich glaube, das ist immer noch die Basis von dem Teil, was sich tatsächlich als Improvisieren anfühlt in meinem Spiel. Und das Andere lässt sich mit einem Namen zusammenfassen. Bert Joris ursprünglich. Und ich glaube, du hörst das wahrscheinlich auch raus. Du hast auch bei ihm studiert. </p>



<p>Und sein System basiert mega stark auf Dreiklängen und Leichtigkeit. Das sieht man bei ihm auch, ja. Und seine Leichtigkeit hat einen Weg eingeschlagen, oder er hat sich dafür entschieden, dass es eben nicht unbedingt in einem Big Band oder Section-Stil leicht ist, sondern in einem improvisatorischen Stil. Und das sind bei ihm verschiedene Dinge. Auf jeden Fall habe ich das tatsächlich seriös geübt während der Jazzschule und da ist einiges hängen geblieben. Und das war auch meine erste Erfahrung, was es eigentlich heißt, über mehrere Jahre hinweg beim gleichen Überinhalt zu bleiben. Diesen Mut habe ich eben davor eigentlich auch nie aufgebracht. Und ganz ehrlich, danach für die nächsten 15 Jahre auch nicht. Ich dachte immer, hier muss noch was besser gehen, da muss noch was besser gehen. </p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Ich liebe es einfach, random Trompete zu spielen.&#8220;</p><cite>Lukas Thoeni</cite></blockquote></figure>



<p>Und ganz eine kurze Anekdote, ich hatte eine Lektion bei einem Saxophonisten, Ben Van Gelder, den ich mega finde. Und er hat mir auch Dreiklang-Konzepte gezeigt, darauf müssen wir nicht eingehen. Und ich habe ihn aber gefragt, hey, wow, das klingt mega krass, wie lange arbeitest du an dem schon? Und er hat gesagt, sieben Jahre. Und zwar nur das. Krass. Und das war auch so ein Eye-Opener, irgendwie die Geduld aufzubringen und das Vertrauen darauf, dass wenn man irgendwas richtig übt, dass alle anderen Sachen wahrscheinlich auch besser werden und wenn nicht, halt wahrscheinlich immerhin gleich gut bleiben. Und dass er im Erwachsenenalter und vielleicht auch ab einem bestimmten Level seriös üben, legitim ist. Im Sinne von, ich handle ein Thema ab. Und das, auch wenn es Jahre dauert, und dann mache ich das nächste Thema. </p>



<p>Und bei mir ist es mit den Dreiklängen so, und mit, in aller Offenheit auch hier, random Töne. Ich liebe es einfach, random Trompete zu spielen. Ohne Time, manchmal kommt dann Time rein, ohne Tonika, ohne tonalen Kontext, manchmal kommt da auch was rein, oder eben nicht, oder ich löse mich wieder davon. Und das ist, ich mache das gerne, ich kann mich darin verlieren, und ich glaube, dass es der improvisatorische Teil ist. Und du hast genau beschrieben, wie ich meine Spiele selber wahrnehme. Und ich, mittlerweile, ich habe genau diese beiden Punkte als Nachteile in meinem Spiel empfunden. Und mittlerweile ist es nicht mehr so. Dachte ich, ich spiele immer gleich, die Dreiklänge kommen raus, ich kann sie nicht kaschieren, Leute hören das. Und das andere ist halt so mit einem breiten Pinsel drüber, und Leute, die sich ausgehen, hören auch das. Und mittlerweile finde ich, ja, ich glaube, das ist, wie ich klinge. Und jetzt finde ich es auch was Positives.</p>



<p><strong>Das heißt, das ist beides auch immer noch Teil von deiner täglichen Arbeit, auch wenn das quasi nicht mehr unter diesem Leitstern “Ich möchte Dreiklänge machen” sein.</strong></p>



<p>Ne, ich habe eben tatsächlich das Gefühl, also das Improvisieren, ja, aber das bezeichne ich nicht als Übung. Manchmal spiele ich halt ein bisschen Trompete, weil es ist ja auch immer noch mein Hobby. Dreiklänge? Ne, mache ich nicht. Manchmal, wenn ich ein Stück, wenn ich Changes nicht begreife, ist es ein Tool. Aber eigentlich, ne. Da habe ich, ich habe echt den Eindruck, das habe ich als Thema für mich abgeschlossen. Ich weiß nicht, dass ich es nie mehr machen werde, aber das habe ich lange genug gemacht, um eben mal zu sagen, hey, das kann ich auch, ich kann es fünf Jahre nicht machen, und dann, ich kann es eigentlich immer noch, einigermaßen zumindest. Und von daher, ja und nein.</p>



<p><strong>Ich muss mal ganz kurz erklären, also Bert Joris hat wirklich, ich glaube, also ich war nur ein Jahr bei ihm, aber wirklich, wir mussten drei und vier Klänge für alles machen, und eigentlich jedes Stück haben wir uns so erschlossen, im Prinzip. Also die ganze Arbeit improvisatorisch, der Grundstock eigentlich von Berts Methode basiert eigentlich auf drei und vier Klängen, dass man darüber lernt, melodisch zu improvisieren, vielleicht auch mal so als…</strong></p>



<p>Genau, und er nennt sie, und das nur als kleiner Bezug zu Leichtigkeit, er nennt die Übung Perpetuum mobile. Das heißt, es muss so leicht sein, dass es sich selber antreibt, und es sind Staccato-Achteln und nicht geswingte Achteln, aber es sind immer Achteln, das klingt eigentlich ganz klassisch, und bei mir waren es auch immer nur drei Klänge, vier Klänge waren eigentlich verboten, es sei denn, man geht in die nächste, zum Beispiel bei C7 statt C, E, G, spielt man dann E vermindert, das wäre dann der nächste Dreiklang, dann hat man irgendwann auch alle vier Töne, und dann mit den Tönen frei improvisieren.</p>



<p><strong> Das klingt ein bisschen barock, eigentlich.</strong></p>



<p>Ja, und es ist auf jeden Fall anstrengend für den Kopf, den man spielt. Man braucht viele Pausen automatisch.</p>



<p><strong>Ja, echt, ja. Aber es hat Spaß gemacht, auf jeden Fall. Also auch für mich, ich denke da super gerne dran zurück, weil ich sowieso beides erlebt habe in Bern, mit Mathieu und Bert, dass man quasi sowieso beide Welten einmal kennenlernt und wirklich alles so aufsaugen kann und da mega viel profitiert einfach.</strong></p>



<p>Ja, geht mir genau so. Und auch die Struktur, ich habe auch bei beiden Unterricht gehabt, und die beiden funktionieren ja total unterschiedlich. Mathieu ist mega intuitiv und Bert mega strukturiert, und beides hat mir echt viel gebracht, bin aber auch froh, habe ich von Bert die Struktur bekommen, er war mein Hauptlehrer, und ich habe Struktur gebraucht in dem Alter zu der Zeit.</p>



<p><strong>Ja, absolut. Also, unterschreibe ich zu 100 Prozent auf jeden Fall.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gear: Wann Instrumente wirklich helfen</strong></h2>



<p><strong>Man kann Trompeter eigentlich nicht interviewen, ohne dass man nicht irgendwann auf das Thema Gear kommt. Ich bin absolut kein Gear-Nerd, also ich habe keine Ahnung, ich spiele immer noch meine alten Bach-Trompeten von vor immer. Die sind toll, ja. Genau, deshalb, ohne hier Werbnummer zu machen. Aber trotzdem ist es bei uns Trompetern ja immer so ein Thema, was für ein Musikstück, was für ein Instrument spielst du. </strong></p>



<p><strong>Deshalb formuliere ich die Frage anders. Was, findest du, muss man auf der Trompete verstanden haben, ganz speziell, damit es überhaupt erstmal Sinn macht, darüber sich Gedanken zu machen?</strong></p>



<p>Wow, das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, auch hier Verständnis als weitläufiger Begriff da reinbringen zu wollen, sind ein paar Grundstrukturen von Funktionen, die möglich sein müssen auf einem Instrument. Zum Beispiel, was bei allen Blechblasen-Instrumenten eine Herausforderung ist, sind Naturtöne schnell nacheinander kontrolliert spielen zu können. Das ist eine mega instrumentspezifische Schwierigkeit des Instruments. Und hier, glaube ich, mit so ganz kurzen Einheiten, also zum Beispiel auf der Trompete vom mittleren G zum mittleren C hochzubinden, so schnell wie du es kannst, nicht aushalten und dann kontrolliert hochbinden, sondern eigentlich wie direkt das C anspielen und davor das C eigentlich zu tief anspielen, sodass das G davor noch kurz anklingt und dann so, dass dieses Klickgefühl zwischen den zwei Noten irgendwie sich etabliert. Und ich glaube, das funktioniert auf der Menschseite, also nicht auf der Instrumentenseite, auf der anatomischen Seite, wenn man so will, nur auf eine ganz spezielle und entspannte Weise. Und sobald man das, das ist eigentlich nicht schwer, aber man kann das wie in kurzer Zeit mal kurz etablieren. Und das gibt einem ein Gefühl dafür, wie es auf dem eigenen Instrument ist und eine messbare Komponente, die sich auf andere Instrumente und/oder Mundstücke übertragen lassen. </p>



<p>Das heißt, kontrollierte Testbedingungen schaffen und da ist, ich glaube schon, dass Verständnis wichtig ist, aber ich glaube, es sind so zwei, drei Dinge, die irgendwie gut funktionieren müssen und die mit Ansprache zu tun haben und mit Schlussendlich, ich möchte nicht Leichtigkeit, sondern eine gewisse Entspanntheit hier ins Spiel bringen und das dann auf verschiedene Instrumente zu übertragen. Ich glaube, die allermeisten, auch die Profis und auch ich selber, machen den Fehler beim Auschecken von Instrumenten, zu schwierige und vor allem zu anstrengende Dinge zu üben. Kann ich hier hochspielen? Falls es tatsächlich besser geht auf deinem Instrument als auf einem neuen oder umgekehrt, muss das noch nicht unbedingt eine Aussage sein, weil die Frage müsste eigentlich sein, kannst du tatsächlich entspannt hochspielen und wenn ja, welches Instrument klingt besser da? Welches Instrument unterstützt dich da? </p>



<p>Und dieses Schnelltesten von Instrumenten ist manchmal ein Problem. Umgekehrt finde ich, ist es mega wichtig, eine Wahrnehmung dafür zu entwickeln, wie das Instrument sich anfühlt bei den instrumentenspezifischen Dingen, sprich eben beispielsweise Flexibility, das Einrasten von Tönen und wie ist da die Kombination zwischen Mundstück und Trompete und das hat bei mir persönlich dazu geführt, dass ich mir tatsächlich ein neues Instrument zugelegt habe und zwar nicht in erster Linie damals als Entscheidung, weil ich einen anderen Sound gesucht habe oder fand mein Instrument schlecht, sondern weil mir eingeleuchtet hat, dass in meinem Fall Lotus, dass die Instrumente bauen, die möglichst nah an der technischen Perfektion dran sind, damit ich Parameter ausschalten kann, auf meinem persönlichen Weg zur Leichtigkeit. Und dann habe ich unterwegs gemerkt, dass ich das Instrument tatsächlich mega mag, aber ich wusste halt, weil Adam Rapa hat mir sein Instrument mitgegeben und dann haben wir ein bisschen zusammen geübt und ich habe ihn halt auf meinem Instrument und auf dieser Lotus gehört und dachte, okay, die Lotus macht ganz viele Dinge von sich aus potenziell richtig, wenn man so spielen kann wie Adam Rapa und mein Instrument ein bisschen weniger. Also kann ich hier potenziell Schwierigkeiten aus meinem Spiel rausnehmen, wie bei der Kaffeemaschine, da bin ich jetzt. Wenn man zum Beispiel immer die gleiche Wassertemperatur, immer den gleichen Anpressdruck für den Kaffeepack hat, immer die gleiche Mahlmenge und nur zum Beispiel an der Durchlaufzeit arbeitet, kann man viel besser eruieren, wo ein Problem liegen kann oder wo was gut ist. Und wenn man an allen Parametern gleichzeitig schraubt, ist es mega schwierig herauszufinden. </p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p><br>&#8222;Wenn man an allen Parametern gleichzeitig schraubt, ist es mega schwierig herauszufinden.&#8220;</p><cite>Lukas Thoeni</cite></blockquote></figure>



<p>Sprich hier Reduktion, was muss ich können, kann ich das auf meinem Instrument und wie lässt sich das übertragen auf andere Instrumente? Und wenn man eines findet, von dem man überzeugt ist, es unterstützt entweder in der Klangvorstellung und/oder auf seinem eigenen Weg, was die eigenen Überziele anbelangt, dann finde ich es legitim, was zu ändern. Und solange man aber das Gefühl hat, ich kann was nicht, also brauche ich neues Equipment, glaube ich, ist man auf dem Holzwerk. Das wird teuer.</p>



<p><strong>Host: Das stimmt, absolut. Hättest du dir vielleicht abschließend zu dem Thema nochmal gefragt, ob du dir dann so eine Abkürzung zu dieser Erkenntnis mal gewünscht, dass das Instrument nicht viel mehr ist als ein Verstärker im Grunde?</strong></p>



<p>Ja und nein. Eigentlich mehr ja als nein. Ich bin nicht mega geduldig, aber ich habe eigentlich auch total Spaß an diesem erkenntnisorientierten Üben. Also nicht am evolutionellen Ansatz von morgen ein kleines bisschen besser als heute, sondern finde ich raus, wie es funktioniert und dann kann ich es hoffentlich morgen noch oder dann kann ich erst anfangen, die neue Erkenntnis überhaupt ins Üben zu integrieren. Und ich habe eigentlich Lust auf den Prozess.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Übung: Dart-Methode, Naturton-Sprünge &amp; Momentum</strong></h2>



<p><strong>Jetzt haben wir schon die Trompete ganz konkret angesprochen. Lass uns zu unserer Übung kommen. Ja bitte. Was dürfen wir hören von dir?</strong></p>



<p>Etwas, was ich sowohl beim Unterrichten als auch in meinem eigenen Üben oder einige Dinge sogar, was ich integriert habe, ist mein Gefühl, von dem ich eigentlich, wenn ich was Technisches übe, ganz ähnlich vom Mindset her mich aufstellen möchte, wie wenn ich Match-Dart spiele, jetzt gegen dich. Das heißt, ich habe pro Spielzug drei Würfe, drei Pfeile. Ich habe ein bestimmtes Ziel vor Augen. Ich konzentriere mich, ich atme und dann kommt ein Release. Es ist eigentlich eine Entspannung, also Körperspannung findet wahrscheinlich möglicherweise davor statt. Also der ganze bewusste Prozess findet eigentlich vor dem eigentlichen Wurf statt. Und dann habe ich unmittelbar ein Resultat, was ich visuell auf der Dartscheibe, hoffentlich auf der Dartscheibe, erkennen kann. Und entsprechend den nächsten Wurf, wenn es gut ist, versuche ich es nochmal gleich zu machen. Aber das ist bei Dart ja fast nie der Fall. Ich versuche mich so immer weiter anzunähern. Nach drei Pfeilen muss ich halt nach vorne laufen, meine Pfeile einsammeln und wieder zurück. Da gibt es eine kleine Pause. Und dieses Dart-Äquivalent lässt sich eigentlich auf alles anwenden. Tendenziell kurze Einheiten. Und ich weiß, sowohl mit meiner neuen Spieltechnik, bei der ich noch ein bisschen gehemmt bin, die in der größeren Allgemeinheit zu zeigen, als auch in meinem sozusagen normalen Spiel, dass es mega effizient ist. Und dass mein Fokus sich auf, sagen wir, geschätzt dreimal eine Sekunde und dann ein paar Sekunden Pause eigentlich bezieht. Also dass es nicht nur hoher Fokus ist, sondern ich glaube die höchste Form von Fokus, die mein Hirn irgendwie generieren kann. Und ich würde, glaube ich, gerne so etwas zeigen. Und da kommen dann noch zwei, drei Begriffe mit dazu. Ich finde, das ist einer meiner Lieblingsbegriffe und das wird halt schwer zu erkennen sein, weil es ja ein akustischer Inhalt ist und wir kein Video dazu drehen. Aber ich liebe den Begriff Parodie statt Imitieren. Also ich hoffe, das ist absolut als Kompliment gemeint, falls Simon Höfele hier mal reinhört. Ich habe so viele Trompeter und Trompeterinnen eigentlich parodiert, weil ich weiß, ich kann sie gar nicht imitieren. Ich meine damit nicht, dass ich mich lustig über die Leute mache, im Gegenteil. Ich versuche visuell möglichst nah an die Leute heranzukommen. Und Simon Höfele, wir haben uns nie getroffen, das nur als Disclaimer, hat einen mega geraden Ansatz, rechtwinklig vom Gesicht, weil seine Ellbogen sind für mich auffallend weit außen. Er hat die Augenbrauen, ein mega offenes Gesicht. Also ich würde nicht sagen, dass er die Augenbrauen hochzieht, aber er wirkt konzentriert, die Augen sind weit geöffnet. Und von daher habe ich gedacht, und er klingt unfassbar gut, ich versuche mal vor dem Spiegel so auszuschauen wie er. Als erstes mal umzuspielen, dann habe ich es ein bisschen probiert, konnte zuerst mal gar nichts, weil mein Ansatz schaut halt nicht so aus wie seiner. Und dann plötzlich kamen Erkenntnisse. Das heißt, ich versuche ganz häufig, wenn ich diese drei Überdartpfeile abwerfe, auch visuell oder körperlich oder sozusagen als Schauspieler ohne Publikum zu sein wie jemand und mir auch vorzustellen, wie fühlt sich das an. Simon Höfler finde ich ein tolles Beispiel. Ich glaube nicht, dass sich das anfühlt wie Gewichte heben, wenn er Trompete spielt. Und das kann ich ja implementieren als Gefühl. Das kommt da dazu und vielleicht reicht das mal als erstes. Und was ich zeigen möchte, ich habe es vorhin schon kurz beschrieben, da kann ich auch ein bisschen Bezug nehmen, die ganz kurzen Einheiten, nämlich ein Tonsprung von Naturton zu Naturton, entweder hoch oder runter, weil ich weiß, das ist eine der relevanten Übungen, um von meiner neuen Spielweise, die sich mega anders anfühlt, schnell zurückzufinden zu meinem normalen Spiel und einem Performance-Ansatz. Weil wenn ich es so schnell mache, ich habe keine Zeit darüber nachzudenken und es funktioniert eigentlich nur, wenn ich locker bin. Ich zwinge mich zu Lockerheit über etwas, was musikalisch total fragwürdig ist. Und das kann ich gerne mal zeigen. Was ich eigentlich mache, ich spiele nur das mittlere C, also diesen Ton hier. Das ist eigentlich alles, auch nicht länger als das. Da versuche ich manchmal schon ein bisschen das Instrument am Gesicht zu haben, mir vorzustellen, wie fühlt sich der Luftdruck an, wie fühlt sich die Zunge an, bevor ich überhaupt spiele. Das ist so die Gefühlsebene davon. Und dann ist es eigentlich nur ein Release. Alles, was mit Körperaufwand zu tun hat, findet vor der Note statt. Es ist wieder angesetzt und dann nur das. Das ist ein kurzer Release. Es hat nicht mal mit Atemluft zu tun. Ich spuck eigentlich nur. Was ich jetzt mache, ist, ich spiele die Note an sich ein bisschen zu tief, so dass, wie ein Fehler, wie ein kleiner Praller, wie etwas Unabsichtliches, die Note darunter, sprich das G, anspricht. Das klingt jetzt erstmal nicht so wünschenswert. Es könnte so etwas sein. Zu tief. Eigentlich will ich das C spielen. Mein ganzes Setting soll aber das C bleiben. Ich muss ein bisschen tiefer denken, aber ich denke so bewusst wie möglich nicht G. Ich denke C, C. Okay. Und das, was ich jetzt gerade gespielt habe, ist ein Dart-Pfeil. Drei Dart-Pfeile wären … Okay. Der letzte war zu weit unten. Der erste habe ich am Brett vorbeigeworfen. Und der mittlere war, glaube ich, okay. Nächste Runde. Der mittlere hat sich gefühlsmäßig am besten angefühlt. Nicht unbedingt am besten geklungen, aber da hat es sich echt nur als C angefühlt. Ich habe keinen Sprung empfunden, keinen Aufwand. Das, vielleicht mache ich mal zehn Runden von dem. Und das Spannende ist, wenn ich das mache und dann eine Fortsetzung könnte sein, da mache ich ein bisschen mehr im Schnelldurchlauf, in der nächsten Runde, wenn ich gegen dich spiele, ich mache das tatsächlich auch mit trompetenspielenden Freunden von mir, okay, nächste Runde, das nächste Ziel ist nicht mehr das Bullseye, sondern die Triple 19. Und die Triple 19 klingt da vielleicht … Zielton G. Okay, nicht schön, das war zu viel C und zu wenig G. Okay, die drei Pfeile habe ich jetzt geworfen. Das war zu tief und alles, aber das Gefühl war gar nicht schlecht. Dann könnte das nächste Spiel nach weiteren 15 Runden zum Beispiel sein … Das war jetzt schon recht schnell, das hat eigentlich ganz gut funktioniert. Der Ja-Bi-Ai ist mein nächster Pfeil. Pfeil Nummer zwei. Pfeil Nummer drei. Dann mache ich das 15 Runden und irgendwann bin ich vielleicht, wenn ich den ganzen Weg gehe … Bei sowas … und so weiter. Das heißt, ich gehe hier ganz bewusst nicht über Temporeduktion, weil ich nämlich glaube, dass bei Temporeduktion man in vielen Fällen eine langsame Variante von etwas übt und dass die langsame Variante in vielen Fällen den Faktor Momentum … Und dann habe ich in meinen Notizen sogar unterstrichen, das Wort Momentum. Ich glaube, das ist mega wichtig. Manchmal, manche Dinge auf dem Instrument sind wie olympisches Hammerwerfen. Versucht es mal langsam. Versucht mal langsam einen Dartpfeil an die Wand zu werfen. Es braucht bei vielen Dingen Momentum. Und Momentum kommt meines Erachtens fast nie von langsamem Üben, sondern von einem Bewegungsablauf. Was ist eigentlich der Bewegungsablauf, wenn es schnell ist? Und das ist manchmal oder auch hier in vielen Fällen nicht der gleiche wie beim langsamen Üben. Das heißt, viele Dinge übe ich schnell und dann werde ich sukzessive langsamer. Und das bringt mich mega viel schneller vorwärts. Das geht übrigens auch für Finger. Und wenn ich das mache, was ich jetzt gerade gemacht habe, wenn ich meine Lippen anspanne aktiv, dann klingt es nicht so, ich bin weniger schnell, es ist weniger offen. Und das ist, ich glaube, ein Tipp, den ich gerne weitergebe und den ich über eigentlich sozusagen alles anwenden kann. Ich kann den überall implementieren. Ich kann, sagen wir, C-Dur-Dreiklang ist der Zielton. Was ist die schnellste denkbare Variante zwischen E und G? Eigentlich ist es auch nur, das E ist eigentlich wie ein Fehler davor. Und dann von C zu E, Zielton E. Und dann das könnte ein Darbfeil sein und der letzte Darbfeil wäre vielleicht. Und das kann auch winden nicht schneller. Das muss auch nicht schneller sein. Das Ding ist, damit es so schnell ist, ist ja total einfach. Es ist nur ein Griff. Dass es so schnell funktioniert, sagt einem etwas über die eigene Atmung, die Luft und die Technik, die man dabei anwendet, ohne dass man das kontrollieren kann. Es ist zu schnell. Nichts davon kann man kontrollieren. Wenn das funktioniert, bin ich eigentlich meistens ready. Dann fühlt sich das Instrument wie zu Hause an. Und häufig brauche ich ja genau dieses Momentum beim Einspielen von Gigs. Und ich sitze dann nicht auf der Bühne oder Backstage und mache… Ich habe auf Menschen, die mich hoffentlich mögen, und das will ich ja nicht unbedingt aufs Spiel setzen. Aber was ich mache, ist, ich habe diesen Prozess verstanden. Ich habe andere Prozesse auch verstanden. Ein bisschen schnell Zunge gebrauchen. Ich habe verstanden, dass Flexibilität generell wichtig ist. Leise, laut. Was auch immer die ganzen technischen und einspielmäßigen Übungen normalerweise befördern sollen, habe ich prinzipiell verstanden. Das heisst, was ich dann tatsächlich Backstage möglicherweise machen würde, könnte sich folgendermassen anhören. Ich packe da solche Elemente rein, was ich jetzt gerade gemacht habe. Und es ist eine Mischform zwischen Verständnis, was ich brauche, was das Instrument von mir erfordert, und die Musik möglicherweise, und Improvisation und sich näher zur Musik herantasten. Das könnte zum Beispiel sein, Bar Bands. Okay, jetzt bei den Dreiklängen am Schluss habe ich gemerkt, da ist was noch nicht entspannt genug. Jetzt habe ich mich entspannt und dann sind die da. Das heisst, wenn ich vorhin gesagt habe, ich spiele nicht ein, ich spiele einfach wahrscheinlich nicht so ein, wie du einspielst. Aber wir spielen ja alle bis zu einem gewissen Grad ein, und wenn die ersten paar Töne am Gig oder an der Probe noch ein bisschen weniger gut klingen, dann ist das dein Einspielen. Und ich glaube daran, wenn ich meine persönlichen technischen Schwierigkeiten verstanden habe und die ganz kurz adressiere, ohne dass alle denken, ich hätte eine Psychose, dann kann das so klingen, wie es gerade eben geklungen hat. Und das gibt mir auch so ein bisschen musikalischen Kontext und ein bisschen Selbstvertrauen, auch wenn ich, keine Ahnung, vom C3 halb chromatisch runterspielen kann und eigentlich alle Töne anspreche, dann weiss ich, das wird jetzt wahrscheinlich ganz okay gehen. Ich hoffe, dass es hängen bleibt. Parodiert Leute, dann scheitert ihr auch nicht. Eine Parodie kann nicht scheitern. Zweitens, denkt wie Dartspieler. Dreimal konzentrieren, kurze Pause, dreimal konzentrieren, kurze Pause. Und drittens, um was gehen die Einspielübungen, die euch was bringen? Und wie können die in einer minimalen und möglicherweise musikalischen Form kondensiert werden, sodass sie eigentlich wie Lachmus-Tests sind? Okay, ich glaube, ich bin einigermaßen ready. Das sind die Dinge, die ich brauche. Zunge brauche ich für Jazz ein bisschen weniger. Doppelzunge kommt fast nie vor, sonst wäre das auch Teil davon. Ich glaube, das ist meine hoffentlich im Allgemeinen anwendbare Idee. Dart, seid Dartspieler*innen.</p>



<p><strong>Host: Das finde ich mega, vielen Dank. Zusammengefasst, ich finde es ultracool, also ultraspannend, ich werde es gleich mal auschecken. Es hat ja so ein paar Komponenten. Ich finde diesen Hyperfokus vom Dart ultracool als Bild, dass man wirklich sich ein konkretes Ziel nimmt, das macht und auch nur das, dreimal Pause. Und es hat ja auch diese ballistische Komponente von diesem Werfen aufs Instrument übertragen, was ich ja ultracool finde. Und dann diese Mischung aus diesem Realitätscheck, den ganz viele hier im Podcast schon so genannt haben, dass sie einmal so checken, wie ist die Ansprache, die Resonanz vom Instrument, wie gehe ich quasi darauf ein. Aber bei dir finde ich das voll cool, dass du nochmal so diesen Leitstern reinbringst. Wie leicht muss ich es eigentlich machen? Ich finde dieses Bild von das C zu tief anspielen ganz cool. Du lässt es eigentlich machen mit dir. Also das Instrument reagiert quasi. Es ist ja nicht so, dass du bewusst so dahin machst, dass du es eigentlich eintun. Und das Instrument reagiert auf diese Art. Und du willst quasi diesen Impuls, diesen ballistischen Impuls eigentlich machen, ohne ihn zu kontrollieren oder, wenn man es anders formuliert, im Vertrauen darauf, dass es ja eigentlich klappt und dass du die Fähigkeit auf dem Instrument so kultivieren kannst.</strong></p>



<p>Ganz genau. Ich sage noch mal, ich sage, was ein bisschen provokativ ist in der Trompetenwelt. Ich glaube mittlerweile, für mich zumindest, das kann wie alle Dinge auf der Trompete, es gibt, glaube ich, gewisse physikalische Grundsätze, aber generell gibt es eigentlich nicht allgemein gültige Wahrheiten, wie das Ding funktioniert, weil zu viel Anatomie mit im Spiel ist. Aber es gibt gewisse Dinge, die nur funktionieren können, wenn man die Physik des Instruments möglichst ideal bedient. Und da kann man sich herantasten oder man kann das Ziel am Anfang stellen, sprich, eine schnelle Bindung, und die geht dann nur unter bestimmten Voraussetzungen. Und diese Voraussetzungen müssen nicht bewusst stattfinden. Vielleicht noch ganz kurz, ich kann leider den Namen der Studie nicht aus dem Kopf, ich schicke dir das gerne auch noch. Es gibt eine Studie, die besagt, dass die effizienteste Methode für motorisches Lernen, also wir reden nicht davon, ein neues Stück zu lernen, sondern tatsächlich eine komplexe Abfolge von Bewegungen, dass die effizienteste Lernmethode eigentlich ist, das immer genau gleiche, wenn 10 Sekunden zu üben, dann 10 Sekunden Pause, 10 Sekunden üben, das alternierende Üben. Mit drei Darfhäuten bin ich ungefähr auf der Länge und ich muss nicht auf eine Uhr schauen. Ich habe keinen Bock, in 10 Sekunden Blocks zu üben. Aber ich habe eigentlich ziemlich häufig Bock auf Darts spielen. Das fällt mir leichter, das ist die eine Komponente. Das Spannende dabei ist, dass der Körper, offensichtlich kann man mit bildgebenden Maßnahmen im Hirn sichtbar machen und mit Hirnströmen nachweisen, dass während der 10 Sekunden Pausen, das kann auch ein Teil von einer Scale sein, Arpeggio, etwas Musikalischeres, als ich jetzt gemacht habe, mit der Zeit nach ungefähr 10, 20 Minuten das Hirn beginnt in der Pause die gleiche Repetition auszuführen. Das war mit einer x-fachen Geschwindigkeit, wenn ich die Zahl richtig erinnere. Das waren 20, oder? Ich glaube, 20-fach. Ich habe das auch so im Kopf, dass diese Wiederholungen nahezu oder ganz genau so relevant sind wie die Wiederholungen, die tatsächlich auf dem Instrument aufgeführt werden. Und dass die Anzahl der Wiederholungen ein relevanter Faktor ist, ist zwar unromantisch, aber auch aus einer wissenschaftlichen Perspektive wahr. Das hat mich ursprünglich zu dieser Dart-Methode gebracht. Ich hatte die Idee dafür, als ich von der Studie hörte und ein bisschen reingelesen habe. Das Zweite ist dann, ich finde es mega spannend, das ist auch ein bisschen eine Anekdote, die mich fasziniert. Und zwar, man sollte so etwas nicht länger als eine halbe Stunde machen, weil das Hirn hat einen Anreiz dazu, Dinge tatsächlich auf einer Zellebene umzubauen. Das heisst, bildgebend kann man das mit der Zeit auch sichtbar machen. Und dieser Prozess findet schneller statt, wenn man immer wieder zehn Sekunden Pause macht. Findet aber praktisch nicht statt, wenn man es länger als eine halbe Stunde macht. Weil eigentlich zu viele, wieder die Kaffeemaschine als Beispiel, zu viele verschiedene Parameter im Spiel sind, je länger man es macht. Manchmal ist es gut, weil man tiefer eingeatmet hat, manchmal ist es gut, weil man etwas im Winkel vom Instrument geändert hat. Und je mehr Parameter da reinspielen, desto unwahrscheinlicher wird eine positive Plastizität im Hirn. Und deshalb, wenn es etwas Neues ist, eine halbe Stunde und nicht mehr, ich finde das mega entspannt. Und dann noch als allerletztes, nach dieser halben Stunde fünf bis zehn Minuten nichts machen. Man weiß nicht wieso, aber man weiß, dass es passiert, dass das Hirn weiter mit den Wiederholungen macht und beginnt, sie umzukehren und rückwärts zu spielen. Man weiß, dass auch hier, ich glaube, 30 Prozent mehr Hirnplastizität passiert, wenn man diese zehn Minuten Pause einhält. Und mit Pause meine ich nicht Instagram, sondern ins Leere schauen oder Augen schließen und einfach das Ding im Kopf laufen lassen. Ich finde, ich sage nicht, dass ich das mache. Ich habe auch Selbstdisziplin, aber ich finde es unfassbar spannend. Und da spielend auf dem Instrument erhöht die Wahrscheinlichkeit, glaube ich, für ein solches Setting.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Motorisches Lernen: 10 Sekunden üben, 10 Sekunden Pause</strong></h2>



<p><strong>Ja, voll. Ich war letztes Jahr auf einem Vortrag von Eckart Altenmüller, den kennst du ja bestimmt auch dann. Und der hat etwas Schönes gesagt, dass der Mittagsschlaf sehr gut konsolidierend ist, wenn man motorisch geübt hat. Also quasi einen Appell zum Mittagsschlaf hat er uns gegeben damals. Wenn man vorher viel motorischen Kram übt, das finde ich sehr schön.</strong></p>



<p>Das finde ich mega spannend. Wenn Schlafen Teil deiner Arbeit ist, deshalb bleibe ich auch dabei. Üben ist eben Arbeiten. Und wenn mein Üben besser wird, wenn ich mich nach dem Mittag kurz hinlege, was ich auch fast nie mache, aber manchmal, dann such dir mal eine bessere Arbeit.</p>



<p><strong>Host: Absolut, ja. Ich habe noch hunderte Fragen auf meinem Zettel. Wir haben noch gar nicht über die USA gesprochen und noch ein paar andere Sachen noch nicht. Aber mit Blick auf die Uhr würde ich trotzdem gerne auf die Sachen des Endes hier einen erklären. Vielleicht, du hast es eigentlich schon so ein bisschen genannt, aber wenn du auf das Trompetenspiel so zurückdenkst jetzt mit dem heutigen Wissen, was würdest du anders üben und was würdest du genauso lassen?</strong></p>



<p>Ich habe heute viel mehr Mut zur Einfachheit und auch besser begriffen, dass Prozesse länger dauern, als ich dachte. Dinge müssten schneller gehen. Das heißt, ich würde nicht weniger Zeit mit dem Instrument bringen wollen, glaube ich, aber ich würde weniger verschiedene Dinge üben. Ich würde mal was üben, bis ich es kann. Und das ist zum Teil auch problematisch in Musikstudiengängen, dass einfach mega viel von einem gefordert wird. Also sprich, hier ist die einfache Antwort. Ich würde weniger üben und versuchen geduldiger mit mir selber zu sein und nicht explizit versuchen Dinge zu überspringen. </p>



<p>Also im Sinn von, ich will Jazzmusiker werden, aber ich will so hip klingen wie die Leute von heute und nicht einsehen, wie viel Arbeit da in traditionelle Teile reingeflossen ist. Das heißt nicht, dass ich mich Jahre mit traditionellen Jazzspielen beschäftigen wollen würde, aber ich dachte, ich könnte es überspringen und jetzt muss ich es halt nachholen mit der 40, was auch okay ist, aber das hätte ich geändert und ein bisschen mehr auf meine Intuition und meinen autodidaktischen Teilhören und ein bisschen weniger auf Dogmen von Lehrpersonen, insbesondere was Trompetentechnik anbelangt. Ich konnte nach der Jazzschule weniger aussahen und weniger hochspielen als davor, weil ich mich an Vorgaben gehalten habe, von denen ich nicht glaube, dass sie für mich sinnvoll sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Abschlussfragen</strong></h2>



<p><strong>Zum Abschluss habe ich noch zwei Fragen für dich, die ich all meinen Gästen mal gerne stelle. Was lernst du oder übst du gerade, was du noch nicht so gut kannst, darf in dem Fall auch gerne nicht musikalisch sein?</strong></p>



<p>Weil es langweilig wäre, wenn ich schon wieder das Chaos ins Spiel bringen würde oder meinen Leid stellen von Leichtigkeit, würde ich da gerne was anderes sagen. Ich lerne, mich und mein Energiepotenzial pro Moment besser zu verstehen. Und das ist tatsächlich ein aktiver Lernprozess. Ich setze mich manchmal alle paar Minuten, manchmal nur alle eineinhalb Stunden kurz hin oder bleibe auch stehen, abgesehen davon, und nehme mir, manchmal sind es 30 Sekunden, manchmal sind es 5 Minuten und versuche herauszuspielen, wofür kriege ich jetzt die Energie hin. Und wenn ich das regel, ich habe eigentlich für alles in meinem Leben Energie. Und ich kann das aber am Vorabend oder am Sonntagabend, wenn ich meine Woche plane, ich bin nicht so gut, um das einzuschätzen. Oder es raubt mir meine Spontanität, was ich glaube, könnte ein Vorteil vom Musiker-Dasein sein. </p>



<p>Und da ich möchte das besser rausspüren. Und letzten Sommer hat es sich so gut angefühlt wie noch nie. Da hatte ich wieder mehr zu tun. Ich habe es ein bisschen verloren und jetzt langsam wird es besser. Aber daran arbeite ich eigentlich. Also wenn wir danach noch einen Kaffee getrunken haben und du dann weggehst, ich weiß noch nicht, was ich mache, aber ich weiß, ich werde produktiv sein oder ins Training gehen. Ich glaube nicht, dass es Buchhaltung sein wird. Aber ich werde ein Gefühl dafür haben, was ich dann mache und wofür ich Energie habe. Und dann werde ich es eben auch gut machen. Und nicht, weil ich Selbstdisziplin habe, sondern weil ich mich verstehe. Daran arbeite ich.</p>



<p><strong>Das finde ich mega. Und eigentlich hast du die letzte Frage schon beantwortet, aber ich will sie dir trotzdem stellen. Vielleicht hast du noch einen Keckensatz, den du den Leuten mit nach Hause als Message mitgeben kannst. Wenn du auf dein Erstsemester Jazz-Schulen-Ich von heute zurückblickst, welchen Tipp würdest du ihm mitgeben wollen aus heutiger Perspektive? Wäre ein Ratschlag für dich das Gleiche?</strong></p>



<p>Wenn es ein Tipp wäre, wäre es wohl etwas Instrumentales. Wenn es ein Ratschlag wäre, wäre es etwas anderes. Ich empfinde die Begriffe… Ich sage mal einen Tipp. Wenn es anstrengend ist und sich nach Training anfühlt und gleichzeitig der Eindruck da ist, du musst es jeden Tag machen, kann es nicht sein. Die Sportwissenschaft spricht dagegen. Wenn es anstrengend ist und du stärker werden willst, musst du pausen und brauchst kontrollierte Trainingseinheiten. Wenn es besser gehen sollte und nicht anstrengend ist, gehe nicht in die Anstrengungen rein. Es gibt beide Komponenten auf der Trompete. Wenn es aber eine Trainingskomponente ist, orientiere dich an Menschen, die Sport treiben und was von Training verstehen oder an Sportwissenschaft. Da ist die Forschungslage tausendmal besser, als wenn es um Musik üben oder um Trompete üben konkret geht. Also wenn du schwere Gewichte hebst, mach es nicht jeden Tag oder zumindest nicht die gleiche Muskelgruppe. Glaube an den Punkt der Wissenschaft und nicht an Lehrpersonen, die dich nötigen, zu einem mönchischen, selbstdisziplinierten, selbstkasteiungsbezogenen Trompete zu spielen. Wenn es gut ist, ist es gut. Auch wenn dir jemand sagt, du setzt ein bisschen weit oben, links, weit rechts. Wenn es gut ist, ist es gut. Wenn es nicht gut ist, weißt du es selber und du wirst es herausfinden. Das sage ich tatsächlich meinem Jüngeren. Ich mache damit, was ihr wollt. Ich glaube daran.</p>



<p><strong>Das lassen wir genauso stehen. Lukas, ganz herzlichen lieben Dank, dass du das gemacht hast. Vielen, vielen Dank.</strong></p>



<p>Lukas Thoeni: Es war mir eine große Ehre und es hat echt mega Spaß gemacht.</p>
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		<title>Üben im Flow –  wenn sich Üben mühelos anfühlt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2026 17:03:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lerntechniken]]></category>
		<category><![CDATA[Flow]]></category>
		<category><![CDATA[Lerntechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Mihaly Csikszentmihalyi]]></category>
		<category><![CDATA[richtiges Üben]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler]]></category>
		<category><![CDATA[Üben im Flow]]></category>
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					<description><![CDATA[Völlig in der Tätigkeit versunken vergessen wir alles um uns herum. Wir sind im Flow. Wie kann man das beim Üben erreichen. Wie geht Üben im Flow?]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Was ist Flow?</h2>



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<p class="has-normal-font-size">Wir alle kennen dieses Gefühl. Ob beim Sport, beim Lesen eines guten Buches, während eines anregenden Gespräches &#8211; oder eben beim Üben an unserem Instrument. Völlig in der Tätigkeit versunken, vergessen wir die Zeit und all das, was um uns herum gerade geschieht. Wir sind im <strong>Flow</strong>. Beim Üben im Flow fühlt sich die Arbeit am Instrument nahezu mühelos an. Viele Musikerinnen und Musiker fragen sich, ob dieser Zustand gezielt herstellbar ist – oder ob Flow nur zufällig entsteht. Genau darum geht es in diesem Artikel.</p>



<p class="has-normal-font-size">Flow, inzwischen ziemlich in Mode gekommene Begriff, beschreibt die tiefe Versunkenheit in eine Aufgabe, bei der man scheinbar in einen trance-ähnlichen Zustand gerät und selbst schwierige Aufgaben weniger anstrengend ablaufen.<sup><a href="#quellen">[1]</a></sup> Dabei ist dieser Zustand bei weitem kein Zufall. Mit den richtigen Methoden, lässt sich dieser Zustand in dein Üben integrieren. </p>



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<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Flow is the way people describe their state of mind when consciousness is harmoniously ordered, and they want to pursue whatever they are doing for its own sake.”<a href="applewebdata://3AE2C244-CF8C-41F3-9772-80173A0F0097#_ftn2"><sup>[2]</sup></a></p>
<cite>(Mihaly Csikszentmihalyi)</cite></blockquote>
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<h2 class="wp-block-heading"><br>Was bedeutet „Flow“ überhaupt?</h2>



<p class="has-normal-font-size">Geprägt wurde der Begriff besonders durch den amerikanischen Psychologen <strong>Mihaly Csikszentmihalyi</strong>, der Anfang der 1970er dieses Phänomen beschrieb, als er versuchte Glück zu erforschen. <a href="https://amzn.to/4rPLk70" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sein Buch</a> (übrigens eine absolute Leseempfehlung) versteht sich allerdings nicht als eine Handreichung für ein glücklicheres Leben, sondern eher als Beschreibung in welchen Bereichen <em>Flow</em> erfahren werden kann. Darunter auch die Musik.</p>



<p class="has-normal-font-size">Um in besagten Zustand von „<em>optimal experience</em>“, wie ihn&nbsp;Csikszentmihalyi oftmals umschreibt zu gelangen, bedarf es <strong>sieben Komponenten</strong>. Wobei die ersten drei als notwendige Voraussetzung gelten, um diesen Zustand zu erleben. Die übrigen vier sind lediglich fakultativ und beschreiben die subjektiven Empfindungen während des Flows.</p>



<div style="height:40px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">7 Voraussetzungen, um in den Flow zu kommen</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Notwendig</h3>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Klarheit der Ziele </strong>&#8211; Setze dir Tages-, Monats- oder Quartalsziele und strukturiere dir mithilfe dieser Meilensteine deinen <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/der-ultimative-guide-so-erstellst-du-deinen-realistischen-uebeplan-fuer-musikerinnen/" data-type="post" data-id="7026">Übeplan</a></strong> und deine Methoden.</li>



<li><strong>Konzentration auf ein begrenztes Feld</strong> &#8211; Wähle einen klar abgesteckten Bereich zum Üben aus (z.B. Takte 9-16; Tonwechsel D-E; etc.). Versuche Ablenkungen zu vermeiden.</li>



<li><strong>Das Verhältnis von Anforderungen und Fähigkeiten</strong> &#8211; Flow entsteht im Sweet Spot zwischen Langeweile und Überforderung. Wähle deine Übung so, dass sie diesen Kriterien entsprechen. Für Csikszentmihalyi war dies übrigens die wichtigste Voraussetzung.</li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading">Fakultativ</h3>



<ol start="4" class="wp-block-list">
<li><strong>Das Gefühl von Kontrolle</strong> &#8211; Du übst genau in deinem Sweet Spot. Also alles unter Kontrolle.</li>



<li><strong>Die Mühelosigkeit des Handlungsablaufs </strong>&#8211; Frage dich: Kann ich die Stelle mit noch weniger Anstrengung spielen?</li>



<li><strong>Die Veränderung des Zeiterlebens </strong>&#8211; War das wirklich schon eine halbe Stunde? <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f609.png" alt="😉" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></li>



<li><strong>Das Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein</strong> &#8211; Du gehst ganz in deinem Üben auf!</li>
</ol>



<div style="height:40px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><br>In meinem <strong><a href="https://what-is-practice.de/category/wie-uebt-eigentlich/" data-type="category" data-id="37">Podcast &#8222;Wie übt eigentlich..?&#8220;</a></strong> <strong>/ MusicLab </strong>habe ich gemeinsam mit <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-ubt-trompeter-marvin-frey/" data-type="post" data-id="6852">Marvin Frey</a></strong> mich ausführlicher mit dem Thema <strong>Üben im Flow</strong> beschäftigt – weniger theoretisch, dafür aus der Perspektive unseres eigenen Übealltags. Wenn du Lust hast, das Thema eher im Gesprächsformat zu vertiefen, findest du die Folge hier:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<div class="nv-iframe-embed"><iframe loading="lazy" title="Wie geht im Üben im Flow?" width="1200" height="675" src="https://www.youtube.com/embed/9t0P22_Crzo?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>
</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Wie geht Üben im Flow?</h2>



<p class="has-normal-font-size">Nun stellt sich natürlich die Frage, wie man einen derart paradiesischen Zustand beim Üben erreichen kann? Der <strong>Musiker</strong> und <strong>Diplom Psychologe Andreas Burzik</strong> beschäftigte sich eingehend mit Csikszentmihalyis Erkenntnissen und versuchte sie auf das musikalische Üben zu übertragen. Hierfür definierte er vier Prinzipien, um diesen Zustand beim Üben zu erleben. </p>



<h3 class="wp-block-heading has-normal-font-size">Körper und Instrument als Einheit</h3>



<p class="has-normal-font-size">Üben im Flow wird demnach vor allem durch eine optimale und <strong>effektive Kraftübertragung</strong> vom Körper auf das Instrument, eine <strong>Fokussierung auf den eigenen Klang</strong>, das Gefühl von <strong>Anstrengungslosigkeit</strong> sowie den <strong>spielerischen Umgang mit dem Übematerial</strong> erreicht.<sup>[4]</sup> </p>



<p class="has-normal-font-size">Die Dominanz sinnlicher Wahrnehmungen in dieser Auflistung (Kontakt zum Instrument und Klang) macht deutlich, dass diese Übetechnik besonders unsere Körperwahrnehmung fordert. Ziel ist es, sich ganz auf das Instrument einzulassen. Sich im wahrsten Sinne des Wortes mit ihm verbunden zu fühlen und dabei ganz auf den produzierten Klang einzugehen. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Klang als primärer Fokus</h3>



<p class="has-normal-font-size">Gerade sich vom Klang führen zu lassen, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Erinnert man sich selbst allerdings an das eigene Üben, so verliert man sich tendenziell eher im Notenbild einer schwierigen Passage als im eigenen Klang. Gerade aber für intonierende Instrumente kann dies besonders hilfreich sein (Stichwort Obertöne). Beim Üben mit Drones entstehen sog. <strong><a href="https://steady.page/de/wie-uebt-eigentlich/posts/15c3fa1c-99fe-4a4c-99f7-83c4fa7e051d">Differenzialtöne</a></strong>, die einem genau Auskunft über die eigene Intonation geben. Damit lassen sich spielerisch Skalen und schwierige Stellen mit klarem tonalen Zentrum üben.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Warum klassisches Üben Flow oft verhindert</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Passives Gehirn, aktiver Körper &#8211; warum Flow Kontrolle reduziert</h3>



<p class="has-normal-font-size">Die allgemeinen, kognitiven Aspekte des Übens (Ziele festlegen, Definition des Verhältnisses von Anforderung und Fähigkeit &#8211; vielleicht kann Dir hier die <a href="https://what-is-practice.de/pomodoro-technik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Pomodoro-Technik</strong></a> helfen?) müssen demnach vor der jeweiligen Übeeinheit erfolgen. Obwohl es bis heute noch keine explizite neurophysiologische Flow-Forschung gibt, so scheinen sich diese Erkenntnisse jedoch mit Ergebnissen aus dem Elektroenzephalogramm (EEG) zu decken. Hier stellte man Theta-Wellen-Aktivität, die sonst nur in Trance- oder Meditationszuständen und beim Dösen im Schlaf messbar sind, auch in Situationen extremer Aufmerksamkeit fest. Der Neurophysiologe Wolfgang Larbig deutete dieses Paradoxon mit einer Art Mikroschlaf der nicht benötigten Hirnareale – oder verkürzt ausgedrückt: „[&#8230;]passives Gehirn, aktiver Körper.“<sup>[5]</sup>.</p>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="510" height="57" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png" alt="Rastergrafik" class="wp-image-4353" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png 510w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-300x34.png 300w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-260x29.png 260w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-50x6.png 50w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-150x17.png 150w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-500x57.png 500w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-190x21.png 190w" sizes="auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px" /></figure>
</div>


<p><br>Gerade wenn es um Klarheit der Ziele und sinnvolle Fokussierung geht, scheitert Flow beim Üben oft an der fehlenden Struktur. Mit meiner Übeplan-Vorlage hast du ein Tool an deiner Hand mit dem das gelingt.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://shop.xn--wiebteigentlich-1vb.de/shop/uebeplan-vorlage/"><img loading="lazy" decoding="async" width="600" height="848" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2024/01/Uebeplan-Vorlage-Header.jpg" alt="Übeplan Vorlage what is practice" class="wp-image-6323" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2024/01/Uebeplan-Vorlage-Header.jpg 600w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2024/01/Uebeplan-Vorlage-Header-212x300.jpg 212w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h4 class="wp-block-heading">Erstelle deinen persönlichen 4-Wochen Übeplan</h4>



<p>Die größte Herausforderung beim Üben ist es, sich auf bestimmte Aspekte zu fokussieren. Diese sinnvoll auszuwählen ist nicht immer leicht. Genau dabei hilft dir die&nbsp;<strong>what is practice Übeplan-Vorlage</strong>.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Definiere deine Ziele</li>



<li>Strukturiere dein tägliches Üben</li>



<li>Coaching-Tool zum Visualisieren deiner Stärken und Schwächen</li>



<li>Auswertungs-Vorlage, die dich beim Erreichen deiner Ziele unterstützt</li>



<li>Übe-Tipps</li>
</ul>



<div class="wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-16018d1d wp-block-buttons-is-layout-flex">
<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link wp-element-button" href="https://shop.xn--wiebteigentlich-1vb.de/shop/uebeplan-vorlage/">Jetzt Übeplan erstellen</a></div>
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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Improvisation als natürlicher Flow-Verstärker</h2>



<p class="has-normal-font-size">Tatsächlich lässt sich diese Art von Mikroschlaf bestimmter Hirnregionen auch im Bereich der <strong>Jazz-Improvisation</strong> feststellen. Wie eine Studie von <strong>Charles Limb</strong> und <strong>Allan Braun</strong> nahelegt, wird der dorsolaterale präfrontale Cortex (DLPFC) während der Improvisation weitgehend zugunsten des medialen präfrontalen Cortex (MPFC) deaktiviert.<sup>[6]</sup> </p>



<p class="has-normal-font-size">Der DLPFC ist unter anderem das Arbeitsgedächtnis unseres Gehirns und ebenso verantwortlich für Planung als auch für die Entwicklung von Hemmungen. Improvisation, oder stark vereinfacht ein „<strong>spielerischer Umgang mit dem Übematerial</strong>“ führt offensichtlich also unweigerlich zu einem tranceähnlichen Zustand in unserem Gehirn.<sup>[7]</sup></p>



<p class="has-normal-font-size">Selbstverständlich reicht diese Tatsache alleine noch nicht aus, um beim Üben den Zustand des Flows zu erleben. Mindestens die Punkte eins bis drei der sieben Komponenten fehlen noch. Eine konkrete Auseinandersetzung mit der Frage „Was soll gelernt werden?“ bleibt einem also weiterhin nicht erspart. Um dabei mehr Klarheit für dich zu schaffen, hilft es Ziele für dein Üben zu formulieren. Das können sowohl <strong>kurz</strong>&#8211; als auch <strong>langfristige Ziele</strong> sein. Wie Formulierungen für Ziele aussehen können, zeige ich dir in meiner <strong><a href="https://shop.xn--wiebteigentlich-1vb.de/shop/uebeplan-vorlage/">Übeplan-Vorlage</a></strong>.</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Flow in dein Üben integrieren</h2>



<p>Üben im Flow ist keine Raketenwissenschaft. Mit dem richtigen Wissen und Tipps, wird es auch dir gelingen. Wenn dich interessiert, wie du diese Prinzipien konkret im Übealltag umsetzen kannst, findest du hier eine <strong>Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Üben im Flow</strong>.</p>



<div class="wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-16018d1d wp-block-buttons-is-layout-flex">
<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link wp-element-button">Üben im Flow &#8211; so geht&#8217;s in der Praxis</a></div>
</div>



<div style="height:53px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h4 class="wp-block-heading" id="quellen">Quellen</h4>



<p style="font-size:10px"><a href="applewebdata://3AE2C244-CF8C-41F3-9772-80173A0F0097#_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>&nbsp;vgl.: Burzik, Andreas: Üben im Flow. Eine ganzheitliche, körperorientierte Übemethode, in: Mahlert, Handbuch Üben, S. 265-286, hier: S. 265.</p>



<p style="font-size:10px"><a href="applewebdata://3AE2C244-CF8C-41F3-9772-80173A0F0097#_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>&nbsp;Csikszentmihalyi, Mihaly: Flow. The Psychology of Optimal Experieince, New York 1991, S. 6.</p>



<p style="font-size:10px"><a href="applewebdata://3AE2C244-CF8C-41F3-9772-80173A0F0097#_ftnref3"><sup>[3]</sup></a>&nbsp;vgl.: Burzik, Üben im Flow, S. 265-268.</p>



<p style="font-size:10px"><a href="applewebdata://3AE2C244-CF8C-41F3-9772-80173A0F0097#_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>&nbsp;vgl.: Burzik, Üben im Flow, S. 273-276.</p>



<p style="font-size:10px"><a href="applewebdata://3AE2C244-CF8C-41F3-9772-80173A0F0097#_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>&nbsp;Bongartz, Walter; Luczak, Hania; Warter, Stefan: Hypnose. Die Macht des verborgenen Ich, in: GEO 2 (1995), S. 16-36, hier: S. 33.</p>



<p style="font-size:10px"><a href="applewebdata://3AE2C244-CF8C-41F3-9772-80173A0F0097#_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>&nbsp;Braun, Neural Substrates of Spontaneous Musical Performance.</p>



<p style="font-size:10px"><a href="applewebdata://3AE2C244-CF8C-41F3-9772-80173A0F0097#_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>&nbsp;An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Studie von Limb und Braun auch vielfach kritisiert wurde, da sie aufgrund der geringen Teilnehmerzahl von sechs Pianisten nicht repräsentativ genug sei.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wie übt man agil, Regina Brandhuber?</title>
		<link>https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/agiles-ueben-musik-interview-brandhuber/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 09:39:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wie übt eigentlich..?]]></category>
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					<description><![CDATA[Regina Brandhuber ist klassische Sängerin, Musikpädagogin und promoviert gerade zu agilen Übe-Methoden. Also der Verbindung zwischen agilen Methoden aus der Arbeitswelt hinein in unser musikalisches Üben. Dass es dort viele Gemeinsamkeiten gibt, davon durfte ich mich nicht nur in unserem Gespräch überzeugen. Sondern auch im Seminar, das Regina an der Musikhoschule in Nürnberg anbietet. Dort&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/agiles-ueben-musik-interview-brandhuber/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Wie übt man agil, Regina Brandhuber?</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Regina Brandhuber ist klassische Sängerin, Musikpädagogin und promoviert gerade zu agilen Übe-Methoden. Also der Verbindung zwischen agilen Methoden aus der Arbeitswelt hinein in unser musikalisches Üben. Dass es dort viele Gemeinsamkeiten gibt, davon durfte ich mich nicht nur in unserem Gespräch überzeugen. Sondern auch im Seminar, das Regina an der <strong>Musikhoschule in Nürnberg</strong> anbietet. Dort durfte ich vor unserer Aufzeichnung zu Gast sein und die agilen Methoden selbst ausprobieren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="546" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/01/Regina-Brandhuber_Web.jpg" alt="" class="wp-image-7423" style="width:819px;height:auto" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/01/Regina-Brandhuber_Web.jpg 819w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/01/Regina-Brandhuber_Web-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Regina Brandhuber bei unserem Gespräch an der HfM Nürnberg</em></figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Mehr über Regina erfahren</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://www.ginakunterbunt.de">Regina Künstlerinnen-Seite</a></li>



<li><a href="https://www.hfm-nuernberg.de/personenverzeichnis/profil/regina-brandhuber">Regina auf der Webseite der HfM Nürnberg</a></li>



<li><a href="https://www.linkedin.com/in/regina-brandhuber-5387882b/">Regina auf LinkedIn finden</a></li>
</ul>



<div style="height:78px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<div style="height:36px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<div style="height:60px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Was ist Agiles Üben eigentlich? </h2>



<p>Agiles Üben lässt sich im Kern als eine Form von Flexibilität beschreiben – sowohl in der Wahrnehmung der eigenen Person gegenüber als auch in den täglichen Überoutinen. Es bedeutet, dass keine starre Routine über dem Musiker steht, sondern die zentrale Frage lautet: „Wer bin ich heute? Was brauche ich heute? Was finde ich heute inspirierend?“.</p>



<p>Der Transfer aus der Arbeitswelt bezieht sich auf den Paradigmenwechsel in der Softwareentwicklung, der um das Jahr 2001 mit dem „Agilen Manifest“ begann. In der Musik bedeutet dieser Transfer vor allem:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Ergebnisoffenheit</strong>: Auf die Tagesform agil zu reagieren, anstatt an gestrigen Plänen festzuhalten.</li>



<li><strong>Mindset-Wandel</strong>: Agilität wird hier weniger als ein festes Framework mit To-dos verstanden, sondern primär als eine geistige Haltung (Mindset)</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Von der Software zum Instrument: Warum Agilität für Musiker funktioniert</h2>



<p>In der Arbeitswelt ist Agilität längst Standard, wenn es um komplexe Aufgaben geht: Software, Produktentwicklung, Teamarbeit. Der Grund ist einfach: <strong>Komplexe Systeme lassen sich nicht linear steuern</strong>.</p>



<p>Musikalisches Lernen ist ebenfalls ein komplexes System. Fortschritt verläuft selten geradlinig, Motivation schwankt, körperliche und mentale Faktoren greifen ineinander. Genau hier setzt der <strong>Agiles-Arbeiten-Transfer</strong> an.</p>



<p>Agile Methoden funktionieren für Musiker, weil sie:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>mit <strong>Unsicherheit rechnen</strong>, statt sie zu ignorieren</li>



<li>Lernen als <strong>Experiment</strong> verstehen</li>



<li>Fehler nicht bewerten, sondern <strong>auswerten</strong></li>



<li>Fortschritt sichtbar machen</li>
</ul>



<p>Im Interview erläutert Regina Brandhuber zwei weitere Gründe, warum dieser Ansatz für Musiker*innen funktioniert:</p>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li><strong>Überwindung der Isolation</strong>: In der Softwareentwicklung ist Kollaboration entscheidend. Regina sieht großes Potenzial darin, das Üben nicht mehr als einsames, sondern als soziales Event zu begreifen und Kollaborationsformen zu finden.</li>



<li><strong>Messbarkeit und Struktur</strong>: Durch agile Artefakte (wie Dokumentationen) wird der Fortschritt messbarer und planbarer. Was in der IT „lebendige Werkzeuge“ an der Wand sind, ist für Musiker das Übetagebuch.</li>
</ol>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Etwas aufzuschreiben macht es messbarer, nachvollziehbarer und auch planbarer.&#8220;</p><cite>Regina Brandhuber</cite></blockquote></figure>



<div style="height:45px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die wichtigsten Methoden im Überblick</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Iteratives Üben statt stundenlanges Wiederholen</h3>



<p>Anstatt Stücke stundenlang durchzuspielen, setzt agiles Üben auf kleine, überschaubare Einheiten, die wie ein Puzzle zusammengesetzt werden<sup></sup>.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Minimal Viable Product (MVP)</strong>: Es geht darum, so früh wie möglich einen testbaren Output zu erzeugen, den man bewerten und auf den Prüfstand stellen kann.</li>



<li><strong>Growth Stories</strong>: Dies sind kleine Experimente oder Verhaltensabschnitte (z. B. „fünf Minuten hochkonzentriert üben“), die man durchführt und danach bewertet, ob sie einen dem Ziel nähergebracht haben.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Visualisierung mit dem Übe-Kanban</h3>



<p>Auch wenn wir in unserem Gespräch nicht explizit über <em>Kanbans</em> sprechen,  beschreibt Regina die Methodik dahinter durch agile Artefakte und Visualisierung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Artefakte</strong>: Diese dienen als lebendige Werkzeuge, die den aktuellen Informationsstand abbilden und ständig gepflegt werden.</li>



<li><strong>Definition of Done (DoD)</strong>: Ein zentrales Werkzeug ist die Liste, die festlegt, wann eine Aufgabe wirklich „fertig“ ist (z. B. ein Stück 10 % schneller spielen können als im Konzerttempo oder es mit geschlossenen Augen beherrschen). Dies verhindert das zermürbende Gefühl, „nie gut genug“ zu sein.</li>
</ul>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="546" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/01/Kanban-Web.jpg" alt="" class="wp-image-7425" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/01/Kanban-Web.jpg 819w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2026/01/Kanban-Web-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"></div>
</div>



<div style="height:42px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Retrospektiven: Wie man Fehler als Datenpunkte nutzt</h3>



<p>Die Retrospektive findet sich im agilen Üben in Form von regelmäßigen Abstimmungszyklen und der Bewertung von Experimenten wieder:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Daily und Weekly</strong>: Tägliche oder wöchentliche Abstimmungen (auch mit sich selbst oder einer KI als Partner), um die Dokumentation zu sichten und Ziele anzupassen.+1</li>



<li><strong>Fehler als Daten</strong>: Durch das Denken in Hypothesen („Ich vermute, dass&#8230;“) werden Ergebnisse nicht als Scheitern, sondern als Feedback für die nächste Iteration gewertet.+1</li>



<li><strong>Sprintgoals</strong>: Das Setzen und Auswerten von Wochenzielen (Sprintgoals) hilft dabei, die eigene Arbeitskapazität realistisch einzuschätzen und den Fokus zu behalten.</li>
</ul>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Das Interview mit Regina Brandhuber</h2>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was bedeutet Üben heute?</strong></h2>



<p><strong>Regina, die erste Frage, mit der es immer losgeht: Vervollständige den Satz – Üben heißt für dich …?</strong></p>



<p>Agilität.</p>



<p><strong>Das müssen wir gleich erklären – lassen wir das erstmal so stehen. Gibt es aktuell eine Musik, ein Album oder einen Song, der bei dir in Dauerschleife läuft?</strong></p>



<p>Bei mir sind es eher einzelne Songs als ganze Alben. Ich bin immer auf der Suche nach dem <em>perfekten Song</em>. Gerade laufen bei mir „Meteor at the Light“ von Desiree Dawson und „Cathleen“ von The Foxes in Dauerschleife. Irgendwann kann man sie nicht mehr hören – aber solange sie perfekt sind, funktionieren sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Künstlerische Vorbilder &amp; musikalische Prägung</strong></h2>



<p><strong>Du bist Sängerin – gibt es für dein eigenes Musizieren künstlerische Vorbilder?</strong></p>



<p>Ich komme aus dem klassischen Gesang, habe mich davon aber inzwischen stark entfernt. Wenn ich heute nochmal studieren würde, dann Musical- oder Popgesang. Meine Vorbilder sind Mariah Carey, Whitney Houston oder Disney-Musicalsängerinnen wie Idina Menzel. Diese Songs sind einfach perfekt gebaut.</p>


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<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="510" height="57" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png" alt="Rastergrafik" class="wp-image-4353" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png 510w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-300x34.png 300w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-260x29.png 260w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-50x6.png 50w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-150x17.png 150w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-500x57.png 500w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-190x21.png 190w" sizes="auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px" /></figure>
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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Entweder–Oder</strong>-Fragen</h2>



<p><strong>Nürnberger Lebkuchen oder Bratwürste?</strong></p>



<p>Lebkuchen.</p>



<p><strong>Vorschau oder Rückschau?</strong></p>



<p>Vorschau.</p>



<p><strong>Daily oder Weekly?</strong></p>



<p>Daily.</p>



<p><strong>Wenig und oft oder selten und viel?</strong></p>



<p>Wenig und oft. Kleine Häppchen, dafür regelmäßig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was bedeutet Agilität wirklich?</strong></h2>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Agiles Üben einfach erklärt</strong></h3>



<p><strong>Lass uns über Agilität sprechen. Wie würdest du Agilität für Musikerinnen und Musiker einfach erklären?</strong></p>



<p>Agilität heißt im Kern <em>Flexibilität</em>. Im Üben bedeutet das: Keine starre Routine steht über mir. Ich frage mich jeden Tag neu: <em>Wer bin ich heute? Was brauche ich heute?</em></p>



<p>Agiles Üben ist ergebnisoffen. Ich kann planen – aber ich reagiere flexibel auf meine Tagesform.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Agile Methoden Musik: Ursprung &amp; Mindset</strong></h2>



<p><strong>Agilität stammt ursprünglich aus der Softwareentwicklung – richtig?</strong></p>



<p>Ja. 2001 haben Softwareentwickler das <strong><a href="https://agilemanifesto.org/">Agile Manifest</a></strong> formuliert. Es geht dabei weniger um konkrete Methoden, sondern um ein Mindset: Zusammenarbeit, Anpassungsfähigkeit, Lernen durch Feedback. Genau das lässt sich hervorragend auf Musik übertragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der große Unterschied zum klassischen Übeverständnis</strong></h2>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Scrum für Musiker &amp; Selbstorganisation im Musikstudium</strong></h3>



<p><strong>Wo liegt der größte Unterschied zwischen klassischem Üben und agilem Üben?</strong></p>



<p>Zwei Punkte:</p>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li><strong>Üben wird sozial.</strong> In der Softwareentwicklung arbeitet man im Team – das lässt sich übertragen. Üben muss kein einsamer Prozess sein.</li>



<li><strong>Dokumentation wird zentral.</strong> Übetagebücher, Notizen, visuelle Übersichten – das macht Fortschritt sichtbar und steuerbar.</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Effizient dein Instrument üben mit &#8222;Growth Stories</strong>&#8222;</h2>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Vom Ziel zur umsetzbaren Handlung</strong></h3>



<p><strong>Du hast das Konzept der „Growth Story“ entwickelt – was ist das genau?</strong></p>



<p>Eine Growth Story ist ein bewusst gestaltetes Übe-Experiment.</p>



<p>Ich formuliere eine <strong>Vermutung</strong> („Wenn ich X tue, passiert Y“) und eine <strong>konkrete Aktion</strong>. Danach reflektiere ich: Hat es funktioniert?</p>



<p>Beispiel: <em>Wenn ich in 5-Minuten-Blöcken übe, bleibe ich konzentrierter.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kleine Schritte statt großer Überforderung</strong></h2>



<p><strong>Viele Musiker haben große Ziele – Probespiel, Stelle, Karriere. Wie wird das greifbar?</strong></p>



<p>Solche Ziele liegen oft nicht in unserer Kontrolle. Ich empfehle Ziele, die <strong>durch eigenes Handeln erreichbar</strong> sind.</p>



<p>Der Weg dorthin besteht aus kleinen, messbaren Schritten – nicht aus Druck.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Maturity Models: Komplexe Fähigkeiten strukturiert aufbauen</strong></h2>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Agiles Arbeiten Transfer in die Musik</strong></h3>



<p>Ein <strong>Reifegradmodell (Maturity Model)</strong> hilft, Fähigkeiten in Stufen zu denken.</p>



<p>Beispiel:</p>



<p>Ziel: <em>Ein Stück auswendig mit geschlossenen Augen spielen</em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Stufe 1: Mit Noten fehlerfrei</li>



<li>Stufe 2: Auswendig</li>



<li>Stufe 3: Auswendig mit geschlossenen Augen</li>



<li>Stufe 4: Zusätzlich singen</li>



<li>Stufe 5: Unter Ablenkung sicher performen</li>
</ul>



<p>So entstehen automatisch sinnvolle Übe-Experimente.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dokumentation als Schlüssel zur Selbstwirksamkeit</strong></h2>



<p><strong>Warum ist Aufschreiben so entscheidend?</strong></p>



<p>Weil dein Gehirn das Geschaffte sonst kleinredet. Was dokumentiert ist, kann nicht mehr zerredet werden. Das stärkt Selbstwirksamkeit enorm – gerade im Musikstudium und danach.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Triple-Tomate: Radikal effizient üben</strong></h2>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Agile Methoden Musik konkret</strong></h3>



<p>Ich habe die <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/pomodoro-technik/" data-type="post" data-id="2460">Pomodoro-Technik</a></strong> weiterentwickelt: 25 Minuten bestehen aus <strong>vier 5-Minuten-Einheiten</strong>, jede mit klarem Lernziel.</p>



<p>Die letzte Einheit dient der Planung. Ergebnis: Ich habe ein komplettes Konzertprogramm mit <strong>3,5 Stunden Übezeit</strong> vorbereitet – und war fertig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Backlog &amp; Planung: Ordnung im kreativen Chaos</strong></h2>



<p><strong>Wie organisierst du deine vielen Ideen?</strong></p>



<p>Mit einem <strong>Backlog</strong> – einer priorisierten To-do-Liste. Einmal pro Woche pflege ich ihn, definiere mein Sprintziel und arbeite fokussiert darauf hin. Aktuell nutze ich dafür digitale Tools wie <a href="https://miro.com/de/">Miro</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Erster Schritt: Wie du mit agilem Üben startest</strong></h3>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Effizient Instrument üben – sofort umsetzbar</strong></h4>



<p>Hör in dich rein: <em>Was reizt dich gerade am meisten?</em></p>



<p>Wähle <strong>eine</strong> Idee aus, formuliere einen kleinen Schritt – und probiere ihn wirklich aus Das Tun ist der Game Changer.</p>



<p><strong>Was lernst oder übst du gerade, was du noch nicht gut kannst?</strong></p>



<p>Englisch – und innere Gelassenheit.</p>



<p><strong>Welchen Rat hättest du dir als Erstsemester gewünscht?</strong></p>



<p>Finde deinen eigenen Weg. Er ist konkurrenzlos.</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Effiziente Übestrategie &#038; Übetechnik: Die 5 Geheimnisse der Profis</title>
		<link>https://what-is-practice.de/aus-der-wissenschaft/effiziente-uebestrategie-uebetechnik-die-5-geheimnisse-der-profis/</link>
					<comments>https://what-is-practice.de/aus-der-wissenschaft/effiziente-uebestrategie-uebetechnik-die-5-geheimnisse-der-profis/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2026 12:41:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der Wissenschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://what-is-practice.de/?p=7406</guid>

					<description><![CDATA[In der Musikwelt hält sich hartnäckig der Mythos, dass bloße Wiederholung zum Erfolg führt. Doch wer seine Übetechnik auf das nächste Level heben will, muss verstehen, dass Qualität über Quantität steht. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 von Micah F. Killion und Robert A. Duke mit dem Titel “The Central Strategy of Music Practice”&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/aus-der-wissenschaft/effiziente-uebestrategie-uebetechnik-die-5-geheimnisse-der-profis/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Effiziente Übestrategie &#38; Übetechnik: Die 5 Geheimnisse der Profis</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/f8522b99353f4b2f88007257fff11cf0" width="1" height="1" alt="">



<p>In der Musikwelt hält sich hartnäckig der Mythos, dass bloße Wiederholung zum Erfolg führt. Doch wer seine <strong>Übetechnik</strong> auf das nächste Level heben will, muss verstehen, dass Qualität über Quantität steht. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 von Micah F. Killion und Robert A. Duke mit dem Titel <em>“The Central Strategy of Music Practice”</em>   liefert hierzu neue Erkenntnisse. Obwohl nur sechs Profi-Trompeter (u.a. <a href="https://trumpetchris.com/">Chris Colletti </a>von Canadian Brass) beobachtet wurden, lassen sich daraus <strong>Übestrategien</strong> ableiten,  die sich in der Praxis auf viele Instrumente &#8211; von Klavier bis Violine &#8211;  übertragen lassen.</p>



<p>In diesem Guide erfährst du, wie du deine <strong>Effizienz</strong> steigerst, Fehler sofort korrigierst und durch gezielte <strong>Übetechniken</strong> schneller Fortschritte machst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ist eine Übestrategie?</h2>



<p>Eine <strong>Übestrategie</strong> ist ein systematischer Plan, um musikalische Herausforderungen zu bewältigen. Im Gegensatz zum bloßen &#8222;Spielen&#8220; beinhaltet eine effektive Strategie die Analyse von Fehlern, die Reduktion von Komplexität und die bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit. Die Forschung zeigt, dass Profis nicht mehr üben, sondern <em>anders</em> – mit einem klaren Fokus auf <strong>Präzision</strong> und <strong>mentaler Vorhaltung</strong>.</p>



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<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://what-is-practice.de/category/wie-uebt-eigentlich/"><img loading="lazy" decoding="async" width="350" height="550" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/Tabea-Zimmmermann-Title.jpg" alt="Bratschistin Tabea Zimmermann in Grüner Weste mit Instrument in der Hand. Sie strahlt fröhlich." class="wp-image-7264"/></a><figcaption class="wp-element-caption"><em>Bratschistin Tabea Zimmermann war bereits Gast im Podcast &#8222;Wie übt eigentlich..?&#8220;</em></figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">So üben die Profis</h2>



<p>Im Podcast <strong><a href="https://what-is-practice.de/category/wie-uebt-eigentlich/" data-type="category" data-id="37">&#8222;Wie übt eigentlich..?&#8220; </a></strong>spreche ich alle zwei Wochen mit Profi-Musiker*innen und Wissenschaftler*innen rund um das sensible Thema Üben. Sie</p>



<p><a href="https://what-is-practice.de/category/wie-uebt-eigentlich/" data-type="category" data-id="37"><strong>Wie übt eigentlich..?</strong> </a>ist damit der erste deutschsprachige Interview-Podcast, der sich ausschließlich mit dem Üben beschäftigt. Die Gäste sprechen über Routinen und wissenschaftlich fundierte Strategien, um Üben nicht nur besser zu verstehen – sondern auch gezielt besser zu werden.</p>



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<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link wp-element-button" href="https://what-is-practice.de/category/wie-uebt-eigentlich/">&#8222;Wie übt eigentlich..?&#8220; Podcast entdecken</a></div>
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<h2 class="wp-block-heading">Die 5 Säulen der Profi-Übetechnik</h2>



<h3 class="wp-block-heading">1. Die klangliche Vorstellung (Intention vor Aktion)</h3>



<p>Bevor der erste Ton erklingt, muss das Ziel im Kopf existieren. Die Studie belegt, dass Profis nur etwa <strong>57 % ihrer Zeit</strong> (Killion &amp; Duke 2025) mit dem tatsächlichen Spielen verbringen. Der Rest ist Analyse, Singen oder z.B. Dirigieren.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Die Übetechnik:</strong> Nutze das „Voraushören“. Singe die Passage laut oder innerlich. Wenn du nicht weißt, wie es klingen soll, kannst du Abweichungen nicht korrigieren.</li>



<li><strong>Sofort-Stopp-Prinzip:</strong> Tritt ein Fehler auf, stoppe sofort. Profis reflektieren nicht erst minutenlang; sie spüren die Abweichung in Echtzeit, weil ihr inneres Modell so detailliert ist.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">2. Gezielte Wiederholung und Variation</h3>



<p>Einfaches Wiederholen festigt Fehler. Eine kluge <strong>Übetechnik</strong> nutzt die Variation, um das Gehirn wach zu halten.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Chunking (Häppchenbildung):</strong> Identifiziere die kleinste problematische Einheit (z. B. eine einzelne Tonverbindung).</li>



<li><strong>Rhythmische Variation:</strong> Spiele eine schwierige Passage in verschiedenen Rhythmen (Punktierungen, Triolen), um die motorische Sicherheit zu erhöhen. Diese <strong>Übestrategie</strong> sorgt für eine tiefere neuronale Verankerung.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">3. „Doable-Ize“: Die Kunst der Reduktion</h3>



<p>Das Wort „Doable-Ize“ (etwas machbar machen) ist das Herzstück der Studie. Wenn eine Stelle nicht klappt, reduziere die Anforderungen, bis Erfolg garantiert ist.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Parameter-Reduktion:</strong> Nimm das Tempo radikal raus, lass die Artikulation weg oder vereinfache den Rhythmus.</li>



<li><strong>Habituationsstärke:</strong> Dein Körper lernt durch Erfolg. Zehn falsche Versuche trainieren das „Falschspielen“. Eine erfolgreiche, reduzierte Wiederholung baut hingegen echtes Selbstvertrauen und Stabilität auf.</li>
</ul>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="420" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/04/10-uebe-gebote_web.jpg" alt="Ein Poster mit dem Titel „MEINE 10 ÜBE-GEBOTE“. Darunter folgen zehn Tipps für effektives Üben eines Musikinstruments, nummeriert von 1 bis 10. Die Tipps beinhalten Empfehlungen wie geduldig mit sich selbst zu sein, ausreichend Pausen zu machen, auf Klangdetails zu achten, Wiederholungen zu reduzieren, Klang und Technik zu verbinden, Übezeiten zu planen, Aufnahmen zur Kontrolle zu nutzen, langsam zu üben, auf eine entspannte Körperhaltung zu achten und Erfolge bewusst wahrzunehmen. Am unteren Rand befinden sich das Logo von &quot;whipr.&quot; und ein QR-Code." class="wp-image-6976"/></figure>
</div>



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<h3 class="wp-block-heading">4. Den musikalischen Ausdruck beibehalten</h3>



<p>Eine häufige Falle beim Üben technischer Passagen ist das „mechanische Herunterspielen“. Profis wie Fagottist <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/theo-plath/" data-type="post" data-id="7382">Theo Plath</a></strong> betonen, dass die künstlerische Vision niemals verloren gehen darf.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Tipp:</strong> Auch wenn du eine Passage extrem <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-hilft-langsames-ueben-wirklich-clemens-woellner/" data-type="post" data-id="7215">langsam übst</a></strong>, behalte die Dynamik und die Phrasierung bei. Eine <strong>Übetechnik</strong>, die Musik von Technik trennt, ist langfristig ineffektiv.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">5. Re-Kontextualisierung (Das große Ganze)</h3>



<p>Nachdem du in eine Stelle „hineingezoomt“ hast, musst du den Kontext wiederherstellen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Die 3-Schritte-Integration:</strong>
<ol start="1" class="wp-block-list">
<li>Übe den Takt vor der Problemstelle.</li>



<li>Übe die Stelle selbst.</li>



<li>Übe den Übergang in den nächsten Takt. Systematisch wird so die &#8222;Insel&#8220; wieder mit dem Festland des Musikstücks verbunden.</li>
</ol>
</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Weitere fortgeschrittene Übetechniken für deinen Alltag</h2>



<p>Um deine <strong>Motivation</strong> hochzuhalten und die <strong>Effizienz</strong> zu maximieren, solltest du dein Repertoire an Techniken erweitern:</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mentales Üben</h3>



<p>Studien zeigen, dass <strong><a href="https://what-is-practice.de/category/mentales-ueben/" data-type="category" data-id="185">mentales Üben</a></strong> fast in Kombination mit physischen Üben die nachhaltigste Übe-Methode ist (Steenstrup 2021). Visualisiere die Griffweisen und höre den Klang, ohne das Instrument zu berühren. Dies ist die ultimative <strong>Übestrategie</strong> für unterwegs oder bei körperlicher Ermüdung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Einsatz von Timern (Pomodoro für Musiker)</h3>



<p>Nutze 25-Minuten-Blöcke mit 5 Minuten Pause. Fokus ist eine begrenzte Ressource. Eine klare zeitliche Struktur verhindert zielloses &#8222;Daddeln&#8220; und steigert die <strong>Präzision</strong>. Hier zeige ich dir, wie du dich <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/pomodoro-technik/" data-type="post" data-id="2460">Pomodoro-Technik als Musiker</a></strong> nutzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Video-Analyse (Self-Monitoring)</h3>



<p>Die Teilnehmer der Killion-Duke-Studie wurden per Video begleitet. Tue dasselbe! Nimm dich auf und analysiere dein Spiel mit einer neutralen Distanz. Oft hören wir beim Spielen nicht die volle Wahrheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Üben ist Anpassung, nicht Wiederholung</h2>



<p>Die wichtigste Erkenntnis aus der aktuellen Forschung: <strong>Nicht die Wiederholung an sich führt zu Fortschritt, sondern die wiederholte Anpassung.</strong> Ziel deiner <strong>Übestrategie</strong> sollte die Häufung erfolgreicher Wiederholungen sein.</p>



<p>Wenn du das nächste Mal frustriert bist, weil eine Stelle nicht klappt: <strong>Doable-Ize it!</strong> Reduziere so lange, bis es klappt. Erfolg ist eine Gewohnheit, die man trainieren kann.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen/Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://www.journalofexpertise.org/articles/volume8_issue2-3/JoE_8_2-3_Killion_Duke.html">Micah F. Killion; Robert A. Duke: The Central Strategy of Music Practice: A Blow- by-Blow Account, 2025 (abgerufen am 08.01.2026)</a></li>



<li><a href="https://psycnet.apa.org/doi/10.3389/fpsyg.2021.757052">Kristian Steenstrup: Imagine, Sing, Play- Combined Mental, Vocal and Physical Practice Improves Musical Performance, 2021 (abgerufen am 08.01.2026)</a></li>



<li><a href="file:///Users/patrickhinsberger/Downloads/Keach_MUPG771%20(1).pdf">Christopher Keach: Combined Practice and Its Benefit For Enhanced Learning and Retention, 2025</a></li>
</ul>



<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<!-- FAQ Accordion + schema.org (FAQPage) -->
<section class="faq" aria-labelledby="faq-title">
  <h2 id="faq-title">FAQ zur Übestrategie</h2>

  <div class="faq-accordion">
    <details class="faq-item">
      <summary class="faq-question">Was ist die effizienteste Übestrategie?</summary>
      <div class="faq-answer">
        <p>
          Die effizienteste Strategie ist die Kombination aus klarer klanglicher Vorstellung,
          sofortiger Fehlerkorrektur und der Reduktion von Schwierigkeitsgraden („Doable-Ize“),
          bis eine fehlerfreie Ausführung möglich ist.
        </p>
      </div>
    </details>

    <details class="faq-item">
      <summary class="faq-question">Wie verbessere ich meine Übetechnik?</summary>
      <div class="faq-answer">
        <p>
          Verbessere deine Technik durch gezieltes „Chunking“ (Aufteilen in kleine Einheiten),
          Variationen (Rhythmus, Tempo) und regelmäßige Video-Analysen zur objektiven Selbstkontrolle.
        </p>
      </div>
    </details>

    <details class="faq-item">
      <summary class="faq-question">Warum ist langsames Üben so wichtig?</summary>
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        <p>
          Langsames Üben ermöglicht es dem Gehirn, Bewegungsabläufe präzise zu speichern und Fehler
          in Echtzeit zu erkennen, bevor sie sich automatisieren. Mehr dazu findest du in meinem Gespräch
          mit
          <a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-hilft-langsames-ueben-wirklich-clemens-woellner/" target="_blank" rel="noopener">
      Prof. Dr. Clemens Wöllner
          </a>
        </p>
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		<title>Wie übt Theo Plath?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Dec 2025 18:34:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wie übt eigentlich..?]]></category>
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					<description><![CDATA[Üben ist nicht das, was zwischen „ich kann’s noch nicht“ und „klappt“ passiert. Bei Theo Plath, Solofagottist des hr-Sinfonieorchesters und Professor für Fagott, ist Üben eine tägliche Entdeckungsreise: Partituren lesen, hören, mental vorbereiten, langsam spielen — aber immer so, dass es sich von Beginn an nach Musik anfühlt. Das Wichtigste dabei: Immer wieder prüfen, ob&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/theo-plath/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Wie übt Theo Plath?</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><br>Üben ist nicht das, was zwischen „ich kann’s noch nicht“ und „klappt“ passiert. Bei <strong>Theo Plath</strong>, <strong>Solofagottist des hr-Sinfonieorchesters</strong> und <strong>Professor für Fagott</strong>, ist Üben eine tägliche <strong>Entdeckungsreise</strong>: Partituren lesen, hören, mental vorbereiten, langsam spielen — aber immer so, dass es sich von Beginn an nach Musik anfühlt. Das Wichtigste dabei: Immer wieder prüfen, ob die eigene Vorstellung wirklich im Klang ankommt.&nbsp;</p>



<p>Nicht Reproduzieren steht im Mittelpunkt, sondern die Suche nach Ausdruck und Klang. In diesem ausführlichen Gespräch spricht Theo Plath darüber, warum mentales Üben genauso wichtig ist wie das Spielen selbst, wie Langsamkeit Kontrolle schafft, warum fremdes Repertoire neue Klangräume öffnet – und was Musiker vom Schauspiel lernen können. </p>



<p><strong>Das Beste:</strong> Theo bringt eine konkrete <strong>Übung für Bläser</strong> mit, die Kraft, Kontrolle und „Loslassen“ zusammendenkt – und die du sofort in deine Routine einbauen kannst (auch als Prinzip für andere Instrumente)</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="546" height="819" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/12/Theo-Plath_web.jpg" alt="" class="wp-image-7383"/><figcaption class="wp-element-caption"><em>Theo Plath bei unserem Gespräch in Frankfurt</em></figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Über Theo Plath</h2>



<p>Theo Plath zählt zu den herausragenden Fagottisten seiner Generation. 1994 in Koblenz geboren, fand er früh zum Fagott. Nach Studien an der Hochschule für Musik und Theater München bei Prof. Dag Jensen wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. beim <strong>ARD-Musikwettbewerb</strong>. Heute ist er Solo-Fagottist des <strong>hr-Sinfonieorchesters Frankfurt</strong> und unterrichtet seit 2024 als P<strong>rofessor für Fagott an der HfMDK Frankfurt</strong>. Als Solist und Kammermusiker konzertiert er international und ist Gründungsmitglied des renommierten Monet-Bläserquintetts.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://www.theoplath.de/">Theo Plaths persönliche Webseite</a></li>



<li><a href="https://www.hr-sinfonieorchester.de/orchester/musiker/orchestermitglieder/theo-plath,fagott-100.html">Theo Plath beim hr-Sinfonieorchester</a></li>



<li><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Theo_Plath">Theo Plath bei Wikipedia</a></li>
</ul>



<div style="height:18px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Das Interview mit Theo Plath anhören</h3>



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<div style="height:72px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Üben heißt Alltag: Wie Theo Plath übt</h2>



<p><strong>Die erste Frage, mit der es immer losgeht, lautet: Vervollständige folgenden Satz. Üben heißt für dich?</strong></p>



<p>Alltag. Weil es einfach zum Alltag dazugehört, zu üben. Das mache ich im Prinzip immer, fast jeden Tag. Das mache ich auch nicht nur, wenn ich Fagott spiele, sondern auch, wenn ich im Zug sitze und mental übe. Das begleitet mich eigentlich jeden Tag. Pausen gibt es wenig.</p>



<p>Inzwischen mache ich tatsächlich häufiger Pausen vom Instrument, manchmal gezwungenermaßen, weil ich einen Tag nicht dazu komme. Oder weil ich merke, dass es mir guttut, ein oder zwei Tage nicht zu spielen, um wieder ein Gefühl dafür zu entwickeln, was sich unbewusst eingeschlichen hat.</p>



<p><strong>Gibt es aktuell eine Musik, einen Künstler oder eine Künstlerin, die bei dir in Dauerschleife läuft?</strong></p>



<p>Ich höre gerade sehr viel Django Reinhardt. Das macht mir extrem viel Spaß.</p>



<p><strong>Das ist witzig, das habe ich auch manchmal in meiner Playlist drin!</strong> <strong>Wenn du auf dein eigenes Spiel schaust: Gibt es ein Vorbild, das dich ganz konkret geprägt hat?</strong></p>



<p>Mich auf ein einzelnes Vorbild festzulegen, wäre zu schwer. In fagottistischer Hinsicht habe ich mich stark an <strong>Dag Jensen</strong> orientiert, bei dem ich auch studiert habe. <strong>Sergio Azzolini</strong> war und ist bis heute eine große Inspiration. Aber auch andere Künstlerinnen und Künstler: Zum Beispiel <strong>Isabelle Faust</strong>, eine unglaubliche Geigerin, die so natürlich spielt. Das sind Künstler*innen, bei denen ich denke: Wenn mir das ansatzweise gelingt, so frei und natürlich Musik zu machen, bin ich sehr zufrieden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Entweder-Oder-Fragen</h2>



<p><strong>Ich habe ein paar Entweder-oder-Fragen dabei. Du hast einen Joker. Ich bin gespannt, wie du antwortest, weil es zur Jahreszeit passt. Weihnachten oder Silvester?</strong></p>



<p>Weihnachten.</p>



<p>„<strong>100 Days of a Reed“ oder „100 Days of a Sewing Fabric“? Für alle, die nicht Englisch sprechen: In der Fagott-Sprache, sagt man Mundstück oder Rohr?</strong></p>



<p>Rohr.</p>



<p><strong>Also: 100 Tage das gleiche Rohr oder 100 Tage den gleichen Nähstoff?</strong></p>



<p>100 Tage das gleiche Rohr.</p>



<p><strong>Wie läuft die Challenge aktuell?</strong></p>



<p>Die läuft gut. Ich bin bei Tag 26. Ich habe vorher nie gezählt, wie viele Tage ein Rohr wirklich durchhält. Gerade ist es ziemlich konstant. Es könnte also klappen.</p>



<p><strong>Wenn die Folge erscheint, dann sind wir noch nicht ganz bei der Hälfte. Es bleibt also weiter spannend. Orchester oder Kammermusik?</strong></p>



<p>Da nehme ich meinen Joker. Für mich ist das fast das Gleiche. Orchester ist große Kammermusik. Der Unterschied ist, dass es einen Dirigenten oder eine Dirigentin gibt, die eine Richtung vorgibt. Das eigentliche Spielen passiert kammermusikalisch, besonders im Holzbläsersatz, aber auch mit allen anderen.</p>



<p><strong>Ist okay, ein Joker ist ja drin. Alt oder neu?</strong></p>



<p>Alt.</p>



<p><strong>Entdecken oder reproduzieren?</strong></p>



<p>Entdecken.</p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Ich versuche im Üben nie zu reproduzieren, sondern zu Suchen und meine Vorstellung zu entwickeln.&#8220;</p><cite>Theo Plath</cite></blockquote></figure>



<div style="height:48px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Üben als Entdeckungsreise</h2>



<p><strong>Auf deinem Album spielst du auch Stücke, die ursprünglich nicht für Fagott gedacht sind. Würdest du sagen, dass du in deinem Üben einen ähnlichen Entdeckergeist hast?</strong></p>



<p>Das versuche ich. Ich versuche im Üben nie zu reproduzieren, sondern zu suchen und meine Vorstellung zu entwickeln. Nicht etwas oft wiederholen, bis es klappt, sondern hinterfragen: Ist das, was ich mir vorstelle, genau genug? Passt es zur Musik? Wie komme ich weiter? Üben ist für mich immer ein Entdecken und eine Suche.</p>



<p><strong>Wie sieht dieses Hinterfragen aus, wenn du deine eigene Vorstellung überprüfst?</strong></p>



<p>Es gibt unendlich viele Möglichkeiten zu interpretieren. Bei Standardrepertoire wie dem Mozart-Konzert hat man irgendwann seine Version. Dieses Werk ist kompositorisch unglaublich reichhaltig. Ich setze mich immer wieder mit der Partitur hin und frage mich, ob das, was ich heute lese, zu meiner Interpretation passt. Oft ist das anders als vor ein oder zwei Jahren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fremdrepertoire und neue Klangfarben</h2>



<p><strong>Wenn du Stücke interpretierst, die nicht für Fagott geschrieben sind, zum Beispiel Debussys Violinsonate: Was lernst du über dich und dein Instrument?</strong></p>



<p>Man entfernt sich von instrumentenspezifischen Eigenheiten. Die <strong><a href="https://www.fahoraverlag.com/shop/fagott-und-klavier/debussy---sonate-g-moll/">Debussy-Sonate</a></strong> klingt auf der Violine ganz anders als auf dem Fagott und hat eine Stimmung, die nicht typisch mit dem Fagott verbunden wird. Ich frage mich: Welche Aspekte dieser Stimmung lassen sich auf dem Fagott umsetzen? Welche Farben brauche ich, die ich sonst nicht benötige? Das ist spannend, neue Seiten am Instrument zu entdecken.</p>



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<div class="nv-iframe-embed"><iframe loading="lazy" title="Theo Plath - Debussy: Violin Sonata in G minor (Arr. for Bassoon and Piano)" width="1200" height="675" src="https://www.youtube.com/embed/aiGJO3beZfA?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>
</div></figure>



<p><strong>Holst du dir dafür auch konkret Input von Instrumentalistinnen und Instrumentalisten und fragst nach Feedback?</strong></p>



<p>Auf jeden Fall. Bei der Debussy-Sonate habe ich mit der Pianistin gesprochen, die das Werk schon oft mit Geige gespielt hat. Ich habe mich zunächst streng an den Notentext gehalten. Manche Tremolo-Stellen sind auf dem Fagott spielbar, klingen aber technisch statt atmosphärisch. Einmal kam meine Frau, die Geigerin ist, in mein Üben rein und sagte: „<em>Theo, überleg dir, ob du hier Musik machen willst oder Fagott-Zirkus</em>.“ Das lenkt einen zum Glück in die richtigen Bahnen. Es ist eine Mischung aus Selbstentdecken und Hilfe von anderen.</p>



<p><strong>Wenig und oft oder selten und viel?</strong></p>



<p>Wenig und oft. Ja, wenig und oft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Rück- oder Ausblick?</h2>



<p><strong>Vorschau oder Rückschau?</strong></p>



<p>Vorschau.</p>



<p><strong>Was hast du dieses Jahr gelernt, musikalisch gesehen, was du gern mit ins neue Jahr nehmen würdest?</strong></p>



<p>Kann ich das technisch-musikalisch verantworten? Tatsächlich noch mehr Leichtigkeit ins Spiel zu bringen. Das ist mir insgesamt sehr wichtig und hängt natürlich auch von den technischen Möglichkeiten ab. Beim Unterrichten, beim Erklären habe ich selbst etwas verstanden, was mit der Stütze zusammenhängt und wie ich mir vorstelle, wie sie aufgebaut wird. Das hat mir sehr geholfen, alles, was mit Unmittelbarkeit im Spiel zu tun hat, mit mehr Leichtigkeit umzusetzen.</p>



<p><strong>Also hattest du einen Aha-Moment in einem Unterrichtskontext?</strong></p>



<p>Genau, ja.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Musik oder Schauspiel?</h2>



<p><strong>Musik oder Schauspiel?</strong></p>



<p>Für mich Musik.</p>



<p><strong>Die Frage ist ja nicht ohne Grund. In den Vorabfragen, die ich dir geschickt habe, hast du gesagt, eine Frage, die du gern mal gestellt bekommen würdest, wäre: Was haben Musik und Schauspiel gemeinsam?</strong> <strong>Ich bin sehr neugierig auf deine Antwort.</strong></p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Im Prinzip machen wir etwas sehr Ähnliches: Wir haben einen vorgegebenen Text – egal ob Worttext oder Notentext – und müssen ihn im Moment des Vortrags so vermitteln, dass es wirkt, als entstünde er genau jetzt, aus unserem Inneren heraus. Das ist eine große Gemeinsamkeit.&#8220;</p><cite>Theo Plath</cite></blockquote></figure>



<div style="height:60px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Gemeinsamkeiten von Musik und Schauspiel</h2>



<p>Das wollte ich tatsächlich immer schon mal gefragt werden, weil das ein Aspekt ist, der meiner Meinung nach viel zu wenig beleuchtet wird. Ich bin darauf gestoßen worden durch eine Freundin von mir, die Schauspielerin ist und auch klassischen Gesang studiert hat. Sie hat ihre Abschlussarbeit an der Schauspielschule über das Thema geschrieben, wie sich Schauspiel – in ihrem Fall eine spezielle Technik, das sogenannte <strong>gestische Sprechen</strong> – auf das Spielen eines Blasinstruments übertragen lässt. Das war für mich sehr augenöffnend, weil viele Dinge aus dieser speziellen Schauspieltheorie viel treffender beschrieben waren als das, was ich aus der Musikwelt kannte.</p>



<p>Im Prinzip machen wir etwas sehr Ähnliches: Wir haben einen vorgegebenen Text – egal ob Worttext oder Notentext – und müssen ihn im Moment des Vortrags so vermitteln, dass es wirkt, als entstünde er genau jetzt, aus unserem Inneren heraus. Das ist eine große Gemeinsamkeit. Daraus ergeben sich viele Fragen: Wie entsteht Ausdruck? Wie löse ich bei meinem Gegenüber eine Emotion aus, die ich nicht kontrollieren kann? Ich kann etwas präsentieren und mir viel dabei denken, aber ich habe keine Kontrolle darüber, was im Gegenüber passiert.</p>



<p>Ein Beispiel: Wenn ich musikalisch von Liebe oder großer Freude erzählen möchte und auf der Bühne angespannt bin oder mich nicht wirklich freudig fühle, ist das nicht entscheidend. Es reicht, wenn das Erklingende eine bestimmte Gestik, Form und Klangfarbe hat. Das kann mein Gegenüber mitreißen. Ich muss nicht selbst alles fühlen, was mein Publikum fühlen soll.</p>



<p><strong>Mega spannend. Das ist ein Vergleich, den ich so noch nie gehört habe. Die Schnittmengen liegen eigentlich nahe, weil wir alle Bühnenkünstlerinnen und -künstler sind. Sehr spannend. Vielleicht sogar Stoff für eine eigene Folge – mit deiner Kollegin.</strong></p>



<p>Ja, auf jeden Fall.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Entspannung, Alltag und Rhythmus</h2>



<p><strong>Sofa oder Spaziergang?</strong></p>



<p>Spaziergang.</p>



<p><strong>Ist das die Art, wie du dich am besten entspannen kannst?</strong></p>



<p>Eigentlich schon. Ich brauche manchmal Überwindung, um rauszugehen, aber die Erfahrung zeigt, dass es mir guttut.</p>



<p><strong>Das kenne ich. Und die letzte Frage: Frühaufsteher oder Nachteule?</strong></p>



<p>Nachteule.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der ideale Übetag: Wann fühlt er sich gelungen an?</h2>



<p><strong>Wenn wir in deinen Übealltag reinzoomen: Wie sollte der aussehen, damit du abends sagen kannst, das war ein gelungener Übetag?</strong></p>



<p>Wenn ich das Gefühl habe, ich habe etwas verstanden und bin weitergekommen. Es muss keine bestimmte Dauer sein. Ich muss nicht drei, vier oder fünf Stunden geübt haben. Wenn ich bei mindestens einem Aspekt merke, dass es abends besser geht als morgens, dann bin ich zufrieden.</p>



<p><strong>Das ist ein hoher Anspruch. Hast du das regelmäßig?</strong></p>



<p>Eigentlich ja. Manchmal sind es größere Dinge, manchmal nur eine kleine Verbesserung an einer Stelle. Aber dass es etwas bringt, erlebe ich zum Glück meistens.</p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Ich muss nicht drei, vier oder fünf Stunden geübt haben. Wenn ich bei mindestens einem Aspekt merke, dass es abends besser geht als morgens, dann bin ich zufrieden.&#8220;</p><cite>Theo Plath</cite></blockquote></figure>



<div style="height:36px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Aufbau und Struktur des Übens</h2>



<p><strong>Wenn du die Bestandteile deines Übens anschaust: Wie ist das aufgebaut? Was gehört immer dazu und was variierst du je nach Konzert- oder Repertoireanforderung?</strong></p>



<p>Ich bin nicht übermäßig strukturiert. Ich habe eine grobe Vorstellung davon, was Üben beinhalten sollte, bin dabei aber nicht dogmatisch. Ich arbeite keine feste Routine ab. Ich versuche meist, eine Einspielübung zu machen, die Luft, Ansatz und den gesamten Spielapparat gut einstellt. Ehrlich gesagt mache ich das nicht immer. Manchmal spiele ich auch direkt los.</p>



<p>Das empfinde ich nicht nur als Nachteil, weil ich möchte, dass sich Fagott-Spielen möglichst nah am Alltag anfühlt. Wenn ich das Instrument in die Hand nehme, kurz das Rohr checke und direkt spielen kann, ist das etwas, das ich mir wünsche. Manchmal übe ich mir dieses Einspielen dadurch gleich mit an.</p>



<p>Im Idealfall mache ich ein oder zwei Übungen zur Grundeinstellung und übe dann das, was ansteht. Aus reiner Lust ein Stück zu üben, ist ein seltener Luxus. Meistens bereite ich konkrete Konzertprogramme vor.</p>



<p>Das Üben muss auch nicht immer am Instrument stattfinden. Ich arbeite viel mental. Bei neuen Orchesterprogrammen höre ich mir zuerst Aufnahmen an und schaue die Noten durch. Schwierige Stellen lese ich sehr genau, sodass ich jeden Ton kenne, bevor ich ihn spiele. Das mache ich auch bei neuen Solostücken. Da vergehen oft mehrere Stunden des reinen Anschauens, bevor ich den ersten Ton spiele.</p>



<p>Danach spiele ich viel. Ich trenne für mich nicht streng zwischen Üben und Spielen. Auch langsames Spielen mache ich mit Ausdruck und Phrasierung, nur in einem Tempo, das ich kontrollieren kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werkzeuge zum Entdecken beim Üben</h2>



<p><strong>Du hast vorhin gesagt, dass dir Entdecken wichtiger ist als Reproduzieren. Welche Werkzeuge nutzt du konkret, um abends sagen zu können: Ich habe etwas verstanden und verbessert?</strong></p>



<p>Bei technischen Stellen ist es immer eine Kombination aus mehreren Dingen. Wenn eine Tonfolge nicht eingängig ist, spiele ich sie sehr langsam, sodass sie sich wie eine Melodie anfühlt, die ich innerlich mitsinge – auch mal vorwärts und rückwärts. So kommen die Töne nicht nur in die Finger, sondern auch in die Luft.</p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Ich vergleiche das gern mit Slotcar Racing auf einer Carrera-Bahn: Die erste Runde fährt man langsam. Wenn das Ziel ist, nicht rauszufliegen, kommt das Tempo von selbst.&#8220;</p><cite>Theo Plath</cite></blockquote></figure>



<div style="height:23px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Für mich ist es stark eine Tempofrage. Wenn ich das Tempo weit genug reduziere, kann ich alles fehlerfrei spielen. Ich vergleiche das gern mit Slotcar Racing auf einer Carrera-Bahn: Die erste Runde fährt man langsam. Wenn das Ziel ist, nicht rauszufliegen, kommt das Tempo von selbst.</p>



<p><strong>Schönes Bild.</strong></p>



<p>Wenn ich mir eine Stelle zehn oder fünfzehn Minuten so anschaue und den Fokus darauf lege, möglichst fehlerfrei zu spielen, wird sie automatisch schneller.</p>



<p>Ein weiteres wichtiges Werkzeug betrifft Blasinstrumente allgemein: Pro Ton sind oft viele Finger beteiligt, beim Fagott manchmal bis zu acht. Das läuft meist automatisch. Aber manchmal muss ich mein Unterbewusstsein daran erinnern, was jeder Finger eigentlich tut. Wenn eine Tonverbindung nicht sauber ist, nehme ich mir viel Zeit, greife den Ton, mit oder ohne zu spielen, und gehe jeden Finger bewusst durch. Wenn mich beim Wechsel ein Finger überrascht, wiederhole ich das.</p>



<p>Das kann für einzelne Tonverbindungen sehr lange dauern, aber ich habe das immer als extrem effektiv erlebt.</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Mentales vs. physisches Üben</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Reinzoomen &amp; Verstehen</h3>



<div style="height:9px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-columns has-nv-light-bg-background-color has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column has-nv-light-bg-background-color has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<h3 class="wp-block-heading">Mehr zum Mentalen Üben</h3>
</div>



<div class="wp-block-column has-nv-light-bg-background-color has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://what-is-practice.de/mentales-ueben/mentales-ueben-wie-geht-das/" data-type="post" data-id="6925"><strong>Mentales Üben &#8211; Wie geht das?</strong></a></li>



<li><strong><a href="https://what-is-practice.de/mentales-ueben/mentales-ueben-nach-prof-christian-a-pohl/" data-type="post" data-id="6928">Mentales Üben nach Christian A. Pohl</a></strong></li>
</ul>
</div>
</div>



<div style="height:25px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Also auch da wieder eine Kombination aus mentalem und physischem Üben. Ich finde das ganz schön, du beschreibst das sehr als einen Superzoom, also wirklich so in die Stelle genau reinzoomen, herausfinden, wo eigentlich der Hase begraben liegt, wie man so schön sagt. Aber immer mit dieser Intention, von Anfang an Musik machen zu wollen, also diesen Ausdruck beizubehalten.</strong></p>



<p><strong>Du hast in einem Interview, was ich in der Vorbereitung gesehen habe von dir, gesagt, dass vor allem für diesen Entdeckergeist bzw. diese künstlerische Vision am Anfang vor allem der Professor sehr geholfen hat und dir quasi immer den nächsten Schritt gezeigt hat, wo es hingehen könnte. Den hast du inzwischen nicht mehr, das heißt die Aufgabe liegt bei dir.</strong></p>



<p><strong>Woher kommt typischerweise dann Inspiration für genau diese künstlerischen Visionen oder diesen Entdeckergeist, Ideen für Sachen, die man probieren kann?</strong></p>



<p>Ich versuche das eigentlich immer in der Musik zu suchen. Also es gibt ja manche, ja ich sag mal musikalische Regeln. Also jetzt ganz profanes Beispiel, in einem Vierertakt ist halt die Eins am meisten betont, normalerweise, und die Drei auch. Allerdings ein bisschen weniger. Oder zum Beispiel in der Barockmusik: Töne nebeneinander eher lang, ab einer Terz kürzer, artikuliert auf die Dominante phrasieren und zur Tonika auflösen.</p>



<p>Artikulation hat natürlich auch einen großen Einfluss: Wo schreibt der Komponist jetzt ein Legato, wo fängt das an, auf welchem Ton, was macht das mit der Musik? Und ich versuche im Prinzip Musik wirklich zu lesen und zu verstehen: Was soll mir das jetzt sagen? Und ich probiere da tatsächlich auch einfach viel aus, also gerade bei Artikulation: Wie hätte er oder sie das jetzt eigentlich noch schreiben können und was macht das mit dem Charakter? Und das macht mir auch wirklich viel Spaß, damit kann ich sehr viel Zeit verbringen, einfach rum zu probieren und zu versuchen, immer näher an das zu kommen, was ich gerade als Kern betrachte. Also würde ich auch sagen: Bei fast jeder Aufnahme, die ich gemacht habe, ein halbes Jahr später dachte ich: Ach komm, ich hätte es doch anders machen können. Das ist immer ein Prozess.</p>



<p>Und tatsächlich ansonsten auch viel aus der Kunst generell: Malerei lässt mich gerne inspirieren. Oder auch – klingt vielleicht ein bisschen blöd – einfach auch Orte, an denen Komponisten gewirkt haben. Also ich war vor zwei Jahren mal in Thüringen in Arnstadt, da wo Bach in seiner Jugend als Organist gewirkt hat, und auch in seiner Traukirche, wo er geheiratet hat. Und das hat eigentlich mein Bild von seiner Musik verändert, weil für mich war Bach, also sowieso natürlich das Genie non plus ultra, aber das war immer dunkel und tief in meiner Vorstellung. Ich habe immer gedacht: Ja, Kirchen, okay – Kathedralen hatte ich da im Kopf. Naja, und dann komme ich in die Kirchen, wo er tatsächlich gespielt hat, und die waren alle total hell und eher hölzerne Kirchen: total hell, total leicht, total verspielt. Und irgendwie vor dem Hintergrund – wenn ich jetzt davon ausgehe, dass auch er sich von der Umwelt beeinflussen lassen hat und natürlich von der Zeit, in der er gelebt hat – dachte ich: Okay, vielleicht ist das alles doch auch verspielter und leichter, als ich das mir vorher vorgestellt habe.</p>



<p>Oder zum Beispiel in Venedig, in der Kirche, wo Vivaldi gespielt hat. Wenn man dann rauskommt und direkt auf den Canal Grande sieht und denkt: Okay, also das hat er alles so gesehen. Und gerade in Venedig hat sich wenig getan seitdem. Das ist wahrscheinlich alles irgendwie mit da eingeflossen. Und da kommen die Bilder schon von selbst, würde ich sagen.</p>



<p><strong>Das finde ich eine schöne Herangehensweise, zu gucken, was der Komponist damit wirklich gemeint haben könnte. Tabea Zimmermann hat mal so schön im Podcast gesagt, dass sie sich oft bei Komponisten, von denen sie weiß, die Stücke sind am Klavier entstanden, ans Klavier setzt und versucht nachzuvollziehen, wie das auf dem Klavier gemeint sein könnte. Um auch da dem Komponisten so nahe wie es geht zu kommen. Das ist eine ähnliche Herangehensweise, wie bei dir auch.</strong></p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Und ich erwische mich doch immer wieder dabei, dass ich übend spiele und dann klappt das irgendwie wunderbar – und dann drücke ich auf Aufnehmen und dann fühlt sich das auf einmal anders an.&#8220;</p><cite>Theo Plath</cite></blockquote></figure>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Aufnehmen im Übe-Prozess</h3>



<p><strong>Nutzt du denn auch Aufnahmetools auf dem Handy zum Beispiel, um dann auch abzugleichen, ob deine Vorstellung mit dem, was dann entstanden ist, an Material auch stimmt oder machst du das ohne Aufnahmen und so Sachen?</strong></p>



<p>Beides. Also ich habe tatsächlich jetzt mit Aufnehmen nicht mehr so eine Routine, dass ich immer übe und dann aufnehme und checke. Das habe ich im Studium tatsächlich mehr gemacht, mich aufzunehmen. Inzwischen kommen die Aufnahmen mit dem laufenden Prozess. Also ich bin ja hier in Frankfurt beim <strong>HR-Sinfonie-Orchester</strong> und da werden wir sowieso dauernd aufgenommen. Und gerade wenn wir zum Beispiel ein Konzert haben mit Livestream und morgens dann die Generalprobe mitgeschnitten wird, dann lasse ich mir tatsächlich immer wieder auch die Aufnahmen dann von den Tonmeistern schicken und gucke halt, ob das so passt. Und ab und zu nehme ich mich auch auf.</p>



<p>Jetzt zum Beispiel gerade mit dieser <em>100 Days of a Reed-Challenge</em>, die ich mache, da nehme ich mich wesentlich öfter auf als sonst. Was ich zum einen für die Spiegelung der Aufnahme interessant finde, um zu hören: Wie klingt das eigentlich, was ich mache? Aber auch, um mich selbst im Aufnahmeprozess zu beobachten. Und ich erwische mich doch immer wieder dabei, dass ich übend spiele und dann klappt das irgendwie wunderbar – und dann drücke ich auf Aufnehmen und dann fühlt sich das auf einmal anders an. Und eigentlich benutze ich inzwischen Aufnahmen vor allem dazu, um das zu simulieren und zu schauen: Okay, was ändere ich jetzt vom übenden Spielen zur Aufnahme, was aber nicht hilfreich ist.</p>



<p><strong>Das stimmt, das ist ganz interessant, sich da zu beobachten, wie man &#8211; obwohl man in seinem gewohnten Setting ist &#8211; also zu Hause sich aufnimmt, trotzdem so eine Nervosität, ähnlich wie bei einem Konzert, entwickelt.</strong></p>



<p>Genau, ja. Und tatsächlich, vielleicht kann ich das noch erzählen: Als ich hier angefangen habe im Orchester und auf einmal die Möglichkeit hatte, mich einfach ganz regelmäßig höchst professionell aufgenommen zu hören – wo man auch wirklich weiß, okay, das spiegelt jetzt wirklich das wider, was ich gemacht habe – war ich tatsächlich auch oft überrascht. Also weil du ja auch gefragt hattest: Nimmst du das als Kontrolle? Und da hatte ich das tatsächlich immer mal wieder, dass ich in einem Konzert mir dann, wer weiß, was vorgestellt habe: Und jetzt bringe ich noch die Farbe da rein. Und dann höre ich mir die Aufnahme an und denke: Das hört man ja alles überhaupt nicht. Also manchmal auch desillusionierend, aber auf jeden Fall interessant, was denn den Weg ins Ohr findet und was auch nicht.</p>



<p>J<strong>a, das stimmt, ja. Ja klar, man ist halt auch beim HR Teil von einem ganz großen Klangkörper auch, ne. Das ist ja nicht, je nachdem, wie groß ihr euch da aufstellt, einer von vielen auch dann?</strong></p>



<p>Das auch. Und es gibt natürlich immer mal wieder schöne Fagott-Soli, die man dann spielen darf und sich dann auch etwas isolierter hört.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Üben zum Unterrichten: Aha-Momente und Lernen von Studierenden</h2>



<p><strong>Ich würde gerne noch einen Schwenk machen, bevor wir zu deiner Übung kommen, zum Unterrichten. Du hast vorher so schön gesagt, dass dein Aha-Moment in diesem Jahr vor allem im Unterrichten stattgefunden hat, dass du was über die Stütze gelernt hast, was dir vorher noch nicht so klar war.</strong></p>



<p><strong>Was würdest du sagen, was du am meisten von deinen Studierenden lernst?</strong></p>



<p>Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass die Arbeit mit den Studierenden vor allem mir Anlass gibt, mir einfach ganz genau zu überlegen, was ich eigentlich mache oder was auch die eigentlich machen sollten. Ich versuche zu vermeiden, zu allgemein zu sein und zu sagen: Ja mach mal da ein bisschen mehr Linie oder so. Sondern ich versuche dann wirklich zu überlegen: Okay, wie genau machen wir das jetzt?</p>



<p>Und zum Beispiel das mit der Stütze, das war auch eine Sache. Also ich hatte so eine ungefähre Idee davon, wie soll sich jetzt Stütze anfühlen. Aber wenn ich dann ganz ehrlich war: Ganz genau, okay, was mache ich denn da genau? Wusste ich dann eigentlich auch nicht. Und dann ist es in dem Moment einfach eine Gelegenheit für mich, genau zu überlegen, was mache ich da. Und natürlich auch: Meine Studierenden, die haben ja jetzt nicht nur Einflüsse von mir, sondern auch von anderen. Und da kommen auch immer wieder dann Sachen hoch, wo ich mir denke: Ja stimmt, das ist total richtig. Also auch technische Sachen, die die dann bei anderen Lehrern oder Lehrerinnen mitgenommen haben. Auch einfach Ideen, die die haben natürlich. Und da kann ich eigentlich aus jedem Unterrichtstag für mich was mitnehmen.</p>



<p><strong>Ich habe eine Frage von einem letzten Gast mitgebracht, die nämlich genau in diese Richtung auch geht. Und zwar wollte Ulrich Menke wissen, wie wir Schülerinnen oder Studierenden das Gefühl von Autonomie vermitteln können.</strong></p>



<p>Ich würde sagen, wenn wir ihnen die Werkzeuge geben, ihre musikalische Vorstellung umzusetzen. Also wenn wir nicht vorgeben: Du musst das da lang und kurz machen zum Beispiel und guck mal wie du es machst, sondern eher: So kannst du hin phrasieren, wo du willst. Und vielleicht schlage ich dir jetzt vor, da hin zu phrasieren, aber vor allem die instrumentalen Möglichkeiten an die Hand geben, dass sie die musikalische Gestaltung dann umsetzen können, die sie wollen.</p>



<p>Vielleicht auch noch Vorschläge machen – ich habe ja früher schon mal von den Regeln gesprochen – und gucken: Wie kann man die Regeln auf dieses Stück anwenden? Und eher den Prozess einer Interpretation versuchen gemeinsam zu erarbeiten, als jetzt nur die Interpretation an sich.</p>



<p><strong>Das finde ich schön. Ich würde gerne zur Musik machen kommen, ich bin sehr gespannt auf deine Übung, die du mitgebracht hast.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Übung von Theo Plath</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Eine Übung für Kraft, Kontrolle und Loslassen</h3>



<p>Also es ist eine Übung, die wahrscheinlich vor allem für Blasinstrumente interessant ist. Ich fange auf dem tiefsten Ton des Fagotts an und gehe dann chromatisch in immer höher. Und zwar ist es dazu da: Für die höheren Töne brauchen wir mehr Kraft, damit sie auch kraftvoll herauskommen. Und dann ist die Frage, wie setze ich diese Kraft ein. Die soll so gelöst und so zielgeführt sein, dass sie sich nicht in Festigkeit manifestiert, sondern dass ich sie jederzeit wieder reduzieren kann.</p>



<p>Und dazu nehme ich die Legati als Anlass. Wenn nämlich das Legato nach unten nicht funktioniert, heißt das, dass ich auf dem Weg nach oben etwas verkrampft habe, was ich jetzt nicht mehr loslassen kann. Damit ich dafür ein Gespür bekomme, fange ich unten an mit ganz kleinen Tonschritten, und das wird dann immer weiter.</p>



<p><strong>Gast:</strong></p>



<p><em><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-nv-c-2-color">Musik</mark></em></p>



<p>Es funktioniert für mich tatsächlich nur, wenn ich merke, ich bin mit Stütze, Luftführung, Fingern und der ganzen Einstellung vom Mundraum her so eingestellt, dass alles maximal fließt und nichts blockiert. Dann funktioniert das. Sonst wird es schwierig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Variieren im Entdecker-Modus: Spannung erkennen und lösen</h2>



<p><strong>Wenn du jetzt da in so einen Entdecker-Modus reingehen würdest: Wie würdest du das variieren, wenn du merkst, okay, nach unten habe ich wahrscheinlich etwas angespannt, was zu viel ist, um das zu lösen?</strong></p>



<p>Dann würde ich erst mal in mich hineinhorchen, was ich eigentlich mache. Ich habe eine grundsätzliche Vorstellung davon, wie sich das Spielen anfühlen soll, nämlich möglichst natürlich.</p>



<p>Wenn ich zum Beispiel anfange zu spielen und unwillkürlich den <strong>Kopf nach vorne strecke</strong>, bringt das Spannung rein, das hilft nicht. Dann spiele ich nochmal und lenke meinen Fokus darauf, dass ich den Kopf freilasse und nicht nach vorne strecke. Dann fühlt sich das wahrscheinlich schon besser an.</p>



<p>Wenn es dann klappt, gehe ich weiter nach oben. Wenn es immer noch nicht funktioniert, suche ich weiter. Dann schaue ich: Bin ich mit der Stütze da, wo ich sein möchte? Ist meine Vorstellung davon, wie Stütze sein muss, richtig? Oder ist da vielleicht doch eine Festigkeit drin, die ich vermeiden kann? Also tatsächlich viel ausprobieren. Das hängt bei mir zusammen.</p>



<p><strong>Vielen Dank, das war eine schöne Übung. Ich finde es interessant, dass Übungen oft viel mit Realitätsabgleich zu tun haben. Man hat eine Idealvorstellung und gleicht sie mit der Tagesform ab und versucht, das im Üben anzugleichen.</strong></p>



<p><strong>Das ist ja quasi so: Ich war letztes Wochenende auf einem Vortrag von Eckart Altenmüller, der das mit einer schönen Asymptote verglichen hat, die immer über uns liegt und unser Können immer knapp darunter, und die Linien sich eigentlich nie treffen. Im besten Fall motiviert uns das jeden Tag, dranzubleiben. Und es geht immer darum zu schauen, wo es hingehen kann und was man dafür tun muss. Wie du gerade so schön sagst: in sich hineinhorchen, fühlen und spüren, was man loslassen und verändern kann, um dem Ziel im Kopf möglichst nahe zu kommen. Das finde ich sehr schön. Vielen Dank nochmal, dass wir das machen konnten.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Lampenfieber bei Probespielen und Wettbewerben</h2>



<p><strong>Ich habe, bevor wir langsam zum Ende kommen, noch eine Frage, die sich bei einem Blick auf deine Biografie fast aufdrängt. Du hast früher viele Probespiele und Wettbewerbe gemacht und unter anderem den dritten Platz beim ARD-Wettbewerb gemacht. Wahrscheinlich der renommierteste Preis in der Klassik-Welt überhaupt.</strong></p>



<p><strong>Du bist seit sechs Jahren beim HR angestellt, auch da gab es Probespiele. Und wir hatten es vorher schon bei deiner Challenge: dieser rote Knopf beim Aufnehmen.</strong> <strong>Wie gehst du mit Lampenfieber um?</strong></p>



<p>Ich versuche, mich an die Situationen zu gewöhnen, Körperbewusstsein zu entwickeln und das auch schon beim Üben einfließen zu lassen. Ich versuche Bewegungsmuster zu vermeiden, die sich in einer Auftrittssituation verstärken und in Anspannung führen. Und ich reflektiere darüber, wovor ich eigentlich aufgeregt bin, ob das gerechtfertigt ist und ob das Sinn macht. Und manchmal hilft es auch zu denken: Vielleicht ist es gar nicht so schlimm. Die Gedanken sind oft schlimmer als die Realität.</p>



<p><strong>Ist das etwas, was du mit Kolleginnen und Kollegen besprichst oder eher mit dir selbst ausmachst?</strong></p>



<p>Das mache ich eher mit mir selbst aus.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Wie bereiten sich Profi-Musiker auf das Probespiel vor? </h3>



<p>In diesem Beitrag findest du <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/erfolgreiche-probespiel-vorbereitung-tipps-fuer-den-weg-ins-orchester/" data-type="post" data-id="6078">die wichtigsten Tipps zur Vorbereitung auf dein nächstes Probespiel</a></strong>. Im Interview verrät <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-gelingt-das-probespiel/" data-type="post" data-id="6065">Annemarie Gäbler</a></strong>, wie ihr Probespiel beim MDR Sinfonieorchester erfolgreich verlaufen ist!</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><strong>Ich habe gestern ein Video auf Instagram gesehen, das passt hier ganz gut. Es ging um einen Piloten: Ein Gewitter zog auf, und der eine sagte, wir fliegen da jetzt rein. Der andere sagte, nein, das ist ein Gewitter, wir müssen umdrehen. Und die Quintessenz war: Man kann eigentlich erst entscheiden, wie man reagiert, wenn man da ist. Man kann sich vorher ausmalen, wie schlimm alles wird, wie bei einem Konzert. Diese Gedanken sind meist viel schlimmer als das, was in der Realität eintritt. Und man kann beeinflussen, wie man reagiert, indem man bestimmte Dinge tut.</strong></p>



<p>Ja, das auf jeden Fall. Wie ich mich dann fühle, weiß ich wirklich erst in dem Moment. Aber es gibt Dinge, bei denen ich das Gefühl habe, ich kann einwirken. Zum Beispiel: Was ist eigentlich mein Ziel? Muss ich mich im Konzert total toll fühlen, um ausdrucksvoll spielen zu können? Oder reicht es, wenn ich weiß, wie ich eine Phrase gestalten möchte, wo ich hin phrasieren will, wie ich das Vibrato einsetze, wie ich einen Ton hervorhebe? Je genauer meine Vorstellung ist, desto machbarer kommt mir das vor. Und desto weniger bin ich abhängig davon, dass alles perfekt passen muss. Klar, im <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/ueben-im-flow/" data-type="post" data-id="2682">Flow</a></strong> zu sein ist die schönste Variante. Aber ich möchte vor dem Fall, dass das nicht eintritt, keine Angst haben.</p>



<p><strong>Was lernst oder übst du gerade, was du noch nicht so gut kannst? Das darf auch nicht musikalisch sein.</strong></p>



<p>Konzentrieren. Ich bin darin nicht sehr gut, ganz ehrlich. Und ich würde sagen, die meisten Fehler im Konzert passieren mir, weil ich für einen kurzen Moment abschweife und dann nicht konzentriert bin. Das versuche ich gerade zu lernen.</p>



<p><strong>Hast du Tipps für uns, wie du das angehst?</strong></p>



<p>Mich oft daran erinnern, dass ich das möchte. Und auch beim Üben: Wenn mir etwas in den Kopf kommt und es wirklich dringend ist, schreibe ich es mir kurz auf. Ansonsten versuche ich, den Gedanken weiterziehen zu lassen und ihm nicht nachzugehen. So übe ich das.</p>



<p><strong>Also typische Achtsamkeits- oder Meditationsbilder, wie Autos, die vorbeiziehen können.</strong></p>



<p>Ja, genau, in die Richtung.</p>



<p><strong>Ja, das ist ein typischer Neujahrsvorsatz: sich besser zu konzentrieren. Finde ich gut, das würde ich bei mir auch sagen.</strong></p>



<p><strong>Und jetzt nochmal ein Rückblick auf deine eigene Studierendenzeit: Um welchen Tipp wärst du damals froh gewesen, ihn schon gehabt zu haben, aus heutiger Sicht?</strong></p>



<p>Tatsächlich diese ganze Sache mit dem Schauspiel. Bei allem, was ich vorher schon mitnehmen durfte, war das für mich eine ganz neue Dimension von Freiheit im Spielen und von Möglichkeiten, über die ich mir vorher nicht im Klaren war und in denen ich das Gefühl habe, mich sehr verwirklichen zu können.</p>



<p><strong>Das ist spannend. Das finde ich einen sehr schönen Schlussgedanken. Ganz herzlichen Dank, Theo, es hat großen Spaß gemacht.</strong></p>



<p>Mir auch, vielen Dank.</p>
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		<title>Wie übe ich schwere Stellen, Ulrich Menke?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 21:43:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wie übt eigentlich..?]]></category>
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					<description><![CDATA[Variantenreiches Üben mit System – das Methoden-Navi für Musiker:innen Üben ist mehr als Wiederholen. Es ist Forschen, Spielen, Denken – ein bewusstes Gestalten von Klang, Bewegung und Aufmerksamkeit. In der modernen Musikpädagogik rückt dieses Verständnis immer stärker in den Mittelpunkt: weg vom reinen „Fehlerbeseitigen“, hin zu einem variantenreichen Üben, das Lernprozesse aktiv steuert und musikalische&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-uebe-ich-schwere-stellen-ulrich-menke/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Wie übe ich schwere Stellen, Ulrich Menke?</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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<h3 class="wp-block-heading"><strong>Variantenreiches Üben mit System – das Methoden-Navi für Musiker:innen</strong></h3>



<p>Üben ist mehr als Wiederholen. Es ist Forschen, Spielen, Denken – ein bewusstes Gestalten von Klang, Bewegung und Aufmerksamkeit. In der modernen Musikpädagogik rückt dieses Verständnis immer stärker in den Mittelpunkt: weg vom reinen „Fehlerbeseitigen“, hin zu einem <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/wie-geht-effektives-ueben/">variantenreichen Üben</a></strong>, das Lernprozesse aktiv steuert und musikalische Freiheit fördert.</p>



<p>In dieser Episode und im ausführlichen Gespräch mit Geiger und Pädagoge <strong>Ulrich Menke</strong> erfährst du, wie sich Üben wie ein Trainingssystem aufbauen lässt – strukturiert, kreativ und achtsam zugleich. Sein Ansatz: das <strong><a href="https://what-is-practice.de/must-read/buchtipp-methoden-navi-menke/" data-type="post" data-id="7314">Methoden-Navi</a></strong>. Es verbindet klare Übeschritte mit mentalen und körperlichen Strategien, die das eigene Spiel souveräner und gelassener machen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1039" height="691" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/10/Foto-Uli-Menke-Kopie.jpg" alt="" class="wp-image-7343" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/10/Foto-Uli-Menke-Kopie.jpg 1039w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/10/Foto-Uli-Menke-Kopie-768x511.jpg 768w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/10/Foto-Uli-Menke-Kopie-930x620.jpg 930w" sizes="auto, (max-width: 1039px) 100vw, 1039px" /></figure>



<p>Menke beschreibt, wie man durch <strong>Zeitdehnung</strong>, <strong>Looping-Techniken</strong> und bewusste <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/wie-du-deine-taegliche-uebe-routine-aufbaust-5-praxiserprobte-strategien/">Routinen</a></strong> den Moment des Übens vertieft – und wie schon kleine sprachliche Veränderungen („Wie kann ich…?“ statt „Das war falsch“) den gesamten Lernprozess positiv beeinflussen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong><a href="https://what-is-practice.de/faq-ueben/" data-type="page" data-id="6961">FAQ Üben</a></strong></li>



<li><strong><a href="https://what-is-practice.de/uebe-tipps/">Übe-Tipps</a></strong></li>
</ul>



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<div style="height:65px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Das Interview</h2>



<p><strong>Vervollständigen Sie folgenden Satz: Üben heißt für Sie…?</strong></p>



<p>Einen Trainingsraum betreten, in dem ich mich mit der schönsten Sprache der Welt auseinandersetze und meine eigenen Ressourcen erweitere – durch die Musikressourcen und im Rahmen der Musik, die ich in der Musikwelt vertrete.</p>



<p><strong>Gibt es aktuell eine Musik oder eine Künstlerin, die bei Ihnen in Dauerschleife läuft?</strong></p>



<p>Ja, ich beschäftige mich gerade mit einer Sonate von Irmel Bonny, einer Französin, Zeitgenossin von César Franck. Das Werk ist chromatisch und rhythmisch heikel. Um mich darin besser einfinden zu können, läuft diese Sonate momentan häufiger.</p>



<p><strong>Wenn Sie auf Ihr eigenes Spiel schauen – gibt es Künstlerinnen oder Künstler, die Sie besonders geprägt haben?</strong></p>



<p>In meiner Jugend waren das Itzhak Perlman als Geiger und Jacqueline Dupré als Cellistin. Beide hatten gesundheitliche Einschränkungen, und mich hat fasziniert, wie sie damit umgegangen sind. Perlmans makelloses Spiel trotz dicker Finger – unglaublich. Und Duprés Musikalität war überwältigend.</p>



<p>Heute ist es eher Augustin Hadelich, den ich unfassbar witzig und spontan finde – sowohl auf der Bühne als auch im Unterricht. Auch er lebt mit einem Handicap, aber er gewinnt durch die Musik enorme Stärke und gibt diese weiter.</p>



<p><strong>Schön – die Kraft der Musik im wahrsten Sinne des Wortes.</strong></p>



<p>Genau.</p>


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<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="510" height="57" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png" alt="Rastergrafik" class="wp-image-4353" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png 510w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-300x34.png 300w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-260x29.png 260w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-50x6.png 50w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-150x17.png 150w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-500x57.png 500w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-190x21.png 190w" sizes="auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px" /></figure>
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<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="420" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/04/10-uebe-gebote_web.jpg" alt="Ein Poster mit dem Titel „MEINE 10 ÜBE-GEBOTE“. Darunter folgen zehn Tipps für effektives Üben eines Musikinstruments, nummeriert von 1 bis 10. Die Tipps beinhalten Empfehlungen wie geduldig mit sich selbst zu sein, ausreichend Pausen zu machen, auf Klangdetails zu achten, Wiederholungen zu reduzieren, Klang und Technik zu verbinden, Übezeiten zu planen, Aufnahmen zur Kontrolle zu nutzen, langsam zu üben, auf eine entspannte Körperhaltung zu achten und Erfolge bewusst wahrzunehmen. Am unteren Rand befinden sich das Logo von &quot;whipr.&quot; und ein QR-Code." class="wp-image-6976"/></figure>
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<h2 class="wp-block-heading">Entweder-Oder-Fragen</h2>



<p><strong>Um Sie den Zuhörerinnen und Zuhörern noch etwas näher vorzustellen, habe ich ein paar Entweder-oder-Fragen vorbereitet. Sie haben einen Joker – eine Frage dürfen Sie auslassen.</strong></p>



<p><strong>Fußball oder Handball?</strong></p>



<p>Fußball.</p>



<p><strong>Ist das der Grund, woher Ihre Sportfaszination kommt – also die vielen Sportmetaphern im „Methoden-Navi“?</strong></p>



<p>Mich fasziniert, dass allein in Köln alle 14 Tage 50.000 Menschen in einen Chor gehen, einstimmig und sauber singen. Diese Begeisterung und dieser Ritus inspirieren mich sehr für meine musikalische Arbeit.</p>



<p><strong>Das heißt, Sie gehören auch zu diesen 50.000?</strong></p>



<p>Nein, ich selbst nicht. Ich habe zwei sportstudierende Söhne, aber ich bin eher der bewundernde Beobachter.</p>



<p><strong>Wer gewinnt bei Fußball oder Geige?</strong></p>



<p>Geige.</p>



<p><strong>Wenig und oft oder selten und viel?</strong></p>



<p>Wenig und oft.</p>



<p><strong>Struktur oder Intuition?</strong></p>



<p>Intuition.</p>



<p><strong>Abwechslung oder Routine?</strong></p>



<p>Abwechslung.</p>



<p><strong>Reduktion oder Variation?</strong></p>



<p>Variation durch Reduktion.</p>



<p><strong>Leichtigkeit oder Genauigkeit?</strong></p>



<p>Leichtigkeit.</p>



<p><strong>Ruhe oder Gelassenheit?</strong></p>



<p>Gelassenheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Achtsam üben – Zeitdehnung als Schlüssel</h2>



<p><strong>Sie stellen in Ihrem Buch das Thema Achtsamkeit sehr zentral – zusammen mit dem Sport. Was bedeutet für Sie achtsam zu trainieren oder zu üben?</strong></p>



<p>Zeitdehnung. Ich musste Tempo aus meinem Leben herausnehmen. Ich war ein Effektivitätsmensch, wollte vieles gleichzeitig erledigen. Als ich unabhängig von der Musik Achtsamkeitsübungen und Bodyscans in mein Leben integrierte, merkte ich: Übertrage ich das auf die Musik, halte ich den Türöffner in der Hand.</p>



<p>Diese Zeitdehnung ist wie beim „Slow Motion“-Brief im Sport: Wenn unklar ist, ob ein Foul vorlag, schaut man in Zeitlupe hin. Genau das hilft bei schwierigen Passagen – wenn man nicht weiß, woran etwas liegt.</p>



<p>Darüber sprechen wir später sicher noch ausführlicher – sehr spannend!</p>



<p><strong>Im Vorgespräch haben Sie eine Frage geschickt, die Sie gerne einmal gestellt bekommen würden: „Möchten Sie mitfliegen beim ersten Flug auf reiner Solarbasis?“ Haben Sie gehört, dass gerade ein Schweizer einen neuen Rekord aufgestellt hat?</strong></p>



<p>Ja, ich bin in dem Thema grundsätzlich drin. Ich habe vor Jahren beschlossen, nicht mehr zu fliegen, weil ich es für mich nicht verantworten kann. Die Faszination fürs Fliegen ist aber geblieben – und wenn wir die Energie dafür selbst gewinnen könnten, wäre das die Voraussetzung.</p>



<p><strong>Für alle, die interessiert sind – ich kann den Bericht gerne verlinken: Ein Schweizer flog über fünf Stunden bei rund 9000 Metern Höhe, länger als die Weltumrundung davor. Das hat mich sehr neugierig auf Ihre Frage gemacht.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Einstieg ins Methoden-Navi</h2>



<p><strong>Lassen Sie uns ins „Methoden-Navi“ einsteigen. Um ein Gefühl zu geben, worum es geht: Können wir an einem musikalischen Beispiel eine Route durchspielen und Sie erklären, was daran besonders ist?</strong></p>



<p>Gerne. Man könnte mit einem Schüler beginnen, der gerade eine Methode kennengelernt hat. Ich schlage vor, dieser Schüler bekommt die Aufgabe, die Methode im Rollentausch in der nächsten Stunde anzuwenden.</p>



<p><strong>Das heißt, die Aufgabe lautet nicht „Mach die Etüde fertig“, sondern: „Setze eine bestimmte Methode im Üben um“?</strong></p>



<p>Genau. In der Folgestunde zeigt der Schüler nicht das fertige Stück, sondern wie er mit der Methode gearbeitet hat. Wenn dann mehrere Methoden vertraut sind, erkennt er, dass daraus Routen entstehen – abwechslungsreiche Übewege mit unterschiedlichen Sinnen und Parametern.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="route">Beispiel: Dvořák-Sonatine – eine schwierige Passage meistern</h2>



<p>Ich nehme eine Stelle aus der Dvořák-Sonatine op. 100, letzter Satz. Eine Passage, bei der viele herausfliegen, weil der erste Takt so schwer ist.</p>



<p>Der Auftrag lautet: Beschäftige dich mit dieser Stelle.</p>



<p>Zuerst geht es um den <strong>Fokus</strong> – in diesem Fall den <strong>Tonraum</strong>: Cis-Moll.</p>



<p>Ich spiele das Cis in der Lage, bei Anfängern nur bis zur Terz oder Quinte, ohne Noten. Dann vielleicht im Kanon mit Lehrer oder Eltern – so üben wir Tonraum und Intonation.</p>



<p>Im nächsten Schritt kommt der <strong>Rhythmus</strong> hinzu: zunächst sprachlich (etwa mit Silben wie „Du-Du-bi-da“ oder „Ja, was geht ab?“), dann mit Air-Bowing-Bewegungen. Schließlich wird der Rhythmus auf die leere Saite und dann auf den Tonraum übertragen – das ist die Methode „<strong>Tonraum plus Rhythm First</strong>“.</p>



<p>Das Kind merkt gar nicht, dass es den Rhythmus bereits 40 Mal geübt hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Slow Motion, Looping und Trainingspartner-App</h3>



<p>Dann folgt <strong>Slow Motion</strong>: Ich nehme die Zeit raus, konzentriere mich auf die Intonation – besonders im ersten Takt, wo der dritte Finger umgreifen muss.</p>



<p>Ich arbeite mit der App <strong>Soundcorset</strong>, die Slow Motion und Looping kombiniert. Damit kann ich das Tempo allmählich steigern („von 0 auf 180“) – der Schüler bekommt Sicherheit, weil er merkt: Ich kann das Schritt für Schritt schneller machen.</p>



<p>Ich stelle ein: 120 Sekunden Fokus auf diese Stelle – und steigere das Tempo langsam bis zum Original. Der digitale Trainingspartner begleitet mich dabei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Kofferpacken bis zum Rückspiel</h3>



<p>Nun folgt das <strong>Kofferpacken</strong> – das Wiedereinbauen der Passage in den musikalischen Zusammenhang. Dabei lerne ich sie auswendig und erkenne, wohin die Phrase führt.</p>



<p>Dann kommt das <strong><a href="https://what-is-practice.de/lerntechniken/retrosequenzielles-ueben-die-unterschaetzte-superpower-fuer-dein-musikalisches-wachstum/">Rückspiel</a></strong>: Ich beginne beim letzten Ton der Passage und arbeite mich rückwärts. Das schafft Vertrauen – ich starte immer in bekanntem Terrain.</p>



<p>Bei Streichern folgt das <strong>Auswärtsspiel</strong>: Ich spiele die Passage auf einer anderen Saite oder in einer anderen Lage, um neue motorische Reize zu setzen.</p>



<p>Beispielsweise wechsle ich von der E- auf die A-Saite – oder beim Klavier in eine andere Oktave.</p>



<p>Das fordert, stärkt und führt zum <strong>Heimspiel</strong>, wenn ich zur ursprünglichen Lage zurückkehre. Dann macht es „Klick“ – der <strong>Tipping Point</strong> ist erreicht.</p>



<p>Ich habe nicht die Stelle gespielt, sondern mit ihr gespielt.</p>



<p>Und das ist das Entscheidende: Diese Sicherheit ist die Grundvoraussetzung für musikalisches Vertrauen – ohne Angst kann Musik wirklich fließen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Besprechung der Methoden-Route</h2>



<p><strong>Ja, vielen Dank erstmal. Das war, glaube ich, viel Input für die Zuhörerinnen und Zuhörer und aus dem Grund wollte ich das Ganze auftröseln, weil wir jetzt über viele verschiedene Sachen gesprochen haben. Vielleicht ganz zu Beginn, noch bevor wir das Instrument in die Hand nehmen: Welche Voraussetzungen braucht Ihrer Meinung nach gutes Üben?</strong></p>



<p>Dass ich total viel Lust habe, mich mit einem Instrument auseinanderzusetzen, weil es mich ausmacht, weil es ein Teil von mir ist, weil ich mich mit diesem Instrument identifiziere – und nicht, weil irgendeiner aus der Erwachsenenwelt sagt: „Das musst du mal machen.“ Es muss von vornherein eine Art Liebesbeziehung sein. Das ist die Grundvoraussetzung, damit ich überhaupt intrinsisch motiviert sein kann. Und aus der Liebe heraus entwickelt man dann auch die Sorgfalt. Kinder lieben Rituale. Wenn ich es zu einem Ritual mache, ein Instrument zu öffnen, mich heranzusetzen und mich durch ein Warm-up einzuspielen, wird das etwas, was Kinder unglaublich gern wiederholen. Wie kann ich also Wiederholungen – die im Training notwendig sind – kaschieren? Indem ich sie durch Abwechslung so gestalte, dass man gar nicht merkt, dass ich eigentlich immer in dieselbe Richtung gehe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Motivation &amp; Ritual: Zwei zentrale Säulen</h2>



<p><strong>Ich finde, Sie haben zwei wichtige Sachen angesprochen. Das eine ist diese intrinsische Motivation – die würde ich an dieser Stelle voraussetzen, zumindest bei allen Menschen, die diesen Podcast hören. Das andere ist das Ritual. Sie haben das Ritual beschrieben: den Koffer aufmachen, die Geige rausholen, das Instrument öffnen. In Ihrem Buch haben Sie das schöne Beispiel vom Judo, wo es einen ritualisierten Beginn gibt. Wenn Sie jetzt an Ihre eigene Übe-Biografie denken: Haben Sie ein Ritual gefunden, wie Sie Ihr Üben starten, bevor ein Warm-up losgeht?</strong></p>



<p>Ich starte tatsächlich direkt mit einem Warm-up – wenn man davon absieht, dass ich den Trainingsraum, den ich betrete, nach außen hin abschotte, mich der Medien entledige und dann mit dem Komponisten allein bin, der zu mir spricht. Die Stille als Voraussetzung ist wichtig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Methodenüberblick: Warm-up, Rhythm First, Looping, Slow Motion, Kofferpacken</h2>



<p><strong>Ich würde gern in die Methoden reingehen, die Sie vorher schon angespielt haben. Das waren insgesamt vier Stück. Wir hatten ein Warm-up, wir hatten das…</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Rhythm First</strong></li>



<li><strong>Kofferpacken</strong></li>



<li><strong>Looping</strong></li>



<li><strong>Slow Motion.</strong></li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Warm-up &amp; Tonraum: Der erste Zugang zur Stelle&nbsp;</h2>



<p><strong>Wenn wir vorne mit dem Warm-up anfangen: Da haben Sie den Tonraum dargestellt. Würden Sie sagen, das ist eine praktikable, gute Lösung, um sich einer Stelle zu nähern? Gehen wir davon aus, die Stelle ist vielleicht bekannt – aber das lässt sich übertragen auf Stellen, die nicht bekannt sind, bei einem neuen Stück, das wir zum ersten Mal üben. Ist das eine gute Methode für eine unbefangene erste Annäherung?</strong></p>



<p>Ja, wenn ich weiß, dass mir das Leben dadurch leichter wird. Warum leichter? In einem Chor ist es egal, ob das Stück in D-Dur oder Es-Dur steht – wir singen einfach höher oder tiefer. Bei Streichern ist die Intonation entscheidend abhängig, und bei Pianisten letztlich auch, was die Fingersätze angeht: Was ist der Tonraum in diesem Stück, den ich für diese Passage oder für das gesamte Stück benötige?</p>



<p>Wenn ich etwas herauswerfen kann an anderen Themen, dann würde man vorher mit dem Kind besprechen, was Intelligenz bedeutet. Elisabeth Stern aus Zürich beschreibt Intelligenz als die Kunst des Rauslassens und Außenvorlassens. Wenn ich den Tonraum betreten habe, bin ich in diesem Raum und darf ein zweites Element hinzunehmen. Und das sollte das sein, was das Kind am meisten motiviert. Häufig ist das <strong>Rhythm First</strong>, weil Rhythmik zusammen mit Ton bereits so viel Musik eröffnet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wiederholung ohne Langeweile: Rhythmus als Motor</h2>



<p><strong>Genau – man hat dann die erste Möglichkeit, etwas auf eine intuitive Art zu wiederholen, weil ein Rhythmus Wiederholung schon vorgibt.</strong></p>



<p>Ganz genau. Ich brauche die Langeweile, um etwas auseinanderzunehmen – dieses Prinzip würde ich mit dem Kind immer wieder besprechen. Der Musikunterricht ist für mich ein zentraler Unterricht: ein Ort, an dem ich mit wesentlichen Lebensfragen und Strategien konfrontiert werde. Wenn ein Kind lernt: „Wenn du zu viel gleichzeitig willst – das geht nicht. Was kannst du rauswerfen? Wie isolierst du etwas und hast trotzdem Spaß?“ Das soll das Kind selbst überlegen.</p>



<p>Wenn es sagt: „Ich habe erst Spaß, wenn es wirklich viel lauter ist“, dann nehmen wir die Dynamik hinzu. Es sind wie Schalter, die wir zu- und abschalten. Wenn ich merke: „Das ist wieder zu schwer“, nehme ich entweder einen Parameter raus – etwa das Tempo – oder den Tonraum und mache es nur auf leeren Saiten. So wechsle ich, ich changiere – und das Kind merkt gar nicht, wie es sich dauernd um dasselbe dreht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werkzeugkoffer statt Ein-Werkzeug-Denken</h2>



<p><strong>Wie das Bild vom Werkzeugkoffer, das man gern bemüht: Man nimmt je nach Bedarf neue Tools, um das „Problem“ – in Anführungszeichen – zu lösen und sich mit einer Sache zu beschäftigen. Es gibt das Bild von Abraham Maslow: Wenn man nur einen Hammer hat, sieht man in jedem Nagel das Problem und haut drauf. Je mehr Methoden, desto mehr Werkzeuge habe ich im Koffer und desto mehr Möglichkeiten, mich abwechslungsreich zu beschäftigen. Das finde ich schön, weil es bei Ihnen eine Leichtigkeit hat, die intuitiv wirkt, wenn man bestimmte Sachen dazu- oder abschalten kann.</strong></p>



<p><strong>Wenn wir sagen: Wir haben eine Stelle, mit der wir uns beschäftigen möchten. Wir erkunden zuerst den Tonraum, machen es deutlich langsamer, um uns bewusst zu werden, was da ist, und schalten dann den Rhythmus der Stelle hinzu – daraus wird eine erste schöne Sache, die man mit Dynamik erweitern kann. Und dieses Kofferpacken ist intuitiv: Nach und nach fügt es die Stelle zur Passage zusammen, wie sie im Stück ist, und wieder ins große Ganze – wie ein Puzzleteil, das man herausnimmt, anschaut und am Ende zusammensetzt.</strong></p>



<p>Entscheidend ist die Frage, ob es gelingt, dass das Kind sich mit diesen Werkzeugen nicht nur auskennt, sondern sie auch <strong>bezeichnet</strong>. Ich habe ein Wording vorgeschlagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass ein anderes Kind viel lieber „Lahme Ente“ sagt – dann weiß es sofort: Ich darf jetzt halbes Tempo nehmen. Das Wording sollte zur Herzensangelegenheit des Kindes werden. Es soll entscheiden, wie es seine Methoden nennt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Methoden benennen, Routen festhalten: Das Übetagebuch</h2>



<p>Ich habe im <strong>Methoden-Navi</strong> einen Zettel entwickelt, auf dem man durch Ankreuzen die Methodenroute kurz festhält. Das darf nicht länger als zehn Sekunden dauern – quasi ein <strong>Übetagebuch</strong>.</p>



<p>Ich kann dann mit Lehrer oder Lehrerin klar sagen: „Beim Stück Dvořák habe ich am ersten Tag <strong>Looping</strong> und <strong>Slow Motion</strong> gemacht; beim zweiten Mal <strong>Slow Motion</strong> und <strong>Kofferpacken</strong>.“ – „Dann mach mir das doch mal vor.“</p>



<p>Die Vergewisserung, dass die Kinder wirklich wissen, was im Werkzeugkasten ist, müssen wir erhöhen – nicht unser enormes Wissen oder unsere riesigen Erfahrungen. Vorschläge à la „Üb das doch mal so“ will ich nicht ausschließen, aber weitgehend ersetzen: Kinder sollen <strong>Methodenrouten im Unterricht</strong> durchexerzieren und überlegen, wie sie der Lehrkraft präsentieren, <strong>wie</strong> sie die Passage verbessert haben.</p>



<p>Dass es anschließend wieder in Zusammenhänge gebracht werden muss, ist logisch. Ich möchte aber eine <strong>Sicherheit im Kind</strong>, dass es Alternativen <strong>selbst</strong> hat und darüber frei entscheiden kann. Das will ich installieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zielbild: Selbstständigkeit im Üben</h2>



<p><strong>Ich finde, das ist auch die große Herausforderung – oder für mich das große Ziel im Unterrichten, unabhängig davon, ob das Kinder sind, Erwachsene oder auch das eigene Üben: die Befähigung, dass man sich selbst mit Musik beschäftigen kann. Das sollte das Ziel sein. Niemand möchte ein Leben lang beim gleichen Lehrer bleiben und davon abhängig sein, dass der Lehrer immer erzählt, wie man ein Stück vorbereitet und übt.</strong></p>



<p><strong>Im besten Fall lernt man im Musikunterricht Methoden kennen – wie die heißen, ist am Ende nicht so wichtig – und schafft sich eine Methodenroute, ein Methodennavi, einen Werkzeugkoffer; nennen kann man es, wie man möchte. Entscheidend ist: Man ist befähigt, sich mit Musik zu beschäftigen, weiß, wie man auf Herausforderungen reagiert, sieht darin keine Überforderung, sondern eine Chance zu wachsen und sich zu entwickeln. Das finde ich schön.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Auswärtsspiel &amp; Heimspiel: Passagen variantenreich erschließen</h2>



<p><strong>Ich möchte konkret auf eine Sache eingehen, die Sie vorher auch vorgespielt haben und die ich sehr schön fand, weil sie eine spielerische und wichtige Form variantenreichen Übens ist: dieses Auswärtsspiel, zurück zum Heimspiel. Man nimmt bestimmte Passagen und spielt sie auf anderen Saiten, transponiert – das müssen keine Oktaven sein, es kann auch eine halbe Lage höher oder tiefer sein. Man beschäftigt sich damit gedanklich neu und motorisch; diese Sinne sind bei Ihnen wichtig. Dann sind Saiten plötzlich schwerer zu drücken, es entstehen andere Herausforderungen, Blaswiderstände sind anders bei Blasinstrumenten, am Klavier ändern sich Fingersätze: wieder eine motorische Komponente. So kann man mit vielen Tools vier Takte intensiv bearbeiten, richtig?</strong></p>



<p>Ja, genau. Aber ich habe allein – unsere Aufnahme war fast fünf Minuten – und wir haben nur kurz gezeigt, wie das funktioniert. Wenn man das zu Hause macht, ist man locker eine Viertelstunde beschäftigt, ohne die Zeit <em>in den Fokus zu drücken</em>. Man merkt schnell, wie sich die Zeit dehnt – wie ich es vorher beschrieben habe. Das bereitet Freude, weil man sieht, man hat Erfolg mit den Maßnahmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zeitdehnung praktisch: Micro-Sessions aufbauen</h2>



<p>Ich würde Schülerinnen und Schüler am Anfang verblüffen und mit der Bitte starten, zunächst <strong>nicht länger als fünf Minuten</strong> zu üben – damit ein Zeitgefühl entsteht: <em>Was kann ich in fünf Minuten schaffen?</em></p>



<p>Der Elefant im Raum ist oft unausgesprochen: Kinder haben heute häufig keine Zeit. Um sie wieder heranzuführen, können wir fragen: <em>Was findest du jetzt wichtiger?</em> Oder wir dehnen aus – <strong>Zeitdehnung</strong>, indem wir sagen: <em>Versuche nur fünf Minuten am Tag zu üben; nächste Woche sechs Minuten und verbinde zwei Methoden. Bei sieben oder acht Minuten sind es drei Methoden.</em></p>



<p>Wichtig ist ein <strong>realistisches, kleines Ziel</strong>, das präsentiert werden kann – nicht der pauschale Anspruch „sauberer spielen“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sprache formt Handeln: Vom Fehlerlabel zur Handlungssprache</h2>



<p>Das <strong>Wording</strong> ist wichtig – auch für den Unterricht. In meinen Workshops zum Buch trainieren wir konkret, wie wir Sätze wie „zu tief“, „zu schnell“ oder „zu langsam“ vermeiden. Das reine Wiederholen des Fehlers sitzt bei vielen tief und erfordert Training – <strong>mit</strong> dem Kind.</p>



<p>Es ist nicht nur eine Aufgabe für den Geigenunterricht, sondern grundsätzlich <strong>lebens­eröffnend</strong>, wenn es gelingt, das Ziel <strong>mit Worten</strong> ins Auge zu fassen und <strong>handlungsfähig</strong> zu werden. Dazu gehört, im Unterricht die Passagen auszusparen, in denen man ständig wiederholt, was schieflief, und Wörter wie <strong>„immer“</strong> und <strong>„nie“</strong> zu streichen. Lieber testen: <em>Wie oft geht es wirklich schief?</em> – und <strong>messen</strong>.</p>



<p>Häufiger mit <strong>Aufnahmen</strong> arbeiten: den Schüler im Unterricht aufnehmen, zeigen, wie viel Spaß das machen kann. Auf <strong>Soundcorsett</strong> kann man teilen, per WhatsApp weitergeben. Man kann auch den <strong>Tonraum</strong> mitgeben: <em>Hier sind die ersten fünf Töne von Cis-Moll; dazu kannst du deinen Kanon in Schleife machen und mitschicken.</em> Wenn der Schüler möchte, schickt er es sogar <strong>vorab</strong> zurück.</p>



<p><strong>Ich hoffe, Soundcorsett sponsert jetzt die Folge, nachdem wir es so oft erwähnt haben. Mal schauen, was sich machen lässt.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Achtsamkeitsbasiertes Üben</h2>



<p><strong>Wir sind jetzt auf einer Metaebene: Die Methoden haben wir vorgestellt und exemplarisch erklärt. Sie haben bereits die erste Metaebene angesprochen. Ich würde noch einmal an den Anfang gehen – zum achtsamen bzw. achtsamkeitsbasierten Üben. Sie nannten vorhin die Zeitausdehnung und in Ihrem Buch außerdem: möglichst viele Sinne ansprechen und den wertfreien Aspekt. Vor allem der wertfreie Aspekt interessiert mich. Die ersten zwei sind greifbar und vermutlich leichter umzusetzen.</strong></p>



<p>Wobei ich da einhaken möchte. Wir arbeiten oft mit dem Begriff <strong>sinnvoll</strong>. Ich würde auch hier über den <strong>Fokus</strong> nachdenken: <em>Wie gelingt es dem Kind, einen Sinn bewusst auszuschalten?</em> Einen Sinn <strong>einschalten</strong> – dass noch einer dazukommt – ist die eine Bewegung; die andere ist <strong>ausschalten</strong>. Also <strong>blind spielen</strong>. Oder einen Sinn <strong>an die Seite</strong> eines anderen stellen: Wenn ich mir ein intensiveres Sehen vorstelle, indem ich „beim Sehen einatme“. Oder den <strong>Hörvorgang</strong> als <strong>Einatmen</strong> begreifen.</p>



<p>Dann macht das Kind die Augen zu; beim Öffnen stellt es sich vor, es „trinkt“ das, was es sieht. So entstehen <strong>Verbindungen zwischen Sinnen</strong>. Das übe ich in der Methode <strong>Supervision</strong> – eine der fünf Basismethoden am Anfang.</p>



<p>Ablauf: erst <strong>Optik</strong> (Noten sehen), dann <strong>Hören</strong> bewusst hineinnehmen; anschließend <strong>Noten weg</strong> – blind spielen, nur hören; dann kommt das <strong>Haptische</strong>; ich kann <strong>olfaktorische</strong> Eindrücke (Geruchssinn) und den <strong>Tastsinn</strong> hereinnehmen, erspüren, wie die Passage funktioniert. Danach gehe ich wieder heraus und <strong>stelle mir vor</strong>, wie das Stück klingen soll; dann <strong>öffne</strong> ich wieder die Augen.</p>



<p>Diese Methode wird in <strong>fünf Einzelschritte</strong> aufgeteilt – wie ein <strong>Bodyscan</strong>. Damit halte ich ein Werkzeug, um problematische Stellen gezielt zu bearbeiten. Wenn wir dem Kind klarmachen, <strong>wo</strong> die Hürde liegt – <strong>welcher Parameter</strong> Fragezeichen macht –, erleben Kinder Unterricht <strong>auf Augenhöhe</strong>, nicht nach dem Motto „Augen zu und durch“. Hoffnungsträger reichen nicht; sonst bleiben <strong>Elefanten</strong> im Raum. Da schließt sich der Kreis: die Befähigung, unabhängig vom Alter, sich selbst beim Spielen zu <strong>befähigen</strong> – zu wissen, <strong>was</strong> gefragt ist und <strong>was</strong> man erreichen möchte.</p>



<p><strong>Das war eine wichtige Ergänzung – vielen Dank.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wertfreiheit präzisiert: Sowohl-als-auch statt Entweder-oder</h2>



<p><strong>Wenn wir auf das „Wertfrei im Üben“ eingehen: Wie gelingt das? Wertfrei heißt nicht, dass ich keine Werte habe, sondern Werte nebeneinander bestehen lasse.</strong></p>



<p>Das gelingt <strong>sprachlich</strong>, indem ich statt <strong>entweder–oder</strong> mit dem Kind <strong>sowohl–als–auch</strong> trainiere – sprachlich wie methodisch. Ich behaupte nicht „Es geht nur in dieser Reihenfolge, wir müssen uns entscheiden“, sondern: <em>Wir könnten es so machen – probiere das aus.</em></p>



<p>So nehme ich <strong>Wertung</strong> heraus: Ich sage nicht „Das ist wichtiger als…“. Wertfrei über Musik zu sprechen heißt, <strong>Negativbewertungen</strong> zu vermeiden („dauernd zu hoch“, „immer derselbe Fehler“). Wir trainieren das nicht nur <strong>bei uns</strong>, sondern <strong>mit</strong> dem Kind: das <strong>Sprachvermögen</strong> ausbauen, in allen Lebensbereichen <strong>Werte herausnehmen</strong>, damit sie Stellen nicht zur <strong>Baustelle</strong> machen und negative Erlebnisse erzeugen. Wertfreiheit meint also nicht, <strong>keine Werte</strong> zu haben, sondern sie <strong>bewusst an die Seite</strong> der Passage zu stellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Selbstüben ohne Selbstabwertung</h2>



<p><strong>Was ist, wenn wir den Unterricht mit Kindern verlassen und auf unser eigenes Üben schauen – und dort wertfrei mit uns interagieren möchten? Ich frage bewusst provokant: Wenn ich beim Üben höre, ich war zu tief oder zu hoch – also die Intonation war nicht perfekt –, werte ich gedanklich bereits. Wäre das dann ein Aspekt des achtsamkeitsbasierten Übens, der nicht gelungen ist? Welche bessere Herangehensweise empfehlen Sie, um beim eigenen Üben wertfrei zu bleiben?</strong></p>



<p><strong>Wie kann ich höher spielen?</strong> – Wenn der Spitzenton des Trompeters, das c‴, noch nicht funktioniert, benennt das Kind mit „zu tief“ oder „komme nicht hoch genug“ nur <strong>negative Barrieren</strong>. Frage ich direkt: <em>Wie kann ich…? Was muss ich tun, damit…?</em> – dann entsteht <strong>Handlungssprache</strong> statt Fehlerlabel. Das gilt <strong>über</strong> die Musik hinaus.</p>



<p><strong>Es geht also um ein proaktives Wording, das ins Tun führt – nicht um das erneute Benennen des Fehlers. Das ist Ihr Punkt.</strong></p>



<p>Ganz genau.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Trainingsarchitektur: Zirkeltraining</h2>



<p><strong>Okay, das war wichtig. Jetzt ist das Ganze ja so aufgebaut – ich glaube, der Begriff Zirkeltraining kommt sogar von Ihnen; das fand ich schön, wobei Zirkeltraining bei mir negative Assoziationen von Frühsport hat.</strong></p>



<p>Vermutlich – bei mir übrigens auch. Ich erinnere mich an den <strong>Barren</strong>, über den man sich drüberschwingen muss.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Sportbild zum methodischen Wechsel</h2>



<p><strong>Bei mir ist es Kugelstoßen.</strong></p>



<p>Aha. Auf jeden Fall: Man weiß sehr genau den Punkt, an dem man Schiss hatte – auf Deutsch gesagt. Und wie kann ich den ausbauen? Und darüber mit dem Kind reden: <em>Welches Zirkeltraining würdest du gerne aufbauen?</em> Wenn dann immer eine Übung weggelassen wird, kann man besprechen, warum das der Fall ist.</p>



<p><strong>Ich finde diesen Begriff sehr schön. Und die Analogie mit dem Sport passt. Die Verknüpfung von Sport und Musik ist nicht neu. Würden Sie sagen, dass sich die Musik noch viel mehr vom Sport abgucken sollte – vor allem beim methodenbasierten Üben oder Trainieren? Das Wort Training sagt ja schon: Da wird an einer bestimmten Sache gezogen, ein Gegenstand in eine Richtung gebracht, während Üben pauschaler klingt. Der Trainingsalltag im Sport ist durch häufigen, regelmäßigen Methodenwechsel geprägt. Diese Anstrengung wird nicht als lästig, sondern als Herausforderung wahrgenommen. Wie schaffen wir es, bei Musikerinnen und Musikern diese Anstrengungsnotwendigkeit zu installieren? Man kann nicht einfach sagen: „Streng dich mal an.“ Wie fordern wir so, dass man zum Beispiel gegen die Uhr spielt – möglichst viele Töne oder Takte in einer bestimmten Zeit? Wenn der Anreiz fehlt, könnte man eine Zeituhr aufstellen – über Soundkorsett möglich. Mir ist wichtig, dass Kinder wissen, wie diese Übungen heißen und davon erzählen. Im Sport hat man oft eineinhalb Stunden Training – so lange arbeiten die wenigsten Studierenden. Es geht um zehn Minuten oder eine halbe Stunde, je nach Alter. Ich behaupte: Ein Ablauf in bewährter Reihenfolge wird attraktiv, sobald die Begriffe emotional werden – „meine Methode“, vielleicht sogar selbst benannt.</strong></p>



<p>Das Wort <strong>Training</strong> sagt schon, dass etwas <strong>ausgerichtet</strong> wird. Im Sport ist der Wechsel von Methoden normal – und die Anstrengung wird als Herausforderung erlebt. In der Musik will ich <strong>Anstrengungsnotwendigkeit</strong> installieren, aber nicht über Appelle. Also <strong>gegen die Uhr</strong> spielen: möglichst viele Töne/Takte in begrenzter Zeit. Wenn der Anreiz fehlt: eine <strong>Zeituhr</strong> hinstellen – ja, <strong>Soundkorsett</strong> kann das. Und ich möchte, dass Kinder wissen, <strong>wie</strong> die Übungen heißen, und es <strong>erzählen</strong>. Es geht nicht um 90 Minuten, sondern um <strong>10–30 Minuten</strong> sinnvoll gefüllter Zeit. Ein <strong>bewährter Ablauf</strong> wird dann „ihr Ding“ – besonders, wenn sie Methoden <strong>selbst benennen</strong>: Nicht „Slow Motion“, sondern ihr eigener Begriff.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gruppendynamik, Überschneidungsraum &amp; „Auftritt!“</h2>



<p><strong>Kommt die Faszination am Sport nicht vor allem von der Gruppendynamik und der sozialen Komponente? Kinder und Erwachsene gehen gern zur Vereins- oder Bandprobe – zwei Stunden Musik: trainieren, üben, proben. Schielen wir als Musiker so gern zum Sport, weil dort das Methodenverständnis ausgeprägter ist? Im Weitsprung käme niemand auf die Idee, den ganzen Tag nur Weitsprung zu üben – man seziert die Bewegung, perfektioniert Teile und baut sie zusammen. In der Musik neigt man eher dazu, „auf Teufel komm raus“ zu üben – mit falschem Ehrgeiz, immer am Gleichen, ohne das Problem zu erkennen und das richtige Werkzeug zu wählen. Ist das nicht der Knackpunkt?</strong></p>



<p>Zur <strong>Gruppe</strong> zurück: Wir sollten <strong>Gruppensituationen</strong> so oft wie möglich herstellen. Auch im <strong>Einzelunterricht</strong> öffne ich den <strong>Überschneidungsraum</strong> als Ermöglichungsraum: <em>Bitte komm fünf Minuten früher, du bleibst fünf Minuten länger.</em> So entsteht Zusammenspiel – es muss kein gemeinsames Stück sein; eine <strong>Kanon-Übung</strong> reicht. Sofort entsteht eine andere Dynamik fürs <strong>Eigentraining</strong>, die <strong>Angst</strong> vor dem nächsten <strong>Auftritt</strong> sinkt. Meine letzte Methode heißt <strong>„Auftritt!“</strong> – mit Ausrufezeichen. Den <strong>Stress</strong> rufe ich <strong>vorher</strong> auf: alle Baustellen, alle Ausreden („zu schnell“, „zu dunkel“, „zu heiß“) werden <strong>trainiert</strong>. Überliefert ist, dass <strong>Pablo Casals</strong> mit <strong>nassen Fingern</strong> geübt hat, weil er schwitzte.</p>



<p>Ich sehe große Möglichkeiten, beidseitig zu profitieren – in der <strong>Lehrer–Schüler-Beziehung</strong> und im <strong>eigenen Üben</strong>. Begriffe werden vertraut, und man fragt sich: <em>Welche Methode habe ich lange nicht ausprobiert?</em> Je nach Tagesform umkreist man das <strong>Standbild</strong> von einer anderen Seite. Mein Wunsch: ein <strong>Schlüsselbund</strong>, bei dem das Kind in jeder Stunde <strong>einen Schlüssel</strong> mehr bekommt, um <strong>selbst</strong> aufzuschließen. Nicht, weil die Lehrkraft sagt: „Wichtige Methode“, sondern weil sie <strong>entlastet</strong>: etwas <strong>rauswerfen</strong>, um sich <strong>konzentrieren</strong> zu können.</p>



<p><strong>Ich hätte, um den Themenkomplex Üben abzuschließen, noch eine Frage zu Ihrem Üben und Ihrem Verhältnis zum Instrument. In meinem Podcast dürfen vorherige Gäste, ohne zu wissen, wer kommt, eine Frage stellen. Die Singer-Songwriterin Winter hat gefragt: Wie war die Beziehung zwischen der Geige und dem Instrument?</strong></p>



<p>Ich habe als Sechsjähriger mit der <strong>Geige</strong> angefangen. Sie war etwas <strong>Empfindliches</strong>: Man musste unglaublich gut aufpassen, keine Kratzer, Bogen richtig spannen. Das erzeugte <strong>Distanz</strong>. Keine gute Voraussetzung, ein Instrument heiß und innig zu lieben.</p>



<p>Heute ist die Beziehung intensiv, weil ich gezielt herangehe: <strong>Wo sind die Stärken?</strong> – bestimmte Saite, bestimmte Lage. Und ich weiß: <strong>Jede Geige</strong>, auch eine <strong>Stradivari</strong>, hat klare <strong>Schwächen</strong> – einen Ton mit eigener Resonanz. Nicht beklagen: <em>„Das geht da oben nicht“</em>, sondern fragen: <strong>Wie</strong> kann ich es <strong>dort</strong> machen? Wie bereite ich mich vor, damit ich mich <strong>wohlfühle</strong>? Also wieder <strong>Problemlösung</strong>, nicht <strong>Problembennenung</strong>. Ich habe das Instrument <strong>kennengelernt</strong>, indem ich es <strong>ausgereizt</strong> habe – täglich.</p>



<p><strong>Das Ausreizen hat dazu geführt, dass aus der distanzierten Beziehung Liebe wurde.</strong></p>



<p>Genau – und zu sehen: <strong>Alte Instrumente</strong> haben <strong>Katschen</strong>; die gehören zum Leben.</p>



<p><strong>Was heißt Ausreizen?</strong> Nicht an <strong>Grenzen</strong> denken, sondern <strong>einen Schritt weiter</strong> gehen. Gern <strong>kurze Aufnahmen</strong> machen, kontrollieren, dass ich einen Ton nicht zerdrücke oder einen Säusler nicht zu leise gestalte. Wie im Zusammenleben mit Menschen: <strong>gegenseitig verstärken</strong>. Mein Bild vom <strong>Training</strong>: <strong>Meine Ressourcen</strong> und die <strong>Ressourcen der Musik</strong> verstärken sich gegenseitig – so begegne ich dem Instrument.</p>



<p><strong>Das ist ein schönes Bild. Zum Abschluss zwei Fragen, die ich allen Gästen stelle: Was lernen oder üben Sie gerade, was Sie noch nicht so gut können – gern auch nicht-musikalisch?</strong></p>



<p>Im Grunde die <strong>drei letzten Methoden</strong>, die in meinem Unterricht zu selten vorkamen: <strong>Vom-Blatt-Spiel</strong>, <strong>Improvisation</strong> und <strong>Filmmusik</strong>. Da kommt <strong>Fantasie</strong> hinein, und ich wage <strong>eigene Improvisationen</strong> – nicht pauschal „Denk dir was aus“, sondern <strong>angeleitet</strong>. Schrittweise: <strong>Gegensätze</strong> – <em>schwarz/weiß</em>, <em>in Erinnerung an blau</em>, <em>salzig/süß</em>. Also mit Gegensätzen <strong>in einem Sinneszusammenhang</strong> arbeiten – den <strong>passenden Sinn</strong> treffen, der für das Kind gerade vorne ist, und darüber <strong>Zwischentöne</strong> einführen.</p>



<p><strong>Und wenn Sie an Ihr jüngeres Ich als Erstsemester Musik denken: Welchen Tipp würden Sie heute geben?</strong></p>



<p><strong>Breit aufstellen.</strong> Wagen, etwas <strong>Neues</strong> zu beginnen – ich habe erst jetzt mit dem <strong>Akkordeon</strong> angefangen. <strong>Gitarre</strong>, <strong>Schlagzeug</strong> – kurz hineingehen, Wochen, Monate, ein Semester. <strong>Verschiedene Stile</strong> probieren, <strong>Vielfalt zulassen</strong>. Studierende fürchten oft, sich zu <strong>verzetteln</strong>. Aber die <strong>Ressource</strong> entsteht durch <strong>Breite</strong>, die ich am Hauptinstrument <strong>anwende</strong>: Klangerfahrungen und Literatur kommen dort <strong>direkt</strong> zugute.</p>



<p><strong>Also: Offenheit – den Horizont weit halten.</strong></p>



<p><strong>Offenheit</strong> und den <strong>Horizont weit</strong> halten. Wir haben im täglichen Training einen <strong>kleinen Ausschnitt</strong>. Gleichzeitig strömt <strong>zweidimensionale Vielfalt</strong> über Medien auf uns ein. <strong>Tiefe</strong> entsteht nicht durch noch mehr Vielfalt, sondern durch <strong>Begreifen</strong> – <strong>Tun</strong>. <em>Begreifen</em> heißt: <strong>Instrument in die Hand</strong>. Dann merke ich, wie <strong>heikel</strong> die Gitarre aus Geigersicht ist oder <strong>wie viele Tasten</strong> ein Klavier hat. Das führt zu <strong>neuer Demut</strong> am eigenen Instrument.</p>
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		<title>Buchtipp: Methoden-Navi</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 09:05:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Must Read]]></category>
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					<description><![CDATA[18 Methoden für mehr Selbstwirksamkeit im eigenen Üben Das 2023 bei Schott Music erschienene Buch „Methoden-Navi“ von Ulrich Menke ist ein wahres Schatzkästchen für alle, die nach inspirierenden und kombinierbaren Methoden für ihr Üben suchen. Ob Instrumentalpädagog*in oder (Hobby-)Musiker*in – dieses Buch bietet eine praxisnahe, methodisch durchdachte Orientierung für das eigene Üben. Wenn du das&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/must-read/buchtipp-methoden-navi-menke/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Buchtipp: Methoden-Navi</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"><strong>18 Methoden für mehr Selbstwirksamkeit im eigenen Üben</strong></h2>



<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d23fb8b4fa2e46639fb8427e0e3907f6" width="1" height="1" alt="">



<p>Das 2023 bei Schott Music erschienene Buch <strong>„Methoden-Navi“</strong> von Ulrich Menke ist ein wahres Schatzkästchen für alle, die nach inspirierenden und kombinierbaren Methoden für ihr Üben suchen. Ob Instrumentalpädagog*in<em> </em>oder (Hobby-)Musiker*in – dieses Buch bietet eine praxisnahe, methodisch durchdachte Orientierung für das eigene Üben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://www.stretta-music.de/menke-das-methoden-navi-nr-1558700.html?afl=c4ec0bd3df06caaeac72f2d973b30bae"><img loading="lazy" decoding="async" width="459" height="648" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/10/methoden-navi.jpg" alt="" class="wp-image-7323" style="width:300px"/></a></figure>
</div>


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</div>



<p style="font-size:8px">Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision (ca. 10%) – für dich bleibt der Preis gleich. Du unterstützt damit direkt meine Arbeit. Vielen Dank dafür! <br></p>



<div style="height:25px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein Überblick: Was das „Methoden-Navi“ auszeichnet</strong></h2>



<p>Ulrich Menke stellt in seinem Buch <strong>18 praxisnahe Übe-Methoden</strong> vor, die sich <strong>direkt im Unterricht oder beim eigenen Üben anwenden lassen</strong>. Das Besondere daran: Diese Methoden sind <strong>modular gedacht</strong> – sie lassen sich <strong>kombinieren und zu individuellen Routen</strong> zusammenstellen.</p>



<p>Wer also schon einmal das Gefühl hatte, beim Üben auf der Stelle zu treten oder nicht genau zu wissen, wie er oder sie eine Passage weiter vertiefen kann, findet hier wertvolle Impulse. Menkes Ansatz macht das Üben <strong>variantenreicher, kreativer und bewusster</strong> – ohne sich im Theoretischen zu verlieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Selbstermächtigung und Selbstwirksamkeit: Lernen, das Verantwortung überträgt</strong></h3>



<p>Ein zentraler Gedanke des Buches ist die <strong>Selbstermächtigung</strong> der Lernenden. Menke versteht Üben nicht als mechanisches Wiederholen, sondern als <strong>bewussten, reflektierten Prozess</strong>, in dem Lernende selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung für ihren Fortschritt übernehmen.</p>



<p>Dieser Gedanke ist insbesondere in der <strong>instrumentalpädagogischen Arbeit</strong> entscheidend: Wer Selbstwirksamkeit erlebt, übt nachhaltiger, motivierter und mit mehr Freude.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Anknüpfungspunkte zu Differenziellem Lernen und Rotierender Aufmerksamkeit</strong></h3>



<p>Das<strong> „Methoden-Navi“</strong> knüpft an moderne lernpsychologische, bewegungswissenschaftliche und musikpädagogische Konzepte an – etwa an das <a href="https://what-is-practice.de/aus-der-wissenschaft/differenzielles-lernen-in-der-musik/" data-type="post" data-id="6576"><strong>Differenzielle Lernen</strong> </a>(von Wolfgang Schöllhorn, der auch bereits Gast im Podcast <em>„Wie übt eigentlich..?“</em> war) oder an die <strong>Rotierende Aufmerksamkeit</strong> nach Gerhard Mantel.</p>



<p>Menke gelingt es, diese theoretischen Grundlagen <strong>praxisnah zu übersetzen</strong>: Statt trockener Theorie liefert er <strong>konkrete Handlungsanleitungen</strong> und <strong>lebendige Übeszenarien</strong>, die Lehrende und Lernende sofort umsetzen können.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="510" height="57" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png" alt="Rastergrafik" class="wp-image-4353" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png 510w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-300x34.png 300w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-260x29.png 260w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-50x6.png 50w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-150x17.png 150w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-500x57.png 500w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-190x21.png 190w" sizes="auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px" /></figure>
</div>


<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="420" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/04/10-uebe-gebote_web.jpg" alt="Ein Poster mit dem Titel „MEINE 10 ÜBE-GEBOTE“. Darunter folgen zehn Tipps für effektives Üben eines Musikinstruments, nummeriert von 1 bis 10. Die Tipps beinhalten Empfehlungen wie geduldig mit sich selbst zu sein, ausreichend Pausen zu machen, auf Klangdetails zu achten, Wiederholungen zu reduzieren, Klang und Technik zu verbinden, Übezeiten zu planen, Aufnahmen zur Kontrolle zu nutzen, langsam zu üben, auf eine entspannte Körperhaltung zu achten und Erfolge bewusst wahrzunehmen. Am unteren Rand befinden sich das Logo von &quot;whipr.&quot; und ein QR-Code." class="wp-image-6976"/></figure>
</div>



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<div style="height:15px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:53px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Achtsamkeit und Wahrnehmung: </strong></h2>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Angedeutet, aber nicht vertieft</strong></h3>



<p>Der Aspekt der <strong>Achtsamkeit beim Üben</strong> wird zu Beginn des Buches thematisiert und in einigen Methoden wieder aufgegriffen. Für die selbst definierte Zielgruppe – also vor allem Instrumentalpädagog*innen – ist das sinnvoll und ausreichend, da der Fokus klar auf den <strong>methodischen Werkzeugen</strong> liegt.</p>



<p>Aus Sicht <strong>aktiver Musiker*innen</strong> hätte ich mir allerdings gewünscht, dass Menke den <strong>achtsamkeitsbasierten Ansatz</strong> noch stärker vertieft. Gerade im Hinblick auf Flow-Erleben, Körperwahrnehmung und mentale Vorbereitung wäre hier noch viel Potenzial.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Diskussion: Üben oder Trainieren?</strong></h2>



<p>Ulrich Menke argumentiert, dass der Begriff „<em>Üben</em>“ häufig negativ konnotiert sei – als etwas Mühsames, Rückwärtsgewandtes, ein „Zwangsläufigkeit aus dem Scheitern“ (S. 151). Stattdessen schlägt er vor, stärker von „<em>Trainieren</em>“ zu sprechen.</p>



<p>Aus meiner Perspektive als Musiker und Pädagoge sehe ich das differenzierter: In meinem Podcast <em>„Wie übt eigentlich..?“</em> zeigen viele Gäste, dass Üben auch <strong>lustvoll, kreativ und proaktiv</strong> erlebt werden kann. Dennoch kann ich Menkes Ansatz nachvollziehen: Sprachlich und psychologisch kann eine Umdeutung helfen, neue Denk- und Handlungsmuster anzustoßen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>&#8222;Üben heißt für mich freudig forschen.&#8220;</em> <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-uebt-eigentlich-prof-dr-eckart-altenmueller/" data-type="post" data-id="4951">Eckart Altenmüller</a></strong></p>



<div style="height:8px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><em>&#8222;Üben heißt für mich experimentieren.&#8220;</em> <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-uebt-eigentlich-prof-dr-eckart-altenmueller/" data-type="post" data-id="4951">Tabea Zimmermann</a></strong></p>



<div style="height:8px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><em>&#8222;Üben heißt für mich Meditieren, Präsenz trainieren, lernen.&#8220;</em> <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/zuhoren-als-schlussel-beim-ueben-nik-baertsch/" data-type="post" data-id="6672">Nik Bärtsch</a></strong></p>



<div style="height:8px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><em>&#8222;Üben heißt für mich die Musik und mich umfassend erforschen.&#8220;</em> <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/fehlermanagement-aus-fehlern-lernen-silke-kruse-weber/" data-type="post" data-id="6200">Silke Kruse-Weber</a></strong></p>



<div style="height:8px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><em>&#8222;Üben heißt für mich, <em>mich sehr konzentriert auf eine Sache vorbereiten.</em>.&#8220;</em> <strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/fehlermanagement-aus-fehlern-lernen-silke-kruse-weber/" data-type="post" data-id="6200">Annemarie Gäbler</a></strong></p>



<div style="height:8px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>
</blockquote>



<div class="wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-16018d1d wp-block-buttons-is-layout-flex">
<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link wp-element-button" href="https://what-is-practice.de/category/wie-uebt-eigentlich/">Alle Interviews von &#8222;Wie übt eigentlich..?&#8220; entdecken</a></div>
</div>



<div style="height:43px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Letztlich bietet das <em>„Methoden-Navi“</em> genau dafür das richtige Werkzeug – <strong>egal ob man übt oder trainiert</strong>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein methodisches Kompassbuch für Unterricht und Selbststudium</strong></h2>



<p>Das <em>„Methoden-Navi“</em> ist ein <strong>Methoden-Kompendium und Inspirationsquelle zugleich</strong>. Es hilft, das eigene Üben gezielter, bewusster und flexibler zu gestalten – und fördert gleichzeitig eine Kultur der Selbstwirksamkeit im Musiklernen.</p>



<p>Wer Üben neu denken und methodisch klug strukturieren möchte, findet in diesem Buch eine wertvolle Begleitung</p>



<div style="height:42px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Auf einen Blick</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.stretta-music.de/menke-das-methoden-navi-nr-1558700.html?afl=c4ec0bd3df06caaeac72f2d973b30bae"><img loading="lazy" decoding="async" width="459" height="648" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/10/methoden-navi.jpg" alt="" class="wp-image-7323"/></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h3 class="wp-block-heading">Methoden-Navi</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Ulrich Menke</h4>



<p><strong>Sprache:</strong> Deutsch<br><strong>Verlag:</strong> Schott Music<br><strong>Umfang:</strong> 192 Seiten<br><strong>Für wen:</strong> Insbesondere für Musizierende zum selbst üben &#8211; ebenso für Instrumental- &amp; Musikpädagog*innen als Materialerweiterung geeignet<br><strong>Sonstiges:</strong> &#8211;</p>



<div class="wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex">
<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link wp-element-button" href="https://www.stretta-music.de/menke-das-methoden-navi-nr-1558700.html?afl=c4ec0bd3df06caaeac72f2d973b30bae">Das Methoden-Navi bei Stretta Music ansehen</a></div>
</div>
</div>
</div>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie findet man die richtigen Worte, Vinter?</title>
		<link>https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-findet-man-die-richtigen-worte-vinter/</link>
					<comments>https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-findet-man-die-richtigen-worte-vinter/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 10:06:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wie übt eigentlich..?]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://what-is-practice.de/?p=7289</guid>

					<description><![CDATA[Songwriting lernen heißt, Geschichten in Musik zu verwandeln. Doch wie findet man Inspiration, wie geht man mit Schreibblockaden um – und was bedeutet „Üben“ eigentlich im kreativen Prozess? Im Interview mit Singer-Songwriterin VINTER sprechen wir über ihre Methoden, mit denen sie Texte entwickelt, Melodien formt und aus Literatur Songs entstehen lässt. Dabei geht es um&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/wie-findet-man-die-richtigen-worte-vinter/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Wie findet man die richtigen Worte, Vinter?</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/1ea46c22e22040b7b79b5c90ba0705ee" width="1" height="1" alt="">



<p><strong>Songwriting lernen heißt, Geschichten in Musik zu verwandeln.</strong> Doch wie findet man Inspiration, wie geht man mit Schreibblockaden um – und was bedeutet „Üben“ eigentlich im kreativen Prozess? Im Interview mit <strong>Singer-Songwriterin VINTER</strong> sprechen wir über ihre Methoden, mit denen sie Texte entwickelt, Melodien formt und aus Literatur Songs entstehen lässt.</p>



<p>Dabei geht es um zentrale Fragen, die sich viele Musiker*innen stellen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Woher kommt die Inspiration für Songtexte?</li>



<li>Wie helfen <strong>Langeweile und Tagträumen</strong>, um kreativ zu werden?</li>



<li>Welche Tools und Übungen fördern den Schreibfluss beim Songwriting?</li>



<li>Wie kann man <strong>exploratives Lernen</strong> im Songwriting bewusst einsetzen?</li>
</ul>



<p>VINTERs Erfahrungen zeigen: Songwriting ist gleichermaßen <strong>Handwerk und Magie</strong>. Zwischen Struktur und Spontaneität, zwischen Arbeit und Flow. Dieses Gespräch liefert nicht nur Einblicke in den Alltag einer Musikerin, sondern auch <strong>praktische Tipps für alle, die ihre eigenen Songs schreiben wollen</strong> – egal ob Anfänger*in oder fortgeschritten.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/Vinter1.jpg" alt="" class="wp-image-7295"/></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/Vinter2.jpg" alt="" class="wp-image-7296"/></figure>
</div>
</div>



<div style="height:47px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<div style="height:47px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<h2 class="wp-block-heading">Das Interview mit VINTER</h2>



<p><strong>Die erste Frage, mit der es immer losgeht, lautet: Vervollständige folgenden Satz: Üben heißt für dich?</strong></p>



<p>Arbeit.</p>



<p><strong>Nur Arbeit?</strong></p>



<p>Ich verbinde mit dem Wort Üben schon eher Arbeit, ja. Es geht da für mich über den Begriff hinaus. Also, Üben ist nicht immer Arbeit, aber wenn ich sage „ich übe jetzt“, dann ist es für mich schon Arbeit.</p>



<p><strong>Und ist das positiv oder negativ besetzt?</strong></p>



<p>Teils, teils. Es kann schöne Arbeit sein, wenn man weiß, woraufhin man arbeitet oder ein Ziel vor Augen hat und Fortschritte merkt. Dann kann das Spaß machen. Aber es ist schon auch mit Anstrengung verbunden. Ich muss mich oft aufraffen, zu sagen: Okay, ich übe jetzt.</p>



<p><strong>Der berühmte innere Schweinehund.</strong></p>



<p>Genau, ja. Auf jeden Fall.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Musikalische Einflüsse und Lieblingsalben</h2>



<p><strong>Gibt es eine aktuelle Musik, Künstler*in oder ein Album, das bei dir in Dauerschleife läuft?</strong></p>



<p>Ja, tatsächlich viel. Billy Martin hat ein neues Album rausgebracht, das finde ich super schön. Und ich habe dieses Jahr überraschend viel das neue Album von Miley Cyrus gehört. Ich war nie ein großer Fan, aber das neue Album finde ich richtig cool.</p>



<p><strong>Und wenn du auf deine eigene musikalische Karriere schaust – gibt es ein Album oder eine Künstlerin, die dich stark geprägt hat?</strong></p>



<p>Auf jeden Fall Tina Dico. Eine dänische Singer-Songwriterin, die habe ich als Teenager entdeckt. Sie spielt Gitarre, singt, legt den Fokus stark auf Texte und Songwriting. Das hat mich total überzeugt. Da ich mir Gitarre selbst beigebracht habe, habe ich durch ihre Songs unglaublich viel gelernt. Ohne sie hätte ich das Gitarrenpicking wahrscheinlich nie so intensiv entdeckt.</p>



<p><strong>Das finde ich spannend. Vielleicht können wir später noch darauf eingehen, wie man beim Nachspielen von Vorbildern vorgeht.</strong></p>


<div class="wp-block-image">
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</div>


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<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Entweder-Oder-Fragen</h2>



<p><strong>Für alle, die dich noch nicht so gut kennen, habe ich ein paar Entweder-oder-Fragen. Du hast einen Joker, ansonsten bin ich gespannt, wie du antwortest.</strong></p>



<p><strong>Sommer oder Winter?</strong></p>



<p>Sommer. Der Name VINTER hat nichts mit der Jahreszeit zu tun. Sommer und Winter sind eigentlich meine unbeliebtesten Jahreszeiten, aber wenn ich mich entscheiden muss, dann Sommer.</p>



<p><strong>Nachteule oder Frühaufsteher?</strong></p>



<p>Nachteule. Leider.</p>



<p><strong>Kommen da die besten Songtextideen?</strong></p>



<p>Tatsächlich nicht. Nachts ist eher meine Zeit für mich. Ich bin produktiver am Nachmittag bis frühen Abend, wenn es ruhiger wird.</p>



<p><strong>Soloauftritt oder mit Band Konzerte spielen?</strong></p>



<p>Mit Band.</p>



<p><strong>Moll oder Dur?</strong></p>



<p>Moll.</p>



<p><strong>Alt oder neu?</strong></p>



<p>Alt.</p>



<p><strong>Paris oder Berlin?</strong></p>



<p>Paris – klingt für mich nach Urlaub.</p>



<p><strong>Die Frage ist nicht ohne Grund: Die Videos zu „Prolog“ und „Epilog“ sind in Paris gedreht, oder? Und in „In The Midday Sun“ sprichst du am Ende auf Französisch. Hat das eine Bedeutung?</strong></p>



<p>Ja, der Satz ist ein Zitat aus <strong><a href="https://amzn.to/46tTdHn">„Der kleine Prinz“.</a></strong> Wir wollten am Ende etwas Gesprochenes, und Französisch klang schöner als Deutsch oder Englisch. Da das Album auch Literaturbezug hat, hat es perfekt gepasst.</p>



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<div class="nv-iframe-embed"><iframe loading="lazy" title="VINTER - In The Midday Sun (Official Video)" width="1200" height="900" src="https://www.youtube.com/embed/OLyKdwEb6Ks?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>
</div></figure>



<div style="height:65px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Kannst du den Satz nochmal sagen?</strong></p>



<p>&nbsp;„Quand on est tellement triste, on aime les couches du solei.“</p>



<p><strong>Sehr schön, das passt wunderbar.Langeweile oder Trubel?</strong></p>



<p>Langeweile.</p>



<p><strong>Unterrichten oder Konzerte spielen?</strong></p>



<p>Konzerte spielen.</p>



<p><strong>Text oder Melodie?</strong></p>



<p>Text. Früher war mir das egal, heute hat es einen viel größeren Stellenwert für mich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erste Songwriting-Erfahrungen</h2>



<p><strong>Kannst du dich noch an den allerersten Song erinnern, den du geschrieben hast?</strong></p>



<p>Ja, er hieß „In This World“. Ich war zwölf oder dreizehn. Es ging darum, wie ungerecht die Welt ist – ein typischer Weltschmerz-Song.</p>



<p><strong>Und würdest du sagen, dass deine Herangehensweise ans Songwriting heute noch vergleichbar ist?</strong></p>



<p>Ich glaube schon, dass ich das Intuitive noch habe. Theorie war nie mein Ding, ich wollte immer nach Gehör arbeiten. Beim Songwriting versuche ich, mich nicht zu verkopfen, sondern zu schauen, was sich richtig anfühlt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Inspiration durch Literatur</h3>



<p><strong>Du hast vorhin schon angesprochen, dass dein aktuelles Album einen Literaturbezug hat. Wo findest du Inspiration für deine Songs?</strong></p>



<p>Dieses Mal tatsächlich in Büchern. Mein erstes Album war sehr persönlich. Jetzt fand ich es spannend, aus der Sicht von Charakteren zu schreiben, die mich inspiriert haben. Das hat viel Kreativität ausgelöst.</p>



<p><strong>Und wie gehst du dabei vor? Notierst du Zitate oder führst du ein Inspirationsbuch?</strong></p>



<p>Ja, so ähnlich. Ich schreibe mir Ideen auf – Melodie- oder Akkord-Schnipsel, Zitate, Charaktere. Dann greife ich sie später wieder auf. So entsteht ein Song oft aus kleinen Fragmenten, die ich weiterentwickle.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Notizen als Inspirationsquelle</h2>



<p><strong>Also, wie sammelst du deine Ideen für Texte?</strong></p>



<p>Ich hab auf jeden Fall auf dem Handy in der Notizen-App Seiten, wo ich Worte aufschreibe, die ich schön finde. Wenn mir Verse oder Sätze einfallen, die ich cool finde, schreibe ich die auf. So habe ich einen Pool an Sachen, aus dem ich etwas rauspicken kann. Die Bücher habe ich einfach gelesen und die Inspiration kam automatisch. Viele behandeln ähnliche Themen, vieles wiederholt sich. Es gibt nicht bei allen Songs eine direkte Verbindung zu einem Buch oder Charakter. Aber beim Lesen habe ich Themen gefunden, die mich interessiert haben, und dann darüber Songs geschrieben. Da geht’s viel um die Texte, musikalisch ist es nochmal eine andere Sache.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1985 – inspiriert von George Orwell</h2>



<p><strong>Kannst du ein Beispiel geben von einem Song, auf welchem Buch der beruht?</strong></p>



<p>Ja, „1985“ beruht tatsächlich auf <a href="https://amzn.to/4899nXU"><em>1984</em> von George Orwell</a>, ein Klassiker, den viele in der Schule lesen mussten. Ich tatsächlich nicht. Später habe ich gesagt: Das muss ich jetzt lesen. Ich mag dystopische Geschichten sehr gerne. Ich hatte gedacht, es wird langweilig, so eine typische Schullektüre. Aber ich war richtig begeistert, fand die Welt total spannend: dauerhaft kontrolliert, unfrei leben, keine freien Entscheidungen. Ich habe dann einen Song geschrieben über eine Liebesgeschichte in dieser Welt – aber ein Jahr später, deswegen „1985“. Ich glaube, das ist der Song, bei dem man die Inspiration aus etwas Dystopischem am stärksten hört.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Persönliches vs. Abstraktes Songwriting</h2>



<p><strong>Wenn du sagst, dass deine früheren Songs eher persönliche Geschichten waren und es jetzt abstrakter ist: Wie viel Nicola steckt aktuell in VINTER drin?</strong></p>



<p>Oh, große Frage. Natürlich total viel. Auch in erfundenen Geschichten gebe ich mit jeder Zeile Preis, wie ich denke und wie ich die Welt sehe. Alles, was ich schreibe, verrät viel über meine Ansichten und mein Verständnis. Da steckt ganz viel von mir drin. Aber es sind nicht mehr nur Songs, die zu 100 % auf eigenen Erfahrungen basieren. Irgendwann ist das eigene Leben auch ein Stück weit ausgeschöpft, wenn man nicht gerade ein wildes Leben führt. Viele schreiben über Dinge aus ihrem Umfeld, Geschichten von Freunden oder Beobachtungen. Oder eben über Erfahrungen aus Büchern. Für mich ging es bei diesem Album darum: Was löst etwas in mir aus?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterschiede im Schreibprozess</h2>



<p><strong>Gibt es Unterschiede, ob du persönliche Songs schreibst oder von Geschichten inspiriert wirst? Fällt dir eines leichter?</strong></p>



<p>Es ist anders, aber nicht unbedingt leichter oder schwieriger. Persönliche Songs müssen oft einfach raus. Man erlebt etwas und nutzt Songwriting wie ein Ventil. Danach geht es einem oft besser. Songs, die auf Geschichten basieren, entstehen anders. Da nehme ich mir die Zeit, eine Welt auszudenken. Das ist fast wie Tagträumen, was ich sehr gerne mache: sich vorstellen, wie das Leben verlaufen wäre, wenn man anders entschieden hätte. Oder wie es wäre, in einer anderen Situation zu sein. Das macht Spaß. Persönliche Songs sind dagegen nicht immer spaßig, weil sie oft mit belastenden Erfahrungen verbunden sind. Aber auch das wirkt heilsam – fast wie Selbsttherapie. Tagträumen wiederum kann auch gesund sein, weil es Empathie fördert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Literarischer Charakter des Albums</h2>



<p><strong>Ich fand interessant, dass das Album fast wie ein Buch aufgebaut ist. Es gibt einen Prolog, einen Epilog und in der Mitte Songs, die eine andere Rolle haben. Es wirkt sehr literarisch.</strong> <strong>War es von Anfang an so geplant? Wolltest du bewusst ein Album über Bücher machen, die dich inspirieren?</strong></p>



<p>Ja, das war der Gedanke. Ich wollte ein Album schreiben, das Bücher als Inspirationsquelle nutzt. Mich hat dieses Thema schon länger beschäftigt, und ich fand es spannend, daraus Songs zu entwickeln.</p>



<p>Der Aufbau mit Prolog und Epilog gibt dem Ganzen eine literarische Rahmung. Das hat mir gefallen, weil es die Verbindung zu Büchern noch deutlicher macht.</p>



<p>Es kam dann mit den ersten Songs. Also, es war nicht so, dass ich von Anfang an geplant habe: Ich mache jetzt ein Album und schreibe den ersten Song dafür. Ich habe einfach Songs geschrieben und gemerkt, da steckt viel Inspiration aus Büchern drin. Das kam automatisch, weil ich viel gelesen habe.</p>



<p>Als Kind habe ich super viel gelesen, das habe ich Anfang 20 ein wenig verloren. Irgendwie gab es immer anderes zu tun, ich habe plötzlich kaum noch gelesen. Vor ein paar Jahren habe ich mir dann als Vorsatz genommen, wieder mehr zu lesen – ungefähr ein Buch pro Monat. In dem Jahr habe ich so viel gelesen, dass ich dieses Hobby richtig wiederentdeckt habe.</p>



<p>Dadurch kamen die Songs, inspiriert von Geschichten, die ich gelesen habe. Dann entstand die Idee, daraus ein Konzept zu machen. Ich liebe Konzepte und kreative Leitfäden. Es gibt einem ein Ziel vor Augen und man kann überlegen: Hält das alles zusammen? Deswegen finde ich Alben so toll – sie sind ein eigener Kosmos. Mit Singles wäre das gar nicht möglich, alles so zu verbinden. Deshalb habe ich das Album aufgebaut wie ein Buch, mit Prolog und Epilog. Jemand sagte mal in einem Interview: Es sind wie kleine Kurzgeschichten. Das hat mir gefallen, weil die Songs zwar für sich stehen können, aber man auch denken kann, dass alle Erfahrungen von einer Person stammen, die dieses Album erlebt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wann ist ein Song fertig?</h2>



<p><strong>Woran merkst du, dass ein Song fertig ist? Wenn du im Prozess bist und merkst, da gibt es Inspiration aus Büchern – wann ist der Punkt erreicht, dass ein Song zu Ende erzählt ist?</strong></p>



<p>Das ist tatsächlich schwierig. Ich schreibe Songs meistens zuerst alleine, manchmal auch mit meinem Produzenten. Zuerst entsteht ein Song auf Akustikgitarre oder Klavier mit Gesang. Dann schreibe ich den Text, und ab da fühlt es sich abgeschlossen an – man könnte den Song so vorspielen.</p>



<p>Aber richtig fertig ist ein Song erst nach der Studioarbeit. Wenn die Produktion in eine Richtung geht, die sich richtig anfühlt, und es so klingt, wie man es sich vorgestellt hat. Spätestens wenn ich das Bedürfnis habe, jemand anderem die fertige Produktion zu zeigen, weiß ich: Jetzt ist der Song fertig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Live-Versionen: nah am Album oder ganz neu?</h2>



<p><strong>Und wie ist das dann live? Ist das nochmal ein neuer Prozess?</strong></p>



<p>Ja, schon. Mit voller Band ist es leichter, weil man näher an die produzierte Album-Version rankommt. Aber manchmal wollen wir Songs live anders arrangieren. Schwieriger ist es bei Solo-Auftritten: Songs, die ursprünglich auf Gitarre entstanden sind, funktionieren super akustisch. Aber wenn die Produktion später ganz anders geworden ist und ich diese Version viel stärker finde, fällt es mir schwer, sie wieder auf die ursprüngliche Form runterzubrechen. Dann spiele ich solo eher Songs, die akustisch besser funktionieren, und mit Band orientiere ich mich stärker am Album.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Songwriting als Handwerk</h2>



<p><strong>Ich finde spannend, dass Songwriting am Ende auch wie ein Handwerk wirkt. Wenn Songs sehr persönlich sind, hat man vielleicht ein Gefühl, aber die Worte fehlen. Oder man steckt in einer Geschichte, weiß aber nicht, wie man sie sprachlich fassen kann. Wie gehst du mit solchen Situationen um, wenn du merkst: Da ist etwas, aber die Worte fehlen?</strong></p>



<p>Ich bin recht geduldig. Für mich ist Songwriting wie ein Muskel. Nach dem Release des Albums war ich lange nicht kreativ, weil andere Themen wichtig waren – Live-Shows, Interviews. Wenn ich dann wieder Songs schreiben möchte, brauche ich ein paar Tage, um in den Modus zu kommen. Kreativ sein funktioniert bei mir nicht mit vollem Terminkalender. Es braucht Ruhe und manchmal auch Langeweile.</p>



<p><strong>Kannst du Langeweile gut aushalten?</strong></p>



<p>Schwierig, weil immer viel los ist. Aber es hilft enorm. Im Urlaub merke ich das oft: Erst wird mir langweilig, dann habe ich Lust, kreativ zu werden. So habe ich auch mit 12 oder 13 angefangen – mir war langweilig, also habe ich einen Song geschrieben.</p>



<p>Viele machen Songwriting-Trips. Am ersten Tag ist der Druck groß, man schreibt viel und findet es am nächsten Tag schrecklich. Aber wenn man den Stress loslässt, kommt man in den kreativen Modus. Dann bewerte ich weniger, schreibe einfach und nehme alles auf – am Klavier, beim Singen. Am nächsten Tag höre ich es mir an. Wenn es mich dann noch catcht, arbeite ich weiter. Wenn nicht, lege ich es weg.</p>



<p>So sammle ich viele Aufnahmen mit fertigen Melodien und Harmonien auf dem Handy. Dann entscheide ich: Welche Idee greife ich für einen Text auf? Manchmal entstehen schon beim Aufnehmen Kauderwelsch-Texte mit Brocken, die thematisch spannend sind. Das Unterbewusstsein macht da seinen Job.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Texte zwischen Leichtigkeit und Blockade</h2>



<p><strong>Und wenn das nicht passiert? Wenn dir die Worte fehlen – wie kommst du weiter?</strong></p>



<p>Dann überlege ich: Welches Gefühl löst die Melodie aus? Woran erinnert sie mich? Manchmal greife ich ein Thema auf, das mich beschäftigt. Manche Texte fließen leicht, andere sind super schwierig. Ich habe auch schon Songs im Produktionsprozess verworfen, weil die Texte nicht gut genug waren und ich es nicht geschafft habe, sie zu überarbeiten. Manchmal muss man einen Song einfach zur Seite legen und sagen: Das ist nicht der Richtige.</p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Das ist für mich die schönste Art zu lernen. Darum bedeutet der Begriff „üben“ für mich eher Arbeit. Wenn mich etwas catcht, will ich es können – und probiere es aus. Natürlich ist das auch Üben.&#8220;</p><cite>VINTER</cite></blockquote></figure>



<div style="height:54px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Kreativität anwerfen – was hilft dir?</h3>



<p><strong>Ich habe mehrere Nachfragen jetzt.</strong> [Lachen] <strong>Ich will einen Schritt nochmal zurückspringen: Du hast vorher gesagt, dass du ein paar Tage brauchst, um wieder kreativ zu werden. Abseits von Langeweile – gibt es etwas, was dir auf jeden Fall hilft? Wenn ich mir sage, ich muss jetzt kreativ werden, baut sich Druck auf. Was hilft dir, wenn du weißt: In den nächsten 14 Tagen steht wenig an, ich könnte Langeweile bekommen. Was hilft dir, um kreativ zu sein? Hast du da etwas?</strong></p>



<p>Für mich sind es Freunde treffen, Dinge unternehmen, Erlebnisse sammeln. Gespräche inspirieren mich zu Texten und Ideen. Außerdem höre ich viel Musik, schaue Live-Sessions auf YouTube, Interviews mit Künstler*innen, sehe Filme, lese Bücher – alles, was den kreativen Muskel aktiviert. Schon am Anfang hat mich ein gespielter oder gesungener Song so inspiriert, dass ich dachte: So möchte ich auch singen oder schreiben können. Dann probiere ich das. Manchmal sehe ich etwas und denke: So habe ich noch nie gesungen – das teste ich. Oder: Diese Stimmung in einem Song finde ich cool – in die Richtung schreibe ich jetzt. Am besten funktioniert es für mich, viel Kunst zu konsumieren. In Kombination mit Freundschaften, Community, einem schönen Alltag – dann gehe ich nach Hause, habe Zeit für mich und Lust, kreativ zu werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Exploratives Lernen statt „Üben“</h2>



<p><strong>Das erinnert an die Tina-Dico-Gitarrenspielart, die dich früher inspiriert hat: dieses Explorative, Spielerische – ohne Druck, dass etwas entstehen muss. Hast du dir das bewusst als kreatives Werkzeug erhalten?</strong></p>



<p>Ja, auf jeden Fall. Das ist für mich die schönste Art zu lernen. Darum bedeutet der Begriff „üben“ für mich eher Arbeit. Wenn mich etwas catcht, will ich es können – und probiere es aus. Natürlich ist das auch Üben. Ich sage im Unterricht: Alles, was ihr singt, ist Üben – auch wenn ihr nur mitsingt. Das trainiert Muskel, Gehirn und Gehör. Es gibt Übungen, die man macht, weil man z. B. auf der Gitarre die Finger trainieren muss – das ist für mich Arbeit. Aber etwas, das mich inspiriert und das ich lernen möchte, hat sich nie nach Üben angefühlt. Das hat etwas Kindliches – und das finde ich gut, es mir als Künstlerin zu bewahren.</p>



<p><strong>Ja, auf jeden Fall.</strong></p>



<p>Ich habe es heute deutlich weniger als früher, weil die Zeit fehlt, einfach YouTube zu durchstöbern. Als Teenie habe ich unendlich viele Sessions geschaut – Studiosessions, Outdoor-Walking-Sessions meiner Lieblingsartists – und ständig neue Songs entdeckt. Heute muss ich mir diese Zeit bewusst nehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ist Songwriting ein Handwerk?</h2>



<p><strong>Würdest du die These unterschreiben, dass Songwriting ein Handwerk ist?</strong></p>



<p>Auf jeden Fall.</p>



<p><strong>Und: Musst du das jeden Tag üben?</strong></p>



<p>Nicht jeden Tag. Wenn ich wieder neue Songs schreiben möchte, brauche ich Zeit, um reinzukommen. Pausen tun mir gut. Wenn ich täglich schreibe, drehe ich mich irgendwann im Kreis. Ich brauche Ruhephasen, in denen ich neue Musik konsumiere.</p>



<p>Mein Songwriting hat Phasen: Manchmal habe ich ein Fable für eine bestimmte Akkordfolge; auf dem jetzigen Album habe ich viel leise zu Hause geschrieben, bin oft hoch gegangen – falsettige Klangfarben haben mich inspiriert. Pausen ermöglichen neue Phasen und neue Einflüsse, sodass die Songs anders klingen. Das ist spannender, als täglich um mich selbst zu kreisen. Ich muss den Blick weg von mir richten, um wieder zu mir zu kommen und Neues zu schaffen – nicht immer denselben Song zu schreiben.</p>



<figure class="wp-block-pullquote"><blockquote><p>&#8222;Ich muss den Blick weg von mir richten, um wieder zu mir zu kommen und Neues zu schaffen.&#8220;</p><cite>VINTER</cite></blockquote></figure>



<div style="height:49px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Schöner Gedanke: von sich weg- und über den Blick von außen wieder zu sich finden. Wenn du von Pausen sprichst – meint das, dass andere Projekte in der Zeit Vorrang haben? Du unterrichtest, warst Vocal Coach für das Musical „Qudam 59“. Pause heißt also nur: kein aktives Songwriting. Es ist keine Langeweile, konkret.</strong></p>



<p>Nee, genau – es ist keine Pause im Sinne von Nichtstun. Genauso habe ich Pausen, in denen ich nicht täglich Gesang übe. Ehrlich gesagt bin ich beim Gesang etwas faul. In Phasen ohne Gigs übe ich nicht jeden Tag, weil kein Ziel ansteht. Ich singe im Alltag viel – auch beim Unterrichten, man muss viel vormachen – und summe vor mich hin. Aber ich übe nicht immer aktiv. Das fühlt sich wie eine Pause an.</p>



<p><strong>Das heißt, einen typischen Übealltag hast du nicht als feste Routine?</strong></p>



<p>Nein, tatsächlich nicht. Ich habe oft überlegt, es einzuführen und mich gefragt, wohin meine Stimme käme, würde ich täglich üben. Aber ich rafffe mich nicht auf. Fürs Release-Konzert habe ich drei Monate vorher regelmäßig geübt und einen Monat vorher jeden Tag intensiv an den Songs gearbeitet. Danach merke ich, wie anstrengend das war, und brauche eine Pause. Es hat sich nie als feste Routine etabliert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Üben früher und heute</h2>



<p><strong>Gab es Phasen, in denen du bewusst mehr geübt hast – abseits von Studium und -vorbereitung? Ist dein Üben seit Studienende eher weniger geworden?</strong></p>



<p>Nein. Im Studium habe ich vermutlich weniger geübt. Klar habe ich Songs geübt, weil im Unterricht neues Repertoire kam. Meine Gesangslehrerin legte den Fokus stark auf Repertoire und Songwriting – sie wollte mich als Künstlerin formen, nicht jede Technik, damit ich alles singen kann. Beim Gesang stellt sich die Frage: Will man alles können – oder lieber ein eigenes Profil haben und die eigene Richtung sehr gut können? Es gibt Dinge, die ich nie brauchte. Setze ich mich hin, kann ich sie lernen, aber wenn man Dinge nie anwendet, verlernt man sie schnell. Mein Gesangskönnen basiert auf Musik, die ich viel gehört habe, mitgesungen oder gecovert habe – und auf Jobs. In Coverbands war das Programm teils außerhalb meiner Range; dann musste ich üben. Mit einem Monat intensiven Übens komme ich hin, erweitere die Range. Singe ich danach nur meine eigenen Songs mit anderem Ansatz, verlerne ich das wieder.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Üben und Songwriting keinen Spaß machen</h2>



<p><strong>Ich habe eine Frage eines anderen Gasts (Antonia Schreiber) mitgebracht – ohne zu wissen, wer sie bekommt. Es geht ums Üben, ergänzt aufs Songwriting: Gab es Zeiten, in denen dir Üben und Songwriting weniger Spaß gemacht haben? Falls ja: Wie hast du den Spaß wiedergefunden? Wenn ich dir so zuhöre, wirkst du sehr gesund im Umgang – nicht übertrieben.</strong></p>



<p>Es gab Phasen, in denen es mir keinen Spaß gemacht hat. Vor allem als Teenie, in der Schulzeit, habe ich mir viel Druck gemacht. Musik war mein großes Hobby – aber eben noch Hobby. Das hat Druck ausgelöst: Es muss mir doch immer Spaß machen, ich muss mehr schreiben. Ich habe sehr wenige Songs geschrieben – ein neuer Song war etwas Besonderes, und vielleicht blieb es dann ein halbes Jahr oder ein Jahr bei diesem einen. Ich hatte ein kleines Programm an eigenen Songs und dachte: Als Songwriterin muss man schneller schreiben. Dieser Druck hat Spaß genommen. Das zog sich etwas ins Studium.</p>



<p>Irgendwann habe ich das Handwerk besser verstanden und mehr Tools bekommen: Wenn ich beschließe, heute einen Song zu schreiben, kriege ich das hin. Es ist nicht immer der beste oder mein Lieblingssong, gerade wenn ich mich zwinge – aber es geht. Früher brauchte ich Inspiration: Etwas belastet mich, etwas fühlt sich stark an – das muss in einen Song. Hatte ich dieses Bedürfnis nicht, entstand Druck. Heute bin ich entspannter. In jüngster Zeit hatte ich das nicht mehr so intensiv. Ich freue mich auf Phasen, in denen ich fürs Release-Konzert übe. Darauf freue ich mich total. Es macht Spaß, zu sehen, wie gut ich bis zum Gig werden kann. Üben schafft Struktur: Ich plane zwei, drei Stunden, mache erst das, dann Pause, Stimme entspannen – bei Stimme muss man aufpassen. Das macht mir heute Spaß.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Druck rausnehmen: Schlechte Tage sind erlaubt</h2>



<p><strong>Hast du dann mit diesen Tools auch überwunden, an einem Tag einen Song fertigzustellen?</strong></p>



<p>Ja, ich glaube, ich nehme mich da vielleicht weniger wichtig, in Anführungsstrichen. Es ist dann im schlimmsten Fall einfach ein schlechter Song. Dann hatte man einen schlechten Tag oder hat sich verlaufen. Aber beim Songwriting greift es nicht mehr mein Selbstwertgefühl an. Es nervt vielleicht: Warum ist der Song schon wieder einer, der mir nicht gefällt? Doof. Aber ich denke nicht: Du bist eine schlechte Songwriterin.</p>



<p>Es gibt eher Fälle, in denen ich auf einen Song zurückblicke und denke: Wow, wie habe ich das gemacht? Songwriting ist auch Magie. Man weiß nicht immer, wie etwas entstanden ist: Wo kam diese Melodie her, diese Akkordfolge, untypisch für mich? Bei solchen Songs bin ich danach manchmal stutzig: Wie habe ich das hinbekommen – schaffe ich das nochmal? Dass ich Songs schreiben kann, auf jeden Fall. Aber es gibt vereinzelte, die für mich herausstechen, die ich besonders mag, die besonders gut gelungen sind. Manchmal ist da die Angst: Kriege ich das nochmal hin?</p>



<p><strong>Macht dir das Angst?</strong></p>



<p>Das habe ich nicht jeden Tag, aber die Gedanken tauchen auf. Meistens klappt es im Prozess, dass ich wieder einen Song schreibe, von dem ich genauso überzeugt bin. Dann bin ich wieder beruhigt – für eine Zeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schreib-Workout: Mindmap mit Ort und Thema</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Vinters Songwriting Übung</h3>



<p><strong>Ich wäre neugierig auf eine Songwriting-Übung. Hast du eine, die du verraten kannst?</strong></p>



<p>Auf jeden Fall. Ich glaube, die kommt aus einem Buch; ich habe sie von jemandem bekommen. Fürs Texten ist sie sehr cool: Ich überlege mir zwei Begriffe (ich schreibe auf Englisch) – meistens einen Ort und ein Thema – und mache richtig schulmäßig eine Mindmap. Ich umkreise die Begriffe und schreibe fünf bis zehn Minuten (Timer stellen) alle Begriffe auf, die mir dazu einfallen. Danach streiche ich, was mir nicht gefällt – zu kitschig oder nicht schön – und schreibe mir Begriffe raus, die ich gut finde.</p>



<p>So habe ich einige Texte geschrieben: ein Pool von Worten, die einem Thema und einem Ort zugeordnet sind. Man hat automatisch eine Welt, einen Rahmen: Wo findet es statt? Worum geht es? Daraus kann man super eine Geschichte entwickeln.</p>



<p><strong>Okay, wir nehmen Paris. Es ist Hochsommer, 32 Grad. Wir nehmen Eis.</strong></p>



<p>Eis wäre für mich ein Unterpunkt von Paris – also etwas Örtliches. Thema wäre Liebeskummer.</p>



<p><strong>Okay.</strong></p>



<p>Eher ein Gefühlsthema oder etwas, das in der Szenerie passiert – nicht nur ein Wort, sondern eine Handlung, die man damit verbinden kann. Politische Themen gehen auch: Umweltverschmutzung, wenn man aktivistischer schreibt. Wichtig ist, zwei Begriffe zu haben, die wenig miteinander zu tun haben, die zusammen ein neues Bild erzeugen.</p>



<p><strong>Ich kann mir gut vorstellen, dass man den Muskel trainiert, kreativ mit Sprache umzugehen – eine Challenge: Paris und Umweltschutz. Man füllt die Mindmap und baut daraus Sätze, die Sinn machen und im besten Fall eine Story transportieren.</strong></p>



<p>Genau. Es ist zunächst dazu da, kreativ zu werden. Am Ende kann man sagen: Der Text ist nicht großartig, aber zwei, drei Zeilen sind richtig schön. Dann nimmt man die und vergisst den Rest – und baut darauf etwas Neues. Das hilft mir sehr, wenn ich noch keinen Ansatz für ein Thema habe oder der Funke fehlt, der automatisch zu vielen Zeilen führt.</p>



<p><strong>Das finde ich spannend. Vielen Dank fürs Teilen.</strong></p>



<p>Gerne.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lernen, Loslassen, Vertrauen</h2>



<p><strong>Wir könnten stundenlang über Songwriting reden. Mit Blick auf die Uhr habe ich zwei Abschlussfragen, die ich allen Gästen stelle. Was lernst oder übst du gerade, was du noch nicht so gut kannst? Das muss nicht musikalisch sein.</strong></p>



<p>Gute Frage. Beim Gesang bin ich noch nicht im Lernprozess, eher im „Ich will anfangen“. Ich habe lange im Kopf, mir dafür Zeit zu nehmen: Vocal Runs – à la Mariah Carey, dieses schnelle Verzierungen. Das ist das Gegenteil meiner Stimmengebung. Ich habe diese Richtung nie gehört, bei mir war es Indie, eher straight, Fokus auf Stimmsound und eigen klingende Stimmen, weniger darauf, die Stimme wie ein Instrument in allen Lagen zu führen und eine riesige Range zu haben. Das würde ich gerne intensiver angehen. Das lernt man nicht über Nacht, es ist ein großes Thema.</p>



<p>Was ich gerade lerne: Kontrolle abzugeben und geschehen zu lassen. Ich habe gerne Kontrolle, Struktur, Ordnung. Ich übe, darauf zu vertrauen, dass Dinge klappen, sich fügen, sich Türen öffnen, wenn man geduldig ist und nicht alles sofort kontrolliert.</p>



<p><strong>Wenn du auf dein jüngeres Ich schaust – Erstsemester Musikstudium oder die Zeit, in der du dir zu viel Druck gemacht hast: Welcher Tipp hätte dir damals geholfen?</strong></p>



<p>Mehr auf mich selbst hören, auf mein Bauchgefühl. Im Studium gibt es viele Meinungen. Ich hatte großes Glück mit meiner Gesangslehrerin: Sie ließ mich ich sein, half, ohne mich zu verändern. In anderen Fächern fühlte ich mich in Schubladen gesteckt. Dozierende wollten mehr Modulationen in meinen Songs, Modal Interchange. Ich habe krampfhaft versucht, Songs mit Modal Interchange zu schreiben – es war nicht ich. Ich weiß noch den Moment, als ich sagte: Es ist mir egal, ich kann das nicht mehr. Ich habe einfach gespielt – nach langer Zeit entstand ein Song, den ich richtig schön fand. Super simpel, wahrscheinlich vier Akkorde, kein Modal Interchange – und er gefiel mir.</p>



<p>Da habe ich gemerkt: Es ist Geschmacksfrage. Nicht jeder will Songs mit Modal Interchange hören. Wenn es aus mir heraus passiert, ist es okay. Aber ich muss es nicht krampfhaft einbauen, weil es jemand sagt. Das würde ich meinem jüngeren Ich raten: mehr auf mich hören und darauf vertrauen, dass das, was ich mache, okay ist.</p>



<p><strong>Das finde ich super schön. Nicola, herzlichen Dank, es hat großen Spaß gemacht.</strong></p>



<p>Vielen Dank dir, es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Interessante Fragen, interessantes Thema. Danke schön.**</p>
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		<title>Buchtipp: Smart Practicing</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Patrick Hinsberger]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Sep 2025 09:28:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Must Read]]></category>
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					<description><![CDATA[Das 2020 bei Edition Dux erschienene Buch Smart Practicing von Christian Tschuggnall und Markus Ehrlich verspricht nicht weniger, als Musiker*innen einen intuitiven Zugang zum Thema Improvisation und Üben zu eröffnen. In Kombination mit einer eigens entwickelten App bietet es einen modernen, praxisnahen Ansatz, der gleichermaßen für Anfängerinnen wie für fortgeschrittene Musiker*innen geeignet ist. Breiter Improvisationsbegriff&#8230;&#160;<a href="https://what-is-practice.de/must-read/buchtipp-smart-practicing/" class="" rel="bookmark">Weiterlesen &#187;<span class="screen-reader-text">Buchtipp: Smart Practicing</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg07.met.vgwort.de/na/d967bd82e38142fba594e513a4c0a6b8" width="1" height="1" alt="">



<p>Das 2020 bei <strong>Edition Dux</strong> erschienene Buch <em>Smart Practicing</em> von <strong>Christian Tschuggnall</strong> und <strong>Markus Ehrlich</strong> verspricht nicht weniger, als Musiker*innen einen intuitiven Zugang zum Thema <strong>Improvisation</strong> und<strong> Üben</strong> zu eröffnen.<em> </em>In Kombination mit einer eigens entwickelten <strong>App</strong> bietet es einen modernen, praxisnahen Ansatz, der gleichermaßen für Anfängerinnen wie für fortgeschrittene Musiker*innen geeignet ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Breiter Improvisationsbegriff statt Jazz-Fokus</strong></h2>



<p>Gleich zu Beginn fällt besonders positiv auf, dass <em>Smart Practicing</em> einen <strong>weiten Improvisationsbegriff</strong> anstrebt. Während viele Improvisationsbücher fast ausschließlich auf den <strong>Jazz-Kontext</strong> abzielen, öffnet dieses Buch den Blick explizit auch in andere Genres (wie zum im Pop und in der Klassik). Dort wird Improvisation nach wie vor praktiziert – allerdings oft mit einem anderen Zugang. Der Verzicht auf übermäßig komplexe Konzepte zu Beginn verhindert, dass Einsteiger*innen überfordert werden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://www.stretta-music.de/tschuggnall-ehrlich-smart-practicing-nr-766275.html?afl=c4ec0bd3df06caaeac72f2d973b30bae"><img loading="lazy" decoding="async" width="1500" height="1500" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing.jpg" alt="" class="wp-image-7273" style="width:500px" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing.jpg 1500w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing-768x768.jpg 768w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing-150x150.jpg 150w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing-70x70.jpg 70w" sizes="auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px" /></a></figure>
</div>


<div class="wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-16018d1d wp-block-buttons-is-layout-flex">
<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link wp-element-button" href="https://www.stretta-music.de/tschuggnall-ehrlich-smart-practicing-nr-766275.html?afl=c4ec0bd3df06caaeac72f2d973b30bae">Smart Practicing bei Stretta Music ansehen</a></div>
</div>



<p style="font-size:7px">Wenn du das Buch über diesen Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision (ca. 10%) – für dich bleibt der Preis gleich. Du unterstützt damit direkt meine Arbeit. Vielen Dank dafür! <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>



<div style="height:43px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Buch und App: Ein stimmiges Gesamtkonzept</strong></h3>



<p>Ein großes Plus von <em>Smart Practicing</em> ist das Zusammenspiel von <strong>Buch und begleitender App</strong>.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die App lässt sich individuell auf unterschiedliche <strong>Schwierigkeitsstufen</strong> einstellen.</li>



<li>Theorie und Praxis greifen nahtlos ineinander.</li>



<li>Übungen werden durch <strong>interaktive Elemente</strong> verständlicher und motivierender.</li>
</ul>



<p>So wird die App nicht nur zum Beiwerk, sondern zum gleichwertigen Partner des Buches.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Intuitives Üben mit Spaßfaktor</strong></h3>



<p>Schon die Einführung des Buches überzeugt: Sie holt Anfänger*innen ab, vermittelt nützliche Tipps und macht Lust auf den direkten Einstieg. Statt trockener Theorie stehen <strong>Spielspaß</strong> und <strong>intuitives Ausprobieren</strong> im Vordergrund.</p>



<p>Ein Highlight für mich ist der Einstieg mit einem <strong>Drum Beat</strong> statt klassischen Akkordfolgen. Die Botschaft: Alles ist möglich, es gibt keine falschen Töne! Dieser Ansatz erinnert an das Konzept der <strong><a href="https://what-is-practice.de/aus-der-wissenschaft/audiation-wie-haengen-musik-und-sprachlernen-zusammen/" data-type="post" data-id="3667">Audiation</a></strong> von <strong>Edwin Gordon</strong>: Erst steht das auditive Verstehen im Zentrum, Theorie und Benennungen folgen später. Dadurch entsteht ein spielerischer Zugang, der auch musikalische Hemmungen abbaut.</p>



<div style="height:26px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<h4 class="wp-block-heading">Mehr zur Audiation:</h4>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<ul class="wp-block-list">
<li><strong><a href="https://what-is-practice.de/wie-uebt-eigentlich/audiation/" data-type="post" data-id="6636">Interview mit Prof. Almuth Süberkrüb</a></strong></li>



<li><strong><a href="https://what-is-practice.de/must-read/in-12-musik-bucher-durch-das-jahr-2023/" data-type="post" data-id="6257">Wie hängen Sprachen- und Musiklernen zusammen</a></strong></li>



<li><strong><a href="https://what-is-practice.de/must-read/buchtipp-music-step-by-step/" data-type="post" data-id="6113">Buchtipp: Step by Step</a></strong></li>
</ul>
</div>
</div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:37px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verständliche Einführung musikalischer Konzepte</strong></h2>



<p>Die Autoren führen Schritt für Schritt an zentrale Improvisationskonzepte heran – wie zum Beispiel <strong>Chromatic Approach</strong>. Dabei gelingt es, auch komplexere Inhalte in eine einfache, gut nachvollziehbare Sprache zu übersetzen. Gerade für Einsteiger*innen ist das ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen Improvisationsbüchern.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="510" height="57" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png" alt="Rastergrafik" class="wp-image-4353" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik.png 510w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-300x34.png 300w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-260x29.png 260w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-50x6.png 50w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-150x17.png 150w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-500x57.png 500w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2022/02/Rastergrafik-190x21.png 190w" sizes="auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px" /></figure>
</div>


<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="420" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/04/10-uebe-gebote_web.jpg" alt="Ein Poster mit dem Titel „MEINE 10 ÜBE-GEBOTE“. Darunter folgen zehn Tipps für effektives Üben eines Musikinstruments, nummeriert von 1 bis 10. Die Tipps beinhalten Empfehlungen wie geduldig mit sich selbst zu sein, ausreichend Pausen zu machen, auf Klangdetails zu achten, Wiederholungen zu reduzieren, Klang und Technik zu verbinden, Übezeiten zu planen, Aufnahmen zur Kontrolle zu nutzen, langsam zu üben, auf eine entspannte Körperhaltung zu achten und Erfolge bewusst wahrzunehmen. Am unteren Rand befinden sich das Logo von &quot;whipr.&quot; und ein QR-Code." class="wp-image-6976"/></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div style="height:57px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Verbesserungspotenzial: Mehr Songempfehlungen</strong></h3>



<p>So überzeugend <em>Smart Practicing</em> in vielen Punkten ist, bleibt ein kleiner Wermutstropfen:</p>



<p>Die App enthält zwar <strong>Hörbeispiele für einzelne Phrasen</strong> – etwa, um den Unterschied zwischen <strong>laid back</strong> und <strong>up front Spielweise</strong> erlebbar zu machen. Doch zusätzliche <strong>konkrete Songempfehlungen</strong> würden den spielerischen Ansatz wunderbar ergänzen. Sie könnten helfen, das Gehör noch stärker zu schulen und den Transfer in den musikalischen Alltag zu erleichtern.</p>



<div style="height:39px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein wertvoller Begleiter für improvisierende Musiker*innen</strong></h2>



<p>Mit <em>Smart Practicing</em> ist Christian Tschuggnall und Markus Ehrlich ein <strong>zeitgemäßes Einstiegswerk</strong> gelungen, das zeitgemäß und intuitiv in die einführt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kompakt zusammengefasst:</h3>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Stärken des Buches:</strong></h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>gelungenes Zusammenspiel von Buch &amp; App</li>



<li>Einsteigerfreundliche Einführung ins Thema und die Arbeitsweise mit dem Buch</li>



<li>Fokus auf Spielspaß </li>



<li>klare Vermittlung einfacher Konzepte</li>
</ul>



<p><strong>Verbesserungsidee:</strong> Mehr Songempfehlungen zur Ergänzung der App.</p>



<p>Wer <strong>Improvisation lernen</strong>, seine <strong>Übepraxis verbessern</strong> oder schlicht neue Inspiration für den eigenen musikalischen Alltag sucht, findet in <em>Smart Practicing</em> ein vielseitiges, inspirierendes Werkzeug.</p>



<div style="height:35px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Auf einen Blick</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.stretta-music.de/tschuggnall-ehrlich-smart-practicing-nr-766275.html?afl=c4ec0bd3df06caaeac72f2d973b30bae"><img loading="lazy" decoding="async" width="1500" height="1500" src="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing.jpg" alt="" class="wp-image-7273" srcset="https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing.jpg 1500w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing-768x768.jpg 768w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing-150x150.jpg 150w, https://what-is-practice.de/wp-content/uploads/2025/09/smartpracticing-70x70.jpg 70w" sizes="auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p><strong>Sprache:</strong>&nbsp;Deutsch<br><strong>Verlag:</strong>&nbsp;Edition Dux<br><strong>Umfang:</strong>&nbsp;114 Seiten<br><strong>Für wen:</strong>&nbsp;Alle, die gerne mit einem leichten und intuitiven Zugang in die Improvisation starten möchten<br><strong>Sonstiges:</strong>&nbsp;Inklusive iOS App</p>



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</div>
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